Schlagwort-Archive: vertrauen

schreibpädagogik und verwandlung

schreibgruppen wandeln sich, wie andere gruppen auch, beständig. die klassischen phasen der gruppendynamischen entwicklung lassen sich bei ihnen ebenso nachvollziehen. doch mir geht hier um die besonderheiten der verwandlung einer schreibgruppe. wie zu erwarten hat dies mit der entwicklung der teilnehmerInnen zu tun.

nach der phase des kennenlernens gibt es in schreibgruppen meist noch eine recht große zurückhaltung, den anderen teilnehmerInnen eigene texte zur verfügung zu stellen. es ist für alle mitglieder einer schreibgruppe ein großer vertrauensvorschuss gegenüber den anderen, eigene geschichten zur diskussion zu stellen. denn in jeden schreibprozess fließen auch persönliche anteile ein und man möchte, dass mit der eigenen veröffentlichung angemessen umgegangen wird. als schreibgruppenleitung kann man diesen prozess steuern, indem man vom ersten moment an feedbackregeln mit den teilnehmerInnen festlegt. auf diese regeln können sich alle verlassen.

im laufe der zeit hilft dieser abgesicherte modus beim schritt in die öffentlichkeit. es ist meist zu beobachten, dass nach anfänglicher zurückhaltung, die eigenen texte vorzutragen, alle das bedürfnis verspüren, rückmeldungen zu ihren texten zu erhalten. hat einmal bei einer feedbackrunde jemand den anfang gemacht, reihen sich meist die teilnehmerInnen willkürlich aneinander. und, was mir an dieser verwandlung am wichtigsten ist, es verursacht weder probleme noch diskussionen, wenn einzelne teilnehmerInnen einzelne texte nicht vorstellen wollen. ohne feedbackregeln kommt es eher zu situationen, in denen einzelne teilnehmerInnen gedrängt werden, ihre texte zu verfügung zu stellen. hier sollte man als gruppenleitung auf die verwandlung der gruppe vertrauen.

für die veränderung des gruppenverhaltens förderlich ist auch die kleingruppenarbeit. diese ermöglicht eine diskussion, überarbeitung und Weiterlesen

Advertisements

schreibidee (344)

eine haltung zeichnet unsere gesellschaften heute besonders aus: die einen nennen es „verlorenes vertrauen“ (in demokratien, industrien, nahrungsmittel …), andere nennen es „misstrauen gegenüber“ (wahrheiten, parteien, obrigkeiten …). grund für diese haltung scheint vor allen dingen eines zu sein, die ablehnung von intrigantem verhalten, denn es führt menschen vor, ist ein machtspiel und wird meist zu spät bemerkt. um auf der höhe der zeit zu sein, dieses mal eine schreibanregung zu „intriganten geschichten“.

zwei vorbereitende übungen sollten von der schreibgruppe durchgeführt werden. zum einen sollten alle teilnehmerInnen die drei intrigantesten momente ihres lebens notieren. auf maximal einer seite sollte die situation beschrieben werden und die fragen, wann man es bemerkte und wie weit man der intrige aufgesessen ist, beantworten. diese texte werden nicht veröffentlicht. zum anderen wird danach von der gruppe am flipchart gesammelt, was zu einer guten intrige gehört.

aufgrund der eigenen erlebnisse und der zutaten-sammlung, entwerfen nun alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine intrige. dies kann mit hilfe eines clusters geschehen oder es wird ein schaubild der beteiligten personen und der ereignisse gezeichnet. denn eine gute intrige zeichnet sich durch ihre verstrickungen und ihre geplante abfolge von handlungen aus. berühmte intrigantInnen waren meist sehr ausgefuchst und überließen kaum etwas dem zufall. denn intrigen sind dann effektiv, wenn die unbeteiligten beteiligten erst spät merken, dass sie ihnen aufgesessen sind. es muss also das heute herrschende große misstrauen überwunden werden und aus den intrigierten vertraute machen.

