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ab morgen bis sonntag: die frankfurter buchmesse

auch wenn in den usa amazon inzwischen mehr e-books als gedruckte bücher verkauft, so eine buchmesse ist doch weiterhin etwas feines. man findet sich in der masse an messeständen zwar kaum zurecht und der trubel macht es schwer, einen tieferen eindruck von den neuheiten zu bekommen. aber man kann infos, kataloge, lesungen, vorträge und dergleichen mehr mitnehmen.

und wer die fahrt auf die frankfurter buchmesse nicht antreten kann, der kann zumindest einen kleinen überblick vom angebot und den ausstellerInnen auf der homepage der buchmesse erhaschen: http://www.buchmesse.de/de/ .

und dann gibt es da noch das kleine aber feine gastland. ein land, das keine probleme nach der finanzkrise hatte, mal eben schnell mit kochtopflärm seine regierung abzusetzen 😉 : island. das gastland hat eine eigene homepage über die isländische literatur eingerichtet. sie kann hier angesehen werden: http://www.sagenhaftes-island.is/de .

dann viel spaß beim suchen, besuchen, kaufen und bestellen. und natürlich viel spaß beim lesen.

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wortklauberei (48)

„dienstleistungsbereitschaft“

oft genug wurde beschrieben und beschrieen, dass die deutschen lande eine dienstleistungswüste seien, das müsse sich ändern. so bemühen sich alle ein eingefrorenes lächeln aufzusetzen, sei der wunsch noch so abstrus oder das verhalten der kunden noch so unverschämt. es wird auf teufel komm raus gelächelt. das kann dann auch anstrengend werden. kaum steht man in einem laden oder sitzt im zug, schon wird man nach den wünschen gefragt, bespielt und unterhalten. das geht so weit, dass man glaubt, sich nur noch in einer welt voller animateurInnen zu bewegen, und man habe sich in einen großen club mediterranee verlaufen.

doch den unternehmensberaterInnen und wirtschaftsankurblerInnen ist dies lang noch nicht genug. so veranstaltete eine kleine provinzzeitung den wettbewerb zur „dienstleistungsbereitschaft“ des örtlichen einzelhandels. dazu konnten die leserInnen abstimmen, ob sie sich gut beraten und bedient fühlten. sind sie also bereit dienst am kunden zu leisten? was eine verkleisterung der eigentlichen interessen. die einen wollen verkaufen und die anderen kaufen. dazu bedarf es eigentlich keines grinsens und lächelns, sondern einfach nur eine angebots und einer umfassenden klaren kommunikation. doch so geht das heute nicht mehr. anscheinend nähern wir uns einem mix aus japanischen und us-amerikanischen handelsgepflogenheiten an. da ist zum einen das dienen, dass sich in einer tiefen verbeugung oder auch in einer form der unterwürfigkeit gegenüber den kaufwilligen äußert. und da ist zum anderen dieses klebrige wir-sind-so-gut-drauf- und eine-große-familie-gehabe, dass den eindruck einer verbrüderung hinterlässt, obwohl man nur sein geld in ware tauschen möchte.

und auf diesem mist wächst die kategorie der „dienstleistungsbereitschaft“, die den dienenden alles abverlangt (nicht ohne grund sind die psychosomatischen erkrankungen bei ewig grinsenden berufen stark verbreitet) und die kunden zu kleinkindern degradiert, die auch noch unterhalten werden müssen. doch es gefällt anscheinend und wird begrüsst. dann scheint das wort doch treffend. lasst uns alle snoozelen 😛

wortklauberei (47)

„kundenlebenswert“

wenn man der marketingbranche oder manchem verkaufstrainer zuhört, dann ist der mensch nicht in erster linie mensch, sondern kunde. so werden wir schon als kunde geboren, denn unsere eltern benötigen windeln, babynahrung und creme. danach werden wir als potentieller kunde umworben, da wir angeblich bestimmten dingen weiter vertrauen, wenn wir erwachsen sind und geld zum ausgeben haben. anschließend sind wir endlich kunde und bleiben dies auch, bis wir das gras von unten anschauen. selbst dann wollen manche noch nicht aufhören, uns als kunden zu betrachten, und buchen weiterhin gebühren ab, obwohl wir gar nicht mehr existieren.

und als lebenslanger kunde kommt schon eine ganz schöne summe zusammen, die wir auf den markt für gegenleistungen werfen. natürlich gibt es in diesem moment menschen, die ausrechnen, wieviel geld wir wohl im laufe unseres lebens zur verfügung haben. das ergebnis nennt sich dann freundlicherweise „kundenlebenswert„. besonders hübsch erscheint die wortschöpfung durch die doppeldeutigkeit ihres zweiten teils, „lebenswert“. es ist nicht mehr zu fragen, wann ist das leben lebenswert, sondern, wie hoch ist ihr lebenswert?

es beschleicht einen, wenn man solche worte liest, das gefühl ein stück aas zu sein, auf das eine gruppe geier blicken und darauf warten, sich streitend darauf zu stürzen. man versteht von mal zu mal die selbstversorger besser, die recht selten zum kunden mutieren und versuchen, sich dem markt zu entziehen. das ist ein schweres stück arbeit, da es auch dann noch viele möglichkeiten gibt, mit dem marketing in berührung zu kommen. alle anderen sind berechnet, aber sie verhalten sich selten so eindeutig, wie es sich der markt wünscht. immerhin ein trost.

nabelschau (7)

 

ich habe gewonnen! und ich habe meinen gewinn nicht abgeholt. will mir jedenfalls eine „eilsendung-erinnerung“ einreden. wer glaubt, die spams im internet würden immer dreister werden (auch hier gibt es die skurrile variante, dass man sich selbst eine mail sendet mit dem betreff: dringend – gewinn), der hat noch nicht das snailmail-phishing erlebt. die texter lassen keine dreistigkeit aus: „da dieser gewinn aus datenschutzgründen nur eine gewillte zeit geführt werden darf und wir dieses konto auflösen müssen geben wir ihnen letztmalig die chance ihren gewinn am 18.03. in unserer zweigstelle abzuholen.“ es soll sich um 8000 euro handeln, die ich bei einem rätsel im letzten sommer gewonnen haben soll.

und jetzt wird es interessant: die zweigstelle erreiche ich wohl nur mit einem bus (in der post steht „bush“, ob das alles eine us-amerikanische verschwörung ist?) der bei mir um die ecke gerade an besagtem tag vorbeikommt. ich darf auch noch maximal vier personen mitnehmen. ich zahle nichts und bekomme dafür einen computer, frühstück, mittagessen und ein käffchen. worauf ich mich aber besonders freuen würde, wenn ich jemals an einem preisrätsel teilgenommen hätte, wären die gratis-stichsäge, -bohrmaschine und -schleifmaschine.

ich sollte mich natürlich anmelden, am liebsten mit geburtsdatum, die restlichen daten haben sie schon schön zusammengetragen. um dies zu unterstreichen wurde auf die antwortkarte auch noch ein possierlicher strichcode gedruckt. aber das schönste ist, die antwortpostkarte geht an ein postfach in „großenkneten“, na wenn da nicht der name vater des gedanken ist. und die busfahrt geht wahrscheinlich in ein heizdeckenlager, das man erst wieder verlassen darf, wenn alles aufgekauft ist.

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