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wissenschaftliches schreiben und arbeit

wissenschaftliches schreiben wird mit großer wahrscheinlichkeit wie das schreiben von geschäftstexten eher als arbeit empfunden als biografisches oder kreatives schreiben. dabei unterscheiden sich die eigentlichen schreibprozesse nicht groß voneinander. abgesehen davon widmet man sich in den wissenschaften und in der forschung meist themenbereichen, die einen interessieren, die einem spass machen. also auch in der grundhaltung ist kaum ein unterschied zum biografischen und kreativen schreiben zu entdecken. woran also liegt der große unterschied im subjektiven empfinden, dass das eine als arbeit und das andere als vergnügen betrachtet wird?

ich kann hier nur vermutungen anstellen, die auf äußerungen von schreibenden basieren: es liegt am korsett des wissenschaftlichen schreibens. neben rechtschreibung und grammatik herrschen viel mehr konventionen beim verfassen eines wissenschaftlichen textes. auch dies wäre wahrscheinlich noch nicht allein das problem, denn bei manchen formen der lyrik oder auch der prosa gibt es auch enge grenzen und strenge regeln. was vielen menschen beim wissenschaftlichen schreiben fehlt, ist die möglichkeit eine persönliche haltung einfließen zu lassen.

wenn man sich längere zeit mit einem forschungsgebiet beschäftigt, bildet man sich eine meinung dazu. und man erweitert, differenziert seine haltung stetig beim lesen weiterer wissenschaftlicher texte und ergebnisse. beim forschen führt man einen ständigen inneren diskurs, der teilweise bei kongressen oder colloquien auch zu einem äußeren diskurs wird. doch dieser diskurs ist in schriftlichen wissenschaftlichen arbeiten oft nur am schluss platziert. eine vorstellung von übergeordneter objekivität in veröffentlichungen verhindert eine persönliche positionierung. das, was im mündlichen diskurs stattfinden darf, findet im schriftlichen erst einmal keinen platz.

es ist anstrengend sich zurückzuhalten. wenn man zum beispiel abschlussarbeiten korrektur liest, stellt man fest, dass in kleinen formulierungen die persönliche meinung durchschimmert und man muss die schreibenden darauf aufmerksam machen, dass sie sich kundig machen sollten, ob ihre gutachterInnen persönliche haltungen im text akzeptieren. ich möchte hier kurz die lanze für eine persönliche positionierung auch bei abschlussarbeiten brechen. die vorstellung „echte“ wissenschaft sei erst einmal objektiv, da sie auf logik, mathematik, unbeeinflusste messungen und mehr basieren, ist fragwürdig. auf der wissenschaftstheoretischen ebene gibt es seit jahrzehnten einen diskurs, wie objektiv oder subjektiv unsere forschungen die welt erfassen. auch die als gut erfassbar erscheinenden naturwissenschaften (da man so viel messen kann) kommen da inzwischen an punkte (letztes schönes beispiel – das higgs-teilchen), wo sich die frage stellt, ob die untersuchungsanordnung das ergebnis Weiterlesen

schreibidee (374)

die naturwissenschaften kommen hier immer zu kurz, abgesehen von den tieren und den pflanzen. dabei gibt es noch so viele andere erkenntnisse und vorstellungen, die sich wunderbar in schreibanregungen einflechten lassen. darum dieses mal der blick auf die chemie und eine schreibanregung zu „molakularen texten“.

nein, es sollen hier keine wissenschaftlichen abhandlungen zur struktur von molekülen und atomen verfasst werden. vielmehr kann man die chemischen sortierungen und strukturen wunderbar für kreative assoziationen verwenden. man nehme zum beispiel für den einstieg das periodensystem der elemente (siehe http://commons.wikimedia.org/wiki/Periodic_table?uselang=de ), man entferne oder verkleinere die elemente, behalte aber die numerierung bei und beschränke sich auf die ersten fünfzig elemente. nun wird in jedes kästchen ein beliebiger begriff notiert. (es können auch begriffe aus vorherigen clustern eingetragen werden).

für die erste schreibanregung werden je nach nummerierung (oder elektronenzahl) worte verwendet, um einen kurzen text zu schreiben. also besteht der erste text zum ersten begriff aus einem wort, der zweite aus zwei, der dritte aus drei. die texte sollen sich auf den eingetragenen begriff beziehen. man kann das spiel noch weiterführen. jetzt werden aus den elementen moleküle gebildet. man nehme zum beispiel h2o, unser wasser. nun wird eine geschichte geschrieben, in der der erste begriff zwei mal auftaucht und der achte begriff einmal. oder wenn man salz nimmt, nacl, dann kann man aus dem 11ten und dem 17ten begriff einen text verfassen. ein wenig umständlich wird das ganze bei kohlenwasserstoff-verbindungen, da der wasserstoff so häufig auftaucht. doch es kann ja jedes element eine moleküls nur einmal verwendet werden.

ebenso kann man die elektronen (also die zahl der worte) dem molekül gemäß kombinieren. noch eine variante kann sein, dass man die symbole für die elemente bestehen lässt und aus ihnen worte bildet, indem man sie an den anfang des wortes setzt. so wird aus gold (au) das auto, aus silber (ag) der agent, aus tellur (te) der tennisball usw.. bei manchen elementen mag dies schwierig sein, bei magnesium (mg), doch hier kann man die regel einführen, dass ein vokal zwischen die buchstaben gesetzt werden darf. auch die so entstandenen worte können wieder zu molekülen (und geschichten) kombiniert werden.