die konzepte der intrigen werden in der schreibgruppe vorgestellt. nun kann die gruppe eine rückmeldung geben, für wie effektiv sie diese intrige halten und eventuell noch ein paar ideen beisteuern, wie man die wirkung steigern könnte. anschließend verfassen alle schreibenden ihre intrigante geschichte. dies dauert, um den verstrickten plot aufzubauen, sicherlich etwas länger. darum findet dieses mal keine weitere schreibübung statt. in den geschichten sollte auch die wirkung der intrige dargestellt werden. wie sieht der effekt aus? wie erging es den menschen, die der intrige aufsaßen?

zum abschluss werden die intriganten geschichten vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

schreibberatung und nähe

wie in allen beratungssettings kann zwischen beraterInnen und ratsuchenden eine persönliche nähe entstehen. diese macht teilweise beratung erst möglich, also kombiniert das einfühlungsvermögen der beraterInnen mit dem vertrauensvorschuss durch die klientInnen und löst einen effekt, eine veränderung aus. auf der anderen seite verschwimmen manchmal vor allen dingen für ratsuchende, aber auch für beraterInnen die grenzen zwischen profession und privatem.

bei der schreibberatung kann dies zum beispiel durch die entstandenen oder mitgebrachten texte geschehen. oder es ist die große erleichterung, die sich bei ratsuchenden einstellt, wenn sie bemerken, dass ihre schreibprobleme und schreibkrisen überwunden werden können. in diesen momenten sind die beraterInnen gefragt, die distanz zu wahren. einer der besten schutzmechanismen ist die supervision, die selbstreflexion über beratungen mit hilfe eines anderen menschen. denn die verschränkung von preisgegebenen texten, unterstützung bei problemen und empathie kann manchmal in emotionale verstrickungen führen, die man selber gar nicht sieht.

so schmeichelt den beratenden die dankbarkeit der klientInnen und gleichzeitig entsteht manchmal eine form von bewunderung durch die ratsuchenden dem ratgebenden gegenüber. die klientInnen verlieren aus den augen, dass es sich um eine erlernte profession handelt, mit der sie konfrontiert sind, und nicht um einen menschen, der alle lebenslagen im griff hat. auch schreibberaterInnen können eigene probleme mit dem schreiben haben, können an persönlichen schwierigkeiten knappsen. und doch machen sie eine gute arbeit.

dies klappt immer dann gut, wenn bei beratungen auch eine distanz zur eigenen person eingenommen wird. man konzentriert sich auf die fragestellungen anderer und stellt die eigenen bedürfnisse für diesen zeitraum beiseite. natürlich kommt es so oder so zu zwischenmenschlichen interaktionen. und es wäre gelogen, wenn man nicht manche klientInnen sympathischer findet als andere. auch beraterInnen sind subjekte mit emotionen, die man nie vollständig abschalten kann (dessen sollte man sich auch bewusst sein). aber ich kann mich zu meinen gefühlen Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (09)

emotionen

in diesem abschnitt der betrachtungen zum computer, komme ich dem titel der reihe besonders nahe: „mein computer und ich“ signalisiert schon einen bezug, der über die nutzung eines werkzeugs oder eines dings hinausgeht. so wie es scheint, entsteht ein emotionaler bezug zu dem werkzeug des schreibens, surfens und kommunizierens.

ein grund mag in der multimedialität des computers liegen. er ist inzwischen die schaltstelle vieler lebensbereiche und deckt etliche werkzeuge gleichzeitig ab. verschwindet ein computer (also fällt der strom aus oder gibt die festplatte den geist auf), scheint dies schlimmer zu sein, als der ausfall des kühlschranks.

