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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (01)

schön-schreiben

wer schreibpädagogisch oder in der schreibberatung tätig ist, kann meist feststellen, dass es in vielen schreibbiografien einen moment gibt, in dem den menschen der spass am schreiben ausgetrieben wurde. leider erleben auch heute noch die meisten menschen diesen moment während ihrer schulzeit oder in ihrem elternhaus. versucht man dagegen zu steuern, unterliegt man oft notwendigkeiten, haltungen und regeln.

um die mechanismen einer schreib-verekelung zu entlarven, sollte man sie sich einmal genau anschauen – und immer wieder die frage stellen: ist dies notwendig? oder anders formuliert: was wäre das schlimmste szenario, das eintreten könnte, wenn man sich nicht an die vorgaben und notwendigkeiten hält, wenn man seinem spass folgt. in meiner neuen rubrik „wie man den spass am schreiben abgewöhnt“ werde ich verschiedene vorgehensweisen aufzeigen, die einem das schreiben verleiden können.

fange ich doch mal mit dem schreiben lernen an. kinder sind meist sehr stolz, wenn sie das erste mal ihren namen selber schreiben können (und was glauben sie, wie stolz ihre eltern erst sind). viele kinder wollen schreiben lernen. sie möchten ebenso an der welt teilhaben können, wie ihre eltern. und so sind die ersten unterrichtseinheiten entweder in der schule oder heute oft schon in der kita das lesen, das rechnen und das schreiben.

doch kaum werden die ersten buchstaben gelernt, können die ersten wörter geschrieben werden, kommt die vorgegebene schreibschrift ins spiel. jeder bogen, jedes häkchen sollen exakt sitzen. so müssen buchstabe um buchstabe wieder und wieder gemalt werden. es sollen die proportionen sitzen, es soll alles korrekt der vorgegebenen schreibschrift nachempfunden werden. wäre dies nicht der fall, so wird vermittelt, könnten andere das geschriebene nicht lesen.

die folge ist aber, dass das neue wissen um die buchstaben und wörter nicht wild und freudig in kleine sätze und geschichten gepackt werden darf, dass nicht drauflos geschrieben werden darf, sondern dass erst einmal das schriftbild sitzen muss. „schön-schreiben“ wird vermittelt und teilweise benotet. es wird nicht darauf vertraut, dass kinder sich um eine gewisse leserlichkeit Weiterlesen

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„freedom writers“ – ein fernsehtipp für heute abend

laut beschreibung des films schafft es eine lehrerin in ihrer schule, die mitten in einem sozialen brennpunkt liegt, mit hilfe des tagebuchschreibens konflikte zu vermeiden. die geschichte basiert auf dem buch „the freedom writers diary: how a teacher and 150 teens used writing to change themselves and the world around them“. in deutschland ist das buch 2007 im autorenhaus verlag unter dem titel „freedom writers: wie eine junge lehrerin und 150 gefährdete jugendliche sich und ihre umwelt durchs schreiben verändert haben“ erschienen. (ein wahrlich deutscher titel 😉 ) ISBN 978-3866710177

der film läuft heute auf pro 7 von 22.50 uhr bis 01.10 uhr oder morgen auf pro 7 von 13.20 uhr bis 15.30 uhr. auch wenn der titel kitschig und heroisch klingen mag, so sprechen doch die kritiken für den film. sicherlich sah die realität ein wenig hässlicher und unprätentiöser als im film aus, aber trotzdem eine sehenswerte sache (und ein nachahmenswertes projekt – nicht nur mit „gefährdeten“ jugendlichen).

bleibt wieder die frage: warum so spät, warum samstag abend?

web 2.73 – herrlabig.de

es gibt sie, die lehrer, die das internet verstehen, es nutzen und sich gedanken rund um das lernen, das netz, die pädagogik, die literatur und das schreiben und lesen machen. herr labig ist einer dieser lehrer und betreibt einen blog, in dem viele informationen, links und meinungen zu oben genannten themen zusammengetragen werden.

