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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (15)

leider lang

man kann es vorauseilenden gehorsam nennen: die an vielen orten vermittelte aversion gegen lange texte. da soll sich kurz und knapp gehalten werden. da sollen texte verdichtet, exzerpiert und reduziert werden. und da sollen nur die prägnanten texte und geschichten gelesen werden. schnell steht in der text- und aufsatzkorrektur, dass etwas zu lange und ausufernd beschrieben wurde. schnell wird im vorfeld einer wissenschaftlichen abschlussarbeit vor allen dingen auf die exakte länge (oder kürze) durch eine vorgegebene seitenzahl einfluss genommen.

korrigierende sind oft nicht bereit, in ihren augen zu lang geratene texte oder geschichten überhaupt zu lesen, geschweige denn zu bewerten. doch damit reden sie der steten verkürzung des schriftlichen ausdrucks das wort. es werden keine epen mehr gelesen, es werden keine oden mehr betrachtet, es wird in allen lebens- und lernbereichen der trend zum kurztext beschritten.

das absurde daran ist, dass im nächsten schritt beklagt wird, dass die aufmerksamkeitsspanne von jugendlichen, aber auch von älteren menschen, zurückgehen würde. und dies ausschließlich an der intensiven nutzung des internets und überhaupt der neuen kommunikationsmittel liege. das stimmt aber so nicht. in allen lebensbereichen wird darauf gedrungen, dass geschriebenes keine zeit kosten dürfe. versuchen sie einmal, einen argumentativ stichhaltigen antrag zu stellen, in dem alles erklärt wird. ganz schnell wird man ihnen zu verstehen geben, dass dies sowieso niemand lese (ähnlich sieht es mit berichten und protokollen aus).

darum wird man überall aufgefordert, auf floskeln, standards oder vorgaben zurückzugreifen. jede geschriebene seite zu viel, die zwar manches erklären könnte, wird dem papier negativ angelastet.

der effekt? ein mensch, der gern dem schreiben auch gehalt gibt, sieht sich ins abseits gedrängt, da niemand mehr bereit ist, sein geschriebenes zu lesen. dies meinte ich mit vorauseilendem gehorsam. denn diese entwicklung ging dem digitalen schreiben voraus. neben fantasyromanen darf eigentlich nichts mehr „lang“ sein. obwohl es gerade den gegenteiligen trend gibt: immer dickere bücher werden veröffentlicht.

doch vorher muss jemand den mut aufbringen, sich durch die abwertung seiner schriftlichen arbeiten, da sie zu lang sind, zu kämpfen und dies auszuhalten. das schaffen die wenigsten. die meisten „lang“schreiberInnen geben vorher auf und werden von den „kurz“leserInnen regelmäßig drangsaliert. nur noch in kleinen nischen des internets wird der lange, ausführliche text geschätzt. auf keinen fall aber an den orten, die über die zukunft der menschen bestimmen. reduzierte aufmerksamkeitsspannen sind nur ein nebeneffekt der entwicklung. ein anderer nebeneffekt ist es, dass viele menschen den spass am schreiben verlieren.

biografisches schreiben und arbeit

hier habe ich schon öfter die bedeutung der arbeit für die eigene lebensgeschichte thematisiert, z.b. unter den überschriften „biografisches schreiben und … – … arbeiterbewegung – … arbeitsleben – … arbeitsverhältnisse“. die posts können hier über die suchfunktion aufgerufen werden. doch dieses mal möchte ich mich der frage widmen: wie viel arbeit macht biografisches schreiben?

viel, wenn man möglichst viele aspekte des eigenen lebens darstellen möchte. wie so oft steht hier die frage im vordergrund, wozu man seine eigene lebensgeschichte aufschreiben möchte. dies muss einem vor dem schreiben nicht bewusst sein, doch irgendwann gerät man an den punkt sich die frage zu stellen, wie viel arbeit man in seine biografie investieren möchte und warum.

