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biografisches schreiben und verzeihen

häufig wird der satz „das letzte was ich zu ihm / ihr gesagt habe, war … “ ausgesprochen, und dies nicht nur in filmen. oft genug realisieren menschen erst beim tod eines nahestehenden anderen menschen, welche chancen, situationen zu klären, versäumt wurden. auf der anderen seite gilt dann wiederum, dass über tote nicht schlecht zu reden sei. aber es gibt genauso gut unverzeihliche situationen, die eine versöhnung oder verzeihung unmöglich machen.

beim biografischen schreiben kann man einmal einen blick darauf werfen, wo es im eigenen leben konflikte gibt, die bis dato nicht bewältigt sind. gibt es situationen, in denen dem / der anderen verzeihen vorstellbar wäre? gibt es situationen, in denen versöhnliche schritte von der eigenen seite überhaupt nicht vorstellbar sind?

so sollte es opfern und gewalttätigen und sexuellen übergriffen selbst überlassen sein, inwieweit sie das geschehene verzeihen oder auch nur ruhen lassen können. hier darf es keine moral- oder handlungsweisungen geben. es mag zwar manchmal sehr edel wirken, wenn eine schlimme tat verziehen wird, es kann aber ebenso hilfreich sein, sich nicht mehr mit täterInnen auseinanderzusetzen und keine weitere auseinandersetzung führen zu wollen. auch „das verzeihen“ darf zu den akten gelegt werden.

gleichzeitig kann beim biografischen schreiben festgehalten werden, wen man selber um verzeihung gebeten hat. wo waren die eigenen fehltritte, die zu einem riss in freundschaften und beziehungen geführt haben? und wo brauchte man lang, bis man realisierte, dass der eigene anteil doch ein recht großer war und es an der zeit wäre, sich bei der anderen person zu entschuldigen, sie um verzeihung zu bitten?

man kann noch ein wenig tiefer gehen und sich selber fragen, Weiterlesen

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schreibpädagogik und verzeihen

schreibgruppen finden meist in sehr harmonischer, kreativer atmosphäre statt. aber wie bei allen gruppen, kann es auch in schreibgruppen zu konflikten kommen. vor allen dingen der bereich des feedback-geben ist anfällig für störungen. alle schreibenden lassen persönliche anteile in ihre texte fließen: sei es eine haltung, ein gefühl oder erlebnisse, die einmal gemacht wurden. die häufigste konfliktquelle ist die „deutung“.

es wird immer dann schwierig, wenn schreibgruppenteilnehmerInnen gegenseitig deutungen über die haltungen, gefühle und erlebnisse aussprechen. diese form des feedbacks sollte von anfang an ausgeschlossen werden. sie hilft bei der textbetrachtung und beim textverständnis nicht weiter. habe ich als leser oder zuhörer interesse an mehr informationen und hintergründe zum geschriebenen, dann kann ich nachfragen, bevor ich eine eigene interpretation liefere. diese interpretationen können sehr verletzend sein und die wahrscheinlichkeit, dass sie daneben zielen, liegt bei 50 prozent.

da es sich bei diesen auseinandersetzungen schnell um eine sehr persönliche und personalisierende handelt, kann es mit dem verzeihen des fehltritts eine zeitlang dauern. generell kann man aber davon ausgehen, dass hinter diesen ausrutschern keine absicht und keine feinschaft steckt, sondern es sich um ein versehen oder sogar um ein zu großes interesse an den anliegen der anderen person handelt. es ist zu empfehlen, dass die verletzte person das gespräch sucht, bevor sie über einen längeren zeitraum ihre wut oder ihr schlechtes gefühl mit sich herumträgt.

natürlich ist es idealer, wenn die feedback-gebende person von sich aus den fehler bemerkt und um verzeihung bittet. doch sie muss es nicht bemerken, wenn sie nicht darauf Weiterlesen

selbstbefragung (121) – verzeihen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „verzeihen„.

  • wie gut können sie verzeihen? beschreiben sie.
  • was können sie überhaupt nicht verzeihen? warum?
  • wem konnten sie nie verzeihen?
  • wer sollte ihnen verzeihen? warum?
  • wie bitten sie um verzeihung? beschreiben sie.
  • ihre unverzeihlichste tat?
  • sollte man überhaupt verzeihen?
  • wie oft lügen sie am tag?
  • welches war ihr größter fehler?
  • können sie sich selbst verzeihen? warum?