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schreibidee (383)

im nachlass mancher menschen, die mit schriftstellerInnen oder anderen künstlerInnen befreundet waren, fanden sich zum beispiel neben tagebüchern, stapelweise aufgehobene briefe oder postkarten, die einen außergewöhnlichen inhalt hatten. entweder waren sie besonders gestaltet oder sie enthielten gedichte und kleine texte, manchmal auch an vorherige schreiben anschließend. ähnliches in der schreibanregung zu „fortsetzungsgeschichten“.

die schreibidee (55) beschreibt schon die möglichkeit, einen postkartenroman zu verfassen. doch hier soll noch ein wenig weiter gegangen werden. die möglichkeit der variation ist beinahe unerschöpflich.
als einstieg werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, sich zumindest den anfang einer geschichte auszudenken, den sie anderen menschen schicken würden (sie können sich auch gleich den ganzen plot überlegen, aber auch versuchen die wendungen der geschichten spontan entstehen zu lassen. die ideen werden in der schreibgruppe nicht vorgestellt.

anschließend werden postkarten an alle teilnehmerInnen ausgegeben, um ein gespür für die mögliche länge der einzelnen textabschnitte zu geben. der anfang der geschichte wird zum beispiel auf drei postkarten notiert. die texte werden in der schreibgruppe kurz ohne feedbackrunde vorgestellt. dann wird durchgezählt, wie viele worte auf einer postkarte platz finden, um später für sich selbst einen anhaltspunkt zu haben. die zahlen werden notiert. nun wird ein text mit abschnitten geschrieben, die die durchschnittliche zahl an worten, die platz auf postkarten finden, haben. dabei sollte darauf geachtet werden, dass der schluss eines abschnitts neugierig macht auf den nächsten. das mag nicht immer gehen, aber fortsetzungsgeschichten haben normalerweise einen „cliffhanger“, der das interesse am geschehen fördert. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine kurze feedbackrunde statt, in der vor allen dingen auf die tauglichkeit der cliffhanger geschaut wird.

nun wird die geschichte abermals etwas verdichtet und umgeschrieben, um sie dem format von tweets und sms anzupassen. dafür gibt es einen vordruck, der platz für 140 zeichen gibt (dies ist die maximale länge von twitter-nachrichten). die zeichen kann man in die vorlage einfügen und falls lust besteht, können gleich sms mit der fortsetzungsgeschichte versendet werden. hier erweitert sich durch die digitale technik der spielraum: denn im gegensatz zur längeren zeitlichen unterbrechung beim versenden von postkarten, kann per sms oder twitter leicht zu zweit an einer fortsetzungsgeschichte geschrieben werden. dies funktioniert nach dem ping-pong-prinzip zwischen zwei personen. immer wenn die person, die mit dem weiterschreiben an der reihe ist, zeit hat, sendet sie eine weitere fortsetzung der geschichte. das kann man gleich einmal in der schreibgruppe durch jeweilige handy-kontakte ausprobieren.

bevor in der schreibgruppe weitere variationen der fortsetzungsgeschichten aufgezeigt werden, werden die schreibenden eingeladen, sich gedanken zu machen, wem sie denn gern postkarten oder sms zukommen lassen möchten. auf einer halben seite wird notiert, warum genau dieser person die fortsetzungsgeschichte geschickt werden soll. die gründe werden nicht vorgetragen.

natürlich kann man diese schreibidee auch per mail, per fax, in kleinen animationen oder als handyvideo umsetzen. man kann per blog, twitter oder facebook mit der geschichte an die weltöffentlichkeit gehen. man kann fortsetzungen zu dritt zu viert oder zu tausenden schreiben (dies geschieht zum beispiel in manchen online-rollenspielen). man kann letztendlich geschichten erstellen, die verzweigt und mit offenem ausgang versehen sind (doch hierzu bedarf es fortgeschrittener programmierfähigkeiten – siehe http://spectregame.com/ (ein interaktiver flash-film)). fortsetzungen sind für die empfänger ein schönes, andauerndes geschenk.

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schreibidee (343)

früher, als es das internet noch nicht gab, also in zeiten als unser leben noch vor der haustür ablief, da war mensch eher gefragt, seinen bedenken und unsicherheiten gegenüber zu treten, sie zu überwinden und allen mut zusammen zu nehmen, wenn er sich jemandem annähern wollte. dies geschah im beruf, auf parties oder in der schule. einzig das telefon hatte man zur hilfe, doch dies auch nur, wenn man sich in seiner wohnung aufhielt und die andere person sich in ihrer wohnung aufhielt. heute geschieht dies oft auf etwas distanzierterem weg. es wird viel digital geschrieben. darum als schreibanregung das verfassen von „digitalen annäherungstexten“.

