Schlagwort-Archive: umdenken

versuch einer alternative zur steten beschleunigung des lebens

tom hodgkinson hat schon vor längerer zeit ein buch über die entschleunigung und das downshifting geschrieben. („anleitung zum müssiggang“) und eines über die möglichkeiten, sein leben zu verändern, sich nicht allen anforderungen von außen auszusetzen („die kunst, frei zu sein“ – siehe diesen link).

zeitgleich mit der „anleitung zum müßiggang“ initiierte er die auseinandersetzung mit fragen der entschleunigung. er rief mit anderen menschen zusammen die homepage „the idler“ ins leben. diese zeigt vor allen dingen praktische beispiele der „anderen“ lebensweise. wie konsequent sich dies umsetzen lässt, bleibt zu diskutieren. denn wenn zeit geld ist, dann ist freie zeit luxus. aber auf der homepage lohnt ein blick auf die link-seite mit vielen anregungen und diskussionen.

da inzwischen ein geschäft aus der entschleunigung geworden ist, muss man sich auf der homepage zwischen den ganzen angeboten etwas in die tiefen begeben, um die vielen diskurse und texte, die dort veröffentlicht wurden, zu finden. aber es lohnt sich. hodgkinson selber hat anscheinend seinen pfad der entschleunigung ein wenig verlassen, um aus den ideen viel praktisches zu machen. und doch bleibt das anliegen ein berechtigtes.

der links zur homepage: http://idler.co.uk

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wissenschaftliches schreiben und stärke

was bedeutet es, beim wissenschaftlichen schreiben, stärke zu zeigen. es hat wahrscheinlich weniger mit dem schreiben zu tun, denn mit dem inhalt. oder anders formuliert, die struktur und vorgehensweisen bei wissenschaftlichen schreiben sind vorgegeben, doch das füllen der struktur kann sehr unterschiedlich verlaufen.

das fängt an bei forschungsergebnissen, die umstritten sind, die nicht dem mainstream entsprechen. oft versuchen sich die wissenschaftlerInnen schon im vorfeld gegen mögliche kritik zu wappnen. das führt dazu, dass sie alle möglichen angriffspunkte im eigenen text vorab aufgreifen. doch dadurch werden die texte so vollgepackt, dass sie nicht selten schwer zu lesen sind. zur stärke würde in diesem moment gehören, sich auf die eigenen erkenntnisse zu beschränken und es auszuhalten, dass ein aufschrei durch die fachwelt geht und viele diskurse auf einen zukommen.

außerdem könnte ein zeichen von stärke sein, die form der wissenschaftlichen veröffentlichung nicht genau einzuhalten. es gibt themen, die sich spannender und interessanter darstellen lassen, wenn man den strengen rahmen teilweise verlässt. hier landen viele wissenschaftliche schreibenden an dem punkt, dass etwas natürlich nicht populärwissenschaftlich werden sollte, doch die ergebnisse für möglichst viele verständlich vermittelt werden könnten.

spannend wird ein text, wenn auch persönliche meinungen auftauchen dürfen und die emotionale beteiligung der schreibenden zu spüren ist. dies wird im wissenschafltichen oft nicht akzeptiert. die sozial- und geisteswissenschaften erlauben hier mehr. stärke kann es sein, einen anderen weg zu beschreiten. es bleibt natürlich immer ein wagnis und Weiterlesen

biografisches schreiben und haltung

was würden sie als ihre grundhaltungen in ihrem leben bezeichnen? diese frage kann zum (schreib)anlass beim biografischen schreiben genommen werden, um einmal zu schauen, mit welchen positionen man sein leben meistert. es gibt keinen menschen, der keine meinung hat. auch wenn viele auf nachfragen sagen, „ich habe dazu keine meinung.“, wissen sie doch genau, dass dies nicht stimmt.

man hat eine meinung, nimmt eine haltung ein, will sie aber nicht offen legen. das ist das schöne am biografischen schreiben: wenn man es nicht offenlegt, kann man einmal alles aufschreiben, was man anderen noch nie sagen wollte. wie sieht es also in ihrem inneren aus? wie stehen sie zu fragen der ethik und moral? welche politik finden sie gut? wen haben sie das letzte mal gewählt? bei welchen themen fällt es ihnen extrem schwer, eine klare haltung einzunehmen?

und die spannendste frage, warum behalten sie manche haltungen für sich. abseits des gedankens, man müsse ja nicht jedem menschen alles erzählen, bleibt es doch ein interessantes detail, dass man zu manchen themen auch den besten freundInnen nichts mitteilt. spüren sie einmal in sich hinein, was sie denken und fühlen zu den heiklen themen unserer welt.

wenn man sich seiner haltung schriftlich annähert, wenn man also seine vergangenheit betrachtet und sich überlegt, auf welche seite man sich geschlagen hat, bei welchem thema man nach außen trat und seine haltung mitteilte, dann offenbaren sich manchmal aspekte, die man von sich selber bis dahin nicht genau kannte. das schreiben fördert das erschließen von gründen für das eigene verhalten und die eigene haltung. man kann also ein wenig nabelschau betreiben und das unterfüttern, was das biografische schreiben ausmacht: man kann die gründe für seine eigenen handlungen klarer benennen.

das bedeutet nicht, dass man sich rechtfertigen muss, es bedeutet nur, mir werden meine handlungen noch ein wenig bewusster (aber nur, wenn mir vorher nicht so ganz klar war, weshalb ich was getan habe). daneben bekommt das schriftliche nachdenken über die eigene haltung beinahe philosophische dimensionen: der urschleim unserer sozialen aktivitäten basiert auf haltungen. und unsere haltungen entstehen aus erlebtem, also erfahrenem, aus vermitteltem, also Weiterlesen