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biografisches schreiben und trennen

„trennen“ oder „trennung“ sind mit großer wahrscheinlichkeit die umfassendsten kapitel in vielen biografien und lebensgeschichten. ob man sich von bestimmten vorstellungen, gedanken oder menschen trennen muss, trennen will oder trennen lässt, das beschäftigt uns. denn „trennen“ geht immer mit einem verlust auf der einen oder anderen seite einher. etwas zu verlieren bedeutet nicht automatisch, dass schmerz oder trauer ins spiel kommen, aber es bedeutet, dass wir mit veränderungen einen umgang finden müssen, ob wir wollen oder nicht. wie der umgang dann aussieht, das ist wiederum von mensch zu mensch verschieden.

in „trennen“ steckt schon eine form von unfreiwilligkeit, die oft damit einhergeht. denn sonst wäre es ein verabschieden oder ein loslassen. wenn etwas getrennt wird, dann wird geschnitten, geteilt oder weggenommen. wann hat man sich in seinem leben anderen menschen entzogen oder wann haben sie sich einem selber entzogen? eine der fragen, die im biografischen schreiben großes gewicht bekommen können. vor allen dingen dann, wenn die letzte aller trennungen stattfand, wenn der tod im spiel war. hier war die trennung vielleicht keine bewusste entscheidung, sondern eine natürliche konsequenz, eine trennung, die der mensch, der so auf kontrolle bedacht ist, noch schwerer akzeptieren kann, als viele andere trennungen.

wenn sie ihre lebensgeschichten aufschreiben, dann schauen sie doch mal, welche formen der trennung sie erlebt haben. gewichten sie, welche trennung für sie am schwersten war und wovon sie sich leicht trennen konnten. und dann werfen sie einmal einen blick auf die bedeutung des „verlusts“. schnell relativieren sich manche bestürzungen über eine zerbrochene vase, ein zerbeultes auto oder einer gecrashten festplatte, wenn man einen menschen verloren hat. wenn ein anderer mensch nie mehr zu erreichen sein wird. trennungen in beziehungen erscheinen dagegen aus der distanz beinahe lächerlich, da der mensch Weiterlesen

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liste (74) – trennen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „trennen„.

diese trennungen fielen mir am schwersten:

hiervon möchte ich mich nie trennen:

es ist zeit, sich davon zu trennen:

der beste trost bei trennungsschmerz:

was mich am häufigsten von anderen menschen trennt:

wissenschaftliches schreiben und trennen

es klingt ein wenig absurd, kommt aber häufiger beim schreiben von wissenschaftlichen arbeiten vor: nachdem man sich über monate oder jahre mit einem thema beschäftigt hatte und das schreiben oft schwierig und mühsam war, fällt es plötzlich schwer, den text loszulassen, das schreibprojekt abzuschließen. es fällt einem immer noch etwas ein, das in die arbeit eingeflochten werden sollte, etwas, das noch nachgeschlagen werden, etwas, das man auch noch berücksichtigen könnte und das layout stimmt auch noch nicht.

für diese schwierigkeit, sich von seinem eigenen wissenschaftlichen text zu trennen, kann es sehr verschiedene gründe geben. am häufigsten ist es wahrscheinlich der versuch, perfekt sein zu wollen. perfektionismus sorgt dafür, dass alles, was man produziert, eigentlich noch besser sein könnte. perfektionismus ist unendlich erweiterbar, denn alles kann noch besser werden. auch nach dreissig jahren arbeit an einem buch oder schriftlichen arbeit, kann man noch etwas verbessern. hier ist es hilfreich, auch wenn es sehr schwer fällt, irgendwann einen schlussstrich zu ziehen. es ist notwendig, in der eigenen vorstellung den mut zur lücke auszuhalten. mantra-artig sollte man sich sagen, dass man nie die ganze welt erfassen kann.

der zweite grund einer trennungsblockade könnte die angst davor sein, was denn nun als nächstes kommt. man war von der aufgabe für den wissenschaftlichen text so besetzt, dass plötzlich eine große leere droht, wenn alles abgeschlossen ist. was dann? das gedankengebäude noch befeuern könnten die teils schlechten beruflichen aussichten für akademikerInnen sein. da hat man unter großen anstrengungen eine abschlussarbeit verfasst, sein studium beendet, und dann weiß man nicht, wo Weiterlesen

selbstbefragung (127) – trennen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „trennen„.

  • trennen sie ihren müll? warum?
  • von was mussten sie sich in ihrem leben trennen, obwohl sie nicht wollten?
  • von wem haben sie sich getrennt, obwohl sie nicht wollten? warum?
  • was trennt sie davon, der glücklichste mensch auf der welt zu sein?
  • was waren ihre trennungsgründe in beziehungen?
  • was brauchen sie, wenn sie sich von jemandem getrennt haben?
  • was brauchen sie, wenn jemand sich von ihnen getrennt hat?
  • wie überwinden sie trennungsschmerz?
  • in welchen lebenssituationen verschwimmt ihnen die trennschärfe? beschreiben sie.
  • von welchen gedanken, menschen oder dingen wollen sie sich auf alle fälle noch trennen?

schreibidee (263)

tschüss, servus und baba. manchmal ist es zeit, abschied zu nehmen. sich von alten gewohnheiten, von guten freunden oder auch von wohnorten, gegenständen oder jobs zu trennen. das fällt nicht immer leicht, ist manchmal nicht selbstgewählt, doch es verändert unser leben. und geschichten leben von trennungen und abschieden. darum ist diese schreibidee eine anregung für „abschiedsgeschichten„.

als einstieg werden in der schreibgruppe ideen gesammelt, von was man sich verabschieden kann. diese ideen werden am flipchart notiert. die teilnehmerInnen wählen sich einen abschied aus. nun schreiben sie ein 10-schritte-programm, wie der abschied zu vollziehen ist. da kann es darum gehen, sich von einem haustier zu verabschieden, da es gestorben ist, oder sich von seinem eigenen image zu verabschieden oder auch nur von einer reisebegleitung. und doch ist jeder abschied anders, darum erst einmal der blick auf die handlungsabfolge. die jeweiligen 10 schritte werden kurz vorgestellt.

nun wird zu dem gewählten abschied (es kann auch ein neues beispiel gewählt werden) von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein abschiedsbrief geschrieben. was wollte man dem gegenstand, der person oder der lebenssituation noch einmal sagen? der brief sollte nicht länger als zwei seiten werden. die briefe werden anschließend ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

als letzte vorbereitung für eine längere abschiedsgeschichte, werden abermals am flipchart abschiedsszenen stichwortartig gesammelt. dies können filmszenen, zitate aus romanen oder auch selbst erlebte situationen sein.

anschließend wählen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen aus diesem ganzen vorbereitungsbeispielen und -texten ideen aus, die in eine längere abschiedsgeschichte fließen. dabei soll darauf geachtet werden, dass die leserInnen von den freiwilligen oder unfreiwilligen abschieden möglichst tief berührt werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird eine abschiedsskala erstellt, auf der alle teilnehmerInnen jeweils ihre rührung bewerten können.

und dieses mal werden vor dem schluss des schreibgruppentreffens von allen teilnehmerInnen „abschieds-vierzeiler“ verfasst, die wiederum beim verabschieden vorgetragen werden.