Schlagwort-Archive: tränen

schreibpädagogik und verlust

dieses mal ein sehr ernster beitrag zur anleitung von schreibgruppen. vor allen dingen im biografischen schreiben sollte man meines erachtens sehr vorsichtig vorgehen, wenn man schreibübungen zum thema verlust oder tod anleitet. es ist nicht sinnvoll das thema auszusparen, nur um die eventuellen folgen zu umgehen. verlust und tod beeinflussen unser leben sehr. jeder mensch hat seine eigenen strategien damit umzugehen. und doch scheint es, wie wenn vor allen dingen das thema tod mit einem tabu versehen ist. das ist um so erstaunlicher, dass man ab einem höheren alter immer wieder damit konfrontiert wird (und manchmal auch schon viel früher).

schreibt man in schreibgruppen also über verluste, vor allen dingen über persönliche verluste, kann es leicht vorkommen, dass menschen nicht nur darüber schreiben, wie sie durch eine trennung einen partner verloren haben, sondern dass sie darüber schreiben, wie ein mensch in ihrem umfeld gestorben ist. das schreiben darüber kann noch einmal sehr aufwühlend erlebt werden. und dies wiederum kann zu emotionalen reaktionen führen, wenn texte vorgetragen oder besprochen werden. dies sollte eine gruppe aushalten können. doch damit darf man als schreibgruppenleitung nicht rechnen.

viele menschen halten es schwer aus, andere weinen zu sehen. in gruppen kann dies zu hilflosen unterstützungsversuchen und tröstungen führen. in diesem moment sollte eine schreibgruppenleitung einschreiten. denn wenn teilnehmerInnen für sich entscheiden, einen sie selbst sehr berührenden text vorzutragen, dann entscheiden sie sich auch dafür, eventuell beim lesen Weiterlesen

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schreibidee (338)

die reaktionen auf filme und geschichten sind von mensch zu mensch verschieden. doch es gibt immer wieder stories, die viele menschen zu tränen rühren, in den seltensten fällen handelt es sich da um geschichten von rosamunde pilcher. es gibt also handlungen in den geschichten, die bei vielen menschen ähnliche reaktionen hervorrufen, ganz gleich, welche lebensgeschichte diese haben. dabei geht es meist um tod, sehnsucht, liebe und kinder oder tiere. dies soll eine schreibanregung zu „tränendrüsen-stories“ sein.

als einstieg möge man sich an die eigenen emotionalen höhepunkte beim sehen, hören oder lesen erinnern. durch einen kleinen fragekatalog werden die teilnehmerInnen an ihr persönliches emo-erlebnis herangeführt. dieses ereignis und vor allen dingen die gründe für die tränen sollen in einem kurzen text von maximal zwei seiten dargestellt werden. anschließend werden die texte in der schreibgruppe vorgetragen.

nun sammelt die schreibgruppe gründe und mechanismen für die tränen, zum beispiel die langsame identifikation mit den protagonisten einer geschichte, das zusteuern auf ein happy-end und dann die anschließende zerstörung des idylls. oder man beschreibt vergebliche bemühungen, einer lage herr zu werden, das ewige scheitern, obwohl alles getan wird, eine schwierige lage zu bewältigen. es kann auch eine geschichte sein, in der die ohnmacht der beteiligten auf die leserInnen oder seherInnen überspringt. im vorfeld steht die frage: was benötigt eine geschichte, damit menschen sich emotional angesprochen fühlen?

da die anregung der tränendrüsen einen gewissen vorlauf in der geschichte benötigt, werden keine weiteren vorarbeiten in der schreibgruppe gemacht (wer möchte kann noch ein cluster erstellen), sondern es steht genug zeit zur verfügung, eine längere geschichte zu verfassen. diese geschichten werden dann in der schreibgruppe vorgetragen. vorher werden alle teilnehmerInnen aufgefordert, ihre emotionalen reaktionen auf die geschichte zu notieren. von welchem ereignis in der geschichte fühlen sie sich am stärksten berührt? welche wortwahl lässt sie emotional mitschwingen? anschließend findet eine ausführliche feedbackrunde statt. es sollten auf alle fälle taschentücher während der leserunde vorhanden sein.