geht man noch einen schritt weiter, dann können aus den eingetragenen worten, neue abkürzungen entstehen, die man zu fantasie-molekülen vereint und daraus geschichten entstehen lässt. oder man erfindet eigene elemente, gibt ihnen namen, schreibt ihnen eigenschaften zu, erschafft eigene moleküle und macht sie zur grundlage von geschichten. wie wäre es zum beispiel mit den „elementen der kreativität“? welche rolle hätten dabei die elektronen? der kreativität sind keine grenzen gesetzt. nach all den kreativen (chemischen) experimenten, werden die texte in der schreibgruppe vorgestellt (einhergehend mit der vorstellung des eigenen periodensystems). in der feedbackrunde wird die halbwertszeit der strahlenden elemente (worte) diskutiert. viel spaß beim experimentieren mit der chemie.

wissenschaftliches schreiben und unsicherheit

von außen betrachtet scheint es, wie wenn das wissenschaftliche schreiben unglaublich viele sicherheiten bieten würde. angefangen beim layout, beim aufbau eines wissenschaftlichen textes bis zu den zitierweisen und dem literaturverzeichnis existieren absprachen und regelungen. das eigentliche forschungssetting und der untersuchungsaufbau wiederum werden vorab mit zuständigen personen geklärt und abgesprochen. also scheint kaum platz für unsicherheiten zu existieren.

doch weit gefehlt, denn auch in forschung und wissenschaft menschelt es. in dem moment, in dem eine betreuung durch andere personen notwendig ist, kann sich alles wieder ändern. so eindeutig, wie es oft vermittelt wird, sind die strukturen einer wissenschaftlichen arbeit gar nicht. nehmen sie zehn wissenschaftlerInnen und berfragen sie sie, wie groß der persönliche anteil sein darf, wie stark sich jemand mit seiner meinung in einer wissenschaftlichen arbeit positionieren darf. sie werden mit großer wahrscheinlichkeit zehn verschiedene antworten bekommen – von der haltung, dass nur im diskussionsteil ein minimaler anteil an persönlichen statements der autorInnen auftauchen kann bis zur haltung, dass jederzeit persönliche statements abgegeben werden dürfen, wenn sie nur klar gekennzeichnet sind.

auch die kennzeichnung von zitaten wird verschieden gehandhabt, vor allen dingen bei internetverweisen, die auswertung von (statistischen) daten sowieso, ebenso wie die notwendigkeit von grundlagenliteratur. eigentlich spricht nichts gegen unterschiedliche arbeitsweisen in wissenschaft und forschung, wenn nicht parallel ständig vermittelt würde, es gäbe einen wissenschaftlichen konsens, eine klare struktur. dem ist nicht so und dem wird es auch nicht sein. die vergleichbarkeit von wissenschaftlichen arbeiten (vor allen dingen, wenn es darum geht, zu bewertungen und benotungen Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (08)

kleinliche korrektur

schreiben kann auch menschen, die sich in der rechtschreibung und grammatik nicht so gut auskennen, viel spaß machen. leider verschwindet die freude am schreiben sehr schnell, wenn das augenmerk mehr auf die fehlerkorrektur gelenkt wird, denn auf den inhalt der texte. natürlich kann ein text anstrengend sein, wenn die schreibfehler den inhalt enorm verändern und der lesefluss vollständig unterbrochen wird. doch dies ist selten der fall. wir menschen sind erstaunlicherweise fähig, nur andeutungen von worten und aussagen trotzdem zu entschlüsseln und aufgrund unserer leseerfahrungen zu ergänzen.

also könnte man sich getrost dem inhalt zuwenden und die geschichten, aussagen oder ereignisse genießen. doch da sind wieder einmal das „lernziel“ oder die „vergleichsvorgaben“ vor. teilweise wird beim schreiben von aufsätzen, von stories oder von abschlussarbeiten vor allen dingen der rotstift der fehlerkorrektur gezückt. auch das wäre noch nicht so tragisch, wenn in der endbewertung eines textes vor allen dingen der inhalt beurteilt werden würde. aber es kommt immer noch zu oft vor, dass die fehlerkorrektur in den vordergrund gedrängt wird.

dies führt zum beispiel bei menschen mit schreibschwächen (legasthenie etc.) oder bei menschen, die deutsch als fremdsprache erleben, schnell zu frustrationen. da hat sich jemand eine tolle, fantasievolle geschichte ausgedacht und niedergeschrieben und dann wird der inhalt kaum beachtet. und selbst wenn jemand rechtschreibung und grammatik ganz gut beherrscht, so kann es doch jedem passieren, dass man dinge übersieht. selbst nach dreimaligem korrekturlesen können noch fehler auftauchen.

ich möchte hier nicht generell gegen die fehlerkorrektur argumentieren. die kann und soll stattfinden, auch um beim schreiben stetig etwas dazu zu lernen. aber sie muss nicht im vordergrund stehen. spaß man schreiben macht sicherlich nicht Weiterlesen

wie man den spass am schreiben abgewöhnt (02)

fieses feedback

es gibt gruppen, die sich treffen, um gegenseitig texte vorzulesen. das kann erst einmal schön sein. doch in manchen gruppen gilt der ehrgeiz möglichst viele texte in grund und boden zu stampfen, sich zu richterInnen des guten geschmacks zu machen. hier sind kritik und feedback meist nicht förderlich, sondern personalisierend und motivationshemmend. bei diesen gruppen handelt es sich schon um die fortgeschrittenen-variante des fiesen feedbacks.

es fängt oft im kleinen an. auch bei diesem thema kann ich nur wieder die schule heranziehen. dort machen wir alle meist die ersten erfahrungen mit ersten textkritiken. man schreibt aufsätze und die lehrerInnen suchen nicht nur schreibfehler, sondern kommentieren und benoten den geschriebenen beitrag. viele lehrerInnen sind so sensibel, die anfänge kreativer schreibprozesse förderlich zu kommentieren. doch leider kam es immer wieder vor, dass das feedback zu viel oder zu wenig potential bemängelte und somit ein urteil sprach, das einhergehend mit einer note, spuren hinterlässt.

