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schreibidee (226)

menschen sind traurig, wenn ihnen schlechtes widerfährt oder träume und wünsche nicht in erfüllung gehen. sie spüren einen schmerz in der seele, der sich in schreie, in weinen oder in flucht verwandeln kann. andere menschen fühlen in solchen momenten gern mit, sehr viel stärker als in positiven situationen. darum finden vor allen dingen auch die filme anklang, die zu tränen rühren. doch was rührt zu tränen? dies kann in dieser schreibidee in form von „traurigen texten“ ausprobiert werden.

am anfang notieren alle schreibgruppenteilnehmerInnen für sich, wann sie das letzte mal geweint haben. was war passiert, was brachte sie den tränen nahe? anschließend werden am flipchart auslöser für traurigkeit gesammelt. was macht traurig? zum beispiel ein ölverschmiertes wasservogelküken das sich über den meeresstrand schleppt und immer wieder von wellen mitgerissen wird. oder menschen, die sich gerade nach langer odyssee gefunden haben und nun wegen unveränderlicher umstände wieder voneinander lassen müssen.

alle teilnehmerInnen wählen sich jeweils einen traurigkeitsauslöser aus und schreiben eine kurze geschichte dazu (maximal zwei seiten). es soll darauf geachtet werden, den traurigen moment zu verlängern, voll auszukosten, ihm nicht auszuweichen beim beschreiben. die traurigen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen.

nun sind alle in der richtigen stimmung, eine wirklich traurige, längere geschichte zu schreiben. woran sich die traurigkeit festmacht, bleibt den schreibenden überlassen. damit eine geschichte wirklich traurig wird, liegt beim schreiben, im gegensatz zum film, vor allen dingen in der wortwahl. wenn das kleine hoppelhäschen plötzlich in die eisenfalle gerät und mit seinen langen ohren in unerbittlichen stählernen zähnen festhängt, dann wird die geschichte nicht dadurch trauriger, dass das häschen weint, sondern, dass es verzweifelt zappelt und vom schmerz überwältigt wird. die schreibenden müssen es zappeln lassen bis es erschöpft zu boden sinkt und der fuchs plötzlich vor ihm steht 😦 .

die texte werden anschließend vorgetragen und wie in der vorherigen schreibidee ob ihrer traurigkeit bewertet. wie stark wurde die tränendrüse gereizt beim hören der geschichte? zum schluss wird eine runde papiertaschentücher ausgegeben.

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kreatives schreiben und heldInnen

der heldenepos ist eine alte form des schreibens, beziehungsweise eigentlich erzählens. den helden umgibt meist ein hauch von tragik, aber auch übermenschliche kraft oder leidensfähigkeit. der held ist kein einfacher protagonist, er ist die person, an der sich alles kristallisiert, meist die gesamte geschichte aufgehängt ist. heute sind sowohl helden als auch heldinnen denkbar. mit dem verschwinden mancher patriarchalen strukturen, verschwand auch der ausschließlich starke und meist siegende held.

doch das hat dem bild der heldInnen keinen abbruch getan. die aktuellen comics und actionfilme basieren auf der vorstellung von heldInnen, die in eine situation geschubst werden, die sie selbst nie gewählt hätten. oft setzen sie erst dann ihre wahren kräfte frei, von denen sie vorher selber noch nicht wussten. sie wachsen über sie hinaus. natürlich ein heilsversprechen, das so selten menschen bewerkstelligen können. deshalb verpuffen im realen leben heldInnen meist schnell, denn wer möchte schon perfekt sein.

möchte man aber einmal eine geschichte eines perfekten, tragischen und doch so mitfühlenden menschen schreiben, dann wähle man die figur von held und heldin, dann schreibe man kleine und große epen, die sich nicht um reale situationen kümmern. wer nicht weiß, wie dies umgesetzt werden kann, schaue sich manchen hollywood-blockbuster an und orientiere sich an den hauptfiguren.

schon beim entwurf der protagonistInnen frage man sich, welche details zur person und zu ihren eigenschaften, erst im laufe der geschichte zu tage treten sollten. hier sollte man sich keine grenzen setzen. wie bei „x-men“ lassen sich selbst der körper und die sinne verändern. das wunderbare an heldenepen ist es, dass kein leser, keine leserin nachfragt, ob dies denn so sein kann. es wird akzeptiert, dass die realität anders aussieht. selbst das märchen mit seinem häufig moralischeren anspruch steckt in einem engeren korsett.