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schreibidee (330)

man kann wild essen oder auch wild schreiben, vor allen dingen bald in der weihnachtszeit. doch ebenso in den besinnlichen zeiten, lässt sich mild essen und mild schreiben. was besser gefällt lässt sich wahrscheinlich erst nach dem jeweiligen versuch sagen. darum eine schreibanregung „mild vs. wild“ für die nächste zeit.

man kann sich ein wenig an den „stilübungen“ von raymond queneau als einstieg orientieren. man nehme eine kurze knappe beschreibung einer alltäglichen begebenheit. diese erhalten die teilnehmerInnen der schreibgruppe als kopie. nun ist von der beschreibung eine milde version und eine wilde version zu verfassen. die texte werden im anschluss in der gruppe vorgelesen und man kann einen kleinen vergleich anstellen, wie die attribute „mild“ und „wild“ jeweils umgesetzt werden.

im anschluss werden keine vorgaben mehr gemacht. die teilnehmerInnen wählen für sich aus der letzten woche drei begebenheiten aus, die sie in einer ausführlichkeit von maximal einer halben seite möglichst neutral notieren. zu allen begebenheiten zusätzlich eine milde und eine wilde version notiert. eine der begebenheiten wird an andere teilnehmerInnen weitergegeben, die nun auch jeweils eine milde und eine wilde version dazu verfassen. die texte werden nicht vorgetragen, sondern dienen nur der fingerübung.

nun wird der anfang einer geschichte den teilnehmerInnen der schreibgruppe ausgeteilt. die fortsetzung der geschichte ist zu schreiben. dabei wiederum zwei varianten, mild und wild. eine variante wird nach dem schreiben ausgewählt und in der gruppe kurz vorgetragen, es findet keine feedbackrunde statt.

zum abschluss findet dann eine längere schreibübung statt. dieses mal wird nur das thema oder die überschrift vorgegeben. die schreibenden können selbst wählen, ob sie für eine geschichte noch assoziationstechniken anwenden wollen, oder ob sie gleich eine geschichte dazu verfassen möchten. es ist nicht notwendig, eine neutrale version zu schreiben. ziel sind zwei versionen ein und derselben geschichte: die milde und die wilde variante. dies sollte sich nicht nur in der wortwahl widerspiegeln, sondern kann auch einfluss auf die gesamte handlung neben. am ende des treffens werden jeweils beide geschichten hintereinander vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. beim feedback werden vor allen dingen die kontraste zwischen mild und wild und die angewendeten schreibstile betrachtet.

web 2.64 – blablameter.de

und noch ein spielzeug zur überprüfung der eigenen textqualität, der von einem bekannten ausgegraben wurde. nach der schriftstellerInnen-vergleichs-analyse mit „ich schreibe wie …“ kann nun nach „blabla“ im text geschaut werden. doch was ist blabla? laut den macherInnen des „blablameters“ folgendes: „Das BlaBla Meter prüft die Texte auf unterschiedliche sprachliche Merkmale. Es wird u.a. geprüft, ob übermäßiger Nominalstil vorliegt, darüber hinaus wird der Text in unterschiedlicher Gewichtung auf bestimmte Phrasen geprüft. Alle Details wollen wir aber nicht verraten 😉 „.

na dann, auf zum selbstversuch. ich habe mir die wortklauberei (77) gegriffen (siehe: https://schreibschrift.wordpress.com/2011/07/29/wortklauberei-77/ ), die zum „schlichtgefieder“, und getestet. ergebnis:
Ihr Text: 2067 Zeichen, 308 Wörter
Bullshit-Index :0.13
Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‚Bullshit‘-Deutsch.

die macherInnen weisen ausdrücklich darauf hin, dass dies nichts über den inhalt und die qualität des textes aussagt. na jedenfalls relativ wenig blabla (die skala geht von 0 bis 1). das mag jetzt schon einmal tröstlich sein, obwohl die rückmeldungen von leserInnen wahrscheinlich die wichtigere qualitätskontrolle ist. und selbst dann mag der eigene stil weiterhin beibehalten werden, wenn man sich kritik verbieten möchte, das gute recht aller schreibenden.

also, ruhig mal testen unter http://www.blablameter.de, ein wenig über den nominalstil informieren und sich dann zurücklehnen und weiterschreiben.

schreibberatung und saftig

ein skurrile kombination. wie kann schreibberatung saftig werden? oder was ist überhaupt eine saftige schreibberatung? damit meine ich eine schreibberatung, die lust am schreiben fördert, die die eigenmotivation zum laufen bringt. und ich meine eine schreibberatung, die die offenen, direkten und kräftigen worte sowohl im text als auch in der kommunikation bevorzugt.

