Schlagwort-Archive: unsinn

die „un-„woche im schreibschrift-blog

es wird nicht um die vereinten nationen in der folgend woche in diesem blog gehen. es wird um das schlichte wortanhängsel, besser um den einfachen wort-vorsteher „un-“ gehen. denn diese vorsilbe hat es in sich. getreu dem motto „nichts ist unmöglich“ bedeutet „un-“ nicht „nichts“. alles klar?

klassisches beispiel, das schon mein deutschlehrer feierte, ist die so genannte „(un-)tiefe“. ist dies nun eine sehr tiefe tiefe oder ist dies eigentlich gar keine tiefe sondern eher eine anhöhe? vielleicht ist es auch nur eine geringe tiefe. hier wird die deutsche sprache „un-„eindeutig und verführt zu gedankenspielen. doch nicht nur im deutschen ist dies der fall.

eigentlicher auslöser für die „un-„woche ist das buch „uncreative writing“ von kenneth goldsmith. er fragt, was das internet und die digitale revolution uns an die hand geben und wie weit sie unser schreiben verändern. viel neues und vielfältiges, also eine „un-„menge an spielarten des schreiben, die nichts mehr mit dem kreativen schreiben zu tun haben. doch auch hier taucht der gedanke auf, dass „un-„creative writing nicht nicht-kreatives schreiben sei.

es kann vielmehr ein raum des schreibens entstehen, der in anderen bereichen der kunst längst besetzt und umgesetzt ist – dem remixen, dem neu kombinieren. dabei wird dem zufall, der vermischung und der verknüpfung von plagiaten eine bedeutung gegeben. getreu dem motto „context is the new content“ haben wir schon längst unser schreiben und auch unser lesen verändert. der blick auf die möglichkeiten und nicht auf den inhalt verändert unser denken. manchen scheint dies „un-„erträglich, aber vielleicht ist es auch eine chance in ganz andere regionen.

darum die „un-„woche der beliebigkeit, der re-kombination und der spielerei im schreibschrift-blog. und am ende vielleicht die frage, ob nicht etwas neben dem kreativen schreiben schon längst platz genommen hat.

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selbstbefragung (61) – sinn des lebens

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „sinn des lebens„.

  • was macht in ihrem leben zur zeit am meisten sinn? beschreiben sie.
  • wie haben sie für sich den sinn ihres lebens gefunden? oder suchen sie noch?
  • welche tätigkeiten finden sie absolut sinnlos? zählen sie auf und begründen sie.
  • wie können sie anderen menschen ausreden, dass das leben sinnlos sei?
  • welchen lebensabschnitt finden sie für sich am sinnvollsten? warum?
  • gibt es unsinn in ihrem leben? wie sieht der aus?
  • wie stark strengen sie sich an, um ihrem sinn des lebens zu folgen? warum?
  • was fanden sie einst sehr sinnvoll und heute erscheint es ihnen unverständlich, dass sie einmal so dachten?
  • was macht sie in ihrem leben glücklich?
  • was macht sie in ihrem leben traurig?

schreibidee (75)

heute habe ich im buchladen ein wunderbares reclam-heft gefunden, das den anlass für die neue schreibidee gibt. unter der isbn 978-3-15-009890-5 findet man „deutsche unsinnpoesie„. etwas, das vor allen dingen durch joachim ringelnatz sehr bekannt wurde. da nonsens gar nicht so leicht zu produzieren ist, sollte man den einstieg in das thema am besten mit ein paar kleinen beispielen beginnen. Ob von DichterInnen oder von MalerInnen, viele haben sich der „unsinnpoesie“ gewidmet. der dadaismus hat es auf die spitze getrieben, die moderne schuf vermehrt lautgedichte, dem unsinn wurde kreativität gewidmet.

so kann es in einer schreibgruppe hilfreich sein, erst einmal einzelne unsinnige aussagen zu verfassen. wie zum beispiel bei „fahrradöl verfeinerte das aroma des feldsalates“. die aussagen werden gegenseitig vorgestellt. anschließend wählen sich alle teilnehmerInnen ihre lieblingsaussage aus allen getroffenen aussagen aus. daraus wird dann ein gedicht verfasst. wie dies umgesetzt wird, bleibt den schreibenden vollständig überlassen. auch diese gedichte werden gegenseitig vorgetragen.

zum schluss wird noch ein schritt weitergegangen. nun sind alle aufgerufen einen text zu verfassen, der weder sinn noch unsinn enthält. ein text, der erst einmal gar nichts mehr aussagt, obwohl die bedeutung der texte für jeden wieder verschieden sein kann. diese übung bedeutet alles bis jetzt über das kreative schreiben gelernte zu vergessen, den inneren zensor zu ignorieren und sich an unbekanntes wagen. so kann für kurze zeit der dadaismus einzug in die schreibgruppe halten.