es liest sich angenehm, was herr labig mitzuteilen hat. und es wird die bandbreite des internet auf der seite ausgeschöpft. da gibt es einen recht neuen podcast, die automatische übersetzung der seite, momentan den blick auf die buchmesse, die auseinandersetzung mit internetdiskussionen und immer wieder der bezug zur schule.

die seite ist auch für schreibpädagogInnen interessant, die mit schülerInnen arbeiten. denn einen überblick über die angebote zu den themen pädagogik und internet bietet die seite http://herrlarbig.de/ in umfassender und aufbereiteter form. einfach mal reinschauen, links nutzen und sich informieren.

schreibschrift für den computer und die schule von pelikan

dieser blog wird immer wieder mit dem suchbegriff „schreibschrift“ gefunden. leider biete ich keine informationen zu den schreibschriften. oft werden auch „schreibschriften“ für den computer gesucht, oder die vorlagen für bestimmte wörter in schreibschrift, wie sie in der schule verwendet wird. bis jetzt konnte da nicht geholfen werden.

doch jetzt habe ich eine seite gefunden, die „schreibschriften“ für den computer für lau anbietet. die seite gehört dem schreibgeräte-hersteller pelikan. es wird eine registrierung verlangt, aber dann kann man für windows, mac oder linux die gängige schreibschrift und manche anderen schriften (sogar liniert) herunterladen. vielleicht hilft dies manchen suchenden, damit sie nicht umsonst in diesem blog landen.

so kann man sich nach der installation der schriften auf seinem computer im textverarbeitungsprogramm die korrekte schreibweise für bestimmte worte selber generieren und von hand nachschreiben.

also: schreibschrift für den computer findet man hier: http://www.pelikan.com/pulse/Pulsar/de_DE.CMS.displayCMS.115711./schriften.

„checker dichten!“ von sabine samonig – ein buchtipp

sie sind lehrerIn, sie sind jugendsozialarbeiterIn oder streetworkerIn und suchen nach anderen wegen, jugendliche für die sprache, das schreiben oder etwas kreatives zu begeistern? dann lohnt sich ein blick in das buch von sabine samonig„checker dichten!“- poetry slam mit jugendlichen„. aus einer forschungsarbeit ist ein buch geworden, das einen menge tipps und möglichkeiten aufzeigt, wie man poetry slam als ausdruckstechnik jugendlichen anbieten kann.

man bekommt als nicht so kundiger in der poetry-slam-szene einen überblick über die geschichte des slammens, erhält einen einblick in praktische versuche, poetry slam mit jugendlichen durchzuführen und findet ein reichhaltiges konzept zur durchführung eines poetry-slam-workshops vor. vor allen dingen mit dem mehrteiligen workshop-konzept, das von sabine samonig vorgeschlagen wird, erhält man eine wunderbare vorlage zur entwicklung eines eigenen konzepts. man muss den vorschlag nicht eins zu eins übernehmen (kann man aber 😉 ), sondern kann noch persönliche abänderungen vornehmen, um eigene ideen einzufügen.

doch die grundlage wirkt sehr durchdacht und stimmig, bei dem versuch, jugendliche an das schreiben (kreativ und biografisch) und vortragen heranzuführen. das konzept hebt den kreativ-spielerischen aspekt abseits der schulischen und leistungsorientierten textbearbeitung hervor. und es bietet für alle, die mit jugendlichen den versuch eines poetry slams unternehmen wollen, gleich noch die fachlichen begründungen an. denn unser bildungssystem verlangt gerade bei außergewöhnlicheren methoden eine dezidierte begründung.

doch abseits der ganzen fachlichen aspekte, weckt das buch vor allen dingen interesse an den vielfältigen, lustvollen umgangsweisen mit sprache und text beim poetry slam. und es macht lust darauf, diverse veranstaltungen zu besuchen. das buch ist 2010 im rabenstück verlag in berlin erschienen. ISBN 978-3-935607-37-7

schreibpädagogik und motivierung

in der pädagogik gibt es viele techniken, menschen, meist jugendliche, zu motivieren, sich mit dingen auseinanderzusetzen, mit denen man sich eventuell nie auseinandersetzen wollte. so herrscht im kopf von pädagogInnen eine vorstellung, was notwendiger- und sinnvollerweise gelernt werden sollte. natürlich haben dies auch schreibpädagogInnen im hinterkopf, wenn sie eine schreibgruppe oder -werkstatt vorbereiten.