wir sind oft zu vorsichtig im umgang miteinander, gerade im beratungskontext geht es sehr sanft und zurückhaltend zu. das ist auch oft notwendig, um die verunsicherung der ratsuchenden aufzufangen und die ängste zu nehmen. doch ist dieser schritt vollzogen, dann hat sich eine vertrauensbasis aufgebaut, die es möglich macht, ins detail zu gehen. nun kann es darum gehen, die richtigen worte zu finden.

in diesem moment sollten sich menschen fragen, welche bücher, welche texte sie am liebsten lesen. es sind meist nicht die dezenten, braven und zarten wortgebilde, die einen zum nachdenken anregen und das interesse wecken. es sind die frechen, kecken und direkten formulierungen, die einen fesseln, binden und zustimmen lassen. schaut man sich die romane an, die gern gelesen werden, entbehren sie oft jeglicher realität. sie übersteigern geschehen und ereignisse, sie driften in fantasiewelten ab und sie lassen zufälle aufeinander folgen, die kaum vorstellbar sind.

nun kommt selten jemand in eine schreibberatung, der einen roman schreiben will. doch auch eine wissenschaftliche arbeit oder ein bericht kann wie eine karteileiche erscheinen, in der daten aneinander gereiht sind. oder es kann ein erfrischender text sein, der einen zum nachdenken anregt, der eindeutige thesen enthält, die dann mit daten unterfüttert werden. nachdem dieser text gelesen wurde, weiß ich als leser, wo der autor, die autorin steht. um zu solch einem text zu gelangen, benötigt es ein wenig mut und vor allen dingen Weiterlesen

der schreibprozess und das handwerk

schreiben ist kreativ, ist intuitiv, ist taktil und ist eine form der kommunikation. aber schreiben ist auch ein handwerk. es gibt werkzeuge, die einem das schreiben ermöglichen (stift, tastatur oder meissel). dazu gibt es eine menge techniken. abseits der hier oft benannten kreativen techniken finden sich manche grundtechniken.

da ist zum einen die sprache. die sprache bietet ein abkommen in einer gesellschaft, um miteinander kommunizieren zu können. wenn ich „haus“ schreibe, wissen die meisten grob, was ich damit meine. gut, man stellt sich jeweils ein anderes haus vor, aber es handelt sich meist um ein gebäude mit vier seiten und einem dach. die sprache wird noch unterfüttert von der rechtschreibung und der grammatik. auch dies sind gesellschaftliche abkommen, die der lesbarkeit aber auch dem verständnis geschuldet sind. diese regeln kann man beim schreibprozess streng verfolgen, um einen korrekten ausdruck zu finden. doch gerade im rahmen der kreativität bietet sich viel spielraum. denn ausdrücken muss nicht so eindeutig sein, wie es gern von den strengen wächtern der sprache vermittelt wird. sprache und kommunikation entwickeln sich in gesellschaften beständig weiter, so wie auch die techniken in anderen handwerksberufen. dabei entstehen beim schreiben und reden dialekte oder auch neue ausdrucksformen. der schreibprozess bietet die möglichkeit, mit den techniken zu spielen. doch um dies zu machen, sollte man die techniken kennen. denn spiele ohne regeln werden schnell unverständlich.

neben grammatik und rechtschreibung finden sich dann noch eine menge techniken, hinweise und tipps zum stil. was klingt für das menschliche ohr gut, was liest sich flüssig und was scheint überflüssig. das schön am lesen und im vorfeld beim schreiben ist ja, dass es lust verursachen kann. also können techniken angewendet werden, um sowohl lustvoll zu schreiben (einer der schwerpunkte hier im blog) als auch lustvoll zu lesen (wenn das handwerk verstanden wurde und das ergebnis des schreibprozesses freude bereitet).

da die geschmäcker verschieden sind lassen sich schwer allgemeingültige techniken finden. so wie der eine gern einen handgeschmiedeten gartenzaun hat, der andere aber den hölzernen jägerzaun bevorzugt, so sind auch die lesegewohnheiten und -geschmäcker der menschen sehr verschieden. Weiterlesen

lange texte vs. kurze texte

der blog war noch recht frisch, da fragte ich mich, ob es richtig oder falsch bei der länge von texten gibt. abseits des gesellschaftlichen mainstream (kurz, knapp, prägnant) fragen sich dies anscheinend noch mehr menschen. jedenfalls wird diese frage immer wieder in suchmaschinen eingegeben und hier gelandet. mich würde interessieren für was sich die leserInnen entschieden haben, für lange oder für kurze texte? werde ich nie erfahren.

