Schlagwort-Archive: toleranz

biografisches schreiben und verwandlung

von sich selbst kann man oft schwer sagen, ob man sich als person verändert hat, wenn man zurückblickt. gut, die übergänge vom kind zum jugendlichen und vom jugendlichen zum jungen erwachsenen, die waren spürbar, sowohl an den körperlichen veränderungen, als auch an den dingen, die man machen durfte und wollte. da war ganz klar, dass man sich auch als mensch verwandelt hat, nahm man doch langsam seinen gleichberechtigten platz in der gesellschaft ein.

doch danach ist lang ruhe. einzige äußere veränderungen sind meist die ausbildungen und die entwicklungen im berufsleben. kommen eigene kinder ins spiel, dann ist dies auch häufig ein spürbarer umbruch. man verwandelt sich zu sorgenden eltern und andere belange treten in den hintergrund. doch wie sieht es nun aus mit dem eigenen verhalten und auftreten? wann hat man sich verwandelt, ist ein anderer, eine andere geworden? gab es diese momente oder blieb man der junge mensch, der man immer war?

darüber kann man im biografischen schreiben eine kleine selbstreflexion verfassen. dabei sollte man sich erst einmal nicht lang gedanken machen, sondern nur notieren, welche verwandlungen an sich selbst einem in den kopf kommen. anschließend kann man mit dem text zu guten freunden oder lebenspartnerInnen gehen und ihn vorlesen. fragen sie die ihnen nahestehenden menschen, welche verwandlungen sie an ihnen wahrgenommen haben. geben sie ihnen die erlaubnis, offen zu sprechen. und vor allen dingen, setzen sie sich nicht unter druck, allen gefallen zu müssen.

es ist zwar schön, wenn sie von allen menschen tolle rückmeldungen bekommen, doch für manche veränderungen in ihrem leben gibt es für sie gute gründe. biografisches schreiben hat in erster linie nicht das ziel, selbstkritisch einen blick auf sich zu werfen. es sollte nicht ausschließlich dem streben, ein perfekter mensch werden zu wollen, dienen. das ist ein ideal. das biografische schreiben soll und kann ebenso ein verständnis für die eigenen, ganz menschlichen „macken“ und Weiterlesen

liste (03) – falsche entscheidungen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um „falsche entscheidungen„.

entscheidungen, die im nachhinein ein fehler waren:

entscheidungen, die zu spät getroffen wurden:

meine größten fehler (der größe nach sortiert):

eigene fehler, mit denen ich gut leben kann:

fehler anderer, die mir unverzeihlich scheinen (nach härtegrad sortiert):

nabelschau (27)

terror der freiheit oder die verantwortung für die richtige entscheidung. unser leben ist vielfältig, vielschichtig, bunt und vor allen dingen unübersichtlich. am besten zeigen ökologische konzepte oder chaostheoretische überlegungen, dass eine klare linie schwer zu finden ist. denn eigentlich kann man kaum überblicken, welche handlung welchen effekt haben wird. so bietet uns der alltag zwar viele möglichkeiten aber mindestens ebenso viele entscheidungshilfen.

das internet ist einer der besten orte, um sich darin zu verlieren. von link zu link geklickt landet man auf seiten, von denen eine interessanter als die andere ist. doch man hat überhaupt nicht die zeit, die geballten informationen, aufzunehmen, zu analysieren und daraufhin eine umfassende entscheidung zu treffen. je mehr wissen und damit möglichkeiten zur verfügung gestellt werden, um so stärker ist man zur selbstbeschränkung aufgefordert.

gern werden deshalb gewichtige entscheidungen nicht mehr ohne experten getroffen. doch schon gerichtsverfahren zeigen, dass gutachten durch andere gutachten leicht zu widerlegen sind. es gibt keine klarheiten und sicherheiten, die uns experten eindeutig liefern können, auch wenn wir sie gern hätten. doch wie soll man sich in dieser vielfalt noch entscheiden?

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web 2.0 und die freie schreibe

der zunehmende diskurs im internet hat den vorteil, dass überhaupt wieder mehr diskutiert wird. der nachteil besteht aber darin, dass bei diesen diskussionen verschwimmt, was denn nun toleranz ist und was nicht oder anders formuliert, wann es an der zeit ist nicht mehr tolerant zu sein.

schaut man sich die diskussionen vor allen dingen auf den kommentarseiten an, kann man feststellen, dass es oft erst inhaltliche kritik gibt, vor allen dingen, wenn jemand missstände in bezug auf gesellschaft und toleranz im post formuliert hat. dies ruft widerspruch hervor und es wird oft genug aufgefordert, die kirche doch im dorf zu lassen. es werden gründe benannt, weshalb die gesellschaft sich intolerant und sanktionierend verhält. das löst bei betroffenen reflexe aus, die sich gegen die beschuldigungen positionieren.

und dann kommt irgendwann die obligatorische toleranz-stimme, die eigentlich keine ist. es wird gefordert, dass es doch auch möglich sein müsse mal zu schreiben, was man denke, ohne gleich angegriffen zu werden. auch die folgenden reaktionen seien ein zeichen von intoleranz und keinen deut besser als das, was man kritisiere. diesen umkehrschluss finde ich immer wieder faszinierend. denn er fordert ein, dass unter dem zeichen der toleranz intolerantes verhalten toleriert werden muss. kommt noch jemand mit oder haben schon alle aufgehört zu lesen?

so jedenfalls schleicht sich in viele diskurse im internet aber auch auf den leserbriefseiten der zeitungen eine form von forderung nach freier schreibe, also man sollte doch schreiben können, was man denkt, die vor allen dingen intolerante haltungen stützen soll. dadurch wird versucht, die im post geübte gesellschaftskritik ein für alle mal zu entsorgen. denn wer gesellschaftliche missstände kritisiert, muss bereit sein, die gegenposition stehen zu lassen. nein, muss man nicht, kann man. denn die gegenposition transportiert genau das, was man kritisiert. es scheint, hinter allem steckt die forderung bei uns, dass der der kritisiert generell ein in allen lebenslagen viel besserer mensch zu sein hat. wie soll das gehen?