wenn ich nur bestimme aspekte und lernerfahrungen meines lebens an andere generationen weitergeben möchte, kann ich mich inhaltlich beschränken. wenn ich nur die wichtigsten ereignisse für verwandte und bekannte auflisten möchte, kann ich mich auch beschränken. möchte ich aber meine persönliche entwicklung nachzeichnen, wird man schnell feststellen, dass dies ausufern kann. fängt man nämlich einmal an, das erlebte, das wahrgenommene und das gedachte zu notieren, wird man feststellen, dass es sich um viel mehr handelt, als man annahm. und wenn man noch genauer hinschaut, dann wird man feststellen, wie viele erlebnisse und ereignisse mit entscheidungen und überlegungen verknüpft sind.

nicht selten kommt das gefühl bei biografisch schreibenden im laufe der zeit auf, dass die eigene entwicklung nicht darzustellen ist, wenn man ein paar ereignisse unter den tisch fallen lässt, wenn man nur ausschnitte der eigenen gedanken und überlegungen wieder gibt. beläst man sie aber im text, wird es ein langer und eventuell für außenstehende langweiliger text. viel anstrengender und in arbeit ausartend ist aber der aspekt, dass man von hölzchen auf stöckchen kommt und den ausstieg aus der eigenen biografie nicht findet.

empfehlen kann man da zum beispiel: suchen sie eine thematik, einen aspekt aus, an dem sie ihr leben aufreihen. zum einen haben sie dadurch einen roten faden, zum anderen kann man auch ein einem detail die anderen entwicklungen festmachen, aber man beschränkt sich automatisch ein wenig.
oder sie entscheiden für sich „ich möchte mir die arbeit machen“. dann nehmen sie sich genug zeit für die überarbeitung. geben sie bekannten oder verwandten das unfertige werk zur rückmeldung. fühlen sie sich nicht persönlich getroffen, wenn das „zu viel“ zum thema wird. lesen sie sich ihre texte laut vor, um ein gespür für längen zu bekommen. gewichten sie ihre abschnitte mit einem punktesystem, um die abschnitte, die am wenigsten punkte erhalten, Weiterlesen

schreibidee (350)

die deutschen haben einen seltsamen begriff, der schwer zu erklären ist und stark politisch besetzt ist: die „heimat“. heimat kann überall sein, wird aber meist sehr eng gedacht, also auf den eigenen ort, den eigenen kiez, das eine haus, die eine wohnung bezogen. ist die heimat einmal benannt, dann beginnt das spiel „meine heimat – deine heimat“. ganz selbstverständlich ist die eigene heimat die beste und die fremde nur bedrohlich. es wird zeit, diese vorstellungen zu untergraben, mit der schreibanregung zu „heimat-jedichten“.

dafür sind erst einmal heimatbegriffe zu suchen: die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sehenswürdigkeiten, wichtige gebäude oder institutionen aus ihrer heimat (was sie dafür halten, bleibt ihnen überlassen). nun suchen sie nach worten, die sich auf ihre sehenswürdigkeiten reimen, also zum beispiel „eiffelturm“ und „zweifelwurm“. im anschluss werden zwei vierzeiler in der form „abab aabb“ geschrieben.

doch nicht genug damit: am besten klingen die gedichte in der heimatsprache (also in der landessprache oder im ortsüblichen dialekt). dazu werden die gedichte noch einmal überarbeitet. im anschluss werden die hochdeutsche und die sprachlich veränderte version vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt.

im vorfeld des treffens wurde die schreibgruppe aufgefordert, texte über ihre heimat mtizubringen. dies sollten möglichst touristenführer oder ähnliches sein. man kann auch den lexikoneintrag zum wohnort, oder die fremdenverkehrsbotschaft aus dem internet ausgedruckt mitbringen. einen dieser texte (nicht länger als eine seite) wählen die teilnehmerInnen nun aus. dieser text soll stück für stück verdichtet werden. als erstes wird er auf einen zehnzeiligen abschnitt verdichtet, dann auf maximal zwölf verse (dies sich nicht reimen müssen) und zum schluss auf vier zeilen.

