Schlagwort-Archive: trauma

biografisches schreiben und angst

wenn man einen blick auf die eigene lebensgeschichte wirft, hat dies häufig eine entlastende wirkung. man durchlebt zwar noch ab und zu unangenehme lebensabschnitte, aber man kann sie oft danach auch verarbeitet beiseite legen. dadurch wird die beschäftigung mit der eigenen biografie zu einer angenehmen vorgehensweise, ganz abgesehen von den anderen positiven aspekten, wie zum beispiel noch einmal zu erleben, was alles los war.

doch der gedanke, alles noch einmal zu betrachten, was einem widerfahren ist, kann auch gehörige angst machen. der mensch hat die sehr hilfreiche fähigkeit, verdrängen zu können. dies bedeutet, dass er erlebnisse, die nicht verarbeitet werden konnten, in seinen erinnerungen zu verstecken und nicht mehr daran zu denken oder anders zu bewerten. und doch weiß man oft, da ist noch was, das ich mir gar nicht genau anschauen möchte. oft ist dies nur ein diffuses gefühl, das nicht klar benannt werden kann.

verdrängung ist ein gutes recht. das bedeutet, man sollte nur seine biografie und lebensgeschichte betrachten, wenn man auch lust dazu hat. es ist zwiespältig, wenn man im zuge der behandlungen von psychischen erkrankungen seine vergangenheit, seine lebensgeschichte niederschreiben soll. doch auch hier gilt, was immer gilt, man muss nur so weit gehen, wie man möchte. das bedeutet, die verdrängung kann auch erst einmal weiter aufrecht erhalten werden. und doch wird einem im laufe der zeit auffallen, wie anstrengend es sein kann, weiter zu verdrängen.

in solchen momenten tritt die angst in widerstreit zum bedürfnis, den ballast loszuwerden, den man schon lang mit sich herumträgt. es kann sein, dass die angst immer wieder gewinnt. dies ist eine form des selbstschutzes, über die der mensch verfügt. Weiterlesen

Werbeanzeigen

web 2.55 – lebenstagebuch.de

immer noch, über 60 jahre später, machen menschen die traumatischen erinnerungen an den zweiten weltkrieg zu schaffen. lange verdrängt, suchen sich die erinnerungen ihren weg. teils drückt sich dies durch psychische störungen oder über körperliche beeinträchtigungen aus. manche der über 65-jährigen fangen nun an, ihre erinnerungen zu verarbeiten. auch ohne beeinträchtigungen kann man feststellen, dass eine auseinandersetzung mit erlebtem generell entlastet.

eine hilfe dabei bietet die homepage http://www.lebenstagebuch.de/ an. die seite bietet eine schreibtherapeutische hilfe für menschen über 65 an, die sich mit ihren traumatischen erlebnissen beschäftigen und sie verarbeiten möchten. das angebot kann nur online genutzt werden, es sind keine realen konsultationen in einer praxis vorgesehen. hier wird das schreiben als entlastende hilfe und zur umstrukturierung der erinnerungen genutzt.

um menschen, die an ihren traumen erkrankt sind, nicht in der virtuellen welt behandeln zu müssen (dies ist nicht vorgesehen), ist im vorfeld ein fragebogen zu beantworten. sollten psychische oder körperliche störungen vorliegen, wird lieber an andere angebot abseits des internets vermittelt. das angebot des „lebenstagebuchs“ wendet sich an menschen, die genug eigene ressourcen aktivieren können, um einen umgang mit dem erlebten zu finden.

das „lebenstagebuch“ ist eine kooperation von berliner und stralsunder beratungs- und forschungsstellen zum thema traumatisierung. ein interessanter versuch, schreiben, das internet und biografiearbeit miteinander zu verbinden.

biografisches schreiben und dunkelheit

erinnern sie sich an ihre ersten albträume als kind? irgendwann steht jedes kind einmal nachts auf und ruft nach seinen eltern oder kriecht zu ihnen ins bett, da es von bösen wesen oder unangenehmen dingen geträumt hat. ab diesem moment wird einem die wirkung der dunkelheit, der nacht, ein wenig bewusst.

