Schlagwort-Archive: soziales netzwerk

biografisches schreiben und privat

beim biografischen schreiben spielt die frage nach der privatsphäre die grösste rolle. ab wann gibt man beim veröffentlichen geschriebener texte zu viel preis? wie viel möchte man überhaupt preisgeben? und woran sollte man seine entscheidungen fest machen.

nicht nur in den digitalen sozialen netzwerken, auch sonst in der schreibenden und kommunizierenden welt hat man manchmal das gefühl, menschen gehen zu weit in der offenlegung des privatesten. ich kann das meist daran festmachen, wenn das „fremdschämen“ einsetzt. da kommt das gefühl auf, hier tut sich jemand keinen gefallen. hier kotzt mir jemand medial sein leben vor die füsse und erzählt mir dinge, die ich gar nicht wissen will.

das biografische schreiben ist da eine gratwanderung. generell schreibe ich ja meine lebensgeschichte, um mehr, eventuell viel von mir zu berichten. ich schreibe meine biografie auf, und dies natürlich möglichst schonungslos, möchte nichts vor mir selber verheimlichen. das ist teilweise auch sinn und zweck des biografischen schreibens. nur erst einmal macht man dies in erster linie für sich selber. so wird man mit großer wahrscheinlichkeit nicht auf die idee kommen, seine tagebücher, wenn man welche schreibt, eins zu eins zu veröffentlichen.

da gibt es die weinerlichen abschnitte, die sich ständig wiederholenden wünsche, flüche und sorgen. da liest man schmachtendes, das man aus der heutigen sicht nicht mehr aufrecht erhalten will, da hat sich manches überlebt. man hat trauer, bösartigkeiten und vieles mehr notiert. man schaltet also einen filter vor, wenn man einen teil bekannt machen oder auch nur guten freunden geben möchte. nur in der therapie entwickelt sich keine scham, wenn andere das original lesen.

das privateste scheint gar nicht für andere menschen geeignet zu sein. es tut gut, manches für sich zu behalten, etwas, teils auch sehr verletzliches, vor den kommentaren und einwendungen der anderen zu schützen. selbst partnerInnen erfahren selten die intimsten gedanken. es gibt da oft etwas Weiterlesen

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web 2.72 – diaspora

die „diaspora“ ist übersetzt „verstreutheit„. man kennt den begriff am ehesten von kirchlichen ansiedelungen und glaubensrichtungen. doch die „diaspora“ im internet soll ein gegenstück zu facebook & co werden. es geht vor allen dingen darum, ein soziales netzwerk im web 2.0 aufzubauen, in dem die nutzerInnen definitiv selber über die verwendung und weitergabe ihrer daten entscheiden. das projekt soll nicht über einen großen server laufen, sondern über verstreute knotenpunkte.

die begriffe „netz“ und „netzwerke“ soll wieder seine alte bedeutung zurückerhalten, nämlich dadurch dass alle nutzerInnen nicht nur ein datennetzwerk bilden, sondern im laufe der zeit auch ein hardware-netz spinnen. zudem sollen alle verknüpfungen und formen des datenaustauschs allein vom user festgelegt werden. die daten werden nicht gesammelt, sondern die hoheit liegt bei den besucherInnen. auf dem weg dorthin ist es auch möglich, sich nicht mit seinem vollständigen namen anmelden zu müssen.

der versuch entspringt der idee, selbstbestimmter die technischen möglichkeiten des web 2.0 zu nutzen. bisher existiert „diaspora alpha„, also eine vorversion, die nicht allen internetbesucherInnen die möglichkeit gibt, sich anzumelden. man muss sich einladen lassen, an dem versuch teilzunehmen. dies geht über die startseite, indem man seine mailadresse angibt. ob man dann eingeladen wird, das kann anscheinend eine gewisse zeit dauer. vorher empfiehlt es sich, einmal in den blog der seite zu schauen, um eine ahnung von den geplanten vorgehensweisen zu erhalten. zu finden sind die informationen unter: https://joindiaspora.com/ .

mal sehen, ob es noch andere formen des sozialen netzwerkens im internet geben, spannend klingt es allemal.

web 2.0 und urteil / vorurteil

die virtuellen welten sind zu großen teilen ein spiegelbild der gesellschaft. sie bieten viele orte des diskurses und zeigen dabei erstaunliche effekte: in halbanonymen zusammenhängen traut sich mensch stärker, seine gedanken zu äußern, als er dies im alltag macht. (gut, berlin mag hier eine ausnahme sein, die „berliner schnauze“ hält sich ungern zurück.)

aber auffällig in den foren des internets bleibt es weiterhin, dass empfindlichkeiten, urteilen und vorurteilen sehr viel „lauter“, also klarer und direkter raum gegeben wird als in anderen lebenszusammenhängen. das kann man als vorteil oder als nachteil sehen. vorteilhaft ist es sicherlich, eher zu wissen, was die leute wirklich denken. man hat oft das gefühl, dass im sozialen gefüge zu viel geschwiegen wird, menschen sich aus falscher rücksichtnahme zurückhalten. nachteil im netz ist es, dass wenn losgelegt wird, es manchmal kein halten mehr gibt. da hat sich bei manchen usern anscheinend über jahrzehnte etwas angestaut, das sie nun versteckt in die weite welt blasen können. hier wird es oft verletzend, ungnädig und rücksichtslos.