zum abschluss wird der heimattext weitergegeben an andere schreibgruppenteilnehmerInnen. diese verdichten die fremde heimat ebenso, wie oben beschrieben. und auch dieses „heimatjedicht“ sollte noch einmal in die ortsübliche sprache, in den ortsüblichen dialekt übertragen werden. dann werden der heimattext, die erste verdichtung, die zweite verdichtung und die dialektversion vorgetragen. anschließend findet eine feedbackrunde statt. darin kann auch die vorstellung von heimat diskutiert und der wettbewerb, welches der schönere dialekt, die schönere sprache gestartet werden.

sollte noch ein wenig zeit übrig sein, könnten die teilnehmerInnen im vorfeld mitgebrachte heimatgedichte von anderen schriftstellerInnen vortragen und damit den heimatabend beenden 😉

wissenschaftliches schreiben und kreatives schreiben

man könnte vermuten, dass kreatives schreiben maximal in künstlerischen studiengängen etwas verloren hat, aber in naturwissenschaftlichen und technischen keinen sinn macht. wie schon in den letzten posts zum wissenschaftlichen schreiben aufgezeigt, muss das nicht unbedingt sein. und man kann noch einen schritt weiter gehen, neben assoziationstechniken und der suche nach der forschungsfrage, kann kreatives schreiben eine schriftliche arbeit beleben.

doch vorab ein hinweis oder eine warnung, wie immer man das bezeichnen mag. es gibt dozentInnen und professorInnen, also wissenschaftlerInnen, die darauf schwören, dass wissenschaft in einem starren korsett zu agieren hat. alle formen des abweichens werden als unwissenschaftlich bezeichnet. darum sollte man, bevor man sich an eine lebhafte, leicht zu lesende und energiegeladene schriftliche arbeit macht, mit den betreuenden wissenschaftlerInnen abklären, welche form des schreibens anerkannt wird. man tut sich keinen gefallen, wenn man es auf sanktionen anlegt.

so kann es zum beispiel zum streitpunkt werden, wie viel eigene positionen in einer wissenschaftlichen arbeit auftauchen dürfen. etliche lehrende sind der meinung, dass statements von den verfasserInnen maximal in der zusammenfassung eines wissenschaftlichen textes etwas verloren haben. vor allen dingen abschlussarbeiten für master und diplom sollten ihrer ansicht nach einzig den beweis erbringen, dass man wissenschaftlich arbeiten kann. es gibt aber auch gegenpositionen, die der meinung sind, forschende dürfen sehr wohl eine persönliche meinung abgeben, wenn sie ihre ansichten belegen können.

aber abseits der vorher zu klärenden aspekte, gibt es viele möglichkeiten bei genehmigtem spielraum, das kreative schreiben für die texte zu nutzen. so kann man für begriffe, die immer wieder auftauchen, alternative formulierungen suchen. man kann mit hilfe von formen des verdichtens, mammutsätze können in einfache, verständliche formulierung überführt werden. metaphern und bildbeschreibungen geben einen plastischen eindruck des erforschten. ja, man könnte sogar colloquien, die den wissenschaftlichen abschluss unterstützen sollen, zu (schreib)gruppen umfunktionieren, Weiterlesen

wissenschaftliches schreiben und forschungsfrage

forschen ist der versuch, sich die welt weiter anzueignen, um mehr verfügung über die eigenen lebensbedingungen zu haben. das soll heißen, vieles auf der welt funktioniert auf eine art und weise, die uns menschen bis heute unerklärlich erscheint. stück für stück entschlüsselt der mensch, seitdem er denken kann, seine umwelt. abgesehen von der frage, wie real die wahrnehmung des menschen ist (eine frage, die wahrscheinlich kaum geklärt werden kann), möchte er mehr und mehr über seine lebensbedingungen wissen.

das bedeutet, forschung hat etwas mit neugierde, mit interesse und mit der suche nach erklärungen zu tun. leider verschwindet diese vorstellung in vielen wissenschaftlichen zusammenhängen. die verwertbarkeit der erkenntnisse und experimente steht immer häufiger im vordergrund. und zu dieser verwertbarkeit gehört es auch, dass die forschungsfragen gar nicht mehr selber von den wissenschaftlich schreibenden gesucht werden, sondern vorgegeben sind von der forschungsleitung. die forschungsfragen der einzelnen decken nur noch einen teilbereich eines großen forschungsprojekts ab. dies kann vereinzelt sehr spannend sein, endet aber nicht selten in purer zuarbeit zu den großen fragen.

