Schlagwort-Archive: strassen

web 2.56 – 2-3 straßen

es ist ein kunstwerk, es ist ein versuch, es ist der weg vom netz ins buch, es ist biografiearbeit. der künstler jochen gerz hat im rahmen der kulturhauptstadt 2010, als das ruhrgebiet diesen titel trug, das projekt „2-3 straßen“ durchgeführt, das menschen aufforderte über das leben in ihrer strasse zu schreiben. dabei waren sowohl schon lang dort lebende bewohner eingeladen, sich zu beteiligen, als auch 78 kreative, die extra für das projekt in die region und in die strassen zogen. diese 78 personen wurden teil einer ausstellung.

aus diesem projekt ist nun ein buch entstanden, das viele sprachen, viele menschen und viele eindrücke vereint. auf der website wird die entstehung des buches folgendermaßen beschrieben: Die Teilnehmer haben ein Jahr lang ein Buch geschrieben, auch Passanten und Besucher der Ausstellung und besonders die alten Bewohner der Straßen waren eingeladen mitzuschreiben. Die Autoren benutzten eine speziell entwickelte browserbasierte Software. Sie schrieben, ohne die Beiträge der anderen zu kennen. Der Text wurde durch Mausklick oder nach einer Schreibpause von acht Minuten archiviert, verschwand im elektronischen Archiv und war nicht mehr zugänglich. Erst nach dem Ende von 2-3 Straßen wurde das Ergebnis eines Jahres veröffentlicht. Die Beiträge erscheinen als Fließtext, anonym und in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Auch die Namen der Autoren sind auf den letzten Seiten in der Reihenfolge ihres Beitrags aufgelistet.

ein spannendes projekt, das gedanken, regionen, geschichte und geschichten abbildet. hier verschränken sich viele bestandteile unseres alltags zu einem aktuellen abbild des lebens. so kann aktuelle biografie-arbeit aussehen. bin auf die texte gespannt. einen kurzen einblick bietet die homepage: http://www.2-3strassen.eu/ .

Werbeanzeigen

nabelschau (33)

huch, es hat geschneit. klar, es ist viel schnee, der zur zeit die bundeshauptstadt bedeckt, der nicht wieder verschwinden will. doch nach dem letzten winter, nach den prognosen zum klimawandel und nach den anfängen in diesem winter, erstaunt immer wieder eines: wie man in berlin so überrascht sein kann, wenn es dann wirklich schneit. teilweise wird der schnee schon tage vorher angekündigt. dann wurden sogar dieses jahr im vorfeld ein wenig salz und split gestreut.

doch wenn der schnee so richtig fällt, dann bekommt man immer wieder den eindruck, dass die schneepflüge und räumdienste kapitulieren und einfach aufgeben. sie werden nicht mehr gesehen. wahrscheinlich sagt man sich, lassen wir es erst einmal alles runterkommen, dann lohnt sich das wegschieben auch mehr. schneeräumen lernen, heisst vom süden lernen. wenn es länger schneit wird in süddeutschland auch die ganze zeit geräumt. denn die überlegung, später besser mit der weißen pracht fertig zu werden, funktioniert bei schnee nicht so richtig. ist er einmal festgefahren und festgetreten, bekommt man ihn nur noch sehr schwer wieder weg.

im süden weiß auch jeder mensch, dass schneebedeckte landschaften in der folge stärker abkühlen. hat es aufgehört zu schneien, muss man damit rechnen, dass das ganze auch noch ordentlich anfriert. und irgendwann müssen die schneemassen woanders hintransportiert werden (und zwar nicht nur die vor dem brandenburger tor für die silvesterfeier), denn sonst kommt kein autofahrer mehr aus seiner parkbucht, findet kein fussgänger mehr den bürgersteig.

ach ja, der schnee richtet sich auch nicht nach arbeitszeiten oder sonnenaufgang und -untergang. darum wird in süddeutschland auch noch in der nacht geräumt und am tag weiter. es macht nicht viel sinn, die nacht erst einmal abzuwarten, um gegen sechs uhr morgens wieder anzufangen. das schafft keiner. und so erfreut man sich inzwischen in berlin an seitenstraßen, die seit tagen nicht geräumt wurden, die nur noch aus zermahlenem pulverschnee in verschiedenen höhen und tiefen bestehen. das streugut schichtet sich inzwischen wie tiramisu zwischen den verschiedenen schneedecken und salzen macht sowieso keinen sinn, wenn erst einmal nicht abgetragen wurde.

tja, schön sieht es aus. ruhig ist es geworden. man fragt sich immer wieder, wie die das in den skigebieten nur schaffen, dass am nächsten tag meist alles fährt und sich die menschen fortbewegen können. schön, dass gerade für viele ferien sind 😛 .