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biografisches schreiben und ängste

eine den menschen stark beeinflussende emotion ist die angst. sie spielt in vielen lebenszusammenhängen, ob bewusst oder unbewusst eine große rolle. viele der menschlichen handlungen basieren auf ängsten, indem sie zu ausweichhandlungen, zu vermeidungen oder zu gegenreaktionen führen. so scheint es angeraten, einmal einen blick auf die eigenen ängste zu werfen.

dies kann in der kindheit beginnen, indem man einmal überlegt, wann man das erste mal bewusst richtig angst hatte. wurde einem dabei geholfen, fühlte man sich als kind allein gelassen oder fand man damals schon eine lösung der angst zu begegnen? wieweit haben eltern in ihrer erziehung ängste geschürt oder reduziert? der gelernte umgang mit der angst trägt sich oft weiter in das spätere leben.

traumatische erfahrungen können natürlich die ängste verstärken. erst einmal ist angst nichts negatives, da sie die grundlage von selbstschutz und körperlicher unversehrtheit bilden kann. doch ebenso hinderlich kann sich angst manifestieren, indem sie einen hindert, den eigenen lebensvorstellungen zu folgen, sich einzuschränken oder entwicklungen zu verhindern. es ist nicht leicht, einen blick auf die eigenen ängste zu werfen, sichtbar werden für einen aber sowieso nur die bewussten. es geht auch nicht darum, sie noch einmal zu durchleben, sondern beim betrachten der eigenen lebensgeschichte, sich zu fragen, wie weit ängste die eigene geschichte beeinflussten.

es gibt noch viele andere einflüsse auf die eigene biografie, jedoch sind ängste eine starke triebfeder. deshalb kann es zusätzlich von interesse sein, einen blick darauf zu werfen, inwieweit die eigenen ängste sich verändert haben, wie der eigene umgang mit ihnen sich gewandelt hat, ob man manche existierende angst bewältigen konnte und auch inwieweit man sich wegen seiner ängste selbst geschützt hat. parallel zur eigenen biografie ließes sich so eine eigenen kleine angstbiografie verfassen und in die große lebensgeschichte einflechten.

kreatives schreiben und putzen

viele menschen, die gern für sich schreiben möchten oder schreiben müssen, kennen die situation, ausweichhandlungen vorzunehmen. eine der beliebtesten strategien ist es, die wohnung aufzuräumen und von oben bis unten zu putzen. just in dem moment, in dem sie sich an den schreibtisch setzen wollen, fällt auf, dass noch geschirr gespült werden müsste, das eine fenster so dreckig erscheint und das sonnenlicht nur noch gedämpft hereinlässt und dass es längst mal wieder an der zeit wäre, den zeitungsstapel auszusortieren. so sind dann im anschluss die wohnung tiptop aus, aber es wurde keine zeile geschrieben.

aber vielleicht kann man sich ja überlisten. einfach das putzen zum thema des schreibens zu machen. man kann zum beispiel in dem moment, in dem man anfängen möchte das geschirr zu spülen, ein freewriting zum thema geschirrspülen durchführen. oder man notiert sich akribisch, wie man beim geschirrspülen, wenn man keine spülmaschine hat, vorgeht. die mit spülmaschine beschreiben, wie sie sie einräumen, wie sie einzelne töpfe von hand spülen und was bei den einstellungen der spülmaschine zu beachten ist.

man kann dann noch einen schritt weitergehen und sich fragen, welche funktion putzen überhaupt hat. was es bedeutet, dreck zu produzieren und dann wieder zu beseitigen. in diesem moment kann man ins philosophische schreiben wechseln. oder man geht ein wenig psychologischer an die sache ran. man kann sich fragen, wie denn ein emotionaler frühjahrsputz bei einem selber aussehen könnte. was sollte endlich einmal aussortiert werden an persönlichen belastungen und was müsste aufpoliert werden, um sich wohler zu fühlen?

es kann dann noch eine kleine geschichte zum leben in bakterienkolonien verfasst werden, man kann sich fragen, wieweit man ohne die üblichen reinigungsmittel klar käme oder wie sinnvoll man die gesellschaftlichen reinigungsrituale findet. das ergebnis: eine etwas schmutzigere wohnung, aber endlich wieder geschrieben eigene texte.