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schreibpädagogik und verlust

dieses mal ein sehr ernster beitrag zur anleitung von schreibgruppen. vor allen dingen im biografischen schreiben sollte man meines erachtens sehr vorsichtig vorgehen, wenn man schreibübungen zum thema verlust oder tod anleitet. es ist nicht sinnvoll das thema auszusparen, nur um die eventuellen folgen zu umgehen. verlust und tod beeinflussen unser leben sehr. jeder mensch hat seine eigenen strategien damit umzugehen. und doch scheint es, wie wenn vor allen dingen das thema tod mit einem tabu versehen ist. das ist um so erstaunlicher, dass man ab einem höheren alter immer wieder damit konfrontiert wird (und manchmal auch schon viel früher).

schreibt man in schreibgruppen also über verluste, vor allen dingen über persönliche verluste, kann es leicht vorkommen, dass menschen nicht nur darüber schreiben, wie sie durch eine trennung einen partner verloren haben, sondern dass sie darüber schreiben, wie ein mensch in ihrem umfeld gestorben ist. das schreiben darüber kann noch einmal sehr aufwühlend erlebt werden. und dies wiederum kann zu emotionalen reaktionen führen, wenn texte vorgetragen oder besprochen werden. dies sollte eine gruppe aushalten können. doch damit darf man als schreibgruppenleitung nicht rechnen.

viele menschen halten es schwer aus, andere weinen zu sehen. in gruppen kann dies zu hilflosen unterstützungsversuchen und tröstungen führen. in diesem moment sollte eine schreibgruppenleitung einschreiten. denn wenn teilnehmerInnen für sich entscheiden, einen sie selbst sehr berührenden text vorzutragen, dann entscheiden sie sich auch dafür, eventuell beim lesen Weiterlesen

schreibidee (369)

das wort kommt ein wenig altbacken daher. gern wurde es im sexuellen kontext verwendet, doch schon bald erweiterte sich der begriff auf alle lebensbereiche – die „unschuld“. verbunden wird damit eine gewisse naivität, unbedarftheit und unerfahrenheit. dahinter steckt der gedanke, dass man ab einem gewissen alter ernüchtert auf die welt blickt. man kann darüber streiten, ob erwachsen sein mit enttäuschung einhergehen muss – eine recht asketische vorstellung. darum eine schreibanregung für „verlust-der-unschuld-geschichten“.

dies soll keine biografische schreibanregung sein, also werden beim einstieg in das thema auch keine persönlichen bezüge relevant. die schreibgruppenteilnehmerInnen notieren in kurzen stichworte, wobei man seine unschuld verlieren kann. was schleudert einen plötzlich in einen erweiterten bezug zur welt? die stichworte werden in der gruppe zusammengetragen und alle teilnehmerInnen wählen sich ein beispiel aus. darüber verfassen sie eine kleine geschichte (maximal zwei seiten lang), die anschließend vorgelesen wird. es findet keine feedbackrunde statt.

im nächsten schritt, geht es um die entzauberung der kindheit. denn in bezug auf das naive, unschuldige, wird gern die kindheit als ehemaliges paradies dargestellt. doch genauer betrachtet ist man als kind regeln und gegebenheiten ausgeliefert, die von den erwachsenen bestimmt werden. die unschuld zu verlieren bedeutet auch, mehr mitsprache über das eigene leben zu erhalten. alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingeladen, einen kurzen text über die unangenehmen seiten des kindseins zu schreiben. die texte werden vorgetragen. es findet keine feedbackrunde statt, aber vielleicht eine kurze diskussion über die idealisierung von unschuld.

nun wird eine längere geschichte über jemanden geschrieben, der sich „schuldig“ gemacht hat. dies ist nicht im juristischen oder kriminellen sinn gemeint, sondern im alltäglichen. es gibt keine weitere vorgabe als die annahme, dass in der geschichte jemand seine „unschuld verliert“. ob sich etwas zum positiven oder negativen entwickelt, bleibt den schreibenden überlassen. anschließend werden die geschichten vorgelesen und es findet einen ausführliche feedbackrunde statt. dabei kann man den fokus darauf richten, wie schuld in der jeweiligen geschichte dargestellt wurde.