sollte man aber die freiheit besitzen, seine forschungsfragen zum beispiel für eine abschlussarbeit stellen zu können, dann ist man aufgefordert, stück für stück seine neugierde offen zu legen und einzugrenzen. auch diesen prozess kann man durch schreibtechniken unterstützen und fördern. wie schon im vorherigen post aufgezeigt, bieten vor allen dingen das freewriting (eventuell fokussiertes) und das cluster, schon gute assoziative grundlagen. durch beide techniken kann das forschungsthema grob eingegrenzt werden.

nun lassen sich gedanken aus dem marketing anwenden, um weiter einzugrenzen. einfachstes (und gleichzeitig auch schwerstes) herangehen ist es, die forschungsfrage in eine einzige frage zu packen. oder man formuliert einen werbespruch für das eigene forschungsanliegen mit maximal acht wörtern. auf was für eine essenz lässt sich das forschungsinteresse verdichten. dies ist eine gute möglichkeit, zu verhindern, dass das wissenschaftliche schreiben ausufert und Weiterlesen

schreibidee (266)

das web 2.0 lässt menschen zur marke werden. jede(r) versucht eine marke zu sein. es geht weniger darum, spezielle dinge anzubieten, es geht darum speziell zu sein. denn menschen zählen, wie viele follower, freunde, oder verlinkungen sie ihr eigen nennen können. und dafür braucht es ideen. es genügt nicht mehr so zu sein, da zu sein und selbst zu sein, es muss schon was geboten werden. diese schreibanregung soll hilfestellung geben bei der „eigen-werbung„.

zum einstieg schreiben alle schreibgruppenteilnehmerInnen einen text von maximal einer seite länge über ihre eigenen vorzüge. welche eigenschaften machen sie zur marke „xy“? womit können sie für sich werben? in der wirtschaft nennt sich dies alleinstellungsmerkmal, doch so weit muss die selbstdarstellung nicht gehen. es geht nicht um außergewöhnlichkeit, sondern darum, was einem an einem selber gefällt. die kurzen texte werden in der schreibgruppe vorgelesen. dies sollte vor der übung angesagt werden, denn menschen fällt es oft nicht leicht, sich selbst positiv darzustellen. das vorlesen macht aber sinn, um die späteren ergebnisse der schreibanregungen zu verstehen.

anschließend soll ein kurzer werbetext von maximal einer halben seite geschrieben werden, in dem die teilnehmerInnen jeweils sich selbst anpreisen. es geht also über die vorzüge hinaus, denn nun soll werbung für einen selber gemacht werden. dazu suchen sich die schreibgruppenteilnehmerInnen eine person aus der gruppe aus, und schreiben auch für sie einen halbseitigen werbetext. die texte über sich selber werden von der gruppe vorgetragen, die über einen weitere person nicht.

nun geht es um das „verdichten“. im marketing wird gesagt, dass ein slogan oder motto in der werbung möglichst nicht länger als 8 wörter sein soll. alle teilnehmerInnen sollten für sich selber einen eigenen werbeslogan entwickeln. es können auch mehrere geschrieben werden und die schreibgruppe stimmt später ab, welchen slogan sie am besten findet. die einzige vorgabe besteht darin, dass der eigene vorname in dem slogan auftauchen muss. nun werden die slogans vorgetragen und es gibt eine kurze feedbackrunde.

zum abschluss entwickeln alle teilnehmerInnen für sich eine kleine werbekampagne. wie möchten sie sich den anderen menschen gegenüber als marke „verkaufen“? was würden sie dafür tun, um sich selber auf dem markt zu etablieren? diese kampagnen werden vorgestellt, und wer lust hat, kann nach der schreibgruppe mit der eigen-werbung und -vermarktung beginnen 😉 und sei es auch nur im web 2.0.