wer sich ins web 2.0 und in foren begibt, sollte nicht zu zart besaitet sein. man sollte sich im vorfeld bewusst sein, dass menschen aus der halbanonymität vor allen dingen gern urteilen. es werden urteile über das aussehen, die geschriebenen worte und die eingestellten filme gefällt. das web 2.0 scheint manchmal wie ein einziges großes ranking, dass sich vor allen dingen mit bewertungen und beurteilungen beschäftigt. überall wird man gefragt, ob man etwas gut oder schlecht findet. das fängt beim gekauften produkt, Weiterlesen

biografisches schreiben und soziale netze im web

das web 2.0 bietet gute möglichkeiten, sich mit anderen menschen auszutauschen und zu verbinden. kriterien für diese netzbildungen sind zum beispiel gemeinsame hobbys, ein ähnlicher musikgeschmack oder auch soziales engagement. warum also nicht einmal ein soziales netzwerk zum austausch biografischer erinnerungen ins leben rufen.

dafür gäbe es unzählige möglichkeiten. man könnte virtuelle jahrgangstreffen gründen oder bestimmte einschneidende gesellschaftliche ereignisse zur erinnerung ausrufen. ähnliches geschieht schon auf den zeitzeugen-webseiten. dort wird aber von außen animiert, archiviert und moderiert. interessanter wird es sicherlich noch einmal, wenn die „zeitzeugInnen“ aufgrund eines eigenen internetzugangs die gründung selber übernehmen.

so könnten menschen, die sich im rahmen des biografischen schreibens an bestimmte ereignisse in ihrer kindheit erinnern, andere dazu aufrufen, diese mit ihnen in der digitalen welt zu teilen. zum einen sind die erinnerungen meist verschieden, zum anderen ergeben sich soziale kontakte zu menschen mit ähnlichen erinnerungen. der austausch regt zur größeren detailgenauigkeit bei den erinnerungen an.

schwieriger wird es, die älteren generationen anzuregen, sich ins web zu trauen. es gibt eine große differenz bei der internetnutzung zwischen den jungen und den älteren generationen. es ist zwar zu verzeichnen, dass immer mehr ältere das internet nutzen, doch auch die art und weise der nutzung unterscheidet sich gehörig von den jüngeren generationen. gerade die sozialen netzwerke werden eher von jüngeren menschen genutzt. an diesem punkt wäre also noch aufklärungsarbeit zu leisten.

doch langfristig könnte man sich zum beispiel die koppelung von schreibgruppen zum biografischen schreiben, computerkursen bei bedarf und der anregung, selber ein netzwerk zu gründen, vorstellen. Weiterlesen

facebook und die soziale rasterfahndung

„facebook“ (und all die anderen anbieter von sozialen netzwerken) ist erst einmal eine hübsche gelegenheit, sich mit der ganzen welt zu vernetzen. also natürlich nicht mit der ganzen welt, aber mit der welt, die einen internetzugang hat. und diese welt wird immer größer. facebook suggeriert auch seinen nutzerInnen, dass sie entscheiden, was sie öffentlich machen und was hinter verschlossenen türen abgeht. da unterscheidet sich facebook nicht von vielen anderen digitalen technologien, die über die halböffentlichen datenkanäle laufen. mails können verschlüsselt werden, homepages und blogs mit passwörtern für einen ausgewählten kreis zu verfügung gestellt werden und dateien geschützt werden.

so scheint es. doch viel kraft wird darauf verwendet, die daten trotzdem zu bündeln und zu sammeln, ohne das direkte einverständnis der nutzerInnen. die vorratsdatenspeicherung ist das öffentliche politische beispiel dafür, die cookies sind das versteckte und oft erzwungene beispiel. doch facebook spielt sich auf einer anderen ebene ab, auf einer zusätzlichen, nämlich meist der ausschließlich privaten. das macht facebook so interessant für datensammler. hier wird das wohnzimmer, der freundeskreis, werden die freundschaften und liebesbeziehungen digitalisiert. kontaktdaten sagen mir noch nichts darüber, wozu ich die kontakte nutzte. zuordnungen, wer bei mir auf die seite darf, mit wem ich viel kommuniziere, wen ich einlade und wen nicht, sagen viel mehr.

wenn nun noch der musikgeschmack, private bilder, links, chats und gegenseitige nachrichten dazukommen, Weiterlesen

biografisches schreiben und region

mit blick auf den vorhergehenden buchtipp, möchte ich die rolle der region, in der man aufwächst, ein wenig beleuchten. der mensch unterliegt im laufe seiner entwicklung nicht nur dem einfluss des elternhauses, der familie und der nachbarschaft, sondern auch den bedingungen, die ihm in seiner lebensregion zur verfügung gestellt werden.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte kann es eine rolle spielen, wie groß dieser einfluss auf die eigene biografie war. fühlte man sich in seiner heimat wohl und hat sie nie verlassen oder hat man es nach einer gewissen zeit nicht mehr ausgehalten und wollte den lebensraum wechseln? hier gibt es unterschiede, zum beispiel bei der frage, ob man in einer großstadt oder in ländlicher umgebung aufgewachsen ist. wie sahen die möglichkeiten für eine eigentständige entwicklung aus? wie beschützend war das soziale netzwerk?

denn eines ist offensichtlich: es gibt unterschiede, sowohl in der sozialen absicherung als auch kontrolle. das kann verschieden empfunden werden und hängt von den subjektiven bedürfnissen ab. so lohnt sich ein blick auf die ehemalige lebensumwelt. was wollte man zur damaligen zeit erreichen? wieviel ließ sich davon umsetzen und gab es momente, in denen einen das eigene umfeld daran hinderte oder förderte?

in diesem zusammenhang interessant scheint auch, ob man sich die eigene lebensregion überhaupt im laufe seines lebens selber wählen konnte. musste man wegen möglicher arbeitsangebote in regionen leben, in die man nie wollte. und wie hat sich dieses leben entwickelt. es kann zum beispiel vorkommen, dass man anfängt, die unfreiwillige heimat zu schätzen. und möchte man zur zeit des biografischen schreibens den eigenen lebensraum noch einmal wechseln?