schreibpädagogik und weinen

es kann auch in schreibgruppen vorkommen, dass teilnehmerInnen in tränen ausbrechen. entweder, da sie texte über ereignisse verfasst haben, die ihnen sehr nahe gehen, oder, da sie sich durch rückmeldungen und kritiken sehr angegriffen und hilflos fühlen. dieser starke ausdruck von gefühlen kann andere teilnehmerInnen erschüttern und verunsichern. in diesen momenten ist die schreibgruppenleitung als ausgleichendes moment gefragt.

es geht vor allen dingen darum, in einer gruppe auch raum für emotionale ausdrücke zu geben. kein mensch ist davor geschützt, dass ein eigener text oder einer von jemand anderem so berührt, dass die tränen fließen. wichtig scheint mir, dass diese reaktion zwar beachtet aber nicht überbewertet wird. es ist für teilnehmerInnen unangenehm, wenn sich beim weinen alle anderen teilnehmerInnen auf sie stürzen, versuchen sie zu trösten und gute ratschläge haben.

die schreibguppenleitung sollte kurz unterbrechen, nachfragen ob sie weiterlesen wollen, wenn sie bei eigenen texten weinen, oder nachfragen, ob sie den raum verlassen wollen, wenn sie bei texten von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen weinen. dann sollte aber im normalen vorgehen weiter verfahren werden. zu viel aufmerksamkeit in solchen momenten gibt dem weinen schon wieder den beigeschmack Weiterlesen

kreatives schreiben und weinen

beim kreativen schreiben ist die wahrscheinlichkeit größer, dass einem die freudentränen in die augen steigen, als dass man über das geschriebene so traurig wird, dass geweint wird. hier unterscheidet sich das kreative schreiben vom biografischen schreiben. aber das möchte ich nicht genauer betrachten. es stellt sich für mich eher die frage, wie lässt sich weinen in texten umsetzen.

die gefahr, protagonistInnen in der eigenen geschichte weinen zu lassen, besteht darin, dass es recht schnell kitschig und gefühlig wird. da in der deutschen sprache die worte für das weinen und die tränen fehlen, also nicht viele verschiedene varianten gewählt werden können, ist zu überlegen, ob man die große traurigkeit oder hilflosigkeit nicht in metaphorische umschreibungen packt. dabei wird das eigentliche weinen zwar in den hintergrund gedrängt, aber für die leserInnen erschließt sich die gefühlslage besser.

in dialogen lässt sich das weinen noch schwerer darstellen. es klingt nicht unbedingt gut, wenn man „huhuhu“ schreibt, um dem weinen einen klang zu geben. „schnief“ und „schneuz“ gehören eher in den comic, als in einen dialog. es müssen also verbale ausdrücke für die traurigkeit gefunden werden und vielleicht kann man dann noch die regieanweisung angeben, wann jemandem die tränen herunterlaufen. mehr kann man nicht machen.

beim weinen unterscheidet sich das schreiben sehr stark vom film oder theater, wo dieser gefühlsregung die unterschiedlichsten ausformungen gegeben werden können. aber man kann dafür die zuspitzung der traurigkeit durch lautes und niedergeschriebenes denken schriftlich umsetzen. hier ist der spielraum wiederum unendlich. wie erlebt ein mensch innerlich die sich zuspitzende krise? welche gefühlsregungen machen sich breit? ab wann erreicht jemand einen karthatischen zustand und ergibt sich Weiterlesen

liste (71) – weinen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „weinen„.

das rührt mich am meisten zu tränen:

in diesen momenten meines lebens habe ich am meisten geweint:

in diesen momenten meines lebens habe ich in der öffentlichkeit geweint:

momente, die mich aus wut und zorn weinen ließen:

das gibt mir am meisten trost, wenn ich weine:

selbstbefragung (124) – weinen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „weinen„.

  • wann haben sie das letzte mal geweint?
  • warum haben sie das letzte mal geweint?
  • wie leicht oder schwer fällt es ihnen, vor anderen menschen zu weinen? warum?
  • wir reagieren sie, wenn ihre parterIn oder gute freunde vor ihnen weinen?
  • wie reagieren sie, wenn fremde menschen vor ihnen weinen?
  • wann tut ihnen das weinen gut?
  • würden sie gern öfter weinen können? warum?
  • was bringt sie zum weinen? beschreiben sie.
  • wann haben sie das letzte mal jemanden zum weinen gebracht? warum?
  • wie gehen sie sonst noch mit großem schmerz um? beschreiben sie.