und noch eine tatsache macht den kontakt zum computer so emotional, ja beinahe menschlich: der computer deckt viele bereiche unserer sozialen interaktion ab. wie die geschichte von kaspar hauser zeigte, benötigen wir diese interaktion zum überleben. neben der direkten, realen kommunikation machte die einführung des internets ein weiteres virtuelles feld der kontakte auf, das inzwischen zum alltag gehört und in das sich vieles aus der realen welt verlagert.

ein letzter aspekt der emotionen ist die undurchschaubarkeit der rechenprozesse im hintergrund. schon der bildschirm eines computers, die nutzeroberfläche suggeriert einen schreibtisch, aktenordner oder ein blatt papier. auch ohne internet bewege ich mich in einer virtuellen welt, die der computer generiert. ich arbeite an der oberfläche im wahrsten sinne des wortes und nicht direkt mit der festplatte, in die ich informationen kratze oder mit kleinen schaltern, die ich an und aus schalte. diese distanz zwischen werkzeug und benutzer erhöht das gefühl von ohnmacht, wenn etwas geschieht, das ich nicht steuern kann und das ich nicht wollte.

und so muss die maschine als stellvertreter für kollegInnen, für mitmenschen und teils für beziehungspartner herhalten. dabei kann es dann zu ähnlichen konflikten kommen, wie sie im realen leben auch stattfinden. es ist schwer sich dieser vorstellung zu entziehen und es wird immer schwerer, je mehr tätigkeiten computer übernehmen können.

wird zum beispiel der haushalt zu großen teilen vom computer gesteuert (ein ziel vieler neuer entwicklungen) und der computer ist für die müllentsorgung zuständig, erledigt das aber nicht korrekt, dann bekommt er die rolle anderer menschen, die nie den müll rausbringen. sich in diesem moment zurückzunehmen und sich zu sagen, dass die maschine einen defekt hat, also einfach nur repariert werden muss, fällt sichtlich schwer. denn es sind alltäglichkeiten, die Weiterlesen

schreibberatung und kuschelig

nein, schreibberatungen sind nicht dafür gedacht, zu kuscheln. aber schriftlich kann zum beispiel, wie man in sozialen netzwerken lernen kann, gegruschelt werden. doch darum geht es in diesem post auch nur in zweiter linie. wichtiger scheint mir, noch einmal darauf einzugehen, wie die atmosphäre während einer schreibberatung sein sollte.

in erster linie vertrauensvoll. das bedeutet, die klientInnen können den schreibberaterInnen vertrauen. solch eine atmosphäre lässt sich durch verschiedene voraussetzungen herbei führen:

  • die schreibberatung sollte ungestört stattfinden können, es gibt kein telefon- oder handy-klingeln, kein klopfen, keinen lärm, keine anderen störungen.
  • die schreibberatung sollte der schweigepflicht unterliegen. auch wenn es keine rechtlichen vorgaben für schreibberatungen gibt, ist doch eine selbstverpflichtung der beraterInnen selbstverständlich. denn offizielle schreibschwierigkeiten können in vielen beruflichen zusammenhängen zu ernsthaften problemen führen.
  • die schreibberatung sollte in einer empathischen atmosphäre stattfinden (hier kommt man dem kuscheligen schon näher). die klientInnen fühlen sich also mit ihren schwierigkeiten angenommen und ernst genommen. hier bedingen sich voraussetzungen gegenseitig: pünktlichkeit, ungestörtheit und schweigepflicht unterstützen das gefühl, ernst genommen zu werden.
  • die schreibberatung sollte in räumen stattfinden, die als angenehm empfunden werden. jemand, der sich in einer ernsthaften krise befindet, nimmt bei der beratung zwar kaum das umfeld wahr, doch unterschwellig spielt es schon eine rolle, ob man gut sitzt, platz für notizen und für das schreiben hat oder die zimmertemperatur als angenehm empfunden wird. in diesem moment sind wir ganz nah beim thema „kuschelig“.
  • die schreibberatung sollte aber nicht Weiterlesen

kreatives schreiben und verzeihen

„stoff“ für geschichten sind gern die beziehungskisten. dabei scheinen weniger die ruhigen, alltäglichen und vertrauensvollen beziehungen für leserInnen interessant zu sein. nein, es sind die kämpfe und krämpfe, die erst so richtig stimmung in das geschriebene bringen. einen hauch dramatik mit einem schuss romantik und alle sind zufrieden.

