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wortklauberei (82)

„bundestrojaner“

ganz gleich, ob er wirklich vom bund oder nicht ins internet entlassen wurde, der begriff allein regt zu manchen bildern an, die mal wieder die eigentliche bedeutung des programms und seiner folgen verschleiern und kaschieren. auch wenn man davon ausgehen kann, dass ein großteil der web-nutzerInnen inzwischen mit dem begriff „trojaner“ etwas anfangen kann, bleibt selbst im wort die auswirkung versteckt.

alternativ müsste man von einer bundes-überwachungssoftware oder von einem bundes-fremddaten-staubsauger sprechen, um eher ein bild der funktionweise des programms hervorzurufen. die trojaner sind in erster linie bewohner von troja, in zweiter linie vermischt sich die strategie des „trojanischen pferdes“ (innen hohl und gefüllt mit kriegslist) mit den möglichkeiten der digitalen welt. und dann ergibt sich ein viel fieseres, das geltende recht ignorierendes vorgehen.

es scheint ein programm geschrieben worden zu sein, das den datenschutz umgeht, das alle funktionen des fremden computers, je nach programmzusatz, abrufen kann und das beliebig erweiterbar ist, also dinge auf festplatten fremder schleusen kann. noch skurriler wird das ganze, wenn man schaut, wo die daten hingebracht werden. sie werden um die welt geschickt, um dann wieder hier zu landen. wer also noch mitliest, das weiß niemand.

zu rechnen war auf alle fälle mit solchen programmen. zu rechnen war auch damit, dass nichts, aber auch gar nichts sicher ist, wenn man sich ins netz begibt. und zu rechnen ist ebenso damit, dass sich die strafverfolgung seit der rasterfahndung immer stärker in die richtung eines generalverdachts gegen die gesamte bevölkerung entwickelt. (ähnlich wie beim neuen personalausweis, bei dem man unterschreiben muss, wenn man nicht möchte, dass die eigenen fingerabdrücke auf dem chip gespeichert werden und nicht unterschreiben muss, wenn man damit einverstanden ist, dass die fingerabdrücke auf dem chip gespeichert werden.)

also stimmt beim „bundestrojaner“ auch der begriff „bundes“ nicht. denn der bund ist die vertretung der bevölkerung, es handelt sich aber um einzelne, die den datenklau organisieren. und sie unterwandern damit die verfügung des einzelnen über seine persönlichen daten. also ist es ein daten-entmündigungs-programm oder dergleichen mehr. aber bundestrojaner klingt, wie wenn wir dem alle zugestimmt hätten.

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web 2.0 und sicherheit

das magazin „report“ des bayerischen rundfunks sendete gestern einen beitrag, der empörung vermitteln sollte. das klappte nicht so richtig, da die botschaft des beitrags alles andere als neu war. denn laut beitrag kann es einem im internet leicht passieren, dass man sich einen „trojaner“ einfängt, der es anderen erleichtert die eigene festplatte zu übernehmen. das kommt öfter vor, ist aber nichts unbekanntes. es hat damit zu tun, dass menschen immer noch der meinung sind, die virtualtität unterschätzen zu können.


und es hat vor allen dingen damit zu tun, dass von staatlicher seite kaum anstrengungen unternommen werden, überhaupt über die nutzung de internet aufzuklären. auf der einen seite werde ich in vielen zusammenhängen dazu aufgefordert, das internet zu nutzen (steuererklärung, preiswertere fahrkarten der bahn) auf der anderen seite tauchen selten warnungen auf. ansonsten warnen wir den verbraucher vor allem, vor nahrungsmittelzusätzen, vor fernsehern, die nicht auseinandergebaut werden sollen, vor taschendieben und dergleichen. wir warnen aber kaum davor, dass menschen versuchen können, den eigenen computer zu übernehmen, ihn zu starten, wenn er abgeschaltet ist, weil der stecker zum internet nicht zwischendurch gekappt wird und dergleichen mehr.


nun fragt man sich als verbraucher und nutzer, weshalb dies nicht geschieht. oder weshalb erst in aktion getreten wird, wenn das kind schon in den brunnen gefallen ist? hängt wohl damit zusammen, dass auch der staat ein interesse an persönlichen daten hat. dass er ebenso, wie andere, demnächst trojaner in die lande schicken will. würden dann alle versuchen mit hilfe bestimmter technischer vorkehrungen, den trojaner zu verhindern, käme das recht ungelegen. schade auch, dass auf diese tatsache im beitrag von „report“ nicht hingewiesen wurde. oder was soll die persönliche steuernummer anderes, als den datenaustausch zu vereinfachen. ist doch alles wieder einmal sehr zwiespältig und nicht unbedingt das neueste. also, immer mal wieder den stecker ziehen und nicht die ganze zeit im netz bleiben, wenn man was anderes macht 😮