Schlagwort-Archive: tätigkeit

wortklauberei (97)

„ehrensold“

ich will auch bundespräsident werden, also zumindest für anderthalb jahre. ich wüsste auch, was ich für reden halten würde, es gäbe manches zu sagen. wenn ich das schön durchhalte, dann bekomme ich einen „ehrensold“. das ist ein seltsames wort. es geht wohl davon aus, dass menschen in der position eines bundespräsidenten per se ehrenhaft sind, sonst wären sie nicht bundespräsident geworden. im ränkespiel der parteien eine etwas übertriebene vorstellung.

und irgendwie steckt da auch die vorstellung drin, dass man als bundespräsident anscheinend der wehrpflicht unterliegt oder „teil der truppe“ ist. wie käme sonst jemand auf die idee, es „sold“ zu nennen. jetzt steht natürlich die frage im raum, für was denn ehemalige bundepräsidenten gekämpft haben? aber vielleicht leisten sie zivildienst, da bekam man ja auch „sold“. man bekam sogar ein häufchen geld, wenn der dienst beendet war. wäre hübsch gewesen, wenn man es „ehrensold“ genannt hätte, bei dem knochenjob, den man gemacht hatte.

und noch schöner wäre es gewesen, wenn man über eine ähnlich hohe abfindung monatlich verfügen könnte. da wäre das häuschen, das man sich nach dem zivildienst gekauft hat, schnell abbezahlt. oh, das klingt jetzt nach sozialneid. stimmt, man möchte nicht zum bundespräsidenten werden, man möchte die rolle gar nicht übernehmen, allein der terminkalender, der einen da durch die gegend scheuchen wird.

aber doch impliziert das wort etwas, nämlich „ehre“. und da wird es auch schwierig. es ist ein sehr altbackener begriff, der schwammig daherkommt. meist wird auch dieser begriff im zusammenhang mit dem militär gebraucht, abgesehen vom ehrenamt. ehrenamtlich tätige dürfen eine aufwandsentschädigung erhalten, die in berlin zum beispiel für jeden geleisteten dienst den wert von zwei bvg-tickets umfasst für die fahrt hin und zurück.

gut es gibt ehrenämter, da wird mehr aufwandsentschädigung gezahlt, aber es darf eben kein gehalt sein. bei 200 000 euro im jahr, kann es sich aber nicht mehr um eine aufwandsentschädigung handeln (vor allen dingen nicht wenn im nachhinein bezahlt wird). wer in der glücksspirale oder in anderen lotterien die „rente“ gewinnt, liegt immer noch locker unter dem „ehrensold“. nein, es ist wahrscheinlich kein sozialneid – es ist die frage nach der verhältnismässigkeit zwischen leistung und entlohnung auf lebenszeit. hier werden durch den ehrensold viele ehrhaften tätigkeiten entehrt. wir leben da wohl über unsere verhältnisse.

Advertisements

biografisches schreiben und arbeitsleben

arbeit dient der eigenen absicherung und der existenzsicherung oft für mehrere menschen. somit lässt sie sich schwer umgehen. um diese nutzung der eigenen lebenszeit ein wenig attraktiver zu machen, ist arbeiten an lohn und an wertschätzung gekoppelt worden. wer arbeitet leistet nicht nur für den arbeitgeber etwas, sondern auch für den erhalt der gesellschaft. das klingt schön, versucht aber auszublenden, dass arbeit auch nur der veräußerung der eigenen arbeitskraft dient.

beinahe jeder arbeitnehmer gelangt im laufe seines lebens einmal an den punkt, sich nach dem sinn des ganzen zu fragen. der diskurs um die arbeit hat auch dieses problem aufgegriffen und propagiert die vorstellung von einer sinnvollen tätigkeit. so bemühen sich viele im laufe ihrer lebensgeschichte, um einen erfüllenden job, der nicht nur wert schöpft, sondern ideelle vorstellungen transportiert. dies kann sicherlich befriedigender sein, bedeutet aber auch nichts anderes, als seine arbeitskraft zur verfügung zu stellen. nur die ideellen erwartungen sind noch ein wenig größer.

