Schlagwort-Archive: textkritik

schreibidee (108)

diese schreibidee hat einen spielerischen aspekt, der gleichzeitig den umgang mit kritik an geschriebenem trainieren kann. wenn menschen sich mit eigenem an die öffentlichkeit begeben, fällt es oft schwer, kritik einzustecken. darum soll es in der schreibanregung zu einer „kommentar-orgie“ kommen. diese orgie hat beinahe etwas dialogisches.

zum einstieg sind zwei variationen denkbar. entweder alle teilnehmerInnen der schreibgruppe werden im vorfeld aufgefordert, einen kurzen text mitzubringen, den sie erst einmal vortragen. oder es besteht die freie wahl, einen text zu verfassen, der nicht länger als zwei seten sein sollte. die texte werden auf alle fälle an andere teilnehmerInnen weitergegeben.

und nun sind alle aufgefordert, den text, der ihnen vorliegt, zu kommentieren. dazu sollen sie satz für satz vorgehen und nach jedem satz einen kommentarsatz schreiben. steht da zum beispiel: „sie zog ihren moosgrünen mantel an.“ könnte kommentiert werden: „warum nicht einen roten?“ oder „mir gefällt lindgrün besser.“. die kommentare dürfen natürlich auch gehaltvoller sein. wichtig ist nur, dass nach jedem satz ein kommentar steht. die texte werden dann an die verfasserInnen zurückgegeben.

jetzt ist es an den verfasserInnen, die kommentare durchzulesen, und dort änderungen vorzunehmen, wo sie die anmerkungen sinnvoll finden. es geht nicht darum, den text noch einmal vollständig neu zu schreiben, sondern satz für satz den kommentaren zu folgen, also eigentlich den dialog zu lesen. im vorfeld sollte man bei dieser schreibidee auf alle fälle formulieren, dass bei den kommentierungen ruhig witz und sprachspiel zum zuge kommen dürfen. es geht nicht darum, lektorIn zu spielen. es geht darum, eigentlich im nachhinein, gemeinsam einen text zu verfassen, wobei die autorInnen die oberhand behalten. am schluss werden die entstandenen texte vorgelesen.

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schreibpädagogik und virtuelle textkritik

das internet hat einen vorteil: über weite distanzen kann man sich über geschichten und texte austauschen. sollten sich also im näheren umfeld erst einmal keine menschen finden, die sowohl selbst gern schreiben, als auch sich gern über geschriebene texte auseinandersetzen, bieten mail, chat und web viele möglichkeiten. auch das übliche textverarbeitungsprogramm kann dabei eine große hilfe sein.

so lassen sich in den geschriebenen texten, einzelne abschnitte markieren, mit kommentaren versehen, textänderungen und -vorschläge einfügen. wiederum software für das web 2.0 bietet die chance eines beinahe direkten austausches. so kann blogger-software dafür verwendet werden, auf einer verschlüsselten seite, sich gemeinsam über einen oder mehrere dort veröffentlichte texte auszutauschen. oder es besteht die möglichkeit, wenn mehrere teilnehmerInnen die autorInnenrechte haben, sich überhaupt die texte gegenseitig auszutauschen. es ist dabei immer zu beachten, nur die menschen teilhaben zu lassen, die man teilhaben lassen will. zu beachten ist dabei, dass sich schriftlich kritik häufiger direkter, ja schmerzhafter formulieren lässt als mündlich. hier sind alle angehalten, sich selbst dabei zu beobachten, ob sie jetzt etwas formulieren, das sie so nicht sagen würden oder ob sie aus lauter angst etwas falsch machen zu können, nur nette kritiken schreiben. auch in diesem zusammenhang geht es um die überwindung des inneren zensors. und sollte sich einmal ein konflikt bei der gegenseitigen virtuellen textkritik ergeben, dann kann immer noch überlegt werden zum telefonhörer zu greifen und sich darüber in einem ausführelichen gespräch auszutauschen.

aber es ist nicht zu leugnen, das internet bietet die chance in hoher geschwindigkeit, gemeinsam an texten zu arbeiten. eine sache, die sich früher eher mühsam gestaltete, bis die texte per post ankamen und in der folge entweder abgeschrieben, kopiert oder handschriftlich verändert werden mussten. wichtig bei den heutigen virtuellen möglichkeiten ist die abspeicherung der zwischenschritte, um sich den verlauf noch einmal vergegnwärtigen zu können.