Schlagwort-Archive: verpartnerung

biografisches schreiben und partnerschaft

viele äußere umstände zum biografischen schreiben habe ich hier schon aufgezählt. doch einer der wichtigsten aspekte ist bisher unter den tisch gefallen. die eine, jedenfalls für viele menschen, wichtige und das halbe leben umfassende partnerschaft. ob nun durch hochzeit oder inzwischen verpartnerung besiegelt, die intensive konzentration zweier menschen aufeinander hat natürlich auswirkungen auf die eigene lebensgeschichte.

gut, vielen menschen geht es inzwischen so, dass es doch nicht bei der einen beziehung bis zur goldenen hochzeit bleibt. woran das liegt, ist schwer zu klären. aber das spielt auch erst einmal keine rolle beim biografischen schreiben. wichtiger ist die betrachtung, wieweit langjährige beziehungen die eigene lebensgeschichte beeinflussen. sind kinder geboren worden? hat jemand dafür seinen job aufgegeben? oder lernte man durch den / die partnerIn ganz neue aspekte des lebens kennen, sowohl im guten, als auch im schlechten?

wirklich interessant könnte es sein, wenn ein paar zusammen seine biografie verfasst. getrennte vorgeschichten und dann zwei blicke auf ein gemeinsames leben. wo liegen die gemeinsamkeiten, wo gibt es unterschiedliche bewertungen, verschiedenes erleben?

oder ein anderer aspekt: langjährige beziehungen benötigen auch beziehungsarbeit, wie sah und sieht diese aus? wo musste man kompromisse schließen und wo fanden sich die gemeinsamkeiten? das erscheint jetzt erst einmal nicht so wichtig für die eigene lebensgeschichte, sind doch zumindest nach außen ganz andere dinge in biografien relevant. doch die eigene entwicklung verläuft generell durch den einfluss von außen. und wenn zwei menschen sich über jahre aufeinander einstellen und sich aneinander ausrichten, haben die partnerInnen einen großen einfluss auf die eigene entwicklung. auch hier lässt sich wieder eine zeitschiene aufzeichnen und mit gemeinsamen erlebnissen, krisen und höhepunkten beschriften, um sich einen überblick über das gemeinsame leben zu verschaffen. wenn dies dann in den gesamtkontext der biografie einfließt, kann man eventuell feststellen, wie wichtig die partnerInnen für das eigene leben waren. und man bestätigt mal wieder, dass der mensch an sich ein soziales wesen ist.

Werbeanzeigen

ein teil der schwulen ist in der mitte der gesellschaft angekommen

das magazin der süddeutschen zeitung stellt heute die nicht ganz unberechtigte frage, wer spießiger sei, der schwule, der inzwischen gesellschaftlich integriert und gut positioniert ist oder der heterosexuelle mensch. zumindest ist seit der möglichkeit der „verpartnerung“, auch homo-ehe genannt, der trend zu verzeichnen, dass etliche homosexuelle männer sehr bemüht sind, das bessere heterosexuelle paar abzugeben. ein ganz amüsanter artikel, der zumindest eine entwicklung im „männerheft“ des sz-magazins aufs korn nimmt.
beim blick hinter die kulissen der lebenswelten homosexueller männer fällt aber auf, dass der artikel nur einen geringen teil der schwulen lebensweisen streift. nur ein kleiner teil ist in der „fragwürdigen“ mitte der gesellschaft angekommen. die krux besteht jedoch darin, dass dieser kleine teil vor allen dingen die meinungsführerschaft für die homosexuellen männer beansprucht und somit auch hauptsächlich von der gesellschaft wahrgenommen wird. außerdem ist dazu zu bemerken, dass die gesellschaft froh erscheint, endlich auf „normale“, soll heißen „spießige“ schwule zu treffen, die die grundfesten nicht so in frage stellen. so muss man sich auch nicht weiter mit anderen lebenskonzepten auseinandersetzen. zudem ist es natürlich schön, dass homos akzeptieren vor dem gesetz als nicht gleich eingestuft zu werden, auch wenn mancher protest erfolgt.
aber das recht, sein leben so einzurichten, wie man möchte, hat jeder. dafür hat man sich zur genüge eingesetzt. das eigentliche problem bleibt die verschiebung der gesellschaftlichen wahrnehmung. aber das wussten wir schon, bevor die homoehe eingeführt wurde, es war absehbar, dass der schritt vom straight-acting zum straight-wedding gehen würde. der artikel des sz-magazins ist zu finden unter:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/26376