dann entwickeln sich die menschen im laufe ihrer entwicklungen auseinander. die einen werden „lerchen“, menschen, die gern früh aufstehen und viel tageslicht mitnehmen, die anderen, „eulen“, sind die, die nachts am besten arbeiten können, die die nacht zum tag machen. sie haben sich mit der dunkelheit arrangiert und bevorzugen eventuell die stille die nachts einkehrt.

manche menschen schlafen bei vollmond schlecht, wenn er in der nacht aufgeht. sie können sich nicht erklären, wie die natur solche auswirkungen auf ihre befindlichkeit haben kann. in unserer „erleuchteten“ kultur und gesellschaft stellt dunkelheit eher etwas bedrohliches dar, da passt die schlecht geschlafene vollmondnacht gut dazu. aber haben nicht viele von uns auch ihren meisten sex in der dunkelheit, also jedenfalls ist es draußen dunkel, das schlafzimmer mag ja beleuchtet sein.

es lohnt sich, beim betrachten der eigenen lebensgeschichte einmal einen blick auf die nächte und in die dunkelheit zu werfen. wie hat man denn seine nächte verbracht. wer im krieg die wohnungen abdunkeln musste und die nächte in luftschutzkellern verbringen musste, der wird mit der dunkelheit eventuell dramatisches und bedrohliches verbinden. wer immer nachts gearbeitet hat, wird sich im laufe der zeit an diesen rhythmus gewöhnt haben und die anderen menschen mit ganz eigenen augen sehen.

aber man kann beim thema „dunkelheit“ im zusammenhangen mit dem biografischen schreiben noch einen schritt weiter gehen: was war das dunkelste kapitel in der eigenen lebensgeschichte? jeder mensch hat ein dunkles kapitel, das ihn über jahre begleitet. das müssen nicht immer hochdramatische oder grausame situationen sein. es genügt, dass es situationen sind, die einen nicht los lassen, Weiterlesen

nochmal durch krisen gehen?

„oxypelagius“ bemerkte in seinem kommentar, das schreiben helfe gegen depressionen. ist das wirklich so? oder hier in bezug auf das biografische schreiben bezogen, kann das schreiben eine therapeutische wirkung haben? mit den wirkeffekten von therapien und techniken ist das so eine sache. die psychotherapieforschung bemüht sich schon seit langem nachzuweisen, welche dinge welchen effekt haben. doch dafür ist der mensch ein viel zu komplexes wesen, als dass sich dies verallgemeinern ließe. oder schlicht geschrieben: was bei dem einen hilft muss bei dem anderen noch lange nicht helfen. dem einen genügt es schon, dass er sich schreibend den raum zur ruhe nimmt, der andere benötigt zwei jahre therapeutische arbeit, um eine verbesserung seiner situation zu empfinden.

doch eines lässt sich zum biografischen schreiben bemerken: es ist eine wunderbare zusätzliche gelegenheit, vergangenes sich neu zu erschließen. der effekt des ganzen sei einmal dahingestellt, dazu später mehr. erst einmal bietet das biografische schreiben etliche techniken (fragen, assoziationen, freewriting, lebenskurven, tabellen…), um erinnerungen zu reaktivieren. eine konsequenzen des erinnerns besteht darin, dass man sich an immer mehr erinnert. wenn man einmal angefangen hat, dann wirkt es, wie wenn man ein türchen nach dem anderen öffnet und sich die erinnerungen stück für stück verzweigen. das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die abgelegten gedanken in spezieller weise miteinander verknüpft sind. Am bekanntesten dafür ist das werk „auf der suche nach der verlorenen zeit“ von marcel proust. hier gibt es das berühmte beispiel der madeleine (ein gebäck), die der auslöser von erinnerungen aus kindheit und vergangenheit ist.