so berichteten mir mehrere menschen, dass lehrerInnen den kindern vor allen dingen zu viel fantasie attestierten, die den rahmen eines schulaufsatzes sprengten. was heisst in diesem zusammenhang zu viel? da galoppieren die geschichten mit einem kind davon. man kann dies auch als großes potential verstehen, das im laufe der zeit in produktive bahnen gelenkt werden könnte. und so wird nicht die fantasie im keim erstickt.

oder es wird jemandem bescheinigt, dass er in den naturwissenschaftlichen fächern ja prima sei, aber die aufsätze einfach zu kurz wären. auch hier wird nicht vorgeschlagen, einmal verschiedene formen der verdichtung auszuprobieren oder mit einer schreibtechnik nachdem alles geschrieben ist, zwischen zwei sätze immer einen weiteren satz einzuflechten und mal zu schauen, was dabei herauskommt.

abseits der schule gibt es die fiesen feedbacks jedoch ebenso. wenn sich ein kind sehr für das schreiben interessiert und überlegt, eigene texte zu veröffentlichen, dann wächst die angst vieler eltern exponentiell an, das kind könne auf die idee kommen, schriftstellerIn zu werden. das muss in den augen vieler erziehungsberechtigter verhindert werden, handelt es sich doch um einen brotlosen und etwas abseitigen berufswunsch. also wird das schreiben in der textkritik strategisch madig gemacht. es wird an den kompetenzen zur veröffentlichung von texten gezweifelt.

ähnliches kann man im berufsleben erleben, wenn man einen etwas lebhaftere, blumige sprache wählt, wenn jemand gern nebenher geschichten oder romane schreibt, wenn jemand überhaupt signalisiert lust am (kreativen) schreiben zu haben. auch diese aussagen werden gern in lächerliche gezogen. die texte werden unerbittlich einer geschäftsfähigkeitsprüfung unterzogen und alle anderen bestrebungen ignoriert.

womit ich zum schluss wieder bei den textkritiken in gruppen „gleichgesinnter“ lande. auch im internet ist in den foren für schreiblustige zu lesen, wie unverhältnismäßig manche kritik daherkommt. es wird nicht die wirkung des textes auf einen selbst diskutiert, sondern es werden wieder noten mit punkten, sternchen oder ziffern erstellt. es wird ein ranking erstellt. leider wird in den seltensten fällen wirklich zum text passend argumentiert. auch hier ist das feedback einfach nicht förderlich. schade, dass dies noch nicht einmal in kreisen von menschen geschieht, die große lust am schreiben haben.

die professionelle variante des fiesen feedbacks ist häufig die literaturkritik. erstaunlich, dass schreiben und geschriebenes solche widerstände verursacht. einzige lösung: sich davon in der eigenen schreiblust nicht behindern lassen.

schreibberatung und kombinieren

wie in der vorigen schreibidee dargestellt, kann das absurde kombinieren von textsorten und schreibtechniken das herangehen an eine schreibaufgabe etwas auflockern. dabei ist damit zu rechnen, dass auch der innere zensor, dass die eigenen erwartungen an einen text etwas in den hintergrund treten. die schreibenden wissen, dass ein beipackzettel als gedicht kein „ernsthafter“ text ist, und lässt sie mit großer wahrscheinlichkeit entspannt in den schreibprozess einsteigen.

in der schreibberatung kann man auch ein paar anleihen bei der systemischen therapie machen. eine der vorstellungen dieser therapieform besteht darin, dass das individuelle (denk)system, in dem ein mensch lebt, verstört werden kann, damit sich ein neues system herausbildet. wenn es also bei schreibprozessen immer wieder die gleichen hemmungen und blockaden gibt, dann könnte man versuchen, sie zu verstören und zu umgehen.

in diesem moment kann es hilfreich sein, zum beispiel einen wissenschaftlichen text(abschnitt) erst einmal als kurzgeschichte oder kochrezept schreiben zu lassen. dabei verlässt man die inhaltliche fragestellung nicht, soll heißen, man sammelt weiter stichpunkte und wissen im text an, aber die form und struktur widerspricht jeglicher norm. das verschwinden der norm kann die nötige freiheit geben durch die neukombination von inhalt und struktur neues zu denken und zu formulieren. ganz abgesehen davon besteht zusätzlich die möglichkeit, andere worte für den gleichen sachverhalt zu finden, die eventuell später in den fachtext übernommen werden können. dadurch wird der lesefluss aufgelockert und der text eventuell ansprechender.

duch neu- oder rekombinationen von schreiberlebnissen in der schreibberatung nimmt man den teilweise blockierenden mustern erst einmal Weiterlesen

schreibidee (355)

ich möchte dieses mal den gedanken der steten kombination aufgreifen. beim kreativen schreiben lassen sich ohne probleme absurde verknüpfungen herstellen, die neues, spannendes oder auch sinnloses ergeben. der versuch ist es jedenfalls wert und deshalb hier die schreibanregung zu „kkk – kreativen kombinationsketten“.

gestartet wird mit einem beipackzettel eines medikaments. alle teilnehmerInnen der schreibgruppe bekommen die kopie des zettels und erhalten die aufgabe, das geschriebene in eine gedicht zu verwandeln. natürlich darf es dabei zu auslassungen und neukombinationen kommen, nicht der gesamte beipackzettel soll wiedergegeben werden. anschließend werden die gedichte kurz vorgetragen.

da nun alle schon einen beipackzettel vorliegen haben, werden sie aufgefordert, einen liebesbrief in der form eines beipackzettels für medikamente zu verfassen. wie kann man tiefe gefühle als nebenwirkungen darstellen? 😉 es dürfte nicht ganz so schwer sein, da verliebt sein oft genug mit einem krankheitsgefühl verglichen wird. die beipackzettel werden anschließen vorgelesen.