bei der anleitung von gruppen gerät man dann ins schlingern, wenn die gruppe, sich den motivierungsversuchen verweigert. so gibt es zum beispiel eine schreibübung oder schreibidee, die man selber für besonders interessant und wichtig erachtet, doch die gruppe bestätigt die haltung nicht. nicht selten kann in diesen momenten erlebt werden, dass anleiterInnen von gruppen sehr bestimmend werden. teilweise signalisieren sie sogar der gruppe, dass sie sich durch die unmotiviertheit persönlich angegriffen fühlen.

jeder mensch kennt diese reaktionen sicherlich aus der schule. wenn die lehrerInnen zu einem thema kommen, dass sie selbst sehr fasziniert und die schulklasse kein interesse daran hat. ich erinnere mich an einen deutschunterricht zu bertolt brecht. wir fanden ihn recht uninteressant, aber unser lehrer war begeistert und vor allen dingen anschließend gekränkt.

schöner ist es sicherlich, wenn sich in schreibgruppen die eigene begeisterung vermitteln lässt und gemeinsam entdeckungen gemacht werden. doch sollte dies nicht der fall sein, ist es hilfreich, wenn man sich als anleiterIn zurücknehmen kann und der gruppe eine gewisse entscheidungsfreiheit gibt. es mag enttäuschend sein, dass sich begeisterung nicht motivierend einsetzen lässt, aber die gruppen basieren meist auf einer freiwilligen teilnahme und es geht nicht um die vermittlung eines grundkanons, sondern um die freude am schreiben. natürlich hat man viel energie für die vorbereitung verwendet, aber an anderer stelle kann sie sicherlich wieder geschätzt werden. es empfiehlt sich also gelassenheit und ein verzicht auf allzu viele motivationstechniken.

schreibpädagogik und schulaufsätze

ich war vor ein paar tagen auf den blog von „arnaba“ aufmerksam dadurch geworden, dass es einen beitrag zum kreativen schreiben gab. dieser verwies wiederum auf den lehrer karl glaser in österreich, der viele seiner unterrichtsmaterialien und -ideen seinen schülerInnen im netz zur verfügung stellt. es steckt viel arbeit dahinter all das zusammenzutragen, das er aufgelistet hat. deshalb würde er sich sehr darüber freuen, wenn andere pädagogInnen, die seine themenvorschläge verwenden, ihm dies zumindest mitteilen würden, so unter dem label „fair use“.

so hat er zum beispiel zum thema „aufsatz, reden, schreiben“ eine menge ideen für schülerInnen zusammengetragen, die in vielen bereichen dem kreativen schreiben recht nahe kommen oder ideen für eigene aufsatzthemen und schreibaufgaben geben könnten. zu finden ist die sammlung unter: http://home.schule.at/teaching/k.glaser/deutschaufsatz.htm .

generell regen die schreibideen zu der überlegung an, weshalb in schulen bis jetzt so wenig kreatives schreiben umgesetzt wird, und so wenige der schreibtechniken gelehrt werden. sicher war der aufsatz immer orientiert an bestimmten schreibformen, da hat sich seit meiner schulzeit nicht viel geändert. es ist immer noch die „erörterung“ zu verfassen oder ein erlebnisbericht. nur die förderung der fantasie könnte noch stark vorangetrieben werden. aber wie erklärte mir eine lehrerin vor jahrzehnten: ich sei ein tagträumer und dies meinte sie ausschließlich negativ. so übernimmt die schule weiterhin oft genug die rolle, eher vom fantasieren und schreiben abzulenken, denn auf die möglichkeiten hinzuweisen. das ist sehr schade, da nicht selten im späteren studium und berufsleben viele genau am schreiben und fabulieren scheitern. hier bleibt noch viel zu verändern, auch unter zuhilfenahme der neuen techniken, wie des web 2.0. dann würden schülerInnen auch nicht nur schnell lesen, sondern sich zeit lassen beim lesen am bildschirm. die seite von karl glaser ist zumindest ein guter anfang.