Schlagwort-Archive: soziale kontrolle

biografisches schreiben und region

mit blick auf den vorhergehenden buchtipp, möchte ich die rolle der region, in der man aufwächst, ein wenig beleuchten. der mensch unterliegt im laufe seiner entwicklung nicht nur dem einfluss des elternhauses, der familie und der nachbarschaft, sondern auch den bedingungen, die ihm in seiner lebensregion zur verfügung gestellt werden.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte kann es eine rolle spielen, wie groß dieser einfluss auf die eigene biografie war. fühlte man sich in seiner heimat wohl und hat sie nie verlassen oder hat man es nach einer gewissen zeit nicht mehr ausgehalten und wollte den lebensraum wechseln? hier gibt es unterschiede, zum beispiel bei der frage, ob man in einer großstadt oder in ländlicher umgebung aufgewachsen ist. wie sahen die möglichkeiten für eine eigentständige entwicklung aus? wie beschützend war das soziale netzwerk?

denn eines ist offensichtlich: es gibt unterschiede, sowohl in der sozialen absicherung als auch kontrolle. das kann verschieden empfunden werden und hängt von den subjektiven bedürfnissen ab. so lohnt sich ein blick auf die ehemalige lebensumwelt. was wollte man zur damaligen zeit erreichen? wieviel ließ sich davon umsetzen und gab es momente, in denen einen das eigene umfeld daran hinderte oder förderte?

in diesem zusammenhang interessant scheint auch, ob man sich die eigene lebensregion überhaupt im laufe seines lebens selber wählen konnte. musste man wegen möglicher arbeitsangebote in regionen leben, in die man nie wollte. und wie hat sich dieses leben entwickelt. es kann zum beispiel vorkommen, dass man anfängt, die unfreiwillige heimat zu schätzen. und möchte man zur zeit des biografischen schreibens den eigenen lebensraum noch einmal wechseln?

web 2.0 und denunziation

 

eigentlich ist es keine eigenheit des web 2.0, dass menschen gern andere menschen denunzieren. doch das aktuelle internet bietet eine ideale plattform, da man sich so wunderbar hinter pseudonymen und mailadressen verstecken kann. denn selten wagen es menschen in eine offene konfrontation zu gehen. sie bevorzugen es aus einer deckung heraus zu agieren, wenn sie an den anderen etwas stört.

und viele menschen haben spaß am schauspiel. was ist die empörung groß , von öffentlichem „pranger“ ist die rede bei seiten wie „rotten neighbour“. seltsamerweise kommt die moral des freundlichen zusammenlebens nur dann zum tragen, wenn der gemeine bürger sich auf eine ebene begibt, die der staat schon länger beschreitet. so bieten finanzämter den service, anonym andere menschen zu melden, bei denen man vermutet, dass sie steuern hinterziehen könnten. oder es gibt ein führungszeugnis über einen, das man selber nicht zu gesicht bekommen wird, das aber von staatlichen stellen abgerufen werden kann. ja, es wird sogar dazu aufgerufen, verdächtiges anonym zu melden.

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