als nächstes bekommen alle schreibgruppenteilnehmerInnen einen kurzen nachrichtentext aus einer zeitung als kopie. dieser text soll nun in die form eines liebesbriefs gebracht werden. wie könnten nachrichten hoch emotional und mit viel liebe an andere menschen vermittelt werden? auch die nachrichten-liebesbriefe werden in der gruppe vorgetragen.

nach dieser kombination verschiedener textsorten schreiben alle teilnehmerInnen ein haiku (es wird kein thema vorgegeben). im anschluss wird das haiku in einen nachrichtentext verwandelt. beide, haiku und nachrichtentext werden vorgelesen. generell kann nach jedem schritt natürlich ein feedback stattfinden, doch die kette der vorgehensweisen würde dadurch länger unterbrochen werden. vielleicht ist es einmal ganz sinnvoll, am stück von kombination zu kombination zu gehen und erst abschließend eine feedbackrunde zu den jeweiligen eindrücken durchzuführen.

denn nun soll ein kochrezept in ein haiku verwandelt werden. dafür bekommen alle teilnehmerInnen die kopie eines rezeptes und sind aufgefordert aus dem vorhandenen text ein haiku zu verfassen. es dürfen auch gern zwei oder drei haikus werden. die haikus werden vorgestellt.

und um zum schluss den kreis zu schließen, ist jetzt ein gedicht in ein kochrezept zu verwandeln. dazu kann entweder das zu beginn aus dem beipackzettel geschriebene gedicht verwendet werden oder ein vorher in der schreibgruppe geschriebenes oder ein von der schreibgruppenleitung mitgebrachtes. auch die kochrezepte werden vorgetragen.

natürlich kann diese kreative kombinationskette durch andere textformen erweitert werden. es können romane in haikus, kochrezepte in kurzgeschichten oder gebrauchsanweisungen in lyrik verwandelt werden. der kombination von schriftlichen erzeugnissen sind keine grenzen gesetzt – oder wie würde ihnen ein gesetzestext als elfchen gefallen?

wissenschaftliches schreiben und bewusstes

wissenschaftliches schreiben ist sicherlich eine schreibform, die keinen raum für unbewusstes zulässt. es mag sein, wie hier schon öfter thematisiert, dass unbewusstes das schreiben an einem wissenschaftlichen text erschwert, also erfahrungen, die man bisher mit dem schreiben gemacht hat, doch darum soll es heute nicht gehen. es stellt sich für wissenschafltiche schreibende daneben auch die frage, wie man das, was man im kopf schon bewusst vorgedacht hat, zu papier bringen kann.

oft ist es leichter gesagt als getan, die passenden worte für das zu schreibende zu finden. entweder klingen die texte dann buchhalterisch, zu flappsig oder eventuell sehr holprig. grundvoraussetzung für einen ansprechenden text ist häufig ein relativ entspannter schreibfluss. natürlich sind die notwendigen daten und verweise ebenso wichtig, doch sie können ohne probleme noch nachträglich eingefügt werden.

vorbereitend für wissenschaftliche arbeiten werden texte gelesen und untersuchungen angestellt. um später nicht ständig noch einmal alles nach verwendbarem material durchsuchen zu müssen, bietet es sich an, während des lesens und untersuchens, exzerpe oder protokolle zu erstellen. wenn man im vorfeld den roten faden der eigenen arbeit entwickelt hat (wurde hier im blog auch schon thematisiert), weiß man oft welche zitate oder ergebnis für den text brauchbar scheinen. so kann man sich eine sammlung der wichtigen „einzelteile“ erstellen. zum beispiel kann man dafür den „zettelkasten“ von daniel lüdecke als programm verwenden oder zitier-software für die jeweiligen betriebssysteme. wichtig ist es, gleich die randdaten der zitate, links oder untersuchungen nach einem vorher überlegten system mit anzugeben, um sie später nicht noch einmal suchen zu müssen.

nun kann man sich bei den ersten schreibschritten für den haupttext ein wenig zurücklehnen und im wahrsten sinne des wortes „loslegen“. dies bedeutet, dass man die bewussten gedanken, die man zum thema, zur arbeit oder zum text hat, möglichst ungefiltert zu papier bringt. dazu bietet sich das freewriting oder fokussierte freewriting an. in regelmäßigen abständen kann man diese schreibtechnik ohne großen zeitaufwand Weiterlesen

„die gebeugte stadt“ – ein lesetext

er wandelte durch die strassen und seine angst wurde unbeschreiblich. lang war er nicht mehr hier gewesen und am anfang war ihm auch nichts aufgefallen. doch irgendwann spürte er, dass ihm etwas fehlt. ganz gleich, wo er sich hin bewegte, irgendwas irritierte ihn. und dann fiel es ihm auf: die menschen auf den strassen blickten ihn nicht mehr an.

seitdem er bemerkt hatte, dass niemand mehr den augenkontakt sucht, seitdem schaute er seine mitmenschen noch intensiver an. und je länger er wieder in der stadt war, um so stärker fröstelte es ihn. langsam stieg die angst in ihm hoch, dass sich etwas geändert hatte, und er hatte es nicht mitbekommen.

da machte er es sich zur aufgabe, jeden tag auf die strasse zu gehen, herumzuwandeln und sich umzuschauen. vielleicht konnte er herausfinden, was seine stadt so verändert hatte. gerade einmal zwei jahre war es her, dass er das letzte mal hier war.

so steht er nun wieder auf der strasse vor seinem haus. beim blick nach links fällt ihm eine frau an der bushaltestelle auf, die gebeugt an der informationssäule steht und nur ab und zu den blick auf die strasse wirft, um den herannahenden bus zu sehen. gerade als er den weg rechterhand einschlagen will kommt ein junger mann von links, kreuzt seinen weg und schreitet gebeugt nach rechts an ihm vorüber. er denkt sich, dem muss ich folgen, ich laufe ihm einfach hinterher, vielleicht kann ich feststellen, was ihn so bedrückt erscheinen lässt.

