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wie man den spass am schreiben abgewöhnt (07)

fürchterliche fantasie

fantasie hat für manche menschen, die ein geordnetes, klares und striktes leben führen, etwas bedrohliches. diese menschen sind erwachsene, die in der rolle als eltern oder lehrerInnen kindern zu verstehen geben, dass ihre fantasie zu ausufernd ist. schon junge menschen sollen verstehen, wie die knallharte realität in dieser welt aussieht. fantasie wird in solchen momenten mit flucht und unaufmerksamkeit gleichgesetzt.

wer glaubt, diese haltung erwachsener sei heute nicht mehr vorhanden, die pädagogik und erziehung hätten sich geändert, der täuscht sich gewaltig. da mögen zwar mutti und vati in den film „avatar“ gehen, wenn aber ihre lieben kleinen mit einer schlechten note im aufsatz zurückkommen, da der zu ausufernd war und sich nicht an den vorgegebenen lernzielen orientierte, dann verteidigen sie die ideen des eigenen kindes viel zu selten.

ja, immer wieder soll man sich zusammenreissen, schon in der kita, da oft nur gelenkte fantasie gewünscht ist. malt ein kind eine blumenwiese mit vielen bunten blüten, dann sind alle begeistert. sitzen aber zwei kinder in einem bus und spielen in ihrer fantasie und nur verbal kampfszenarien durch („du hast, ich sage mal, 100 einzelkämpfer!“ – „ninjas?“ – „nein, ganz normale einzelkämpfer.“ – „okay“ – „ich komme dann mit meinem panzer! pchch-puff!“- „aber dein panzer bleibt liegen, weil der motor brennt!“ – „dann hole ich erst einmal …“), dann fühlt sich sofort eine ältere matronenhafte dame berufen, die kinder anzusprechen. sie erklärt ihnen, dass sie vom gehörten ohrenschmerzen bekommen würde und fragt, ob die beiden nicht mal mit einem ball spielen könnten. aber ihren „tatort“ möchte die ältere dame am sonntagabend bestimmt nicht verpassen.

ja, kinder können fantasie entwickeln, die uns nicht gefällt. sie können ganze eigene welten erfinden, zu der wir keinen zutritt haben. und sie können, wenn sie etwas älter sind, dies mit vorliebe Weiterlesen

zum digitalen diskurs – ein lesetipp

wie weit beeinflussen die modernen medien, besser geschrieben, das eine medium „internet“, das viele medien in sich vereint, unser denken. der diskurs ist nicht neu, die entwicklung schreitet voran und es kann hilfreich sein, eine zwischenbilanz der erkenntnisse und veränderungen zu lesen.

sehr empfehlenswert in diesem zusammenhang erscheint mir der artikel „feindliche übernahme – die mediale wirklichkeit – zur digitalisierung der verwalteten welt“ von hans günter holl in „lettre international“ – frühjahr 2011, nr.92, s.55ff. (hier ein auszug aus dem artikel: http://www.lettre.de/aktuell/92-Holl.html )

ja, man kann der meinung sein, dass das durch den computer und das web 2.0 angebotene wissen eigentlich nur information ist und einem einzigen zweck dient, nämlich werbung zu sein. werbung für das angebotene vermittelte und gleichzeitig zusätzlich nochmals staffage für offensichtliche werbung. man kann auch der meinung sein, dass sich unser denken den vorgaben durch das medium computer anpasst. dieser diskurs ist nicht neu, aber es schadet nicht, ihn weiterhin aufzurollen.

denn es gibt heute vor allen dingen in den wissenschaften die tendenz, durch gleichrichtung und neurophysiologie unser wissen und unser lernen auf verschaltung und verwertbarkeit zu reduzieren. hier lohnt ein kritischer blick, was in diesen momenten verloren geht, wie wir distanz zum weltbezug gewinnen. dies aber nur, wenn wir diesen vorgaben und interessen folgen. interessen, die in erster linie keine menschlichen sondern kapitalistische, also ideologische und politische sind.

man kann diesem wahn von gleichschaltung der wissenschaften durch credit-points und technologie-verheissungen nur kritisch etwas entgegensetzen, wenn man die mechanismen, die dahinter stecken, versteht und eine kritische distanz dazu einnimmt. denn was den menschen auch heute noch auszeichnet, ist seine fähigkeit der reflexion kombiniert mit kreativität. und wie hier schon öfter beschrieben fließen in die kreativität immer wieder subjektive lebenserfahrungen mit ein. ganz individuelle emotionen, subjektive historizität und persönliches lernen.

die schlussfolgerungen der analyse im artikel scheinen meiner ansicht nach, den menschen zu unterschätzen. es herrscht das bild des sehr prägbaren menschen vor, der sich jedem gesellschaftlichen konstrukt ohne wenn und aber unterwirft. doch dazu gibt es zu viele kritische stimmen. aber die analyse im artikel regt definitiv zu einem spannenden diskurs an, sie ist lesenwert.

schreibpädagogik und schreibkompetenzen

schreibgruppen bieten für alle teilnehmerInnen die chance, die eigenen schreibkompetenzen stück für stück zu erweitern. dies ist zum einen eine frage der zeit und zum anderen eine frage der wahrnehmung. schreibgruppen, die über einen längeren zeitraum stattfinden, bieten die größten chancen einer sukzessiven veränderung im schreiben und schreibverhalten.

am anfang steht bei schreibgruppen, vor allen dingen für menschen, die das erste mal teilnehmen, der „aha-effekt“ oder das erstaunen darüber, was man alles zustande bringt. seltener wird die weitere eigene entwicklung beobachtet. dass sich die eigenen texte beständig verbessern, dass das schreiben immer leichter von der hand geht, dass die ideenfindung unkomplizierter funktioniert und dass sich teilweise die schreibgeschwindigkeit erhöht.

um den blick für diese entwicklungen zu schärfen, kann man die teilnehmerInnen entweder dazu einladen, alte und neuere texte miteinander zu vergleichen. oder man fordert sowohl beim ersten oder zweiten ‚treffen einer schreibgruppe die teilnehmerInnen dazu auf, eine selbstreflexion über den schreibprozess zu verfassen, und das gleiche noch einmal gegen ende der durchlaufenen schreibgruppe. diese beiden texte können miteinander verglichen werden.

das angenehme an der erweiterung von schreibkompetenzen ist es, dass dieser prozess schwer wieder rückgängig zu machen ist. gut man hält die erlernten kompetenzen eher frisch, wenn man konsequent regelmäßig weiterschreibt. doch selbst bei langen pausen zwischen der schreibgruppe und späteren versuchen des schreibens, stellt sich wie beim fahrradfahren heraus, dass man das gelernte schnell wieder anwenden kann. diese tatsache bedeutet, dass es empfehlenswert ist, bei der durchführung von schreibgruppen immer auch die weiterentwicklung von schreibkompetenzen zu thematisieren. das lässt sich sogar in einer unterhaltsamen freizeit-schreibgruppe des kreativen schreibens verwirklichen.