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schreibidee (324)

das lesen des buches von sascha lobo animiert zu wortspielereien. neue worte finden, in einer lockeren art und weise. und wenn man das dann in gedanken durchspielt, dann erinnert man sich an die „chinesen mit dem kontrabass“, die einem als kind ein liedchen wert waren. die dominanz eines vokals veränderte den gesamten klang. so entstand die schreibanregung zum „vokal-tausch„.

fanden sie in der schreibgruppe mit den ein-vokaligen und somit ein-facheren wörtern an. man nehmen zum beispiel „bank“ und vokaliere sie einmal durch, also „benk, bink, bonk, bunk, bänk, bönk, bünk“. dann dürfen die schreibgruppenteilnehmerInnen das wort auswählen, das ihnen am interessantesten klingt und eine umschreibung dazu formulieren. ich finde zum beispiel „bünk“ sehr hübsch. die um- oder beschreibung sollte den vorherigen gegenstand einbeziehen. so könnte eine bünk eine bank mit blümchen sein oder eine kleine bank für kinder in einem bunker. diese übung wird zu drei wörtern durchgeführt und die wörter werden in der schreibgruppe vorgestellt.

im nächsten schritt werden wörter mit zwei identischen vokalen verwendet. also zum beispiel kanal oder regen. auch dieses mal werden drei wörter durchvokaliert, also „ragan rigin rogon rugun rägän rögön rügün“, und es wird das selbe prozedere wie in der vorherigen übung durchgeführt. so entsteht langsam eine sammlung von neuen wörtern mit neuen bedeutungen. die schwierigkeitsgrade können in der schreibgruppe je nach belieben und verfügbarer zeit variiert werden.

danach wählen die schreibgruppenteilnehmerInnen aus ihren neu geschöpften wörtern das aus, das ihnen am besten gefällt. dieses wort wird zur überschrift einer zu schreibenden geschichte. in die geschichte dürfen maximal vier weitere neu geschöpfte wörter einfließen und in ihrer vorher festgelegten bedeutung verwendet werden. die geschichten werden anschließend vorgelesen und in der feedbackrunde wird unter anderem betrachtet, wie geschmeidig sich die worte in die geschichte einfügen.

zum abschluss kann noch ein reimgedicht, ein haiku oder ein elfchen mit neuen wörtern verfasst werden. manche dichter haben uns vorgemacht, wie neuerfundenes seinen weg in die lyrik finden kann. die kurzen texte werden vorgetragen.

sollten die technischen voraussetzungen und die nötige zeit vorhanden sein, dann können die teilnehmerInnen zusätzlich im internet recherchieren, ob es eines ihrer nicht in einer anderen gibt und welche bedeutung es dort hat. das könnte die eigene umschreibung des wortes zusätzlich beeinflussen.
die schreibanregung zeigt, wie groß die rolle des klangs für wörter sein kann, die wir von kindheit an gelernt haben. der klang verändert anscheinend auch die aussage. oder würden sie nicht auch glauben, dass die tropfen automatisch größer sind, wenn es rognot? 😉

kreatives schreiben und weinen

beim kreativen schreiben ist die wahrscheinlichkeit größer, dass einem die freudentränen in die augen steigen, als dass man über das geschriebene so traurig wird, dass geweint wird. hier unterscheidet sich das kreative schreiben vom biografischen schreiben. aber das möchte ich nicht genauer betrachten. es stellt sich für mich eher die frage, wie lässt sich weinen in texten umsetzen.

die gefahr, protagonistInnen in der eigenen geschichte weinen zu lassen, besteht darin, dass es recht schnell kitschig und gefühlig wird. da in der deutschen sprache die worte für das weinen und die tränen fehlen, also nicht viele verschiedene varianten gewählt werden können, ist zu überlegen, ob man die große traurigkeit oder hilflosigkeit nicht in metaphorische umschreibungen packt. dabei wird das eigentliche weinen zwar in den hintergrund gedrängt, aber für die leserInnen erschließt sich die gefühlslage besser.

in dialogen lässt sich das weinen noch schwerer darstellen. es klingt nicht unbedingt gut, wenn man „huhuhu“ schreibt, um dem weinen einen klang zu geben. „schnief“ und „schneuz“ gehören eher in den comic, als in einen dialog. es müssen also verbale ausdrücke für die traurigkeit gefunden werden und vielleicht kann man dann noch die regieanweisung angeben, wann jemandem die tränen herunterlaufen. mehr kann man nicht machen.

beim weinen unterscheidet sich das schreiben sehr stark vom film oder theater, wo dieser gefühlsregung die unterschiedlichsten ausformungen gegeben werden können. aber man kann dafür die zuspitzung der traurigkeit durch lautes und niedergeschriebenes denken schriftlich umsetzen. hier ist der spielraum wiederum unendlich. wie erlebt ein mensch innerlich die sich zuspitzende krise? welche gefühlsregungen machen sich breit? ab wann erreicht jemand einen karthatischen zustand und ergibt sich Weiterlesen

kreatives schreiben und trinken

das trinken bietet in geschichten mehrere funktionen an:

es kann im mittelpunkt stehen, wenn viele, zwei oder ein mensch sich dem alkohol zuwenden und beim trinken so einiges geschieht. es können unterhaltungen, abstürze oder annäherungen sein, die vom trinken befördert werden. beim schreiben eines textes oder einer geschichte, kann auf den trinkprozess immer wieder zurückgegriffen werden, um die stimmung der situation wiederzugeben. neben körperlichen reaktionen kann zum beispiel „zögerlich“ das glas ergriffen werden, nur am wein „genippt“ werden oder das glas „in einem zug geleert“ werden.

