Schlagwort-Archive: teilnehmer

schreibpädagogik und kombinieren

man selber muss keinen finger rühren, um immer wieder neue kombinationen erleben zu können. allein die unterschiedliche zusammensetzung einer schreibgruppe oder eines seminars sorgt dafür, dass jeder durchgang einer veranstaltung anders sein wird. selbst wenn man ein angebot sehr oft durchführt gibt es meist kaum identische situationen. gut manche ergebnisse und reaktionen können sich ähneln, aber die meisten sind so unterschiedlich, dass man sich in kürzester zeit sicher ist, den verlauf einer veranstaltung nie vorhersagen zu können.

und es liegt einzig und allein an der neuen kombination verschiedener menschen. es ist erstaunlich, wie viel dies ausmacht. wenn man sich dann zusätzlich noch die freiheit gibt, direkt auf die jeweiligen bedürfnisse der gruppe zu reagieren, dann kann man am ende einer veranstaltung jedesmal woanders landen. das ist auch für einen selber interessant und spannend. denn man arbeitet sich jedesmal in neue aspekte, blickwinkel und themen ein. dadurch wird der eigene blick auf das, was gelehrt oder angeleitet wird, stetig erweitert und vielfältiger.

dies hat natürlich den effekt, dass man beim nächsten durchgang die kombination des angebots ein wenig verändert, neues einfließen lässt. und schon befindet man sich auf einer ganz anderen schiene mit der nächsten gruppe. es kann sein, dass von mal zu mal das angebot dichter und spannender wird. es kann aber auch sein, dass man so viel in die schreibgruppenleitung packt, da man selber so viel neues erfahren hat, dass die rückmeldung eindeutig ist: es ist alles Weiterlesen

Werbeanzeigen

schreibgruppen selber gründen (06)

teilnehmer_innen

wenn sie eine schreibgruppe gründen, sollten sie sich mit als erstes gedanken darüber machen, wie viele teilnehmerInnen sie gern in der gruppe hätten. es gibt gute gründe dafür, die gruppe nicht zu groß zu planen. natürlich kann man schreibgruppen mit mehr als 15 teilnehmerInnen veranstalten. doch zu einer intensiven schreibarbeit gehört auch die möglichkeit, die entstandenen texte vorzutragen und ein feedback zu erhalten. dies ist die beste möglichkeit, das eigene schreiben beständig weiterzuentwickeln.

nun male man sich eine schreibgruppe mit 20 teilnehmerInnen aus und stelle sich vor, wie alle ihre texte vorstellen und eine feedbackrunde dazu stattfindet. damit wäre die zeit des schreibgruppentreffens vorüber und alle wären mit großer wahrscheinlichkeit erschöpft, ob der vielen spannenden und interessanten texte. 10 teilnehmerInnen ist eine angenehme größe und eigentlich die grenze für intensives arbeiten. natürlich ist es spannend die ergebnisse möglichst vieler menschen kennenzulernen, aber intensives arbeiten ist ab einem bestimmten punkt kaum mehr möglich.

sie dürfen zu beginn bestimmen, wie viele teilnehmerInnen gewünscht sind und die anmeldeliste ab einer bestimmten interessentInnenzahl schließen. sollte es eine große nachfrage für ihre idee geben, wäre zu überlegen, ob man die anderen nicht dazu einlädt, noch eine schreibgruppe zu gründen. ebenso ist es vorstellbar, dass alle interessierten zum ersten treffen zusammenkommen, um die gruppe entscheiden zu lassen, wie weiter verfahren wird.

es kommt aber nicht so häufig vor, dass schreibgruppen überrannt werden. doch abseits des interesses spielt bei der zahl der teilnehmerInnen auch die raumsituation eine große rolle. es sollten alle genug platz haben, sich beim schreiben auszubreiten und eventuell ein wenig abseits setzen zu können. ist dies nicht der fall, Weiterlesen

schreibpädagogik und angst

die angst der gruppenleitung vor der schreibgruppe. ein thema, das selten beschrieben wird, aber sehr wohl existent ist. auch gruppenleitungen sind auf die rückmeldungen der gruppe angewiesen, um zu realisieren, wie ihre leitungsfunktion ankommt oder nicht ankommt. und doch ist jede gruppe anders, niemand weiß, was auf ihn oder sie zukommt. da ist es nicht abwegig, dass auch bei moderationen, anleitungen und beim referieren ängste ins spiel kommen.

ein gedanke dreht sich darum, ob man gut genug vorbereitet ist und den erwartungen der teilnehmerInnen genügt. selten weiß man etwas von den persönlichen kompetenzen der schreibgruppenteilnehmerInnen. man hat keine ahnung, welches niveau erwartet wird. der druck nimmt zu, wenn für die teilnahme bezahlt wird. denn die menschen wollen etwas für ihr geld geboten bekommen. und sie möchten nicht unterfordert werden.