schreibidee (230)

zur schnäppchen-jagd gehört auch die möglichkeit, handeln zu dürfen, also einen rabatt rausschlagen zu können. es gibt nachlass bei sofortzahlung, bei ausstellungsstücken oder auch nur bei zu hoch angesetzten preisen. wieso also nicht darüber nachdenken, wie geschriebenes rabattiert werden kann? im buchhandel sind es die mängelexemplare, die ermässigt vertrieben werden. gut, beim schreiben müssen es nicht unbedingt mängel sein, die einen rabatt erfordern, aber einmal „rabattierte geschichten“ zu verfassen, soll hier anregung sein.

zu beginn werden in der schreibgruppe leistungen und gegenstände benannt, die normalerweise nicht rabattiert werden (nach dem motto: wenn sie bei uns drei operationen durchführen lassen, erhalten sie eine operation kostenlos (obwohl dies in der schönheitschirurgie dann doch vorstellbar ist)). man wähle sich eine rabattfreie leistung aus und verfasse die werbeanzeige für das rabattangebot. diese anzeigen werden in der schreibgruppe zu gehör gebracht.

anschließend werden geschichten geschrieben, die ein ungehöriges rabattangebot zum thema haben. wie diese vorstellung in der geschichte verankert wird ist allen schreibgruppenteilnehmerInnen freigestellt. die geschichten werden erst einmal nicht vorgetragen, sondern jeweils an andere teilnehmerInnen weitergegeben. diese streichen aus den geschichten ungefähr 10 prozent des textes, verfassen also eine „rabattierte geschichte“. auch diese werden in der schreibgruppe noch nicht vorgetragen.

denn zum abschluss wird die geschichte noch einmal an die anderen schreibenden weitergereicht. und nun werden abermals ungefähr zehn prozent der schon verkürzten geschichte gestrichen. nun werden im anschluss alle geschichten vorgelesen. immer in der reihenfolge, dass zuerst die originalversion vorgetragen wird, anschließend die erste gekürzte version und dann die zweite. in der feedbackrunde wird diskutiert, ob die geschichte dadurch gewonnen oder an wirkung verloren hat.

und um ein wirkliches schnäppchen aus der geschichte zu machen, wird nun noch eine zusammenfassung von 10 sätzen von den autorInnen der jeweiligen geschichte verfasst. dabei sollen keine neuen worte gefunden werden, sondern die zehn sätze müssen dem original entnommen werden.

schreibidee (144)

diese schreibidee ist nicht meine, sondern wurde mir von johannes g., einem doch recht regelmäßigen leser dieses blogs, vorgeschlagen. gruß!
man gerät immer wieder in die situation, einladungen für festivitäten zu erhalten, die mit einem zu machenden geschenk verbunden sind. freundlicherweise legen viele menschen diesen geschenken grußkarten bei. doch was auf die karten schreiben? deshalb soll dieses mal die schreibanregung zu „grußkartentexten“ führen.

als einstieg werden in der schreibgruppe anlässe für grußkarten gesammelt. wann muss man eigentlich etwas auf eine karte schreiben? aus den am flipchart notierten situationen, wählt man sich die aus, die zur zeit für einen am aktuellsten ist. dann überlegen die teilnehmerInnen der schreibgruppe, an wen sich diese grußkarte richtet.

als erstes wird eine einseitige beschreibung der person, für die die karte bestimmt ist, verfasst. dabei sollen eigenschaften, gemeinsame erlebnisse und die ursache des feierlichen anlasses berücksichtigt werden. anschließend wird in kurzen stichworten notiert, was man dieser person denn wünscht. bei den wünschen zeigen sich schnell die unterschiede, wie nahe einem die person steht. die teilnehmerInnen sollen anschließend noch notieren, was sie sich mit dieser person wünschen, also sich selbst als bezugsperson einbeziehen. auch diese wünsche werden als stichworte verfasst.

im nächsten schritt wird ein brief an die zu grüßende person verfasst. dabei thematisieren die teilnehmerInnen der schreibgruppe, was sie mit der person erlebt haben, wie wichtig sie ihnen ist, was sie ihr für die zukünftige zeit wünschen und was sie gemeinsam erleben wollen. die briefe werden gegenseitig in der schreibgruppe vorgelesen. und im nächsten schritt auf postkarten- oder grußkartenformat zusammengestrichen oder verdichtet. dieser text wird auf einer karte (es stehen verschiedene zur auswahl) notiert.