das trinken kann am nebenschauplatz stattfinden und langsam in den vordergrund rücken. wenn sich zum beispiel zwei menschen in einer bar treffen, und neben ihnen eine gruppe immer lauter und ausfallender wird, da sie beständig mehr alkohol konsumiert. so drängt sich das trinken langsam in den vordergrund, da das treffen der beiden durch das trinken anderer beeinflusst wird. dies kann bis zu einer eskalation anwachsen. aber auch in alkoholfreien situationen kann das trinken eine nebenrolle spielen. wenn zum beispiel ein marathonlauf beschrieben wird, dabei die gedanken der laufenden wiedergegeben werden und an den stationen die isotonischen getränke entgegengenommen werden.

und das trinken kann als charakterisierung dienen. nach dem motto: „zeige mir, was du trinkst und ich sage dir, wer du bist“. so ist das trinken ein teil des ambientes, das die protagonistInnen umschreibt. ob dies nun der schnelle morgenkaffee, der champagner beim pferderennen oder der whiskey im club ist, mit getränken Weiterlesen

schreibspiel (05) – metaphernspiel

sicherlich kennen viele das spiel „tabu“, in dem die umschreibung bestimmter begriffe ohne die verwendung häufig gebräuchlicher worte gemacht werden muss. das ausschlussverfahren bestimmter worte kommt dem vorherigen schreibspiel nahe. in diesem spiel wird „tabu“ schriftlich gespielt.

das spiel bedarf einer gewissen vorbereitung, denn man sollte im vorfeld die worte zusammenstellen, die bei der erklärung eines begriffs nicht verwendet werden dürfen. dies wären zum beispiel bei „sonnenuntergang“ die worte „sonne“, „abend“, „rot“, „planet“, „kugel“, „horizont“ und so weiter. es sollten karteikarten erstellt werden, auf denen oben das zu umschreibende wort steht und darunter die wörter, die nicht verwendet werden dürfen. die erstellung dieser karten kann im vorfeld in schreibgruppen durchgeführt werden. so werden die teilnehmerInnen aufgefordert, sich ein wort zu überlegen und anschließend zehn wörter, die bei dessen beschreibung nicht verwendet werden dürfen.

anschließend werden zwei gruppen gebildet. jeweils eine person aus den gruppen erhält eine karteikarte und hat fünf minuten zeit, eine metapher zu dem wort auf der karteikarte schriftlich zu notieren. diese metapher liesen die schreibenden dann ihrer gruppe vor. wenn die gruppe errät, worum es sich handelt, erhält sie einen punkt. wenn seine eigene gruppe mit dem raten scheitert, kann die andere gruppe raten.

das spiel kann ein wenig abgewandelt werden, indem alle raten dürfen, also beide gruppen gleichzeitig. wenn jemand glaubt, er weiß, worum es sich handelt, schreit er „stopp!“ und nennt das wort, das er glaubt, erkannt zu haben. stimmt seine antwort, erhält seine gruppe einen punkt. im laufe des spiels kann somit gleichzeitig eine kleine sammlung von metaphern entstehen, die im nachhinein allen teilnehmerInnen der schreibgruppe zur verfügung gestellt wird.

schreibtechnik (14)

was macht literarische texte aus. häufig der gebrauch von metaphern. soll heißen von umschreibungen, übertragenem ausdruck, sinnbild und illustrierten aussagen. diese metaphern spontan beim schreiben zu finden kann schwierig sein. manchmal geht einem die sinnbildliche sprache leicht von der hand (wie wenn man brot mit weicher butter bestreicht) doch öfter verfällt man in ein journalistisches staccato, das aufgelockert gehört.

darum kann es sinnvoll sein, sich selber im laufe der zeit einen pool an metaphern und umschreibungen anzulegen, der es einem ermöglicht in dringenden momenten nachzuschlagen. das soll nicht heißen, dass jede metapher, die man sich einfallen ließ, an die notwendige stelle des textes passt, aber sie kann in dem moment der ideenlosigkeit eine anregung sein. diesen pool kann man sich zum beispiel als zettelkasten, aber auch, was die spätere suche vereinfacht, als computerdatenbank anlegen.

am tag fünf wörter, egal ob substantive, adjektive oder verben in kurzen umschreibungen zu fassen (von ein paar wörtern bis zu eins bis zwei sätzen) ergibt immerhin im jahr einen pool von ca. 1800 metaphern und ersetzenden formulierungen. dies konsequent weiterbetrieben, zum beispiel auch die metaphern, die einem spontan beim schreiben von texten einfallen, gleich mit in die datenbank aufzunehmen, lässt einen eigenen kleinen schatz an formulierungen entstehen.

aber es gibt, zumindest beim ersetzen von wörtern, die sich zu häufig in einem text wiederholen, auch hilfe vom computer. der bekannte „thesaurus“ ist vielen schreibprogrammen von vornherein beigegeben, kann aber auch oft aus dem internet kostenlos heruntergeladen werden. so bietet der thesaurus von apple zum beispiel für das wort „schreiben“ noch folgende formulierungen: abfassen; aufs Papier bringen (umgangssprachlich); notieren; Protokoll schreiben; protokollieren; texten; verfassen; zu Papier bringen; eingeben; hacken (umgangssprachlich); tippen.

und damit sei hier zur schreibtechnik genug gehackt, den rest müssen alle selber notieren.