dann werden texte geschrieben. etliche schreibgruppenleitungen schreiben nicht mit. doch eigentlich schafft man beim mitschreiben eine vertrauensvolle atmosphäre. aber dies kann auch für die gruppenleitung bedrohliche ausmaße annehmen, vor allen dingen, wenn man seine eigenen in texte mit denen der teilnehmerInnen vergleicht. hier wird antizipiert, dass alle teilnehmerInnen nichs anderes machen, als darauf zu achten, was die leitung schreibt. ganz abwegig ist der gedanke nicht, denn eine gruppenleitung ist eine gruppenleitung ist eine gruppenleitung. der versuch, sich dieser rolle zu entziehen wird zum scheitern verurteilt sein. gleichzeitig wird aber gern die bewertungsskala von teilnehmerInnen überschätzt.

es gibt ebenso die angst davor, nicht jede frage beantworten zu können. dabei verzeihen auch schreibgruppenteilnehmerInnen die tatsache, dass man sich nicht in jedem bereich auskennen muss und nicht jede antwort parat hat. Weiterlesen

schreibpädagogik und gier

das mag seltsam klingen: was hat das anleiten von schreibgruppen mit gier zu tun? man ist so begierig, gruppen anzuleiten, und dann vor allen dingen schreibgruppen? nun, das mag es vielleicht geben, doch das geht selten über den „spaß“, gruppen anzuleiten hinaus. natürlich sollte man lust darauf haben, so etwas zu machen, wenn man es anbietet, aber gierig, gruppen zu leiten kann man glaube ich nur werden, wenn man beständig mehr damit verdienen möchte.

nein, hier geht es um eher um phänomene der gruppendynamik. auf der seite der teilnehmerInnen kann „gieriges“ verhalten auftreten. das hat mit dem positiven erleben von schreibübungen zu tun, also mit dem positiven erleben vom selbst schreiben. die gier entsteht dadurch, dass dieses erleben in schon beinahe süchtiges verhalten umschlägt. ab und zu kann man teilnehmerInnen antreffen, die kein ende finden wollen, die eine schreibanregung nach der anderen einfordern und beständig nur texte schreiben wollen, den austausch darüber aber eher als lästig empfinden.

man kann auch nicht gleich von gier sprechen, sondern erst dann, wenn dabei die anderen teilnehmerInnen der schreibgruppen aus den augen verloren werden. es kann also sein, dass jemand versucht über alle anderen bedürfnisse hinwegzugehen, um die eigenen befriedigt zu bekommen. in diesem moment wäre es an der leitung der schreibgruppe, einzuschreiten und zu verstehen zu geben, dass es noch andere teilnehmerInnen gibt. ist die schreibgruppe eine selbstorganisierte, dann wäre es an den anderen teilnehmerInnen, einspruch zu erheben Weiterlesen

schreibpädagogik und unsicherheit

wie geht man mit teilnehmerInnen um, die das erste mal in ihrem leben eine schreibgruppe besuchen? natürlich genauso wie mit anderen teilnehmerInnen, die schon häufiger schreibgruppen aufgesucht haben. und doch hat man darauf zu achten, inwieweit neue in der gruppe aufgenommen werden. das unterscheidet sich nicht von der anleitung anderer gruppen.

erster ansprechpartner für alle ist die gruppenleitung. dies bedeutet, allen teilnehmerInnen gleichviel aufmerksamkeit entgegenzubringen. auch wenn man zum beispiel aus vorherigen schon manche kennt, sollte man ihnen nicht viel mehr aufmerksamkeit schenken, als anderen, da sich sonst menschen, die das erste mal an einer schreibgruppe teilnehmen, zurückgesetzt fühlen. sie bekommen das gefühl, in einen zusammenhang geraten zu sein, der sich schon lang kennt und keinen zugang offeriert.

es ist damit zu rechnen, dass sich dadurch alte bekannte zurückgesetzt fühlen, hier ist eine balance zu halten. am besten gleicht man diese verschiedenen interessen und empfindungen dadurch aus, dass man am anfang die gruppenregeln formuliert, die jedem und jeder die gleichen chancen einräumt, die eigenen texte und geschichten vorzustellen, die im laufe der übungen entstanden sind und auch allen dieselbe ausführlichkeit beim feedback garantiert.

man nehme also möglichst wenig bezug auf frühere gruppen, das kann man außerhalb der eigentlichen treffen machen, wenn es zum beispiel zum privaten besuch einer kneipe im anschluss geht. doch auch hier sollte man darauf achten, möglichst alle einzubeziehen, wenn diese ein interesse daran signalisieren. denn die rolle der leitung verliert man in diesen momenten immer noch nicht, so sehr man sich auch müht.
oft kann aber in gruppen damit gerechnet werden, dass die anderen teilnehmerInnen sich neuen bereitwillig widmen, da sie das gefühl, neu in einer gruppe zu sein, etwas das erste mal zu machen, gut kennen.