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schreibidee (115)

texten etwas hinzuzufügen, sie zu erweitern, in gemeinschaftsarbeit zu verwandeln ist hier nicht neu. doch dieses mal soll radikal gestrichen werden, wie ein locher, lücken in den text gestanzt werden. deshalb werden nach dieser schreibanregung hoffentlich „lochertexte“ entstehen.

entweder werden alle teilnehmerInnen der schreibgruppe aufgefordert einen text, der ungefähr drei seiten länge hat, mitzubringen, oder zu beginn der gruppe werden nach einem cluster ohne vorgabe, längere texte verfasst. dann werden die texte ausgetauscht. und nun darf in den texten der anderen gewildert werden. dazu bedarf es nur des mutes der streicherInnen und des gleichmutes der verfasserInnen.

durch das streichen darf sich der vorgelegte text vollständig verändern, also etwas neues daraus entstehen. es geht hier nicht um das verdichten, sondern wirklich um das wildern. es sollte satzweise gestrichen werden. und es wird nicht in dem text herum gemalt. sondern die teilnehmerInnen nehmen sich zwei leere zettel. auf dem einen notieren sie den neuen text, auf dem anderen die sätze, die sie herausgenommen haben. denn die gestrichenen stellen werden recycelt.

wie beim lochen konfetti entsteht, soll aus den streichungen ein neuer text entstehen. doch erst einmal werden die neuen texte vorgelesen. im feedback darf ruhig gesagt werden, ob die geschichte gewonnen hat oder nicht. anschließend werden die schreibgruppenteilnehmerInnen aufgefordert, den zettel mit den streichungen zu nehmen und daraus eine neue geschichte zu schreiben. die gestrichenen sätze müssen darin auftauchen. ansonsten werden keine vorgaben gemacht. es kann also etwas ganz neues daraus entstehen. auch diese geschichten werden anschließend vorgetragen und ein feedback dazu gegeben. doch bevor die geschichte vorgelesen wird, sollten die streichungen kurz vorgestellt werden.

schreibtechnik (24) – 3-wort-lyrik

die werbung und der journalismus bedienen sich gern kurzer und knapper botschaften. um diese zu verstärken, wird gereimt was das zeug hält. gestern zeigte ein werbetrailer der apotheken-zeitung im vorabend-programm (hier kann mensch die veränderung der gesellschaftlichen altersstruktur blicknah erfahren) den tollen titel eines artikels: „alarm im darm„. abgesehen von der reisserischen botschaft, ein reim, der es in sich hat.

mit dieser schreibtechnik lassen sich wunderbar nachrichten effektiv verdichten. so versteht jeder mensch „aus die maus“ oder „not an brot„. bieten diese kurzen, lyrischen ergüsse doch einen ersten hinweis auf den weiteren inhalt des folgenden textes. aber auch für sich allein gestellt, lassen sich so einfache nachrichten vielleicht im zusammenhang mit einem bild oder einem kunstwerk vermitteln. wichtig zu untermalung ist der reim.

ein paar beispiele gefällig? „liebe und triebe„, „nass im fass„, „pflaum am baum„, „wonne der sonne“ oder „lust und frust„. das beispiel „alarm im darm“ ist eigentlich kein ideales, da sich die silbenzahl der reimenden wörter unterscheidet. idealerweise sind bei der „3-wort-lyrik“ die silbenzahlen identisch wie bei „geruchshauch vom rosenstrauch“ oder „reisefieber im charterflieger„.

es scheint also gar kein folgender artikel oder text mehr nötig. eigentlich ist schon alles gesagt oder besser geschrieben. diese schreibtechnik kann natürlich auch für kapitelüberschriften, buchtitel (am besten für ratgeber), songtitel oder aneinandergereiht für gedichte verwendet werden. starke aussagekraft kombiniert mit einem schmunzeln bietet viel spielraum für kreative ideen. ernsthaft werden diese botschaften wahrscheinlich nie erscheinen. der effekt liegt am reim, der diesen texten einen rhythmus gibt, der etwas poppiges ausstrahlt. deshalb hier „schluss mit stuss“ und „leben statt streben“ 😆

schreibidee (78)

das bonsai-bäumchen lebt davon, dass frische triebe immer wieder zurückgeschnitten werden und das übrig bleibende bäumchen gehegt und gepflegt wird. in anlehnung an diese vorgehensweise dient diese schreibidee dem entstehen von „bonsai-texten„.

