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schreibidee (202)

ich möchte noch einmal die verschiedenen sichtweisen auf eine szene, eine geschichte oder eine situation aufgreifen. diese schreibanregung ist nur eine von unendlich vielen möglichkeiten, „blickwinkel-texte“ zu verfassen. dieses mal sind die vorgaben durch die schreibgruppenleitung relativ strikt, da alle teilnehmerInnen der schreibgruppe den gleichen blickwinkel einnehmen sollen. spannend bleibt, was alle jeweils sehen und wie sie das gesehene beschreiben.

als einstieg bekommen die schreibgruppenteilnehmerInnen einen alltagsgegenstand in die hand gedrückt oder er wird auf einen zentralen platz gestellt. das kann eine kaffeemaschine, ein voller joghurtbecher oder ein stempel sein. dieser gegenstand ist nun auf jeweils einer viertel seite von oben, unten, rechts und links zu beschreiben. die schreibenden nehmen jeweils den blickwinkel ein und beschreiben den gegenstand. die kurzen betrachtungen werden in der schreibgruppe vorgelesen, aber es wird kein feedback gegeben.

der nächste schritt ist recht aufwendig, kann aber eventuell vor dem gruppentreffen vorbereitet werden. man sollte eine sehr kurze geschichte mit mehreren protagonisten finden. diese geschichte wird vorher von allen gelesen. nun sollen auf maximal zwei seiten für jeden protagonisten die beobachtungen und gedanken, die gemacht werden, aufgeschrieben werden. da es den zeitlichen rahmen der schreibgruppe sprengt, greift man einen protagonisten heraus und lässt mehrer teilnehmerInnen ihre texe vorlesen, für den nächsten protagonisten machen dies dann andere teilnehmerInnen der schreibgruppe. so bekommen alle einen einblick in die vielfalt der betrachtungen.

zum schluss nimmt man noch einen gegenstand, der in der geschichte auftaucht, und lässt ihn aus seiner sicht die ereignisse erzählen. auch dieser gegenstand wird vorgegeben und dient allen als beobachter. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen und beim feedback wird darauf geachtet, welcher charakter dem gegenstand von den schreibenden zugeschrieben wurde.

alternativ kann auch ein tier genommen werden und man beschreibt die situation, wie das tier sie wohl sieht. dabei geht es dieses mal aber nicht um eine „vermenschlichtes tier, das sich gedanken macht. man versucht sich eher zum beispiel in die stubenfliege zu versetzen, die mit ihrem insektenauge ein ganz anderes bild der situation empfängt. um dies zu illustrieren kann man in wissenschaftlichen zeitschriften suchen, die den blickwinkel von tieraugen beschreiben. dieser wird auf die jeweilige geschichte angewandt.

nabelschau (14)

der hype des bürgertums. eine aufgabe des bürgertums ist es, sich ob der moralischen werte sorgen zu machen und gleichzeitig den nervenkitzel zu verspüren, in kontakt mit sündenbabel zu kommen. so wurden die schmuddelkinder schon immer gleichzeitig verteufelt und bewundert. denn diese lebten das, was die bürgerInnen im tiefsten winkel ihrer seele ersehnten, eine gewisse form der dekadenz.

so verwundert es auch nicht, dass der berliner club „berghain“ es heute auf die erste seite des feuilletons des süddeutschen zeitung geschafft hat. denn hier kann sich im angeblich „angesagtesten club der welt“ der bürger, die bürgerin in kontakt bringen mit sexuellen ausschweifungen (darkrooms, unisex-toiletten) und „schwulen“. man kann sich richtig vorstellen, wie manchen ein wohliger schauer über den rücken fährt, während sie eine ihnen fremde welt betrachten. gustav seibt beschreibt die entwicklung des clubs als anfang vom ende, da die „location“ inzwischen hoffähig und dadurch verwässert wird.

