Schlagwort-Archive: süss

schreibidee (232)

gibt es ein gegenteil zu „salzig“ aus der letzten schreibidee? „salzlos“. bei geschmacksrichtungen ist es mit den gegenteilen schwierig, hier gibt es kein „gut“ oder „böse“. darum wähle ich die alternative: „süss“. beinahe alle mögen süsses, kaum ein mensch kann dem zuckerigen geschmack widerstehen und inzwischen sehen dies viele als grundübel ihres daseins. diese kalorien, diese gewichtzunahme, das verführerische der süsse bildet den hintergrund für ganztagsbeschäftigungen. warum also nicht als alternative „süsse geschichten“ schreiben.

zu beginn der schreibgruppe wird eine große auswahl an süssigkeiten mitgebracht. darunter sollten süssigkeiten sein, die schon längere zeit auf dem markt sind, da sich die schreibgruppenteilnehmerInnen eine süssigkeit wählen sollten, die sie an frühere zeiten erinnern. ob das nun „saure stäbchen“, „kinderschokolade“, die „erfrischungsstäbchen“, brause oder bestimmte lutscher (sorry heute sagt man ja eher lolipops dazu) waren. zu dieser gewählten süssigkeit, auch wenn sie sich nicht in dem angebot der schreibgruppenleitung befindet, soll ein kurzer einstimmungstext verfasst werden. dieser text wird in der gruppe vorgetragen.

im anschluss wendet man sich dem „süssstoff“ zu. die süsse ist stärker, die kalorienzahl sehr viel geringer. diese ersatzsüsse ist grundlage eines clusters, das von den schreibgruppenteilnehmerInnen erstellt wird. aus diesem cluster soll eine geschichte generiert werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden angeregt aus der interessantesten assoziation oder idee ihres clusters eine längere geschichte zu verfassen. daraufhin werden die geschichten vorgetragen und in der feedbackrunde wird sich über den „süssegrad“ der geschichte ausgetauscht.

dies ist dann auch die überleitung zur abschließenden schreibanregung. denn nun ist eine definitiv „süsse geschichte“ zu verfassen, die nicht länger als drei seiten sein sollte. es soll aus jeder pore der geschichte süsse hervorquellen, also eine „bambi“-like story verfasst werden. dies kann mit verniedlichungen, mit klebrigen dialogen oder ähnlichem erreicht werden. und wenn dann alle teilnehmerInnen sowieso schon zu viele der bereitliegenden süssigkeiten zu sich genommen haben, werden zum abschluss noch die süssen geschichten ohne feedbackrunde vorgetragen.

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nabelschau (35)

fallobst – streuobst – kernobst. das leben ist ein großer fruchtkorb. und wenn man sich ein wenig mühe gibt, kann ein leckerer obstsalat daraus werden. es ist jedoch zu unterscheiden, zwischen den früchten, die angedadscht und gammelig sind und den früchten, die reif und süß in aller pracht genuss versprechen.

im leben gelten andere regeln als auf der obstwiese.

  • fallobst, das bei ernten gern verschmäht und den wespen überlassen wird, ist im alltag nicht selten ein übersehener leckerbissen. es fiel auf die seite, fiel in dem ganzen wirrwarr runter und blieb liegen. aber eines tages fällt es einem in die hände. man betrachtet es, streicht die kleinen dellen glatt und kann sich an der verspäteten ernte genüsslich tun.
  • streuobst(wiesen) erinnern sprachlich zuerst an die streubombe oder das aktuell knappe streusalz, ist aber meist viel leckerer. ob nun aufgesammelt für schnäpse, most und ebbelwoi oder eben als kunterbunte mischung verschiedener baumsorten, die sich auf einer wiese verteilen, streuobst(wiesen) stehen für lowtech-pflanzenbau. oft finden sich darunter alte, nicht mehr gezüchtete pflanzensorten. im leben sind sie die fantasien und ideen, die ungerichtet plötzlich irgendwo auf den gedankenwiesen stehen und nur abgeerntet werden müssen.
  • das kernobst wiederum gehört zu den rosengewächsen. auch wenn die blüten unscheinbarer sind, die früchte haben es in sich. beim verspeisen stösst man auf den kern der (gedanken)frucht. es muss nicht immer nur ein kern sein, häufig sind es viele, sich pudelwohl nebeneinander gruppierende kern, die man nicht einfach schlucken sollte. sie wollen gesammelt, in die erde gebracht und gegossen werden. im laufe der zeit wachsen sie zu prächtigen bäumen heran.

trägt man alle früchte zusammen, schneidet sie klein, süsst sie mit honig und wartet ein wenig ab, dann bekommt man seinen eigenen unvergesslichen fruchtsalat, der meist nicht nur einem selber mundet, sondern andere zum mitessen anregen kann.

viele menschen vergessen, ihr obst zu ernten. sie sehnen sich nach exotischen früchten, die sie schwerlich vor ihrer tür finden. sie begeben sich auf große reisen, während unter ihren bäumen und auf ihren wiesen das obst vor sich hin fault. dabei hätten sie so gute salate machen können.