die dramen gibt es in abstufungen, von großer katastrophe und extremen äußeren widrigkeiten, die gewillt sind, die beziehungen zu zerstören, bis zu den kleinen nervereien, die sich ansammeln und sich irgendwann angehäuft bahn brechen. der klassiker in geschichten ist der verlust des vertrauens bis zur angedeuteten trennung. letztendlich gibt es dann nur noch zwei möglichkeiten. die eine besteht in der endgültigen trennung, die andere in einem neuen versuch, wieder aufeinander zu zu gehen.

doch dies ist leichter gesagt und getan, weshalb sich viele filme und geschichten um die unbeholfenen versuche einer erneuten annäherung drehen. es geht in diesem moment darum, dass sich partnerInnen die gegenseitigen verletzungen verzeihen können und in diesen momenten nicht gleich wieder neue hinzufügen. in realen beziehungen klappt das mit dem verzeihen oft ganz gut (wenn es sich nicht um zig wiederholungstaten handelt), in der literatur und in filmen eher schlecht.

denn würde wirklich in den kreativen stories verziehen werden, dann rutscht die geschichte gern ins kitschige. es ist ein phänomen, dass beim lesen die überzeichnung des geschehenen die geschichte erst interessant macht und sie realistisch erscheint. das reale im kreativen schreiben aufzugreifen und umzusetzen, scheint dagegen seltsam Weiterlesen

liste (64) – eifersucht

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „eifersucht„.

situationen in meinem leben, in denen ich am eifersüchtigsten war:

meine häufigsten reaktionen, wenn ich eifersüchtig bin:

das macht mich am schnellsten eifersüchtig:

wenn eifersucht „besitzdenken“ ist, dann wollte ich vor allem diese menschen besitzen:

die häufigsten vorgehensweisen, um meine eifersucht zu überwinden:

biografisches schreiben und fühlen

wie gut ist mein gespür gegenüber menschen und situationen? auf diesen nenner lassen sich wahrscheinlich gedanken zum biografischen schreiben und fühlen bringen. es soll nicht darum gehen, ob man selber emotional ist und gefühle zulassen kann. diese frage stellt sich in einzelsituationen immer wieder. aber wie sieht es mit dem fühlen an sich aus?

spürte man zum beispiel die stimmungen von mitmenschen und konnte man sie treffend einordnen? das meint nicht die vorstellung, dass man auf menschen zugeht und ihnen sagt: „ich weiß genau wie es dir geht, ich spüre das!“. das würden sich zwar viele paare in ihrer beziehung wünschen, endet aber immer in einem ungerichteten „deuten“ von stimmungen, das zu fünfzig prozent falsch sein kann.

es geht eher darum, wie man auf andere menschen zugeht. natürlich bilden sich normalerweise erste eindrücke. ob sie treffend sind, lässt sich nur durch kommunikation klären. aber schaffte man es dann auch in dem kontakt zu anderen menschen (ganz gleich, ob im beruf oder im privatleben), mit ihnen mitfühlen zu können, empathie zu entwickeln und eine angenehme ebene der kommunikation zu finden? man kann das „fühlen“ auch als einen bestandteil sozialer kompetenz betrachten.

beim biografischen schreiben kann man also einen blick darauf werfen, wie man mit anderen menschen in kontakt gekommen ist, und wie weit man sich dabei auf seine gefühle verlassen konnte. denn es ist nicht selten, dass menschen im laufe ihres lebens verlernt oder gelernt haben, ihren eigenen gefühlen zu trauen. auch in die andere richtung kann man einen blick darauf werfen: bei welchen menschen hatte man das gefühl, dass sie einen so gut kennen, dass man sich auf ihr fühlen verlassen konnte, sie einem also auch hilfreiche rückmeldungen geben konnten, wie man auf sie wirkt?