in der schreibgruppe wird keine schreibanregung gegeben, sondern es wird nur vorgegeben, dass eine geschichte geschrieben werden sollte, die nicht länger als 2 Seiten ist. und es sollte leserlich geschrieben werden. wenn die texte fertig sind, werden sie sich nicht gegenseitig vorgelesen, sondern an nachbarInnen weitergereicht. alle teilnehmerInnen sind nun aufgerufen dem ihnen vorliegenden text drei sätze zu entfernen und einen eigenen hinzuzufügen. der eigene satz muss nicht am ende platziert sein. dann wird der text wieder eins weitergereicht.

je nach zeitlichen möglichkeiten geht es nach dem gleichen prinzip noch drei- bis fünfmal weiter. da dies sonst schnell zur verwirrung führen kann, sollte der text irgendwann zwischendurch noch einmal abgeschrieben werden. nun haben zum einen den text schon eine ganze menge teilnehmerInnen der schreibgruppe in der hand gehabt, soll heißen, die zwischenstufen müssen nicht mehr vorgestellt werden. aber der gestutzte und gepäppelte text am schluss der schreibidee wird vorgestellt und es werden die erfahrungen ausgetauscht, wie es sich anfühlte in fremden texten ganze sätze zu kürzen. diese übung bietet sich regelrecht für das internet an, da es viel leichter ist am computer einen text zu kürzen und sätze hinzuzufügen. hier lassen sich natürlich auch mehr gänge einen bonsai-text zu schreiben, durchführen.

schreibidee (74)

sinnsprüche erfreuen sich weiterhin großer beliebtheit. besonders ansprechend kommen sie daher, wenn sie in verbindung mit einer mahlzeit gereicht werden. dies zeigt sich bei den glückskeksen, die gern einmal mit einem asiatischen essen ausgegeben werden. nicht identisch, aber vom klang her sehr ähnlich deutet die schreibidee in richtung der asiatischen gastronomie. dieses mal wird vorgeschlagen „glückstexte“ in der schreibgruppe zu verfassen.

zuerst wäre zu klären, was glück überhaupt ist. ein wissenschaftszweig der psychologie und anderer wissenschaften versucht dies schon seit jahren, doch sie scheitern daran, dass jeder mensch unter glück etwas anderes versteht. so ist es an den teilnehmerInnen der schreibgruppe, zu notieren, was für sie glück bedeutet. interessant wird es dadurch, dass gleichzeitig eine zeitliche staffelung vorgenommen wird. es ist zu notieren, was in diesem moment glück bedeutet, an diesem tag, in dieser woche, in diesem monat, jahr und im ganzen leben. unter den verschiedenen glücksvorstellungen ist eines auszuwählen (außer denen für das ganze leben) und ein cluster zu bilden. dann wird von allen teilnehmerInnen ein glückstext verfasst. die texte werden gegenseitig vorgelesen und ein feedback gegeben. anschließend nehmen sich alle ihre glücksvorstellungen für das ganze leben vor. sie notieren in fünf minuten assoziationen, die ihnen dazu einfallen und verfassen einen glückstext für das ganze leben. die texte werden nicht vorgelesen, sondern der glückstext verdichtet zu einem sinnspruch für einen glückskeks. diese sinnsprüche werden gesammelt. und falls die möglichkeit besteht, können nun kekse gebacken werden, in die jeweils ein sinnspruch eingebacken wird. die teilnehmerInnen erhalten jeweils einen keks, die sie mit nach hause nehmen können. wer weiß, ob der sinnspruch nicht im laufe der zeit wirkung zeigt.