da der mensch vor allem unangenehme erinnerungen gut verdrängen kann (wie hier schon häufiger erwähnt aus selbstschutz-gründen), kann bei der offenlegung der eigenen lebensgeschichte, natürlich auch die erinnerung an negatives reaktiviert werden. darum ist das biografische schreiben sehr viel mehr als das kreative schreiben mit vorsicht durchzuführen und zu begleiten. denn die erneute erinnerung an alte krisen und traumen kann ebenso neue auslösen. das soll nicht abschrecken, sondern eher die möglichkeit offerieren, sich dem zu zu wenden, was man lange ad acta gelegt hat, einen aber unbewusst durch den alltag begleitet. wodurch die erinnerungen ausgelöst werden, kann man nie vorhersagen. es kann ein geruch sein, ein gebäck, ein geräusch oder eben eine geschichte, die man schreibt, und dabei verselbstständigt sich die geschichte in eine richtung, die man eigentlich nicht einschlagen wollte.

da sitzt man dann mit seiner alten krise. was nun damit? man dachte, alles längst bewältigt zu haben und da meldet es sich wieder zu wort. Weiterlesen

selbstbefragung (48) – gewalt

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „gewalt„.

  • gibt es formen der gewalt, die sie für legitim halten? welche?
  • haben sie selbst gewalt erfahren? beschreiben sie.
  • haben sie selbst gewalt ausgeübt? warum?
  • was ist für sie gewalt überhaupt?
  • psychische gewalt ist selten offensichtlich. welche formen der psychischen gewalt haben sie erlebt?
  • was tun sie, um gewalt aus ihrem leben zu verbannen? beschreiben sie.
  • warum sind menschen ihrer ansicht nach, überhaupt zu gewalt fähig?
  • haben sie schon staatsgewalt erlebt? wie weit darf diese gehen?
  • wie ertragen sie es, dass auf dieser welt gefoltert wird? begründen sie.
  • wann haben sie das gefühl, dass jemand gewaltig ihre grenzen überschreitet? beschreiben sie.

biografisches schreiben und ängste

eine den menschen stark beeinflussende emotion ist die angst. sie spielt in vielen lebenszusammenhängen, ob bewusst oder unbewusst eine große rolle. viele der menschlichen handlungen basieren auf ängsten, indem sie zu ausweichhandlungen, zu vermeidungen oder zu gegenreaktionen führen. so scheint es angeraten, einmal einen blick auf die eigenen ängste zu werfen.

dies kann in der kindheit beginnen, indem man einmal überlegt, wann man das erste mal bewusst richtig angst hatte. wurde einem dabei geholfen, fühlte man sich als kind allein gelassen oder fand man damals schon eine lösung der angst zu begegnen? wieweit haben eltern in ihrer erziehung ängste geschürt oder reduziert? der gelernte umgang mit der angst trägt sich oft weiter in das spätere leben.

traumatische erfahrungen können natürlich die ängste verstärken. erst einmal ist angst nichts negatives, da sie die grundlage von selbstschutz und körperlicher unversehrtheit bilden kann. doch ebenso hinderlich kann sich angst manifestieren, indem sie einen hindert, den eigenen lebensvorstellungen zu folgen, sich einzuschränken oder entwicklungen zu verhindern. es ist nicht leicht, einen blick auf die eigenen ängste zu werfen, sichtbar werden für einen aber sowieso nur die bewussten. es geht auch nicht darum, sie noch einmal zu durchleben, sondern beim betrachten der eigenen lebensgeschichte, sich zu fragen, wie weit ängste die eigene geschichte beeinflussten.

es gibt noch viele andere einflüsse auf die eigene biografie, jedoch sind ängste eine starke triebfeder. deshalb kann es zusätzlich von interesse sein, einen blick darauf zu werfen, inwieweit die eigenen ängste sich verändert haben, wie der eigene umgang mit ihnen sich gewandelt hat, ob man manche existierende angst bewältigen konnte und auch inwieweit man sich wegen seiner ängste selbst geschützt hat. parallel zur eigenen biografie ließes sich so eine eigenen kleine angstbiografie verfassen und in die große lebensgeschichte einflechten.

schnickschnack (68)

die finanzkrise kann zur mentalen krise werden. das ist kein scherz, sondern eine tatsache, zumindest laut einer us-behörde. aufgefunden hat die hinweise dazu mal wieder die süddeutsche zeitung von heute, s.15. wichtig ist, dass der mensch gesund bleibt. wenig wird darüber diskutiert, dass allein die arbeitsbedingungen an den börsen der welt und bei den brokern der finanzen alles andere als gesund waren oder gesund sind. hier wird nicht nach den stressfaktoren gefragt, sondern nach der rendite.

