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selbstbefragung (74) – kontrolle

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „kontrolle„.

  • wann haben sie das letzte mal die kontrolle verloren? beschreiben sie.
  • in welchen situationen würden sie sich gern besser kontrollieren können? warum?
  • wer kontrolliert sie?
  • was halten sie von unkontrolliertem geld ausgeben? warum?
  • was halten sie von unkontrolliertem geld ausgeben im staatshaushalt? warum?
  • wen würden sie gern mehr kontrollieren?
  • was müsste besser kontrolliert werden?
  • wo findet in ihrem leben zu viel selbstkontrolle statt?
  • wieso brauchen wir überhaupt kontrolle? begründen sie.
  • gibt es zu viel oder zu wenig überwachung der bürger? warum?

biografisches schreiben und 68er

es ist nichts neues, dass deutschland ein problem mit der eigenen geschichte hat. somit haben auch alle autorInnen der eigenen lebensgeschichte ein problem mit dem erfassen der größeren zusammenhänge im hintergrund. und dies seit über 60 jahren. gerade wird wieder die geschichtsschreibung der 68er diskutiert, nachdem sich herausstellte, dass der polizist, der benno ohnesorg erschoss bei der stasi war.

und wie es in deutschland seit jahrzehnten üblich ist, setzen sofort die reflexe des kalten krieges wieder ein. die eine seite ruft, jetzt müsse die geschichte der 68er vollständig umgeschrieben werden, wie wenn die studentenrevolte eine idee der stasi gewesen sei. die andere seite sagt, es habe sich gar nichts verändert, da sehr wohl bekannt gewesen sei, dass teilweise die stasi in vielen bereichen ihre finger im spiel hatte.

faszinierend bei den enthüllungen, dass herr kurass bei der stasi war, scheint aus heutiger sicht, dass immer noch nur die hälfte des ganzen veröffentlicht wird. oder glaubt irgendjemand, dass der westen nicht versuchte, auch im osten einfluss zu nehmen? neben der tatsache, dass es nicht nur um den schah, die altnazis und das muffige deutschland ging, sondern auch um den vietnamkrieg, überlebte soziale strukturen und das patriarchat, gab es auch noch berliner eigenheiten. wer einmal von augenzeugen hört, was sich vor der deutschen oper in berlin zutrug, hört inzwischen noch viel mehr von grabenkämpfen innerhalb der berliner polizei, von seltsamen zufällen des aufwiegelns der stimmung, wie eben auch die lautsprecherdurchsage, dass ein polizist umgebracht worden sei.

und hier wird es eigentlich interessant. Weiterlesen

datenschutz und rasterprogramme

erstaunlich ist es nicht, dass die bahn die mails ihrer mitarbeiterInnen gerastert hat, denn es gibt die programme dafür. es würde auch nicht erstaunen, wenn andere konzerne dies ebenso machen, es schaut nur keiner genau hin. die programme sind auch nicht so neu. und was da ist, wird auch angewendet werden. hier ist die diskussion sicherlich eine stufe früher zu führen. das soll nicht heißen, dass es keine konsequenzen haben muss, wenn arbeitgeber wissentlich gegen gesetze verstoßen.

aber es wäre überhaupt die frage, weshalb jemand programme schreibt, die den menschen immer besser erfassen, rastern und stichworte suchen. sicher, suchfunktionen können am einzelnen computer oder im firmennetzwerk hilfreich sein, doch dann sind sie für jeden nutzbar und sichtbar. aber man muss sie schon wissentlich verstecken, um die mitarbeiterInnen nichts merken zu lassen. wer schreibt so etwas? welche firma bietet diese dienstleistungen an?

der mensch ist noch zu viel mehr bereit. heute wirbt die telekom in der tageszeitung für das neue iphone und ist ganz stolz darauf, das programm „lokalisten“ anbieten zu können. es ist sozusagen ein ortungsprogramm für „freunde“. ich kann also auf meinem handy sehen, wo sich meine freunde gerade mit ihrem handy befinden, wenn diese das programm ebenso nutzen. wer möchte das? eltern, die ihre kinder auf schritt und tritt überwachen, beziehungspartner, die nicht vertrauen, arbeitgeber, die ihre mitarbeiter kontrollieren und viele andere grenzüberschreitende interessentInnen. hier wird der gläserne mensch als freizeitspaß angeboten.

so rastern und überwachen wir uns schritt für schritt gegenseitig und weiterhin stört sich niemand daran. eigentlich benötigt es jetzt nur noch die verknüpfung von kontodaten, mailverkehr, aufenthaltsort, kredit- und bankkartendaten und dem krankenkassenchip, dann haben wir die absolute kontrolle. man kann sicher sein, es arbeitet schon längst jemand daran, vielleicht wird es auch schon angewendet. anscheinend wollen wir alle die elektronische fussfessel 😦 so geht zumindest niemand mehr verloren.

datenschutz und großbetriebe – ein kommentar

 

gestern machte die meldung die runde, dass die bahn ihre mitarbeiter „flächendeckend“ überprüft und überwacht hat. direkt im anschluss zeigten sich die politischen reflexe der empörung und der verurteilung. es war die rede von generalverdacht, der mit dem datenschutz nicht zu vereinbaren sei. der verkehrsausschuss war entsetzt und will die sachlage weiter prüfen.

es kann sein, dass ich da etwas nicht verstanden habe oder zu dumm bin, um die zusammenhänge richtig zu sehen. es echauffieren sich über das verhalten der bahn oder auch der telekom die politiker der parteien, die vor kurzem ihre bürger unter generalverdacht stellten und die größte datenerfassung aller zeiten angeleiert haben, indem verbindungsdaten „flächendeckend“ zwischenspeichern. sie haben jedem bürger eine umfassende steuernummer gegeben, sie haben den datenschutz jahrelang stiefmütterlich behandelt und sie sitzen in den halbstaatlichen betrieben mit im aufsichtsrat, ja üben sogar eine kontrollfunktion aus.

die eine vorgehensweise soll unserer sicherheit dienen, die andere sei der falsche weg im kampf gegen die korruption. nicht dass ich das verhalten der bahn und der von ihr beauftragten firma irgendwie gutheiße, aber hier ist abermals der maßstab verrutscht. vielleicht sollte sich die politik einmal an die eigene nase fassen, und sich fragen, ob sie nicht mit den eigenen entscheidungen der dreistigkeit der großkonzerne vorschub leistet. man kann diese betrachtung auch noch ausweiten. fällt jemandem eigentlich auf, dass es sich bei den skandalen um finanzen, daten und grundrechte meist um betriebe handelte, die von der politik gehätschelt und umworben wurden.

abgesehen davon zeigt das vorgehen der bahn, aber auch die skandale um kreditkarten- und kundenkartendaten, wie leicht an persönliche informationen heranzukommen ist, wie gut diese miteinander abgeglichen werden können und dass die rasterfahndung inzwischen gesellschaftlicher standard ist. Weiterlesen