während er dem jungen mann folgt, bemerkt dieser das anscheinend überhaupt nicht. der gebeugte überquert an diversen ampeln strassen und steuert zielstrebig auf den u-bahnhof zu. selten blickt er für einen moment nach links oder rechts, eigentlich nur, wenn er sich nicht sicher ist, ob nicht doch ein auto kommen und ihn erfassen könnte. dann geht der mann weiter gebeugt seines weges. er folgt ihm die treppen in den bahnhof hinab, folgt ihm auf den bahnsteig und stellt sich neben ihn, um vielleicht einen blick erhaschen zu können.

nichts, auch auf dem bahnsteig hebt der mann kaum seinen kopf, nur kurz, als die bahn einfährt und er in den waggon steigt. er setzt sich neben den mann, der nun mit gebeugtem kopf auf seinem sitz sitzt. er blickt sich um und seine angst bekommt weiter futter. überall sitzen gebeugte menschen. auch in der u-bahn lässt kaum jemand Weiterlesen

selbstbefragung (146) – schreiben

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „schreiben“.

  • worüber schreiben sie am liebsten?
  • wo schreiben sie am liebsten?
  • wann fällt ihnen das schreiben schwer?
  • wenn sie einen bestseller schreiben würden, welchem buch wäre er ähnlich? warum?
  • von wem würden sie gern einen brief geschrieben bekommen?
  • wem würden sie gern eine geschichte schreiben? was für eine?
  • wieviel schreiben sie in der woche?
  • würden sie gern mehr schreiben? warum?
  • schreiben sie über sich selber und ihre erlebnisse?
  • woher kommen ihre ideen für das, was sie schreiben?

hier können sie weitere 1000 fragen als pdf-datei runterladen.

26tes treffen der jungen autoren in berlin – ein veranstaltungstipp

es ist wieder so weit, eine tradition, inzwischen ein viertel jahrhundert alt findet resonanz und macht weiter. junge menschen darin zu fördern, neben den schularbeiten, das schreiben für sich zu entdecken. denn, ganz gleich wie alt man ist, es gibt immer was zu erzählen. denkt die ältere generation oft, was haben die schon zu berichten, so muss man nur ins internet schauen und wird feststellen, viel haben sie zu erzählen.

gut, es muss einen selber nicht unbedingt interessieren (oder verstehen sie das mit diesem hype um irgendwelche vampire, die doch recht sittlich daherkommen und auch noch heiraten?), aber man sollte zuhören. den geschichten, den berichten und den gedanken. denn die welt hat sich verändert, auch für junge menschen, und da ist das schreiben eine gute möglichkeit sich selber zu verorten.

das 26te treffen der jungen autoren in berlin bietet einen raum, um die eigene ortsbestimmung hörbar und lesbar für die älteren der gesellschaft zu machen. und es zeigt, das mit dem schreiben hört nicht auf, der mensch wird das schreiben wahrscheinlich nie zu den akten legen. das ist gut.

so gibt es eine ausführliche lesung der jungen autorInnen, die in die engere auswahl der jury gekommen sind. es wurden hunderte von arbeiten eingereicht, jedoch blieben am schluss nur etwas mehr als ein dutzend für die lesung übrig. diese und die anderen veranstaltungen finden zwischen dem 24ten und 28ten november im haus der berliner festspiele statt. weitere informationen, auch zum alter der autorInnen finden sich auf der folgenden homepage: http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/10_treffen_junger_autoren/tja_start.php . schön, dass es solche veranstaltungen gibt.

schreibidee (264)

damit es schön grünen und blühen kann, müssen pflanzen nahrung bekommen. die pflanze nimmt meist ihre nahrung aus dem boden auf. damit die pflanze nahrung aus dem boden aufnehmen kann, muss vorher irgendjemand die alten pflanzenreste zersetzt und umgewandelt haben. bei uns machen dies kleinstlebenwesen und vor allen dingen der regenwurm. hat man keine würmer zur hand tun es auch ein stäbchen oder eine flüssigkeiten. na dann, auf zu „dünger-texten„.

was möchte die schreibgruppe sprießen lassen, mit dünger füttern? diese frage wird zu beginn des treffens gestellt. es stehen zu auswahl „fantasie“, „texte“ oder „sprache“. wenn sich die gruppe auf eine richtung geeinigt hat, bekommt sie die aufgabe einen düngeplan zu erstellen. erst werden in einzelarbeit entwürfe gemacht. in welchem zeitabstand sollte was zugegeben werden, damit das wachstum gefördert werden. anschließend werden die ergebnisse in der schreibgruppe zusammengetragen und es wird ein aufgabenplan erstellt.

in dieser schreibidee werden wenige vorgaben gemacht, da die weitere entwicklung der schreibanregungen sehr von den ergebnissen der schreibgruppe abhängen. der dünge- oder aufgabenplan ist die anregung zu einem längeren text oder einer geschichte, in der entweder die fantasie, der text an sich oder die sprache angeregt werden. alle führen diese anregung jeweils durch. zeitlich sollte sie so gefasst sein, dass sie nicht länger als eine stunde dauert. anschließend werden die texte und geschichten vorgelesen und in der feedbackrunde wird diskutiert, wo der düngeplan noch verbesserungswürdig ist.

was braucht man also zum beispiel, um die fantasie anzuregen? eine entspannte atmosphäre, einen bilderkatalog oder wortspiele, ein cluster, ein rollenspiel, ein spaziergang, eine gedankliche fantasiereise, worterfindungen, stifte zum malen und dergleichen mehr. die ideen und düngeanregungen sollten ohne viele materialien umsetzbar sein.