um der digitalen vielfalt auch bei den schreibanregungen raum zu geben, sollen verschiedene varianten ein und derselben situation verfasst werden. stellen sie sich vor, sie sind einem menschen im alltag begegnet, kurz ins gespräch gekommen und hin und weg. diesen menschen werden sie in absehbarer zeit nicht mehr treffen, haben aber seine oder ihre kontaktdaten und wollen sich annähern. je nach verbindungsmöglichkeiten soll von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein versuch der kontaktaufnahme formuliert werden. zum einen per twitter oder sms (maximal 140 zeichen), dann eine erste äußerung im chat, eine mail und als kontrast die altmodische form eines briefs. die annäherungstexte, auch wenn sie kurz sind, sollten jeweils auf einem gesonderten zettel notiert werden.

nun wird die schreibidee zu zweit in der gruppe weitergeführt. ihre zettel tauschen die teilnehmerInnen. aufgabe ist es, eine positive reaktion zu allen kommunikationsformen zu verfassen. anschließend eine negative, dabei wird davon ausgegangen, dass nicht der einfachere weg der digitalen kommunikation beschritten wird, nämlich nicht zu reagieren. es werden also jeweils zwei antworten verfasst. die texte werden nicht vorgetragen, sondern den kollegInnen zurückgegeben.

im nächsten schritt wird nur noch auf die positven reaktionen geantwortet, also eine weitere annäherung versucht. wenn die texte fertig sind, werden sie wieder an die kollegin, den kollegen in der schreibgruppe gegeben und noch einmal eine positive reaktion verfasst. anschließend werden die texte gebündelt in der schreibgruppe vorgetragen. es findet eine feedbackrunde statt, in der die besonderheiten dieser form der annäherung genauer betrachtet werden.

zum abschluss können die beiden schreibgruppenteilnehmerInnen zwischen den drei varianten, twitter / sms, chat oder mail wählen, welche sie weiterführen wollen. in dieser form werden nun die schriftlichen dialoge und annäherungen weitergeführt. dabei ist nicht mehr vorgegeben, ob es zu einer negativen oder positiven reaktion kommen soll. sollte die genug zeit vorhanden sein, können diese annäherungsdialoge in der gruppe vorgetragen werden.

digitale kommunikation – eine zwiespältige angelegenheit

die möglichkeiten miteinander zu kommunizieren haben durch die digitalisierung der umwelt zugenommen. abseits der alten formen der snailmail, des telefonierens und des faxens sind inzwischen noch der chat, die sms, das twittern und letztendlich auch das bloggen, sowie das voipen und die online-konferenz hinzugekommen.

auffällig bei den neueren kommunikationsarten ist die erwartung, sich kurz zu fassen. würden im chat längere ausführungen getippt, säße der andere vor seinem computer und würde däumchen drehen oder sogar den chat verlassen, da er mit keiner antwort mehr rechnet. twitter und sms beschränken die länge der nachricht schon von der verwendeten zeichenzahl her. wenn man dann doch viel mitzuteilen hat, wird eher zur mail oder eben doch wieder zum telefonieren, nur über das internet, also dem voipen gegriffen. oder es wird eine sms nach der anderen versendet. nicht ohne grund bieten inzwischen fernsehsender 5000 sms für ca. 15 euro an. das bedeutet, man versendet pro tag ungefähr 160 sms. letztendlich wachsen einem dann die finger am handy fest.

erst einmal ließe sich die kommunikation auf den nenner „in der kürze liegt die würze“ bringen, doch langfristig betrachtet, werden dabei gedankengänge in häppchen zerhackt und es wird schwer werden eine überlegung am stück zu übermitteln. Weiterlesen

nabelschau (06)

 

du sprichst mit menschen, plötzlich greifen sie in ihre hosentasche, wenden ihren blick von dir ab und schielen auf das display ihres handys, das sie gerade hervorgeholt haben. wenn man sie dann fragt, ob sie verstanden haben, was man gerade gesagt hat, erklären sie, natürlich hätten sie die ganze zeit zugehört. fragt man genauer nach, stellt sich heraus, dass sie nur die hälfte des zuletzt gesagten mitbekommen haben. „aber es war eine ganz wichtige sms, auf die ich schon die ganze zeit gewartet habe.“

du sitzt in einer sitzung, ein handy liegt auf dem tisch. ihr besprecht nicht ganz unwichtige dinge. es klingelt. ein teilnehmer der sitzung geht dran und meint: „du, kannst du noch einmal in einer stunde anrufen, dann bin ich hier fertig.“. kaum weitergemacht, klingelt es schon wieder, gleiche prozedur, gleiches gespräch. das ganze geschieht noch ein drittes mal, inzwischen verdrehen alle anderen teilnehmerInnen der sitzung die augen. die lapidare reaktion ist: „ich erwarte einen dringenden anruf!“, der dann auch irgendwann endlich kommt. die alternative, die festnetznummer des raumes durchzugeben oder beim klingeln des handys den raum zu verlassen, wird nicht in betracht gezogen. man ist wichtig, es ist wichtig.