zum abschluss werden von allen teilnehmerInnen kurze emanzipatorische aufrufe verfasst: zehn punkte, wovon man sich nach seiner kindheit befreien sollte. also zehn punkte die einen weiteren verlust der unschuld bedeuten. die aufrufe werden in der gruppe vorgetragen (und im realen leben umgesetzt 😉 ).

kreatives schreiben und verlust

verluste sind häufig auslöser starker menschlicher emotionen und somit auch gern genutzte themen in geschichten und stories. wenn das schicksal zuschlägt und man plötzlich einen menschen verliert, dann gerät die bisherige welt ins wanken und bietet stoff für zu schreibendes. aber abseits der kreativen und fantasievollen szenarien von dramen und tragödien, kann das kreative schreiben auch bei realen verlusten eine große rolle spielen.

die grenzen zwischen biografischem und kreativem schreiben verschwimmen in dem moment des schreibens zu realen verlusten. und doch kann man seinen persönlichen schwerpunkt auf das kreative schreiben legen. es geht eben nicht darum, geschehenes wieder aufzuarbeiten und zu berichten, sondern es geht darum, geschehenes in geschichten zu packen und diese stellvertretend für sich sprechen oder trauern zu lassen.

man kann metaphern für das geschehene finden, man kann märchen heranziehen, eine fabel aufschreiben oder den protagonisten das antlitz von verlorenen menschen geben. trauer um verlorene menschen (ob nun durch trennung oder tod) durchläuft verschiedene phasen. angefangen bei ohnmacht über wut bis zu einem abfinden mit dem geschehenen kann sich all dies in geschichten widerspiegeln. warum nicht die wut auf die ganze welt, das geschehene und die verlorene person kanalisieren und in eine geschichte, die thematisch nichts mit dem verlust zu tun hat, packen? warum nicht das geschehen in ein drama mit anderem hintergrund übertragen?

das zweifeln an der welt nach einem verlust findet beim schreiben eine sprache. dies wiederum kann entlastend sein. vielleicht ist man es satt, immer wieder über das geschehene nachzudenken, die ereignisse hin und her zu wälzen. da bietet das kreative schreiben einen ausweg, eine alternative. und man kann noch einen schritt weitergehen, man kann erinnerungen an den mitmenschen herbeizaubern, etwas verewigen, um ganz persönlich Weiterlesen

schreibberatung und verlust

in die schreibberatung kommen ratsuchende, die oft die zuversicht verloren haben, den notwendigen text, die anstehende schreibarbeit zu verfassen. in diesen momenten teilt sich die schreibberatung in zwei unterschiedliche beratungsbereiche. zum einen werden schreibtechniken vermittelt, um überhaupt wieder in einen schreibfluss zu kommen. zum anderen geht es aber zusätzlich darum, die zuversicht wieder zu erlangen. dies kann teilweise mit dem absolvieren der schreibanregungen einhergehen, genügt aber selten vollständig.

um den verlust der zuversicht besser rückgängig machen zu können, bedarf es einer analyse der situation und vor allen dingen einer analyse der gründe, warum die zuversicht beim schreiben verloren ging. man geht erst einmal davon aus, dass alle menschen, ein interesse daran haben, schreiben zu lernen und schreiben zu können. denn dieser schritt fördert die teilhabe an den lebensumständen, die einen umgeben und erfüllt die anforderungen, die an einen menschen in unserer gesellschaft gestellt werden. ja, man kann sogar davon ausgehen, dass die meisten menschen die ersten schreibschritte freudig vollzogen haben und spaß empfanden.

irgendwann kam dann der bruch – mal früher, mal später – ab dem das schreiben zur qual wurde oder überhaupt nicht mehr funktionierte. vielleicht war es das scheitern an einer aufgabe ohne unterstützung oder eine umwelt die signalisierte, dass man sowieso nichts richtig mache, oder eine rückmeldung, dass es sich um einen ganz fürchterlich geschriebenen text handelte, den man verfasste. gründe für den verlust der zuversicht kann es sehr viele geben. aber diesen gründen sollte man in einer schreibberatung auf die spur kommen.