nach dieser ausführlichen runde wäre zum abschluss von allen schreibgruppenteilnehmerInnen noch eine geschichte zu schreiben, was passiert, wenn überdüngt wird. hierbei kann man sich an die ideen zum düngeplan halten und diese übersteigern, aber auch eine situation schildern, was passiert, wenn zum beispiel die kreativität überdüngt wird (oder ein text oder die sprache). die texte werden in der schreibgruppe vorgelesen.

kreatives schreiben und loslassen

ein paar mal drüber gelesen, schreibfehler korrigiert, abschnitte verschoben und sätze gestrichen. die geschichte, der text scheint lesbar und unterhaltsam. also, ab in die öffentlichkeit damit. entweder wird vorgelesen, ins internet gestellt oder gedruckt, verschickt, verlegt. das eigene kreative produkt muss in diesem moment losgelassen werden. ein schwieriger prozess für viele schreibenden.

es ergeben sich in der schlussphase gern fragen, die man eigentlich nicht beantworten kann: kommt das geschrieben bei den leserInnen so an, wie ich mir das vorgestellt habe? erklingt beim lesen eine melodie, die ich zu erreichen versuchte? was machen „die anderen“ daraus? habe ich wirklich mein bestes gegeben? könnnte man nicht noch den einen absatz an einer anderen stelle einfügen? vielleicht sollte ich den ganzen text verwerfen, wen interessiert schon, was ich über den alltag denke? ist das nicht alles viel zu konstruiert?

keiner gibt einem eine antwort auf die fragen, bevor der text nicht das licht der öffentlichkeit erblickt hat. da spielt es selten eine rolle, ob die geschichte nur wenigen übergeben oder einer weltöffentlichkeit vorgestellt wird. das gefühl sich plötzlich preiszugeben, persönliches öffentlich zu machen, wird nicht so schnell verschwinden. gleichzeitig keimt die hoffnung auf, eine schnelle, anerkennende reaktion zu erhalten. doch „die anderen“ lassen auf sich warten. wahrscheinlich lesen sie es gar nicht?

in diesen momenten ist der zeitpunkt gekommen, die eigenen produkte loszulassen. sich daran zu erinnern, dass nicht das leben und die welt von dem einen text abhängt. es gibt immer die möglichkeit, die rückmeldungen aufzugreifen, etwas neues zu kreieren. doch der gedanke erscheint in diesen momenten undenkbar. man hat sein bestes gegeben und kann sich nicht vorstellen dies noch einmal zu tun.

eigentlich ist die entscheidung schon längst gefallen: die geschichte wurde der welt übergeben, jetzt müsste man es nur selber glauben. Weiterlesen

GROSS- oder kleinschreibung

zu diesem thema entbrannt der einzige „streit“ in diesem blog. darf man es wagen, im deutschen alles klein zu schreiben? ist die provokation nicht zu groß, da alles unlesbar erscheint? immer wieder gab es kommentare zur „entsetzlichen“ kleinschreibung im blog. in ein paar stunden noch ein kommentar von mir dazu. aber ich fand die vehemenz mit der reagiert wurde interessant: es erinnerte an abonnenten von zeitungen, die gekündigt werden, weil ein artikel stört. am inhalt hat sich jedenfalls nichts geändert.

gepostet am 17.12.2008

schon öfter wurde in kommentaren oder persönlichen rückmeldungen bemerkt, dass es nicht förderlich für den blog sei, wenn er vollkommen kleingeschrieben ist. auch mein text-korrektur-programm überschwemmt immer wieder die posts mit roten unterstreichungen und signalisiert damit, dass man sich auf fragwürdigem, wenn nicht sogar verbotenem terrain bewegt.

abgesehen von der bequemlichkeit beim tippen, nämlich einfach die taste zur großschreibung nicht verwenden zu müssen, finde ich die aufmerksamkeit, die dem schriftbild gegeben wird, faszinierend. mein gedanke, alles klein zu schreiben, entsprang der idee, ein schlichtes, ganz schlichtes layout zu wählen, das reduziert auf das wesentliche wird, nämlich den text. am liebsten hätte ich noch eine größere auflösung der buchstaben, doch das lässt sich nicht verändern. öfter wird argumentiert, dass damit die aufmerksamkeit nachlasse, die texte zu lesen, wenn groß- und kleinschreibung nicht mehr existieren. hier könnte argumentiert werden, dass die konstante kleinschreibung zu konzentrierterem lesen anhält, da der sinn der worte beachtet werden muss. beide argumente sind für mich nicht sehr griffig oder anders formuliert, sind für mich pädagogisch, da sie erwarten leserInnen extra motivieren zu müssen. dies sollte sich meiner ansicht nach aber ausschließlich durch den inhalt ergeben. hier gibt es weder bilder, filme noch audiodateien, die ablenken können (auch ein sehr pädagogischer gedanke 😮 ), einzig den text und die links.

wahrscheinlich geht es nur um lesegewohnheiten, denn bei englischsprachigen texten stört es niemanden, dass außer satzanfängen und namen auch beinahe alles klein geschrieben wird. oder die asiatischen schriftzeichen, die von gleicher größe aber vielfältigen bedeutungen sind. bei uns ergeben die kombinationen der buchstaben die bedeutungen des geschriebenen. etliche lyriker verwenden gern die konstante kleinschreibung, was ihren texten keinen abbruch tut. warum also nicht auch hier (was nicht bedeuten soll, dass dieser blog ein lyrischer sei)? das durchbrechen der lesegewohnheiten gefällt mir, auch auf die gefahr hin, ein wenig vor den kopf zu stoßen. übrigens, wie viel einfacher wären die rechtschreibreformen, wenn groß und kleinschreibung einfach abgeschafft wären 😛 . ich mag es schlicht schlicht und hoffe damit nicht zu sehr zu nerven.