anders geht man nun mit den „opfern“ der finanzkrise um. die „substance abuse & mental health services administration“ (samhsa) der usa stellte tipps ins netz, wie man folgeerkrankungen und psychische störungen aufgrund von besitztumsschwankungen feststellen kann. es ist eine ernst angelegenheit, wenn jemand seinen gesamten besitz verliert. garantiert auch ein traumatisches erlebnis. die stressoren nehmen auch im vorfeld meist schon zu, wenn die aktienkurse nach unten rasseln und nicht wenig spielen mit suizidgedanken. ärgerlich ist einzig, dass erst in der finanzkrise hilfestellung geleistet wird (siehe http://www.samhsa.gov/economy ).

schon im vorfeld wären hinweise zum börsenhandel an sich sinnvoll gewesen. denn das spekulieren mit aktien unterscheidet sich nicht groß von der spielsucht. lotterieanbieter müssen inzwischen auf diese spielsucht hinweisen, börsenspekulanten nicht. auch der verlust des arbeitsplatzes in kapitalistischen gesellschaften bedrohte schon immer die menschen in ihrer existenz, auch wenn nicht so viel geld auf dem spiel stand. doch hat jemand damals jemals auf die mentalen folgen aufmerksam gemacht? depressionen sind schon lang die folge von leistungsgesellschaften, erstaunlich, dass dies erst jetzt wahrgenommen wird. ob es vielleicht daran liegt, dass die betroffenen in einer gesellschaftsschicht zu finden sind, die bis vor kurzem glaubte unverletzlich zu sein?

biografisches schreiben und kriegserfahrungen

man muss nicht soldat oder soldatin auf dieser welt sein, um einen krieg hautnah mitzuerleben. es gibt weiterhin viel zu viele kriege. immer wieder versagt die diplomatie und menschen meinen, die einzige lösung könne es sein, andere menschen zu töten. wer solche situationen miterlebt, wer den schrecken und die angst spüren muss, wird diese situation nie vergessen.

wie die generationen, die den zweiten weltkrieg miterlebt haben, zeigen, kann man ein traumatisierendes erlebnis aber oft erst einmal gut verdrängen, so dass man sich nicht weiter mit dem erlebten auseinandersetzen muss. da ist nichts verwerfliches dran, da der menschliche körper die verdrängung auch als selbstschutz bei traumatisierungen eingebaut hat. der alltag kann aufrecht erhalten werden, das funktionieren wird gesichert.

aber es hat sich herausgestellt, dass die generationen so lang verdrängen konnten, so lang sie gefordert waren und nicht zur ruhe kamen. das schwierige am gedächtnis ist aber, dass die traumatisierungen gern dann erinnert werden, wenn man einmal zur ruhe kommt. als die kriegsgenerationen in rente gingen, stellte sich für viele plötzlich die frage, weshalb es ihnen so schlecht ging. sie fanden keine worte für ihre empfindungen. etliche projekte boten und bieten heute noch daraufhin das biografische schreiben als möglichkeit an, sich selbst seiner zu vergewissern und seine lebensgeschichte aufzuarbeiten. dabei stellte sich heraus, dass erlebnisse, die jahrzehnte lang vergessen schienen wieder die oberfläche erreichten und einen ausdruck suchten. die traumatisierung war nicht vergessen.

man kann sich die frage stellen, ob die aufarbeitung der vergangenheit sein muss, Weiterlesen

schreiben über den krieg – ein filmtipp

auf der welt werden immer noch zu viele kriege geführt. oft wird dabei versucht, die kriege nach außen als humaner erscheinen zu lassen. das ist und bleibt ein trugschluss, denn im endeffekt geht es immer darum, andere menschen zu töten. wer in den nachrichten oder in dokumentationen die berichte über kriege sieht, wird feststellen, dass vor allen dingen junge menschen weiterhin in die kämpfe geschickt werden und im vorfeld davon ausgehen, dass sie einer guten sache dienen. kehren sie dann zurück, sind die meisten vom erlebten traumatisiert und wissen nicht, wie sie das erlebte verarbeiten sollen.