erst die gemeinsame analyse (der vergangenheit) von schreibberaterInnen und ratsuchenden macht es möglich, die erlebten urteile, kritiken oder selbsteinschätzungen zu entkräften. denn es steht meist eine bewertung im hintergrund, die das eigene schreiben Weiterlesen

liste (115) – verlust

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um den „verlust“.

meine größten verluste:

menschen, die ich nie wieder sehen werde, aber so gern würde:

verluste, die ich wieder wett machen konnte:

verluste, die keine für mich waren:

was ich bei großen verlusten dafür gewonnen habe:

biografisches schreiben und verlust

leben besteht aus beständigen verlusten. so wird demnach eine lebensgeschichte auch immer eine geschichte von verlusten sein (und auf der anderen seite natürlich auch eine geschichte von gewinnen). man mag noch so sehr der meinung sein, dass das eigene leben eigentlich nur aus verlusten besteht, schaut man genau hin, wird man immer feststellen, dass neues hinzukommt.

doch dieses mal soll der blick auf die verluste gerichtet sein. man kann alles verlieren, das man einmal sein eigen nannte. um es einmal ein wenig philosophisch zu formulieren, man kann der meinung sein, unser leben sei nur geliehen. in diesem moment schmerzt der verlust vielleicht nicht so groß. doch in den seltensten fällen wird vom leihen ausgegangen. man hat freundschaften, mitmenschen, die existenz oder den besitz verloren. man hat seine selbstachtung, seine unschuld und seinen glauben verloren. welcher verlust wiegt schwerer? das kann man nicht verallgemeinern, das bleibt immer individuell.

darum ist das biografische schreiben ideal, um sich mit seinen verlusten auseinanderzusetzen. teilen sie ihre verluste einmal auf, in die verluste von menschen (durch trennung oder tod), von dingen (gegenstände und besitztümer), in die ideellen (gefühle oder gedanken, haltungen) und in die finanziellen (einem mischung aus gegenständen und ideellem). machen sie sich ruhig eine tabelle und staffeln sie, welche verluste am schwersten wogen. manchmal stellt man fest, dass ideelles höher wiegt als gegenständliches. doch hier soll nicht einer vergeistigten schönfärberei das wort geredet werden. ist die exitstenz bedroht, da noch nicht einmal besitz vorhanden ist, der die ernährung sichert, dann wiegt der verlust lebensbedrohlich schwer.

zur subjektiven sicht gehört es auch, dass der verlust von besitz, die ganze person in frage stellen kann, der boden unter den füssen verloren wird und kein rückweg gefunden wird. da beruhigt es nicht, zu hören, dass ja so viel anderes schön sein kann. sie bewerten selbst, welche verluste für sie zu bewältigen waren und welche nicht. geben sie beim schreiben auch ihrer ganz persönlichen trauer raum. sich den persönlichen verlusten zu zu wenden, ist keine einfache schreibarbeit, es geht an die nieren. wir würden für bestimmtes nicht das wort „verlust“ wählen, wenn es keine bedeutung für uns hätte.

sollte einem die auseinandersetzung mit den verlusten zu bedrohlich werden, dann stelle man Weiterlesen

selbstbefragung (168) – verlust

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „verlust“.

  • was haben sie in letzter zeit verloren?
  • was tun sie, um mit einem verlust klar zu kommen? beschreiben sie.
  • wie haben sie ihre unschuld verloren?
  • welche menschen, die sie in ihrem leben verloren haben (durch tod oder distanz), vermissen sie?
  • ihr grösster finanzieller verlust?
  • welche verluste konnten sie verhindern? wie?
  • was vermissen sie an unserer heutigen gesellschaft am meisten? beschreiben sie.
  • was war für sie kein großer verlust?
  • wen möchten sie in zukunft auf keinen fall verlieren?
  • welche modische erscheinung (ding, kleidung, kultur …) aus früheren zeiten, vermissen sie?