lange texte vs. kurze texte (2)

nachdem ich also feststellte, dass die frage so bewegend ist, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch einmal stellung dazu zu beziehen. ich schätze einmal, das interesse hat damit zu tun, dass in schulen und anderen bildungseinrichtung eine stringente richtung über die länge von texten vorgegeben wird. ebenso wird in blogs gern schnell bemerkt, dass die texte viel zu lang seien und sie von keinem gelesen würden. erstaunlicherweise dann doch.

gepostet am 23.01.2009

das am meisten aufgerufene post dieses blogs neben dem 10-finger-schreibsystem ist die auseinandersetzung mit langen und kurzen texten mit 229 besuchen. (siehe https://schreibschrift.wordpress.com/2008/04/21/lange-texte-vs-kurze-texte/ ) das finde ich erstaunlich, da ich mich frage, welche frage sich leserInnen stellen oder welche suchbegriffe sie eingeben, um bei diesem post zu landen.

ich kann nur spekulieren, vermute aber, dass der häufigste grund die selbstzweifel sind. schreibe ich meine texte und geschichten in der richtigen länge? und jeder leser, jede leserin gibt eine andere rückmeldungen. den einen sind die geschichten zu lang. während die anderen gern noch mehr hören würden. die hauptschwierigkeit bei der frage nach der länge von selbstgeschriebenem steckt wahrscheinlich gar nicht in den details der wortzahl (wie lang darf eine kurzgeschichte sein?), sondern in der unsicherheit der schreibenden.

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schreibpädagogik und feedback (2)

eine der großen chancen der schreibpädagogik ist das soziale miteinander. denn in der schreibpädagogik wird die arbeit mit peers oder in schreibgruppen dem alleinigen handeln gegenüber der vorzug gegeben. es ist nicht jedermans sache beim schreiben in gruppen zu sitzen oder gemeinsam an einem text zu schreiben. auch hier gilt wieder, erzwungen werden sollte nichts. jeder mensch kann nur für sich selber entscheiden wie er am liebsten schreibt. aber der versuch, einmal mit anderen gemeinsam zu schreiben, ist es wert.

besonders relevant werden die anderen menschen beim feedback. manche haben lebensabschnittgefährtInnen an ihrer seite, die interesse an dem geschriebenen zeigen und sich auch durch ein angemessenes und ehrliches feedback auszeichnen. doch hier sei eine kleine warnung ausgesprochen, da wir alle auch ein wenig eitel sind, kann ein ehrliches feedback schnell zur belastung werden. dies ist kurz vor dem valentinstag kein scherz, sondern ernst gemeint. eine kritik am eigenen text lässt sich leichter wegstecken und verarbeiten, wenn sie von menschen kommt, die einem nicht ganz so nahe stehen. es ist schön, wenn es mit partnerInnen nicht zum konflikt kommt, ja, wenn der oder die andere sogar die funktion der muse übernehmen, aber man sollte für sich dabei gut abwägen. manchmal sind die geliebten menschen auch einfach zu nett zu einem 😀

ein feedback macht sinn, bevor man sich mit seinem geschriebenen an die öffentlichkeit begibt. ich als schreibender kann mir die form des feedbacks wünschen. worauf sollen die anderen ihren blick werfen, wozu möchte ich eine rückmeldung bekommen? dies sollte alles vor dem feedback geklärt werden. ebenso sollte festgelegt werden, dass das feedback nicht über die gewünschten aspekte hinausgeht. zu manchen dingen möchte man eventuell keine rückmeldung bekommen. vor allen dingen deutungen und charakterisierungen der autorInnen sind nicht hilfreich, da sie sich vom text abwenden und versuchen entweder den text zu erklären oder die autorInnen. wer mag schon von anderen erklärt werden? außerdem steckt in jedem text eine sehr persönliche komponente, die man vielleicht von anderen nicht kritisiert bekommen möchte. gerade beim biografischen schreiben spielt dies eine große rolle.

doch es gibt nicht nur gefahren beim feedback, es gibt vor allen dingen enorm viele vorteile für das eigene schreiben. Weiterlesen

schreibaufgabe (31)

viele bücher und geschichten gewinnen ihre dynamik vor allen dingen aus dem ersten satz oder dem ersten abschnitt. dieser beginn ist meist mehr als nur eine einleitung, nur der einstieg in einen bericht. ein erster satz kann schon hinweise auf die spannungen im verlauf der story geben, er kann knallen wie ein sektkorken, einen in eine andere zeit schleudern, fragezeichen neben fragezeichen wachsen lassen und noch vieles mehr.

in dieser schreibaufgabe soll der spieß nun einmal umgedreht werden. der erste satz ist schon da, doch welche bedeutung gibt man ihm im verlauf der folgenden geschichte. das ist nun allen interessierten selbst überlassen. wie viel sagt der erste satz bei ihnen über den verlauf der ganzen geschichte aus?
sie bekommen drei erste sätze. wählen sie aus, welcher bei ihnen die meisten assoziationen für eine geschichte für einen text auslöst. und schreiben sie dann. alles andere können sie immer wieder verändern, nur der erste satz muss so bleiben, wie er ist. Also, hier sind die Startmöglichkeiten:

  • Er nähert sich langsam der dampfend heißen Masse.
  • Dieses Mal scheint es anders zu sein, sie kann nicht fliehen.
  • Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als er bemerkte, wer ihn so aufmerksam betrachtete.

nun viel spaß bei den fortführenden formulierungen und uns allen dann vielleicht ein lesegenuss. wie geschrieben, mit einem satz kann es ein bestseller werden 😉

schreibidee (107)

große schwierigkeiten bereiten oft textanfänge. wie den einstieg in die geschichte oder das buch schaffen? deshalb soll der frühlingsanfang dieses mal vorbild sein für die Schreibanregung. es werden „textknospen“ erstellt, die ein anfang sein können.