schreibtechnik (22) – sms

eigentlich ist es ja eine elektronische technik, eine digitale, die die formen der kommunikatiion erweitert. doch diese technik zwingt dazu, kurze texte zu verfassen. so bietet sich die „sms“ oder das „simsen“ regelrecht zum verdichten der texte zu greifen. wären die dinger kostenlos, eine entwicklung, die zumindest mit flatrates fortschreitet, müssten sich die menschen nicht beschränken und könnten eine sms nach der anderen senden, also ihre texte auf mehrere päckchen verteilen. doch bis jetzt ist es noch nicht so, was zur folge hat, dass sowohl gern abkürzungen für worte verwendet werden, als auch beinahe lyrische texte entstehen.

früher gab es eine ähnliche kommunikationsform, die meist nur in äußersten notfällen verwendet wurde, das telegrafieren. ein telegramm zu verschicken war teuer und führte zu ständig unterbrochenen texten. hier wurden oft nur ein satz oder zwei versendet. im vergleich dazu gestaltet sich die sms schon regelrecht luxuriös. erlaubt sind immerhin 160 zeichen. und doch kann die sms verwendet werden, um sich der lyrik anzunähern. es ist einen versuch wert, einen geplanten brief an eine liebe person einmal in den text für eine sms zu verwandeln und falls möglich abzusenden. das simsen kann sich auf einer poetischen ebene bewegen.

doch meist dient sie zur terminplanung oder dem dating. dadurch reduziert sie sich auf kurze informationen, die auch auf eine mailbox gesprochen werden könnten.

besonders skurril und sicherlich die lyrischen versuche noch steigernd, kann ein dienst sein, der die sms am telefon vorspricht. so hätte man gleich noch eine virtuelle lesung für die empfängerInnen organisiert. versuchen sie es doch einmal, ein haiku per sms zu versenden und vorlesen zu lassen. und dann warten sie auf die reaktionen der empfängerInnen. weitere informationen bei wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/SMS .

kreatives schreiben und vorträge

eine rede, eine rede! gern erfolgt die aufforderung, wissen mündlich vorzutragen, am besten noch mit präsentation und ein wenig entertainment. also setzen sich die angefragten hin, arbeiten eine beinahe perfekte präsentation aus und stellen sich vors publikum. doch wenn sie dann ihren vortrag halten, erfasst schnell ein gähnen das publikum. denn entweder lesen sie nur ihre präsentation vor oder sie geraten bei der umschreibung dessen, was sie auf virtuelle folien gepackt haben, ins stocken.

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web 2.8 – twistori

eine beliebte übung in schreibgruppen ist es, texte zu verdichten. auf wenige worte zu kürzen und doch eine intensive wirkung hervorzurufen. da ist uns die jugend ein paar schritte voraus. zur zeit besonders beliebt ist „twitter„. twitter ist eigentlich ein sammelpunkt von meldungen mit maximal 140 zeichen. diese meldungen sind inzwischen leicht von mobiltelefonen aus ins netz zu setzen. andere abonnieren diese meldungen, um zu erfahren, was der rest der welt so macht. dabei sammeln sich viele kurzmeldungen, die von langeweile über große gefühle bis zu blödsinn im sekundentakt veröffentlicht werden.

eine seite im internet hat es sich zur aufgabe gemacht, sich auf die wirklich wichtigen dinge des lebens zu konzentrieren, die von twitter abgesondert werden. es handelt sich dabei um twistori. wenn man diese seite aufruft, dann finden sich auf der linken seite, in großen lettern, verschiedenfarbig folgende begriffe: „love“, „hate“, „think“, „believe“, „feel“ und „wish“. klickt man auf einen der begriffe, fangen auf dem bildschirm beständig kurzmeldungen, die den jeweiligen begriff enthalten, durchzutickern. meldungen aus der welt zu befindlichkeiten. verdichtete momentaufnahmen, die zu geschichten anregen können, die einen pool an ideen liefern oder einen ganze dialoge produzieren lassen.

zu finden ist diese spielerische seite unter: http://twistori.com/ . obwohl „spielerisch“ sicherlich der falsche begriff ist, sind es doch die großen gefühle, die im sekundentakt den bildschirm erobern.