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schreibidee (296)

eine fundgrube für geschichten sind die orte, an denen viele menschen aufeinandertreffen und in kommunikation treten. dies kann an parteitagen, auf demonstrationen oder auch in grossraumwagen der züge sein. doch am reichhaltigsten sind die momente, in denen die menschen, die aufeinander treffen auch noch recht entspannt sind: bei parties. und wenn man dann gerade daran sitzt, dialoge schreiben zu wollen, dann sollte man einfach gut zuhören. hier eine schreibanregung zu „party-geplapper„.

am besten gestaltet man das schreibgruppentreffen zu einem kleinen stehempfang. wenn die teilnehmerInnen eintreffen, bekommen sie erst einmal ein gläschen sekt oder orangensaft, es stehen häppchen bereit und im hintergrund läuft unterhaltsame musik. wenn die schreibgruppe nachfragt, kann man sagen, es gäbe etwas zu feiern, man würde noch darauf zurückkommen. diese kleine stehparty kann man eine viertelstunde oder noch ein wenig länger stattfinden lassen. dann fordert man die teilnehmerInnen auf, bitte platz zu nehmen, und ohne lang zu überlegen, notizen zu machen, über was sie sich mit den anderen unterhalten haben und mit wem sie sich unterhalten haben.

erst jetzt wird eröffnet, dass es in diesem schreibgruppentreffen um den gepflegten smalltalk auf parties gehen wird. nun sollen die schreibenden versuchen, einen dialog, den sie geführt haben, niederzuschreiben. er sollte möglichst so unverkrampft klingen, wie er stattgefunden hat. vorab wird mitgeteilt, dass der dialog nicht vorzulesen ist, da es zu sehr persönlichen äußerungen gekommen sein kann. es geht eher darum den lockeren klang in schriftform zu bekommen, so dass er auch vorgelesen erkennbar wird.

im anschluss notieren sich die teilnehmerInnen drei veranstaltungen, bei denen menschen unverkrampft aufeinander stoßen. dies können partys aber auch vernissagen oder bierzelte sein. die veranstaltungen werden in der schreibgruppe kurz vorgestellt. aus allen veranstaltungen wählen sich die schreibenden jeweils eine aus – und beginnen ein gespräch (zu notieren). das gespräch muss nicht zwischen zwei personen stattfinden, es können auch mehrere beteiligt sein. alle sollten eine längeres „party-geplapper“ notieren. worum könnte es gehen, wer trifft aufeinander und was sind das für charaktere, die aufeinandertreffen? dies ergibt sich alles aus dem gespräch, das zum abschluss vorgetragen wird und es findet eine feedbackrunde statt. in dieser runde wird vor allen dingen betrachtet, wie gut der unverkrampfte tonfall getroffen wurde.

zum schluss kann die stehparty vom anfang wieder aufgenommen werden und noch ein vergnüglicher abschluss stattfinden, der vielleicht stoff für den nächsten geschriebenen dialog bietet.

nabelschau (16)

der aufdringliche nachbar. der alltag ist voller kleiner begebenheiten, die von großer schlagfertigkeit und seltsamen verhaltensweisen zeugen. und manches mal könnte man vor lachen auf dem boden liegen.

neulich beim discounter bei dem versuch einen einkaufswagen aus der kette zu lösen, wurde überschwenglich eine frau, bepackt mit einkaufstaschen, von ihrem nachbarn begrüsst, wie dem lauten gespräch zu entnehmen war. er wollte smalltalk führen, sie wollte schnell weg. doch es fiel ihr schwer die flucht zu ergreifen und so redete er sie fest, während diverse kunden versuchten, an ihnen vorbei an einen einkaufswagen zu kommen.

endlich im geschäft, diverses aus den regalen genommen, kam es zu einem zweiten gespräch des vormaligen nachbarn. er traf eine weitere nachbarin, mutter mit kleinem sohn, nicht älter als sechs jahre. auch hier wieder der versuch des mannes, einen smalltalk zu beginnen. wie das erwachsene so tun, erkundigte er sich erst nach dem werten befinden. dann kam die überflüssige frage, da allein die anwesenheit im discounter schon die antwort gab: „so, sind sie einkaufen mit ihrem sohn?“.

als keine ausführliche reaktion zustande kam, der nächste versuch, mehr ins gespräch zu kommen. „hat er denn schon eine freundin?“ auch eine frage, die erwachsenen gern über die lippen kommen. die mutter, sichtich genervt: „den interessieren keine mädchen. der steht nur auf jungs.“. eine pause entstand und mit unsicherer stimme meinte der mann nur noch „aha!“ und damit war das gespräch beendet. diese episode verdiente das label „antworten die entwaffnen können!“ und meinereiner schob schnell seinen einkaufswagen weiter kurz vor dem platzen vor innerlichem lachkrampf. ein wenig in den discounter gehen und der tag bekommt schon ein freundliches gesicht.

schreibpädagogik und party

schreibgruppen haben oft ein sehr ähnliches setting. sie benötigen einen mehr oder weniger ansprechenden raum, der sitzgelegenheiten und tische zum schreiben bietet. manchmal wird für schreibanregungen der raum verlassen, man begibt sich in die natur oder an öffentliche orte, beobachtet und schreibt.

eine alternative, die selten genutzt wird, ist es eine party zu veranstalten oder aufzusuchen. eine selbst organisierte party von schreibgruppen könnte zum beispiel vollständig einem motto gewidmet sein. dies kann einhergehen mit verkleidungen der teilnehmerInnen, dem motto angemessen, und vor allen dingen mit schreibspielen, die auf der party veranstaltet werden. so eine schreibparty könnte zum beispiel bei der arbeit mit kindern und jugendlichen eine anregung sein, sich dem schreiben spielerisch anzunähern.

aber auch für erwachsene kann eine schreibparty eine neue erfahrung sein. alle schreibgruppenteilnehmerInnen können noch bekannte und partnerInnen mitbringen. es wird sich auf der party nicht unterhalten, sondern der smalltalk wird aufgeschrieben, dialoge also beständig verfasst. zu den am buffet ausgewählten köstlichkeiten ist eine kurze geschichte zu verfassen oder man bietet auf einer party einen extra schreibraum, in den sich die menschen mit schreibideen zurückziehen können. so wie sich meist gäste im laufe der zeit in der küche versammeln, so könnte es dieses mal im schreibraum sein.

es ist aber auch vorstellbar mit stift und papier, eine party zu besuchen. dort werden nur kurz notizen gemacht, zu kleinen begebenheiten, zu personen oder zur stimmung. erst wenn man anschließend zuhause ist, werden die schreibanregungen herangezogen und eine geschichte geschrieben. das wäre wie oben erwähnt aber nur ein öffentlicher schreibort. da erscheint eine selbstorganisierte party attraktiver.