Schlagwort-Archive: tabu

schreibpädagogik und verlust

dieses mal ein sehr ernster beitrag zur anleitung von schreibgruppen. vor allen dingen im biografischen schreiben sollte man meines erachtens sehr vorsichtig vorgehen, wenn man schreibübungen zum thema verlust oder tod anleitet. es ist nicht sinnvoll das thema auszusparen, nur um die eventuellen folgen zu umgehen. verlust und tod beeinflussen unser leben sehr. jeder mensch hat seine eigenen strategien damit umzugehen. und doch scheint es, wie wenn vor allen dingen das thema tod mit einem tabu versehen ist. das ist um so erstaunlicher, dass man ab einem höheren alter immer wieder damit konfrontiert wird (und manchmal auch schon viel früher).

schreibt man in schreibgruppen also über verluste, vor allen dingen über persönliche verluste, kann es leicht vorkommen, dass menschen nicht nur darüber schreiben, wie sie durch eine trennung einen partner verloren haben, sondern dass sie darüber schreiben, wie ein mensch in ihrem umfeld gestorben ist. das schreiben darüber kann noch einmal sehr aufwühlend erlebt werden. und dies wiederum kann zu emotionalen reaktionen führen, wenn texte vorgetragen oder besprochen werden. dies sollte eine gruppe aushalten können. doch damit darf man als schreibgruppenleitung nicht rechnen.

viele menschen halten es schwer aus, andere weinen zu sehen. in gruppen kann dies zu hilflosen unterstützungsversuchen und tröstungen führen. in diesem moment sollte eine schreibgruppenleitung einschreiten. denn wenn teilnehmerInnen für sich entscheiden, einen sie selbst sehr berührenden text vorzutragen, dann entscheiden sie sich auch dafür, eventuell beim lesen Weiterlesen

selbstbefragung (15) – tod

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „tod„.

  • wie möchten sie sterben? notieren sich stichworte.
  • erscheint ihnen der tod als bedrohung? warum?
  • welchen für sie wichtigen menschen haben sie durch den tod verloren? erinnern sie sich daran.
  • sterben ist in unserer gesellschaft beinahe ein tabu. was denken sie dazu?
  • wie sollte ihre beerdigung aussehen? haben sie sich schon einmal gedanken dazu gemacht?
  • apropos gedanken, gibt es bei ihnen eine patientenverfügung? warum?
  • glauben sie an ein leben nach dem tod? erklären sie.
  • der „drohende“ tod kann ein ansporn dazu sein, jeden tag sehr bewusst zu leben und den eigenen interessen zu folgen. finden sie das auch? was tun sie dafür?
  • was halten sie davon, sich einfrieren zu lassen, um in 200 jahren wieder geweckt zu werden? wie sieht unsere welt dann aus?
  • können sie trauern?

schreibidee (109)

noch so ein frühling-ding, die geilheit. eigentlich eher ein hormon-ding, doch dazu gehört auch etwas wie sehnsucht, verlangen, ungebremstheit oder wie einmal ein nach außen gesetzt wirkender mensch meinte: „manchmal habe ich lust, so richtig versaut zu sein.“ zwischen all diesen bereichen bewegt sich die geilheit, die dieses mal in der schreibanregung zu „geilen geschichten“ verarbeitet werden soll.

der einstieg ist nicht sehr schwer. die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert zwei kurze texte zu verfassen. zum einen eine halbe seite über ihr geilstes erlebnis, zum anderen eine halbe seite darüber, worauf sie zur zeit geil sind. diese texte werden nicht vorgelesen, sondern bleiben bei den teilnehmerInnen.

anschließend wird in der schreibgruppe gesammelt, worauf man geil sein kann. die stichworte werden für alle lesbar notiert. anschließend wählen sich alle den begriff oder eine ihrer beiden texte als grundlage ihrer geilen geschichte aus. es wird noch kurz ein cluster zur thematik verfasst und eine halbe seite argumente gegen den inneren zensor gesammelt, wenn man über geilheit schreibt.

dann kann es losgehen. es darf ein längerer geiler text entstehen. es werden keine tabus in der schreibgruppe formuliert. ebenso wird dazu aufgefordert, dass die texte der kreativen freiheit folgen können und keine autobiografischen züge haben müssen. aber es wird von anfang an darauf hingewiesen, dass die texte im anschluss vorgelesen werden sollen. da das thema „geilheit“ zu texten führen kann, die anderen unangenehm sind, besteht jederzeit die möglichkeit, beim vorlesen den raum zu verlassen. damit ist keine wertung verbunden, sondern es geht einzig um die einhaltung der eigenen grenzen. und dann kann allen triebhaften kräften freie bahn gelassen werden.

schreibaufgabe (08)

der innere zensor schlägt einem gern ein schnippchen und lugt aus jedem satz und jeder fuge grinsend ins internet. zeit, zurückzuschnippen. also keine vorsicht mehr walten lassen, sich vorwagen, aus der geschützten position der „lurker“ und losgeschrieben.

dieses mal ist alles möglich, das dem inneren zensor die schuhe auszieht. es ist in dieser schreibaufgabe ein „taktloser text“ zu verfassen. „political correctness“ und moral dürfen zuhause gelassen werden. es darf mal so richtig krachen.

also, jagt euren zensor durch die wohlgeformten worte und das schöne geschichtchen zur tür hinaus. der umfang sollte nicht länger als 500 worte sein.

schreibpädagogik und tabu

 

über was darf in schreibgruppen geschrieben werden? über alles! das klingt für viele zu weitgehend. doch es ist in schreibgruppen üblich, nicht den inhalt zu bewerten, sondern, die frage, wie eine geschichte, ein text wirkt. das wird normalerweise beim feedback rückgemeldet. sicherlich kann dabei mancher text die eigenen grenzen und tabus überschreiten. hier kann aber im feedback bemerkt werden, inwieweit zum beispiel die provokation als effekthascherei daher kommt oder eindringlich wirkt und ihre wirkung nicht verfehlt hat.

Weiterlesen