Schlagwort-Archive: übergriffig

schreibpädagogik und bewusstes

vor allen dingen beim feedback-geben zu texten ist es manchmal für teilnehmerInnen von schreibgruppen oder schreibwerkstätten verführerisch, die texte in bezug auf die autorInnen zu deuten. dabei handelt es sich um aussagen wie: „du wolltest wahrscheinlich damit sagen, dass …“. oder noch direkter: „diese stelle zeigt, dass du …“. hier wird über die wahrnehmung des bewusst geschriebenen hinausgegangen und ein bezug zu den angenommenen gedanken (bewusste und unbewusste) der autorInnen hergestellt.

in diesen momenten müssen meiner ansicht nach gruppenleiterInnen eingreifen, wenn sich die angesprochenen autorInnen nicht selbstständig dagegen wehren. kein mensch kann von außen beurteilen, welche bewussten und unbewussten gedankenprozesse bei schreibenden während des schreibens stattfinden. man begibt sich in diesen momenten in den bereich der spekulation, die keinen sinn bei textbesprechungen macht. darum kann man entweder entscheiden, nachzufragen, was die intention war, einen text zu verfassen, welche gedanken dabei auftraten, oder man beschränkt sich darauf, zu betrachten, was der text bei einem selbst auslöst.

nicht nur beim biografischen schreiben, sondern bei allen schreibarten fließen auch persönliche anteile der autorInnen ein. ob dies nun bewusst oder unbewusst geschieht, spielt eigentlich keine rolle, da nur das ergebnis von interesse ist. natürlich kann einem beim schreiben manches bewusster werden, können selbstreflexionen verstärkt werden. dies kann man offen legen, wenn es einem notwendig erscheint und zum Weiterlesen

biografisches schreiben und nähe

nähe ist etwas sehr schönes und kann etwas sehr gruseliges werden. vor allen dingen emotionale und körperliche übergriffe haben etwas mit nähe zu tun. da wir inzwischen in einer gesellschaft leben, in der viele grenzen (der privatheit, der körperlichkeit, des berufs, der kommunikation …) überschritten werden, wird das erzeugen von nähe oder von distanz eher schwerer als leichter.

auch in unseren zwischenmenschlichen kontakten im laufe unseres lebens geht es immer wieder um nähe und distanz. angefangen bei den wünschen, einzelnen menschen näher kommen zu wollen bis zu der frage, wie nahe dürfen einem andere kommen. hier kann man zum beispiel auf einem großen blatt, sich selber in die mitte zeichnen und dann eintragen, welche menschen, die man kennt, in welcher distanz zu einem selber stehen. dies kann man für den aktuellen zeitpunkt machen, aber auch für vergangene zeiten.

wie sah es zum beispiel in der jugendzeit aus, oder beim berufseinstieg? zusätzlich kann man zum beispiel noch markieren, welche menschen man gern in seiner nähe hatte und welche weniger, welche hätten gern näherkommen dürfen und welche sollten noch weiter weg sein. dabei können erinnerungen an die schönsten nähe-erlebnisse mit einem anderen menschen auftauchen, ebenso wie übergriffige situationen, die man im laufe seines lebens erlebt hat. bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte geht es ja immer wieder um die frage, in welchem sozialen umfeld man sich wie bewegt hat. und vor allen dingen, wie angenehm dies Weiterlesen

selbstbefragung (150) – stürmisch

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „stürmisches“.

  • welcher sturm ist ihnen im gedächtnis geblieben?
  • wann sind sie stürmisch?
  • die stürmischste zeit in ihrem leben? beschreiben sie.
  • ihre absolut stürmische liebe?
  • bei was stürmen sie hemmungslos voran? warum?
  • bei wem wären sie gern richtig stürmisch?
  • wann war ihr stürmisches verhalten unangebracht?
  • wären sie gern ein wenig stürmischer?
  • wo liegt bei ihnen die grenze zwischen stürmisch und übergriffig?
  • wer stürmte einmal vehement auf sie zu? wie war es?

hier können sie weitere 1000 fragen als pdf-datei runterladen.

web 2.0 und gesichter und häuser

google hat sich laut meldungen mit datenschützern geeinigt, dass für das angebot „street view“, also die fotografierten straßenzüge, gesichter unkenntlich gemacht werden. das mindeste, was man erwarten kann. doch sollte jemand den wunsch haben, dass man das eigene haus nicht abgebildet haben möchte, muss man sich bei google melden.

diese entscheidung erinnert an die werbung am briefkasten. man möchte sie nicht, bekommt sie aber erst einmal trotzdem. diese vorgehensweise ist übergriffig. es werden also erst einmal tatsachen geschaffen, gegen die man sich wehren muss. im alltag nehmen solche verhaltensweisen zu, vor allen dingen von konzernen und staatlichen stellen. daten werden erst einmal erfasst und sollten sie sich dafür interessieren, was wir über sie wissen, machen sie sich kundig, wenden sie sich an uns und wir werden die daten natürlich sofort vernichten.

bei dieser vorgehensweise handelt es sich um das gegenteil von dienstleistung. ein dienstleister würde sich melden und anfragen, ob er zum beispiel das haus fotografieren und im internet abbilden dürfe. die jetzige vorgehensweise setzt jedoch voraus, dass sich ein mensch im internet auskennt, dass er dort die nötigen schritte einleitet und dass er kontrolliert, ob sich wirktlich etwas verändert hat.

erstaunlich ist es, dass immer weniger menschen registrieren, wenn in ihre privatsphäre eingedrungen wird und sich dagegen wehren. es geht nicht darum, ob jemand bei großveranstaltungen fotos macht, also orten, wenn ich mich sowieso in die öffentlichkeit begebe, sondern es geht darum, dass man nicht mehr am persönlichen rückzugsort geschützt ist. und wenn dann jemand übergriffig war, ist es an mir, dies abzustellen, sonst geht das beständig weiter. wen wundert es da noch, dass generell rücksicht auf die anderen subjekte im sozialen raum verschwindet. man nehme nur das telefonieren mit dem handy in verkehrsmitteln. die eigenen grenzen sind keine mehr.