gepostet am 21.04.2008

das kreative schreiben, überhaupt die ersten literarischen versuche, führen meist dazu, dass einem aufgezeigt wird, was man alles weglassen, streichen und kürzer formulieren kann. wie man seinen text verdichten kann. und doch beschleicht einen ab und zu der zweifel, ob das immer sinnvoll ist. Weiterlesen

schnickschnack (64)

jeder mensch ist ein künstler oder eine künstlerin. diese aussage ließe sich erweitern: jeder mensch ist ein überlebenskünstler oder eine überlebenskünstlerin. und zum überleben gehört für viele ein eigener ausdruck, der sich in der getragenen kleidung widerspiegelt. dabei finden viele menschen ihren eigenen stil, der inzwischen unter „street style“ firmiert.

und wie wäre es, wenn das web 2.0 diese eigenart der menschen aufgreift? das kann nachgesehen werden in dem blog „stil in berlin„. der blog ist nichts anderes, als eine sammlung von fotografien von menschen in ihren klamotten auf der straße. der schwerpunkt dieses blogs liegt auf berlin, wie der titel schon sagt, wenn auch von den macherInnen menschen in anderen orten fotografiert werden.

interessant scheint mir dabei die enorme bandbreite an eigenem stil, die der blog zeigt. schön, dass dabei auch erwähnt wird, um welche marken es sich bei der getragenen kleidung handelt. und die linksliste an weiteren angeboten von „street style“ in der ganzen internetwelt ist enorm.

es zeigt sich also, dass jeder mensch ein stylist, eine stylistin ist. manches finden die einzelnen ansprechender, anderes weniger, doch das tut den persönlichen stilen keinen abbruch. daneben kann der blog auch eine anregung für schreibende sein, offenbart er doch verschiedene „menschentypen und ihre kleidung“, die ohne probleme vorlagen für protagonisten in romanen oder geschichten sein könnten. man klicke sich einfach einmal durch die ganze palette an menschen und ihren klamotten. zu finden ist der blog unter: http://www.stilinberlin.blogspot.com/ .

schreibidee (62)

es ist an der zeit, sich einmal dem wissenschaftlichen schreiben zu widmen. nach der intellektuellen-schelte durch herrn gottschalk, siehe vorheriges post, kann in schreibgruppen auch die wahl der einfachen worte geübt werden. hierzu ist es notwendig im vorfeld der veranstaltung, einen text auszuwählen, der in seinen formulierungen kompliziert erscheint. ich verwende bewusst nicht das wort „intellektuell“. dieser text sollte nicht mehr als eine din a4-seite umfassen.

in der schreibgruppe wird dieser text den teilnehmerInnen vorgelesen. sie sollen nun in einer vorgegebenen zeit erst einmal das von dem text schriftlich wiedergeben, was sie verstanden haben. im anschluss wird der text ausgeteilt, alle können ihn sich noch einmal durchlesen. und dann besteht die aufgabe darin, hierfür wird mehr zeit benötigt, den text umzuformulieren. es soll ein alternativtext entstehen, der mit einfachen worten die gleiche aussage enthält, wie der komplizierte text. es ist also bei der auswahl des komplizierten textes darauf zu achten, dass er nicht unbedingt voller fachtermini der naturwissenschaften oder der geisteswissenschaften ist, sondern dass er einen möglichst allen bekannten sachverhalt recht umständlich beschreibt.

am schluss werden von allen teilnehmerInnen ihre beiden texte nacheinander vorgestellt, die nacherzählung des textes und die verständliche version. diese gegenüberstellung zeigt zum einen wie schwer der ausgangstext zu verstehen war und zum anderen, wie viele möglichkeiten es gibt, ihn zu verändern und zu vereinfachen.

kreatives schreiben und gelesenes

 

macht man sich daran, texte zu verfassen, sollte man sich nicht zu sehr selbst beschränken. indem man sich sagt, man möchte nicht mit vorbildern arbeiten, sondern ganz eigene und individuelle texte verfassen. alle menschen orientieren sich beim schreiben an dingen, die sie im vorfeld gelesen haben.

so kann es hilfreicher sein, sich einmal ganz und gar den werken zuzuwenden, die einem wirklich etwas bedeutet haben. in einer schreibgruppe ließe sich zum beispiel über die lieblingsbücher der teilnehmerInnen austauschen. welcher stil gefällt einem am besten? welchen stil würde man gern selber können? es gibt vielfältige möglichkeiten, den austausch anzuregen. die zeitschrift „literaturen“ hat zum beispiel die rubrik, autorInnen beschreiben zu lassen, was sie gerade lesen. was lesen sie denn momentan? bringt es sie auf ideen, ändert sich dadurch ihr stil ein wenig?

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