du sprichst mit einem mitarbeiter. plötzlich ertönt ein metallisches piep-klingel-geräusch, das ein wenig an den kommunikator in „raumschiff enterprise“ errinnert. du fragst im raum nach, was das war. „nur eine sms.“ auch der mitarbeiter greift zu seinem handy, liest, tippt etwas nebenher ein. ihr sprecht weiter miteinander. abermals dieses geräusch. du sagst: „da ist schon wieder eine sms.“ er erklärt, dass es keine sms wäre, er chatte. toll!, denkst du, zwei gespräche gleichzeitig, ein virtuelles und ein reales. ab diesem moment bist du dir sicher, dass dir dein mitarbeiter die ganze zeit nicht richtig zugehört hat.

die selbstüberschätzung der besitzerInnen von handys ist außergewöhnlich groß. Weiterlesen

wortklauberei (14)

„handy“

es wäre einmal interessant, wer den namen für das „mobile phone“ im deutschen erfunden hat. ein witz besagt, es wären die schwaben gewesen, da sie immer fragten „hänn die des kabel vergässa?“. doch es ist zu vermuten, dass das „handy“ seinen namen der tatsache verdankt, dass es in der hand liegt und von dieser gehalten wird. aber wann das geschah ist schwer zu sagen. waren die früheren mobiltelefone doch eher von der größe einer schweinshaxe und hatten die form eines walkie-talkie.

heute verschwinden die dinger in der hand und werden in kindersöckchen gepackt. so sollten sie inzwischen eigentlich „losy“ heißen. und nicht zu vergessen, sie sind eine seuche geworden. es vergeht kein tag, an dem einem nicht jemand vor den füssen rumlatscht und nicht vom fleck kommt, da schnell im gehen die neuste sms gelesen werden muss. es vergeht kein tag, an dem nicht ein autofahrer einen fast vom fahrrad schmeißt, da die rechte hand das telefon ans ohr hält. und es geht vor allen dingen kein tag, an dem nicht jemand über den gesamten u-bahnhof brüllt, da er nicht glauben kann, dass so etwas kleines einen guten empfang haben kann.

so plädiere ich dafür, den namen des geräts zu verändern in „loudy“, „wriggly“ oder „killy“. aber es würde mir auch gefallen, wenn man sich dazu durchringen könnte, worte wie „nervy“ oder „strahly“ zu verwenden. das „y“ sollte man auf keinen fall beseitigen, ist es doch so süss, das kleine. 🙄

schreibtechnik (22) – sms

eigentlich ist es ja eine elektronische technik, eine digitale, die die formen der kommunikatiion erweitert. doch diese technik zwingt dazu, kurze texte zu verfassen. so bietet sich die „sms“ oder das „simsen“ regelrecht zum verdichten der texte zu greifen. wären die dinger kostenlos, eine entwicklung, die zumindest mit flatrates fortschreitet, müssten sich die menschen nicht beschränken und könnten eine sms nach der anderen senden, also ihre texte auf mehrere päckchen verteilen. doch bis jetzt ist es noch nicht so, was zur folge hat, dass sowohl gern abkürzungen für worte verwendet werden, als auch beinahe lyrische texte entstehen.

früher gab es eine ähnliche kommunikationsform, die meist nur in äußersten notfällen verwendet wurde, das telegrafieren. ein telegramm zu verschicken war teuer und führte zu ständig unterbrochenen texten. hier wurden oft nur ein satz oder zwei versendet. im vergleich dazu gestaltet sich die sms schon regelrecht luxuriös. erlaubt sind immerhin 160 zeichen. und doch kann die sms verwendet werden, um sich der lyrik anzunähern. es ist einen versuch wert, einen geplanten brief an eine liebe person einmal in den text für eine sms zu verwandeln und falls möglich abzusenden. das simsen kann sich auf einer poetischen ebene bewegen.

doch meist dient sie zur terminplanung oder dem dating. dadurch reduziert sie sich auf kurze informationen, die auch auf eine mailbox gesprochen werden könnten.

besonders skurril und sicherlich die lyrischen versuche noch steigernd, kann ein dienst sein, der die sms am telefon vorspricht. so hätte man gleich noch eine virtuelle lesung für die empfängerInnen organisiert. versuchen sie es doch einmal, ein haiku per sms zu versenden und vorlesen zu lassen. und dann warten sie auf die reaktionen der empfängerInnen. weitere informationen bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/SMS .