Schlagwort-Archive: sommerloch

nabelschau (48)

drei jägermeister bestellen + eine sonnenbrille gratis. gerade dem letzten gewitter in die buchhandlung entronnen, nachdem das brot schon gekauft war und nicht gewässert werden sollte. ach, was für ein prächtiger sommer: so arbeitsträchtig und gut gekühlt. da lässt sich doch gleich viel mehr von dem großen stapel abtragen.

aber es soll menschen geben, die mehr sonne und wärme herbeisehnen. vor allen dingen die verkäufer von sommerprodukten, wie badehosen, badematten, sonnenschirmen oder auch sonnenbrillen. aber nüscht, die dinge werden nicht gebraucht. eher der regenschirm findet reissenden absatz. und somit bleibt mancher anbieter auf seinen sachen sitzen. da wird dann gern verramscht. auch das eine feine sache.

auf dem weg nach hause (nach dem gewitter), fällt der blick auf die perfekte geschäftsidee: „drei jägermeister bestellen + eine sonnenbrille gratis!“ da kann der kunde seinen frust ob des durchnässten sommers mit ein paar promille locker runterschlucken und bekommt für nächstes jahr und den nächsten sommer eine sonnenbrille dazu. die lager werden geräumt, die gewitterwolken erscheinen noch dunkler, der regen benetzt die augen nicht und die welt scheint nach drei jägermeistern auch schon viel fröhlicher.j

alternativ ließe sich dieses geschäftskonzept ausweiten: „3 sahnetörtchen bestellen und einen strohhut gratis!“ oder „drei packungen vanilleeis und ein paar badelatschen gratis!“ … „drei glas champagner und eine strandkorbmiete gratis!“

nabelschau (46)

leis´ verschwindet elena. erst als kleine beiläufige meldung in den nachrichten, dann noch einmal einen tag später noch ein kleiner beitrag, in dem aber berichtet wurde, dass in den zuständigen ministerien niemand zu sprechen ist, es sei ja sommerpause. hier wird der misstrauische bürger hellhörig. da wird etwas abgeschafft, das gerade erst eingeführt wurde und keiner redet darüber.

oh doch, ein paar sagen, dass sie die entscheidung gut finden, und andere sagen, dass sie die entscheidung schlecht finden, da sie nun schon so viel geld dafür ausgegeben haben. worum es geht? um „elena“, das „elektronische entgeltnachweisverfahren“, eine gnadenlose daten-krake. abseits jeder kritik wurde das verfahren der datensammlung von arbeitnehmer-daten brachial eingeführt. und es gab zuhauf kritik im vorfeld, vor allen dingen den datenschutz betreffend. plötzlich sollten dinge gemeldet werden, die normalerweise nicht in staatlichen erfassungsdatenbanken verloren haben.

ja, man sollte sich freuen, dass es ein umdenken gibt, dass etwas rückgängig gemacht wird. man freut sich auch. und doch, es kommt so überraschend, niemand ahnte, dass es wieder abgeschafft wird. und vor allen dingen, niemand redet darüber, wer dafür verantwortlich ist und was das alles eigentlich gekostet hat. es will auch niemand etwas dazu sagen, woran es gescheitert ist. haben die arbeitgeber die daten einfach nicht übermittelt, also passiv widerstand geleistet, oder war absehbar, dass dieses verfahren vor gericht scheitern wird, wenn sich jemand zu einer klage durchringt?

faszinierend, dass diese dinge gern im sommer gemeldet werden, wenn ein teil der bürger das land verlassen hat, die ministerien leergefegt sind und eben keiner die fragen beantwortet. aber gut, zurück zu papier und stift. man kann nur hoffen, dass die anderen erfassungswütigen einrichtungen aus diesem fiasko eines lernen: vorher zu prüfen, wofür man eigentlich all diese daten haben möchte. und schon einmal festhalten, wer für solche entscheidungen verantwortlich ist. denn eltern haften für ihre kinder!