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kreatives schreiben und nähe

wie in der eben geposteten schreibidee aufgezeigt, kann man schreibend unglaublich viel nähe herstellen. doch nun möchte ich noch einen anderen aspekt im zusammenhang mit dem kreativen schreiben beleuchten: wie nah sollen meine kreativen texte an meinem leben sein? was will ich preisgeben und was nicht? denn jedesmal, wenn wir kreativ sind, fließen anteile von uns in das geschaffene und geschriebene ein. kreativität speist sich unter anderem aus unseren erfahrungen.

während des kreativen schreibens kann ein befreiendes gefühl auftreten, da man mit geschichten, gedichten und texten einen ausdruck für die eigene gefühlslage findet und „dinge loswerden“ kann. dieser aspekt ist nicht zu unterschätzen, wenn man später stolz auf das geschaffene blickt und überlegt, es der öffentlichkeit preiszugeben. man ist dem text nahe und der text geht einem nahe. (vorsicht mit deutungen: nicht jeder text spiegelt das seelenleben der autorInnen wieder!)

doch man sollte bedenken, dass man die reaktionen der öffentlichkeit auf das geschriebene nie einschätzen kann. man weiß nicht, wenn man ein buch veröffentlicht oder einen text ins internet stellt, wie er auf andere wirkt. schnell kann es zu kritiken kommen (natürlich auch zu lob, anerkennung und jubel), die einen noch stärker treffen, wenn man eine große nähe zum inhalt des textes hat. es ist sinnvoll, bevor man einen text veröffentlicht, eine gewisse distanz zu ihm aufzubauen, sich vom text zu verabschieden.

das mag jetzt recht kryptisch klingen, doch es benötigt gelassenheit, wenn jemand das selbstgeschriebene, das einen bewegt, zerpflückt. denn auch in kritiken fließen persönliche momente ein. stimmungen einzelner menschen, berührungen und nähe durch die gelesenen texte, lassen sich nicht erahnen. natürlich kann man sich beim schreiben die idealen Weiterlesen

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schreibidee (263)

tschüss, servus und baba. manchmal ist es zeit, abschied zu nehmen. sich von alten gewohnheiten, von guten freunden oder auch von wohnorten, gegenständen oder jobs zu trennen. das fällt nicht immer leicht, ist manchmal nicht selbstgewählt, doch es verändert unser leben. und geschichten leben von trennungen und abschieden. darum ist diese schreibidee eine anregung für „abschiedsgeschichten„.

als einstieg werden in der schreibgruppe ideen gesammelt, von was man sich verabschieden kann. diese ideen werden am flipchart notiert. die teilnehmerInnen wählen sich einen abschied aus. nun schreiben sie ein 10-schritte-programm, wie der abschied zu vollziehen ist. da kann es darum gehen, sich von einem haustier zu verabschieden, da es gestorben ist, oder sich von seinem eigenen image zu verabschieden oder auch nur von einer reisebegleitung. und doch ist jeder abschied anders, darum erst einmal der blick auf die handlungsabfolge. die jeweiligen 10 schritte werden kurz vorgestellt.

nun wird zu dem gewählten abschied (es kann auch ein neues beispiel gewählt werden) von den schreibgruppenteilnehmerInnen ein abschiedsbrief geschrieben. was wollte man dem gegenstand, der person oder der lebenssituation noch einmal sagen? der brief sollte nicht länger als zwei seiten werden. die briefe werden anschließend ohne feedback in der schreibgruppe vorgetragen.

als letzte vorbereitung für eine längere abschiedsgeschichte, werden abermals am flipchart abschiedsszenen stichwortartig gesammelt. dies können filmszenen, zitate aus romanen oder auch selbst erlebte situationen sein.

anschließend wählen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen aus diesem ganzen vorbereitungsbeispielen und -texten ideen aus, die in eine längere abschiedsgeschichte fließen. dabei soll darauf geachtet werden, dass die leserInnen von den freiwilligen oder unfreiwilligen abschieden möglichst tief berührt werden. die texte werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird eine abschiedsskala erstellt, auf der alle teilnehmerInnen jeweils ihre rührung bewerten können.

und dieses mal werden vor dem schluss des schreibgruppentreffens von allen teilnehmerInnen „abschieds-vierzeiler“ verfasst, die wiederum beim verabschieden vorgetragen werden.

selbstbefragung (65) – abschied

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „abschied„.

  • von wem haben sie sich zuletzt intensiv verabschiedet? beschreiben sie?
  • wie leicht oder schwer fallen ihnen abschiede? worin unterscheiden sie sich?
  • von wem oder was haben sie sich im laufe ihres lebens gern verabschiedet?
  • welcher abschied fiel ihnen am schwersten? warum?
  • wie verabschieden sie sich von menschen, die ihnen nahe stehen? beschreiben sie.
  • welchen menschen, der sich von ihnen verabschiedet hat, würden sie gern wiedersehen? warum tun sie es nicht?
  • ihr dramatischster abschied?
  • was machen sie, wenn sie nach dem abschied allein sind, am liebsten?
  • von welchen menschen oder situationen wollten sie sich in ihrem leben nie verabschieden, hätten gern die zeit angehalten?
  • wie erlebten sie berufliche abschiede (schule, uni, job…)? stellten diese für sie einen neuanfang oder einen verlust dar?

schreibidee (183)

der herbst ist ein abschied vom grün, von der wärmenden sonne und vom quirligen leben für beinahe ein halbes jahr. menschen werden griesgrämiger, häuslicher und ihre kleidung erdfarben oder dunkel. was könnte in diese jahreszeit besser passen, als texte und geschichten zu verfassen, die mit abschied zu tun haben. ob es nun um den tod, eine trennung, eine lange reise oder das ende eines gemeinsamen wochenendes in einer wochenendbeziehung geht, in all diesen situationen nehmen menschen von einander abschied. darum schlägt die schreibidee dieses mal das verfassen von „abschiedstexten“ vor.

als einstieg werden dieses mal in der schreibgruppe an einem flipchart oder auf einer tafel abschiedsformeln gesammelt. zum beispiel „tschau babe“, „und tschüss“, „ade“ oder „auf wiedersehen“ am ortsausgang 😉 die teilnehmerInnen wählen sich eine verabschiedung aus und schreiben dazu ein freewriting. dann greifen sie den für sie ansprechendsten satz aus dem freewriting auf und schreiben eine geschichte dazu. die geschichten werden in der schreibgruppe ohne feedback vorgetragen.

als nächstes erstellen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine liste von abschieden, die sie in letzter zeit erlebt haben. und sie verfassen eine liste von abschieden, die sie gern vornehmen würden. aus diesen listen greifen sie einen punkt heraus und schreiben einen abschiedsbrief dazu. dies kann also posthum geschehen oder schon vorausschauend formuliert werden. die abschiedsbriefe werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen. beim feedback liegt dieses mal der fokus auf der frage, wie berührend der abschied formuliert wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen noch einmal alle bisherigen texte und listen betrachtet, um anschließend eine abschiedsgeschichte der absurden art zu schreiben. absurd soll heißen, dass zum beispiel abschiede vom fussabtreter vor der wohnungstür vorgenommen werden, oder abschiede von den schulbüchern nach der schulzeit, von der verblühten blume in der vase und dergleichen mehr. man kann sich ja von allem verabschieden, auch von sich selbst, wenn man für einen tag mal die schnauze voll hat 😀 Die Geschichten werden in der Schreibgruppe vorgelesen und es gibt ein Feedback durch die Gruppe.