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web 2.72 – diaspora

die „diaspora“ ist übersetzt „verstreutheit„. man kennt den begriff am ehesten von kirchlichen ansiedelungen und glaubensrichtungen. doch die „diaspora“ im internet soll ein gegenstück zu facebook & co werden. es geht vor allen dingen darum, ein soziales netzwerk im web 2.0 aufzubauen, in dem die nutzerInnen definitiv selber über die verwendung und weitergabe ihrer daten entscheiden. das projekt soll nicht über einen großen server laufen, sondern über verstreute knotenpunkte.

die begriffe „netz“ und „netzwerke“ soll wieder seine alte bedeutung zurückerhalten, nämlich dadurch dass alle nutzerInnen nicht nur ein datennetzwerk bilden, sondern im laufe der zeit auch ein hardware-netz spinnen. zudem sollen alle verknüpfungen und formen des datenaustauschs allein vom user festgelegt werden. die daten werden nicht gesammelt, sondern die hoheit liegt bei den besucherInnen. auf dem weg dorthin ist es auch möglich, sich nicht mit seinem vollständigen namen anmelden zu müssen.

der versuch entspringt der idee, selbstbestimmter die technischen möglichkeiten des web 2.0 zu nutzen. bisher existiert „diaspora alpha„, also eine vorversion, die nicht allen internetbesucherInnen die möglichkeit gibt, sich anzumelden. man muss sich einladen lassen, an dem versuch teilzunehmen. dies geht über die startseite, indem man seine mailadresse angibt. ob man dann eingeladen wird, das kann anscheinend eine gewisse zeit dauer. vorher empfiehlt es sich, einmal in den blog der seite zu schauen, um eine ahnung von den geplanten vorgehensweisen zu erhalten. zu finden sind die informationen unter: https://joindiaspora.com/ .

mal sehen, ob es noch andere formen des sozialen netzwerkens im internet geben, spannend klingt es allemal.

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web 2.0 und schuld

das internet und vor allen dingen die digitalen sozialen netzwerke enthemmen. die halbanonymität macht es leichter, „schuldige“ zu benennen, andere anzugreifen und starke worte zu wählen. auf der anderen seite ruft dies viel schneller reaktionen hervor, die beschuldigungen zurückweisen, die einen diskurs anzetteln. das kann man zwiegespalten sehen. zum teil wird etwas ans licht der öffentlichkeit gezerrt, das eigentlich in den privaten bereich gehört. zum anderen werden missstände schneller öffentlich gemacht.

da verlagert sich in vielen bereichen der investigative journalismus in die welt der blogger und zu menschen, die twittern. schwierig bleibt es, den wahrheitsgehalt von beschuldigungen zu überprüfen. doch wenn man ehrlich ist, war dies auch in den vor-internet-zeiten nicht leicht. es gab immer wieder schuldige, doch die berichterstattung über deren beteiligung an machenschaften, vergehen oder korruptem verhalten wurde nicht selten behindert. das wird heute schwieriger. wird eine website im internet blockiert oder abgeschaltet, hat oft die nächste schon das thema aufgegriffen.

das öffnet zum einen gerüchten tür und tor, zum anderen lässt es aber auch zu, dass missstände nicht von der bildfläche verschwinden. im gegensatz zu zeitungen ist das internet ein gedächtnis der schuldzuweisungen. und es zeigt wirkung. nehme man nur einmal „wikileaks“. mögen manche veröffentlichungen auch auf dem boden der selbstdarstellung gewachsen sein, so wird es mit den geheimnissen, die auch die bevölkerungen interessieren könnten, immer schwerer. denn informationen vorzuenthalten beinhaltet immer den gedanken, dass der mensch zu dumm wäre, die zusammenhänge zu verstehen.

oder um es einmal drastischer zu formulieren: das internet könnte dazu führen, dass das menschenbild insgesamt besser wird. denn schaue man sich einmal an, wie vernünftig auf vieles reagiert wird, weil ein diskurs stattfindet, weil die informationen zu verfügung stehen, dann spricht das eher für den einzelnen, denn gegen ihn. Weiterlesen