Schlagwort-Archive: unkontrollierbarkeit

schreibidee (204)

jetzt war von so viel kontrolle und selbstkontrolle, von korsetts und vorsätzen, von selbsterwartungen und blockaden die sprache, dass es zeit wird, auch in diesem blog einen befreiungsschlag durchzuführen. weg von den vielen vorgaben und regeln gibt es eine schreibanregung (und in diesem zusammenhang ist der begriff „anregung“ wichtig) zu „unkontrollierten geschichten„.

als erstes sollen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen an eine situation ihres lebens, in der sie kontrollverlust erlebt haben. dies können humorvolle begebenheiten sein, wie zum beispiel ein nicht enden wollender lachkrampf sein, aber auch unschöne ereignisse, wie zum beispiel die kontrolle über das auto zu verlieren. diese ereignisse werden auf einer seite niedergeschrieben und in der schreibgruppe als gemeinsame anregung vorgetragen.

anschließend wird zu einer 30-wort-assoziation angeregt, die zu dem begriff „unkontrolliert“ erstellt wird. entweder wird aus einer der assoziationen oder aus mehreren eine geschichte verfasst. da es sich um assoziationen handelt, muss die geschichte nicht automatisch etwas „unkontrolliertes“ haben. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und beim feedback assoziieren wiederum alle teilnehmerInnen, was das gehörte für sie mit „unkontrolliert“ zu tun hat. das kann wiederum sehr von den vorstellungen der autorInnen abweichen.

zum schluss soll nun eine unkontrollierbare geschichte verfasst werden. sie ist ein mix aus freewriting und assoziation. um dies zu erreichen, gibt es einen anfangsbegriff durch die schreibgruppenleiterInnen. es wird nicht lang überlegt, sondern ein absatz, ein anfang der geschichte zu diesem begriff geschrieben. wird ein absatz gemacht, überlegen sich die schreibenden einen assoziierenden begriff zum bisher geschriebenen. dieser begriff bestimmt den nächsten absatz und somit auch den fortgang der geschichte. so wird eine längere zeit immer wieder verfahren. nachdem die fertiggestellte geschichte in der schreibgruppe vorgetragen wurde, resümieren die autorInnen noch kurz darüber, welchen drive die handlung durch die ständigen neuen assoziationen für sie bekommen hat.

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biografisches schreiben und kontrolle

das leben ist kein kindergeburtstag. darum geht es vielen menschen nicht um freude, ausgelassenheit oder spontanität, sondern darum, das leben zu bewältigen. es wurde ihnen gegeben, um etwas zu schaffen, etwas daraus zu machen. eine gewaltige anstrengung steckt hinter dieser vorstellung, und sie geht mit einer gehörigen portion selbstkontrolle einher. die scheint auch notwendig, um möglichst viele unwägbarkeiten abzuwenden und seine „ruhe zu haben“.

will man das so? es spricht erst einmal nichts dagegen. vergessen wird häufig dabei die große kraft, die aufgewendet werden muss, um den fluß des lebens unter kontrolle zu halten. da flirrt, schwirrt, mutiert und vermehrt es sich um einen herum, man selber versucht dagegen zu halten. beim biografischen schreiben kann man den blick darauf werfen, wie weit man doch eher zum kindergeburtstag tendierte oder zur schützenden sofaecke. mit welchen unkontrollierbaren situationen, sowohl positiver als auch negativer richtung, war man im laufe seines lebens konfrontiert? hat sich daraus etwas entwickelt?

aber auch fragen, wie weit man überhaupt versuchte, auf seinen lebensplan einfluss zu nehmen, und wie gut dies klappte, könnte man stellen. es gibt ja generell die widerstreitende vorstellung, dass das meiste schicksalsgelenkt oder selbstverantwortlich geschieht. heutzutage kommt dann noch der genetische aspekt in manchen vorstellungen dazu, der irgendwie zwischen schicksal und verantwortung changiert dazu. also, was haben wir mit hilfe der kontrolle aus unserem leben gemacht?

und noch ein weiterer aspekt ist für das notieren der eigenen lebensgeschichte interessant: basierte vieles auf selbstkontrolle oder unterlag man einer strengen fremdkontrolle von außen? Weiterlesen