die letzten 150 selbstbefragungen sind als links hier gebündelt: https://schreibschrift.wordpress.com/2012/01/05/1500-fragen-zur-selbstbefragung-aus-diesem-blog/

schreibidee (276)

das leben ist kein kindergeburtstag. es geht um den eigenen platz, um die frage, wie man ihn findet, um geld, um macht und vor allen dingen darum, immer wieder zu gewinnen in den konkurrenzen und auseinandersetzungen. nun gut, man kann das auch anders sehen, sein leben anders einrichen und gestalten. aber das ist nicht unbedingt üblich. darum doch einmal die volle niederlage in der schreibanregung zu einer „verlierer-geschichte„.

also dann doch ein blick auf das gewinnen und verlieren. alle schreibgruppenteilnehmerInnen notieren sich drei situationen aus dem alltag, in denen es für menschen um das gewinnen und verlieren gehen kann. dabei werden kleine abläufe mit dem ausgang (gewonnen oder verloren) auf jeweils maximal einer seite notiert. diese kurzen lebenssituationen werden in der schreibgruppe vorgelesen.

anschließend erstellen alle schreibenden ein cluster zu dem satz „was man verlieren kann“. anschließend wählen sie einen verlust aus und schreiben eine kurze geschichte darüber. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgestellt. es wird sich sicherlich dabei herausstellen, dass die teilnehmerInnen öfter eine wendung in die geschichten einbauen, in denen aus dem verlust wieder ein gewinn entsteht oder ein lernprozess. der „gute“ mensch möchte gern den verlust so klein wie möglich halten, auch wenn er ihn beschreibt.

doch im anschluss soll die ganze trostlosigkeit sichtbar werden. es wird eine geschichte darüber geschrieben, wie man die hoffnung verliert und nichts mehr geht. dazu kann entweder das cluster herangezogen werden, die verlierer-beispiele aus dem alltag oder die vorherige geschichte kann wieder aufgegriffen werden. die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, eine geschichte zu verfassen, die bis zum schluss ausweg- und hoffnungslos verläuft. nichts soll beschönigt oder gewendet werden. die schreibenden müssen aushalten, dass ihr protagonist, ihre protagonistin leidet. die geschichten werden anschließend vorgetragen und es wird eine feedbackrunde durchgeführt. beim feedback geht es unter anderem darum, wie treffend die hoffnungs- und ausweglosigkeit beschrieben wurde.

um nach der schreibgruppe nicht in depressionen zu verfallen, werden anschließend noch kurze wendungen der vorgetragenen geschichten geschrieben, die das ruder herumreissen. diese kleinen trostpflaster werden zum abschluss vorgetragen.

selbstbefragung (103) – suche

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „suche„.

  • nach was suchen sie schon die ganze zeit? beschreiben sie.
  • welche der suchen in ihrem leben war erfolglos?
  • was haben sie in letzter zeit gefunden?
  • warum suchen sie eigentlich nach etwas?
  • was machen sie, wenn sie etwas suchen? beschreiben sie.
  • was haben sie im laufe ihres leben verloren, obwohl es ihnen sehr wichtig war (menschen, dinge, …)?
  • verbindet sie etwas mit anderen suchenden menschen? warum?
  • haben sie schon einmal glück gefunden? wo?
  • was können sie zu ihrer partnerInnensuche sagen?
  • was verstecken sie vor anderen? mal ganz ehrlich 😉

selbstbefragung (65) – abschied

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um den „abschied„.

  • von wem haben sie sich zuletzt intensiv verabschiedet? beschreiben sie?
  • wie leicht oder schwer fallen ihnen abschiede? worin unterscheiden sie sich?
  • von wem oder was haben sie sich im laufe ihres lebens gern verabschiedet?
  • welcher abschied fiel ihnen am schwersten? warum?
  • wie verabschieden sie sich von menschen, die ihnen nahe stehen? beschreiben sie.
  • welchen menschen, der sich von ihnen verabschiedet hat, würden sie gern wiedersehen? warum tun sie es nicht?
  • ihr dramatischster abschied?
  • was machen sie, wenn sie nach dem abschied allein sind, am liebsten?
  • von welchen menschen oder situationen wollten sie sich in ihrem leben nie verabschieden, hätten gern die zeit angehalten?
  • wie erlebten sie berufliche abschiede (schule, uni, job…)? stellten diese für sie einen neuanfang oder einen verlust dar?