in den usa gab es ein projekt, in dem soldatInnen über ihre kriegserfahrungen schreiben sollten. inzwischen versuchen militärs eine rundumversorgung für ihre soldaten, um die kriege leichter zu verkraften. es scheint absurd, an den traumatisierungen zu arbeiten aber nicht an der verhinderung von kriegen. richard e. robbins hat eine doku zum schreiben über den krieg gedreht, die für den oscar nominiert wurde. sie heisst „operation heimkehr“ und lief gestern auf arte. leider fiel mir zu spät auf, dass diese spezielle form des biografischen schreibens in einer doku gesendet wurde.

das schöne an arte ist aber, dass manches aus dem programm sieben tage lang im internet wiederholt wird. also ist es noch möglich, die nächsten sieben tage den film unter folgendem link: http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=2509154,scheduleId=2472116.html am computer anzuschauen. es scheint lohnenswert.

schade ist wieder, dass man zwar wild diskutiert, kriegscomputerspiele zu verbieten, es aber nicht schafft, solch eine dokumentation um 20.15 uhr in der ard oder dem zdf zum beispiel am samstagabend auszustrahlen. also am besten mit den eigenen kindern zusammen anschauen.

biografisches schreiben und traumata

in den letzten jahren, ja inzwischen schon jahrzehnten, bekamen das aufarbeiten der eigenen lebensgeschichte, das biografische schreiben eine große bedeutung. das hatte ursächlich mit der deutschen geschichte zu tun.

die generation derjenigen, die den krieg als kinder und jugendliche erlebt haben, wurden im laufe der jahre verrentet und kamen zur ruhe. waren sie doch sehr daran beteiligt, den wiederaufbau zu bewerkstelligen und die wirtschaft auf vordermann zu bringen. es war für viele keine zeit da, darüber nachzudenken, was eigentlich im krieg geschehen war, was ihre eltern oder sie selbst im nationalsozialismus gemacht hatten, wofür sie sich eingesetzt hatten und vor allen dingen, was sie selber in dieser zeit erlebt hatten. und das war oft genug traumatisch.

das gemeine an traumata ist, sie machen sich gerne dann bemerkbar, wenn man zur ruhe kommt. also führte die verrentung bei der kriegskindergeneration zu zweierlei reaktionen. die einen, die nicht zu ruhe kommen und weiter arbeiten, agieren und organisieren. und die anderen, die feststellten, dass es ihnen nicht so gut geht, wenn sie zur ruhe kommen. doch da diese generation meist gelernt hat, nicht groß darüber nachzudenken, wenn es ihr nicht so gut geht, brauchte es mancher anstösse durch beraterInnen oder therapeutInnen, sich einmal mit seiner vergangenheit auseinanderzusetzen.

und hier bietet das biografische schreiben eine gute möglichkeit, sich mit der vergangenheit auseinanderzusetzen. hat schreiben doch häufig den effekt, dass während des schreibprozesses manche weiteren erinnerungen geweckt werden. das war für viele teilnehmerInnen quälend, doch um erlebtes wirklich zu verarbeiten, ist es manchmal notwendig, sich an alles zu erinnern und es ansatzweise in gedanken noch einmal zu durchleben. so bildeten sich gruppen, die gemeinsam in ihren erinnerungen nach erlebtem suchten. manche menschen arbeiteten lieber alleine zuhause ihre lebensgeschichte auf. allen gemeinsam ist, dass sie plötzlich eine erklärung dafür fanden, weshalb es ihnen so schlecht geht, obwohl sie nun zeit hätten, es sich gut gehen zu lassen. und es hat zur konsequenz, dass immer mehr schriftliche zeugnisse entstanden, aus der zeit im krieg, die anderen zur verfügung gestellt wurden, eine menge zeitzeugenberichte.

so wie der kriegskindergeneration kann auch anderen traumatisierten menschen das schreiben eine stütze sein.