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schreibidee (282)

der körper ist inzwischen ein eigenständiger wert, der auf dem feld der freien marktwirtschaft mit veräußert wird. die persönliche fitness, das aussehen und die kleidung erhalten einen immer höheren stellenwert, wenn man auf dem arbeitsmarkt fuss fassen möchte. wenn es vor allen dingen zu regelmäßigen kundenkontakten kommt, ist es dienstleistern wichtig, das perfekte bild abzugeben. diese entwicklung ist problematisch, da sie von den einzelnen fordert, beständig bemüht zu sein, die richtige körperpflege anzuwenden. darum eine schreibanregung zu „körperpflege-stories„.

als einstieg für dieses schreibgruppentreffen, werden alle teilnehmerInnen im vorfeld aufgefordert, ihr lieblingskörperpflegeprodukt mitzubringen. nur schreibt man für das mitgebrachte produkt einen kleinen werbetext, der anschließend mit dem produkt allen teilnehmerInnen vorgestellt wird. dabei darf man ohne hemmungen die ganz subjektiven bewertungen des produkts ausbreiten. da es sich um keine verkaufsveranstaltung handelt, muss im anschluss auch nicht über die bewertungen diskutiert werden.

nun werden zwei kurze stories zur täglichen körperpflege verfasst. zum einen die schnelle, zeitsparende variante der körperpflege und zum anderen die langwierige, ausführlich variante. es sollen beschreibungen der abläufe geschrieben werden. diese beschreibungen müssen sich nicht auf das eigene körperpflegeverhalten beziehen, sondern können der fantasie entspringen.

im anschluss wird am flippchart in der schreibgruppe gesammelt, welche formen der körperpflege zu einer ausführlichen vorgehensweise gehören. diese liste übernehmen alle schreibgruppenteilnehmerInnen und geben für sich eine kurz begründete bewertung ab, was sie von dieser form der körperpflege jeweils halten.

nun wird eine längere geschichte geschrieben, in der die persönliche körperpflege die hauptrolle spielt. sie kann vernachlässigt oder übertrieben, beiläufig oder konzentriert, selbstverständlich oder widerwillig stattfinden. sie kann in einen dialog eingebunden, einen nebenschauplatz eröffnend oder auch den höhepunkt der story darstellend sein. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird von allen schreibgruppenteilnehmerInnen ein pamphlet gegen die vereinnahmung des eigenen körpers durch die gesellschaftliche ver- und bewertung verfasst. unter dem titel „mein körper gehört mir!“ darf widerstand geleistet werden. was nervt am schönheits- und pflegewahn? wobei möchte man nicht mitspielen? wie kann eine gesellschaft ohne körperliche vereinnahmung aussehen? die pamphlete werden am ende des schreibgruppentreffens vorgetragen.

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biografisches schreiben und tägliche rituale

der mensch sei ein gewohnheitstier ist eine behauptung, die nur so lange aufrecht zu erhalten ist, so lange er an arbeitszeiten und öffnungszeiten gebunden ist. einzig unveränderlich scheint vielen der schlafrhythmus. haben sie einmal ihren rhythmus gefunden, sollte er nicht zu oft verändert werden. und so stattet der mensch oft seinen tagesablauf mit ständig wiederkehrenden ritualen aus. diese behalten viele menschen auch nach ihrem arbeitsleben aufrecht, da sie dem tag eine struktur geben

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte ein blick auf den tagesablauf geworfen werden. denn so ein ablauf sagt viel zu den möglichkeiten im laufe des lebens aus. bietet das eigene leben zeit für muße? wie oft ermöglicht der eigene tagesablauf soziale kontakte zu anderen? sind diese sozialen kontakte überhaupt erwünscht oder hat man lieber seine ruhe? und wie wird die ruhe gestaltet? um dies alles zu erfassen, kann eine ganz schlichte übung durchgeführt werden. man notiert für jede halbe stunde eines tages, was man meist zu dieser zeit macht oder machte.

dann kann man zum beispiel notieren, ob zeiten für das essen sich täglich wiederholen, wieweit ein blick in bücher, tageszeitungen oder andere medien möglich sind, wann man zum schreiben kommt. der blick auf den eigenen tagesablauf kann dann noch unter einem anderen aspekt betrachtet werden: was hätte man denn gern geändert? wie sollte der ideale tagesablauf aussehen? und vor allen dingen, auf welche rituale möchte man auf keinen fall verzichten?

je mehr man ins detail geht, umso leichter lassen sich die eigenen rituale aufspüren. muss zum beispiel erst der hund rausgelassen werden, bevor man sich zum mittagessen setzt. und interessant scheint die frage, wie wichtig einem überhaupt struktur im leben ist? möchte man einen festen tagesablauf haben? wie würde es sich für einen anfühlen, wenn alles flexibler gehandhabt würde? wäre dies eine bedrohung oder eine befreiung? viele weitere aspekte können sich aus einem notierten tagesablauf ergeben.