beim betrachten der eigenen biografie, lohnt sich ein blick auf die eigene einstellung zum arbeitsleben. wieweit hat man sich strategisch verhalten, sich gesagthat, ich muss es machen, also augen zu und lohn erhalten? oder wollte man gleichzeitig mit seiner eigenen tätigkeit größere ziele erreichen, die einem einen platz in der gesellschaftlichen anerkennung sicherten? wie stark beeinflusste das arbeitsleben die eigene private entwicklung? sind arbeit und leben zu trennen gewesen oder verschwamm alles? gab es momente, in denen man ob der eigenen tätigkeit zweifelte und wieweit hat das das eigene leben verändert?

beim blick auf das eigene arbeitsleben können sich viele aufschlussreiche erkenntnisse einstellen, die die eigene lebenshaltung stark beeinflusst haben.

selbstbefragung (23) – arbeit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „arbeit„.

  • was verstehen sie unter „arbeit“? begründen sie.
  • brauchen sie zum leben regelmäßige arbeit?
  • können sie arbeit und freizeit klar trennen? warum nicht?
  • wie weit haben sie das gefühl, dass sie sich bei ihrer arbeit selbst verwirklichen können? beschreiben sie.
  • wofür arbeiten sie? für geld, gegen die langeweile, zur steigerung ihres selbstwertgefühls, für andere oder aus anderen gründen?
  • würden sie gern weniger arbeiten?
  • wer stellt die regeln für ihre arbeit auf? sind sie zufrieden damit?
  • von was fühlen sie sich bei ihrer arbeit abhängig? begründen sie.
  • wie läuft es denn so mit den kollegInnen und den netzwerken?
  • lernen sie gern beständig dazu?

biografisches schreiben und fertigkeiten

früher war die welt noch klar strukturiert und meist in ordnung. männer mussten ihre hemden nicht selber bügeln. entweder wurde dies von personal, von der wäscherei oder von der hausfrau erledigt. frauen konnten kochen und männer höchstens grillen. dafür schnitt der mann den braten oder das geflügel auf und die frau hielt den haushalt in ordnung.

heute hat sich das verschoben, verändert und zum glück gemischt. so haben sich in den letzten jahrzehnten viele männer fertigkeiten angeeignet, die einst von frauen erledigt wurden. im gegenzug dazu haben sich frauen in vielen bereichen emanzipiert und lassen sich bestimmte lebensbereiche nicht mehr vorenthalten. dies erleichtert in vielen zusammenhängen entweder das zusammenleben oder das single-dasein.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte sollte auch ein blick auf all das geworfen werden, was im alltag bewältigt und selbstständig ausgeführt werden kann. hier geht es nicht um die hobbys, wie zum beispiel „ich kann angeln“, sondern eher um die haushaltstätigkeiten und praktische fertigkeiten. sie können vieles erleichtern oder auch eine gewisse unabhängigkeit im späteren leben geschaffen haben. wer zum beispiel einen garten bewirtschaften, einkochen und mahlzeiten zubereiten kann, benötigt kaum hilfe bei der selbstversorgung.

außerdem zeigt die auflistung der diversen fertigkeiten, dass sich gerade wieder vieles auf dem rückzug befindet. das hotel „mama“, das teils auch staatlich verordnet wird, da keine unterstützung für den auszug gewährleistet wird, führt auch zu einer zunehmenden unselbstständigkeit. es war nach den fünziger jahren für viele ein ziel, selbstständiger zu sein. wieweit hat das die eigene biografie beeinflusst? fällt es einem in der folge schwer, sich hilfe zu suchen? am besten man erstellt einmal eine liste, wieviele haushaltstätigkeiten und wieviele anforderungen des alltags allein bewältigt werden können. und dann kann man sich beim biografischen schreiben vielleicht fragen, welche man eigentlich noch erlernen möchte. hemden bügeln kann man in diesem zusammenhang vielleicht als überflüssig betrachten 😆