schreibidee (163)

der mensch ist sehr auf seine körperteile angewiesen. fällt ein körperteil aus, verschwindet oder wird beschädigt, kann schnell anderes schwer beeinträchtigt werden. darum sind wir alle bemüht, möglichst sorgsam mit unserem körper umzugehen, damit er keine größeren schäden davonträgt. doch es soll hier in der schreibidee nicht um verletzungen gehen, sondern ausschließlich um den spontanen verlust eines körperteils. daraus sollen dann „körperteil-verlust-texte“ entstehen.

als einstieg wählen sich die teilnehmerInnen der schreibgruppe drei körperteile aus, die sie beschreiben möchte. es bleibt allen überlassen, welche dies sein könnten. es kann sich dabei um die nase handeln, das herz, die lunge, ein auge, ein finger oder eben andere teile. diese eigenen bestandteile sollen nun auf einer halben seite so poetisch umschrieben werden, dass dabei der eigentliche name nicht auftaucht. anschließend werden die beschreibungen vorgelesen und die schreibgruppe versucht zu erraten, um welchen körperteil es sich handelt.

durch die beschreibung des körperteils hat man sich schon gedanken über seine funktion, seinen ort oder auch seine bedeutung gemacht. nun wählen alle einen teil ihrer drei beschreibungen aus und lassen ihn verschwinden. dazu wird ein cluster erstellt, in das mittig die aussage „körperteil xy fehlt“ notiert wird. nachdem das cluster erstellt wurde wählt man aus den assoziationen und ideen etwas für eine geschichte aus.

zum abschluss werden die geschichten geschrieben. dabei kann es sich zum beispiel um eine story handeln, in der plötzlich die lippen eines menschen verschwanden und er im laufe der zeit feststellt, was dies bedeutet. oder aber man versetzt sich in die lage eines menschen, der sein herz verlor. die geschichten müssen nicht einer medizinischen realität genügen. alle teilnehmerInnen stellen ihre geschichten in der schreibgruppe vor und erhalten ein feedback.

schnickschnack (68)

die finanzkrise kann zur mentalen krise werden. das ist kein scherz, sondern eine tatsache, zumindest laut einer us-behörde. aufgefunden hat die hinweise dazu mal wieder die süddeutsche zeitung von heute, s.15. wichtig ist, dass der mensch gesund bleibt. wenig wird darüber diskutiert, dass allein die arbeitsbedingungen an den börsen der welt und bei den brokern der finanzen alles andere als gesund waren oder gesund sind. hier wird nicht nach den stressfaktoren gefragt, sondern nach der rendite.

anders geht man nun mit den „opfern“ der finanzkrise um. die „substance abuse & mental health services administration“ (samhsa) der usa stellte tipps ins netz, wie man folgeerkrankungen und psychische störungen aufgrund von besitztumsschwankungen feststellen kann. es ist eine ernst angelegenheit, wenn jemand seinen gesamten besitz verliert. garantiert auch ein traumatisches erlebnis. die stressoren nehmen auch im vorfeld meist schon zu, wenn die aktienkurse nach unten rasseln und nicht wenig spielen mit suizidgedanken. ärgerlich ist einzig, dass erst in der finanzkrise hilfestellung geleistet wird (siehe http://www.samhsa.gov/economy ).

schon im vorfeld wären hinweise zum börsenhandel an sich sinnvoll gewesen. denn das spekulieren mit aktien unterscheidet sich nicht groß von der spielsucht. lotterieanbieter müssen inzwischen auf diese spielsucht hinweisen, börsenspekulanten nicht. auch der verlust des arbeitsplatzes in kapitalistischen gesellschaften bedrohte schon immer die menschen in ihrer existenz, auch wenn nicht so viel geld auf dem spiel stand. doch hat jemand damals jemals auf die mentalen folgen aufmerksam gemacht? depressionen sind schon lang die folge von leistungsgesellschaften, erstaunlich, dass dies erst jetzt wahrgenommen wird. ob es vielleicht daran liegt, dass die betroffenen in einer gesellschaftsschicht zu finden sind, die bis vor kurzem glaubte unverletzlich zu sein?