einstieg in dieses thema könnte es sein, dass die leiterInnen der schreibgruppen einen packen weltliteratur mitbringt und sich vorher die ersten zwei sätze der jeweiligen bücher notiert hat. diese sätze werden zu beginn vorgelesen und die teilnehmerInnen raten, zu welchem buch die sätze gehören. anschließend werden die bücher zu den anfängen präsentiert.

dann werden in der gruppe verschiedene anfangssätze für geschichten notiert. dazu wird reihum gearbeitet. alle teilnehmerInnen notieren das erste wort auf einem zettel, geben diesen weiter, die nächsten schreiben das zweite wort. so geht es immer weiter, bis zwei sätze auf jedem blatt stehen. diese sätze sollen den anfang zu geschichten oder texten bilden.

nun werden die anfänge verlost und die teilnehmerInnen der gruppe schreiben die ersten zwei seiten dazu. wenn dies geschehen ist werden die jeweiligen Einstiege in einen längeren text vorgelesen. wer möchte, kann bis zum nächsten mal seinen text oder ihre geschichte vollenden. nach der leserunde formulieren alle teilnehmerInnen für sich fünf verschiedene anfänge von maximal drei sätzen. diese textanfänge werden anschließend vorgestellt. sie können gern ausgetauscht oder anderen geschenkt werden, wenn interesse daran besteht. ob die knospen zur blüte werden, liegt nun an allen schreibgruppenteilnehmerInnen selber.

kreatives schreiben und textsammlung

wer sich regelmäßig dem kreativen schreiben hingibt, erhält in kurzer zeit eine gehörige sammlung von selbstgeschriebenen texten, die immer unübersichtlicher wird. viele lassen sich dazu verführen, im laufe der zeit eine ganze menge kreative produkte wegzuschmeissen. das ist schade, da die archivierung der eigenen ideen manchen vorteil hat.

so kann man bei ideenlosen momenten auf älteres zurückgreifen, dass inhaltlich weitergeführt werden kann. oder es entstehen im laufe der zeit kleine anthologien aus texten, die sich thematisch zusammenfassen lassen. auch der vergleich mit älteren texten kann einem die eigene entwicklung aufzeigen und fortschritte sichtbar oder besser lesbar machen. vielleicht freut sich auch die nähere umgebung über kleine zusammenfassungen aus der eigenen produktion. alles möglichkeiten wozu ältere texte dienen können.

mit dem computer wurde den menschen etwas an die hand gegeben, das es erleichtert, die eigenen texte zu archivieren. hier bietet es sich an, entweder eine datenbank anzulegen oder aktenordner der geschriebenen werke. eine datenbank hat den vorteil, dass die texte unter verschiedenen kriterien gesammelt werden können. viele datenbanken bieten sowohl eine begriffsuche im originaltext an, als auch die möglichkeit jedem text eigene tags zuzuordnen, also kategorien zu erstellen unter denen die texte gebündelt werden. das erleichtert das zusammenstellen verschiedener produkte oder im archiv zu suchen.

denn aktenordner oder karteikarten nehmen im laufe der zeit viel platz weg, der ab einem gewissen punkt nicht mehr zur verfügung steht. es mag menschen geben, die extra räume anmieten, um ihre unterlagen zu lagern, aber auch die suche gestaltet sich in solchen archiven oft sehr zeitaufwendig. warum nicht den computer dort einsetzen, wo er wirklich eine erleichterung verschafft. einziges manko der virtuellen textsammlung besteht darin, dass sie unzugänglich wird, wenn der strom ausfallen sollte. hier kann es hilfreich sein, sollte ein riesiges archiv existieren, ein notstromaggregat in der hinterhand zu haben 😆

kreatives schreiben und experimente

manche schreibgruppen arbeiten schon lange zeit zusammen. manche menschen wenden über jahre die techniken des kreativen schreibens an. im laufe der zeit kann das material an schreibanregungen oder schreibübungen immer wieder in die gleichen bahnen geraten.

in solchen momenten ist zu überlegen, ob man neben änderungen an den schreibaufgaben nicht auch einmal änderungen an der sprache vornehmen könnte. manche schreibaufgabe beinhaltet diese idee, aber sie bietet nicht die freiheit des experiments. so kann es für jeden schreibenden zum ansporn werden, einer schreibanregung zwar zu folgen, aber nach der fertigstellung des ersten textes, ihn noch einmal mit ganz anderen worten zu verfassen.

dabei ist dann alles möglich. entweder werden bestimmte slangs oder dialekte verwendet um die farbe der sprache zu verändern. oder es werden nach bestimmten reihenfolgen sätze aus dem text gestrichen und hinzugefügt. es gibt aber auch die möglichkeit, sich mit einzelnen abschnitten des textes zu befassen und jeden abschnitt in einem anderen stil wiederzugeben.

noch spannender und experimenteller wird es, wenn nicht nur die sprache, der rhythmus oder die aussage verändert werden. die ganze geschichte kann in eine surreale form überführt werden. dabei können neue abschnitte hinzugefügt werden, die eigentlich inhaltlich aus einerm anderen text stammen. ob nun zitate aus eigenen anderen texten eingefügt werden oder zitate aus der zeitung, aus büchern den verlauf unterbrechen. es können wörter vertauscht werden, es können über die suchfunktion des schreibprogramms im computer bestimmte worte durch andere unpassende worte ersetzt werden. dem durch- und unterbrechen einer textstruktur sind keine kreativen grenzen gesetzt. einen stil im gegensatz zum inhalt anzuwenden, ist auch eine form von verstörung oder eben experiment. der versuch ist es wert, auch wenn mancher text erst einmal darunter leiden könnte. andere texte werden eventuell durch veränderungen aufgewertet. auch dies alles ein großes experiment mit einem text.