das schöne an dieser entwicklung ist es, dass sie nicht aufzuhalten ist und inzwischen nur noch ein abklatsch dessen, was gelebt werden kann, wenn man möchte. besonders schön daran ist, dass berlin die möglichkeit hat und immer nutzte, schon längst wieder neue orte und spielplätze der schmuddelkinder zu schaffen. die wellen der empörung werden wegen der alternativen wieder hochschlagen, die aufregung wird groß sein, dem persönlichen ekel wird ausdruck verliehen, um später einen blick auf die dekadenz anderer zu werfen.

die eigentliche gefahr besteht aber darin, dass die beachtung keine anerkennung ist. es ist eben nicht mehr als ein schauer, der über den rücken läuft, um sich anschließend zu sagen, dass man doch auf der guten seite der gesellschaft seinen platz gefunden hat. mich erinnert dies an einen größeren schwulen club vor über zwanzig jahren in stuttgart, der gern einmal von heterosexuellen bürgerlichen abendgesellschaften besucht wurde um nichts anderes zu tun, als zu gaffen. in solchen momenten wünschte ich mir immer, dass die kinder der paare auch garantiert schwul oder lesbisch würden. denn ein wenig leben kann in den besten familien vorkommen.

festival internationale neue dramatik – f.i.n.d.

theaterstücke müssen auch geschrieben werden, damit sie aufgeführt werden können. dazu braucht es dramatiker, die zum beispiel szenisches schreiben an der udk in berlin studiert haben. für menschen, die selber stücke schreiben oder sich dafür interessieren, welche entwicklungen in der dramatik es gibt, findet zum 8ten mal das „f.i.n.d. – festival internationale neue dramatik“ statt.

jedes jahr gibt es einen schwerpunkt, also ein land, dessen dramatik vorgestellt und -gelesen wird. dieses jahr ist dies palästina. das ganze findet in der schaubühne am lehniner platz in berlin seit gestern, also vom 06ten november bis 09ten november statt.

mehr infos sind zu finden unter: http://www.schaubuehne.de/spielplan/festival.php?id_language=1 . und das programm als pdf-datei ist hier http://heimat.de/home/schaubuehne/FIND8Deutsch.pdf zu finden. auf dass es weiterhin eine lebhafte neue dramatik gebe.

schreibidee (52)

hier im blog wurde schon einmal das „szenische schreiben“ an der udk berlin vorgestellt. dieses mal kann in der schreibgruppe gemeinsam ein theaterstück verfasst werden. bevor damit begonnen wird, muss eine kleine handlung festgelegt werden. und zwar in maximal zwei sätzen. so verfassen alle teilnehmerInnen eine handlungsbeschreibung in zwei sätzen. diese beschreibungen werden vorgestellt und es wird abgestimmt, welche genommen wird. anschließend müssen fünf rollen für das stück gefunden werden. die gruppe sollte sich innerhalb von 15 minuten auf fünf rollen einigen, die sie in diese handlung haben möchte.

und jetzt wird es sehr zufällig. einzige vorgabe, es muss von allen teilnehmerInnen jeweils eine kleine szene mit mindestens zwei rollen geschrieben werden. es handelt sich also mindestens um einen dialog oder szenen mit mehr akteuren. das gespielte, also erst einmal geschriebene sollte irgendwie in die handlung passen. es gibt aber keine weitere vorgaben. nun besteht eine ganze menge zeit, die szene zu verfassen.

im anschluss werden alle szenen vorgelesen und die schreibgruppe entscheidet, in welche reihenfolge sie gebracht werden. da die wahl der handlung für die szenen recht frei ist, müssen die szenen nicht wirklich zueinander passen. es entsteht also ein experimentelles stück. zum schluss, wenn die zeit in der schreibgruppe besteht, wird festgelegt, wer eine der fünf rollen übernimmt. dann kann das stück mit so vielen szenen, wie die schreibgruppe teilnehmerInnen hat an einem stück durchgespielt werden. wahrscheinlich wird doch ein interessantes stück entstanden sein, auch wenn lücken in der handlung auftauchen können.