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wortklauberei (86)

„un-möglich“

viel ist möglich, un-mengen sind möglich, wenn man meint, es sei etwas un-möglich. oder doch nicht? wie ist der ausruf „nicht möglich?!“ denn sonst zu verstehen? möglich birgt in sich schon eine alternative, einen blick in die zukunft. es ist etwas dann möglich, wenn es vorstellbar, vielleicht umsetzbar aber noch nicht real erprobt ist. „nicht-möglich“ ist es, wenn es sich nicht umsetzen lässt. doch man weiß nicht genau, woran die möglichkeit scheiterte. an der vorstellungskraft oder an den voraussetzungen.

die vorstellungskraft ist ein weites feld, wenn sie nicht engstirnig begrenzt wird. und dann schein wieder viel mehr möglich als bis dahin vorstellbar war. die un-möglichkeit kann also ein ausdruck vieler (schwer) vorstellbarer möglichkeiten sein. wenn un-summen zur stützung des finanzsystems un-bedarft weitergegeben werden, dann scheint un-weit eine rettung (nicht) un-möglich. leider kann sich das „un-“ nicht gut (un-gut) entscheiden in welche richtung es tendiert. das macht es bei seiner verwendung beinahe un-möglich, sich den ausgang der handlung vorzustellen, noch zu ahnen. es kann gut gehen oder auch nicht.

diese form der beliebigkeit lässt einen un-gläubig gegenüber der realität werden und in einer fatalistischen haltung verharren. denn der zufall oder das schicksal übernehmen die regie, der mensch scheint un-bedarft und un-sicher. vielleicht sollte „un-“ zum unwort des jahres gemacht werden? was macht dann aber „un“-na?

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die „un-„woche im schreibschrift-blog

es wird nicht um die vereinten nationen in der folgend woche in diesem blog gehen. es wird um das schlichte wortanhängsel, besser um den einfachen wort-vorsteher „un-“ gehen. denn diese vorsilbe hat es in sich. getreu dem motto „nichts ist unmöglich“ bedeutet „un-“ nicht „nichts“. alles klar?

klassisches beispiel, das schon mein deutschlehrer feierte, ist die so genannte „(un-)tiefe“. ist dies nun eine sehr tiefe tiefe oder ist dies eigentlich gar keine tiefe sondern eher eine anhöhe? vielleicht ist es auch nur eine geringe tiefe. hier wird die deutsche sprache „un-„eindeutig und verführt zu gedankenspielen. doch nicht nur im deutschen ist dies der fall.

eigentlicher auslöser für die „un-„woche ist das buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith. er fragt, was das internet und die digitale revolution uns an die hand geben und wie weit sie unser schreiben verändern. viel neues und vielfältiges, also eine „un-„menge an spielarten des schreiben, die nichts mehr mit dem kreativen schreiben zu tun haben. doch auch hier taucht der gedanke auf, dass „un-„creative writing nicht nicht-kreatives schreiben sei.

es kann vielmehr ein raum des schreibens entstehen, der in anderen bereichen der kunst längst besetzt und umgesetzt ist – dem remixen, dem neu kombinieren. dabei wird dem zufall, der vermischung und der verknüpfung von plagiaten eine bedeutung gegeben. getreu dem motto „context is the new content“ haben wir schon längst unser schreiben und auch unser lesen verändert. der blick auf die möglichkeiten und nicht auf den inhalt verändert unser denken. manchen scheint dies „un-„erträglich, aber vielleicht ist es auch eine chance in ganz andere regionen.

darum die „un-„woche der beliebigkeit, der re-kombination und der spielerei im schreibschrift-blog. und am ende vielleicht die frage, ob nicht etwas neben dem kreativen schreiben schon längst platz genommen hat.