mit diesem fühlen und spüren ist ein gefühl von aufgehobenheit eng verknüpft. wann haben einem andere menschen zurückgemeldet, dass sie sich bei einem aufgehoben fühlen? und wann hat man anderen zurückgemeldet, dass man sich bei ihnen aufgehoben fühlt? das hat viel mit vertrauen zu tun, und vertrauen basiert Weiterlesen

schreibberatung und fühlen

wie bei jeder beratung, spielt auch bei der schreibberatung der vertrauensvorschuss eine große rolle. dessen sollten sich die beraterInnen bewusst sein: klientInnen oder ratsuchende bringen einem, dadurch dass sie einen mit den subjektiven problematiken aufsuchen und davon berichten, viel vertrauen entgegen. dies wird normalerweise nicht offen formuliert, hat aber einfluss auf das setting.

im gegenzug bemühen sich beraterInnen eine vertrauensfördernde und sicherheit vermittelnde atmosphäre zu schaffen. dies hängt eng mit dem versuch, sich in die situation der ratsuchenden zu versetzen, zusammen. die psychologie verwendet dafür den begriff „empathie“. empathie ist schwer in eine definition zu packen, hat aber mit der erlernten fähigkeit, sich verstärkt auf den anderen menschen einzulassen, zu tun. dies bedeutet, „mitfühlen zu können“.

dabei sollten beraterInnen sich bewusst sein, dass sie nie vollständig die beweggründe der klientInnen nachvollziehen können. selbst wenn sie beinahe identische situationen erlebt haben, bleiben die erfahrungen und das erleben doch immer ein subjektiver prozess. denn der mensch stellt seine erlebnisse in einen persönlichen kontext, der mit früheren erfahrungen in verbindung gebracht wird.

darum finden auch bei schreibberatungen aus sicht der beraterInnen zwei prozesse gleichzeitig statt: zum einen versucht man zu erspüren, wie die befindlichkeit der klientInnen im moment der beratung ist. zum anderen versucht man die emotionen durch nachfragen einzugrenzen und sich ein bild zu machen. dies ermöglicht es einem, eine angenehme und vertrauensvolle atmosphäre zu schaffen, die dem vertrauensvorschuss der klientInnen entgegenkommt.

die fähigkeit, empathie zu entwickeln, wird oft als begabung beschrieben. ich bin der meinung, dass es ein lernprozess ist, den jede(r) nachvollziehen kann. letztendlich geht es darum zu lernen, die ratsuchenden nicht zu deuten, Weiterlesen

web 2.0 und vertrauen

vertrauen in der virtuellen welt ist eine äußerst komplizierte angelegenheit. der grund ist einfach: die welt ist virtuell, sie ist nicht real, sie ist halbanonym, sie ist distanziert, sie ist verführerisch. so schwanken menschen häufig zwischen den zwei extremen, alles von sich preiszugeben (also einen enormen vertrauensvorschuss zu geben) oder gar nicht preiszugeben (also pures misstrauen zu empfinden).

gerade den vertrauensvorschuss, den man dem web und den sozialen netzwerken geben möchte, sollte man nicht ungeprüft zur verfügung stellen. es macht sinn, bevor man im netz etwas veröffentlicht, sich zu überlegen, was das schlimmste sein kann, das einem aufgrund des geschriebenen passieren kann. denn es gibt sie, die menschen, die nichts anderes suchen, als einen ausrutscher, als private und intime daten, um all dies gegen einen zu wenden. das muss nicht sein, viele kommunikationen und veröffentlichungen gehen gut. es kann aber sein.

doch man tut sich keinen gefallen, die angebote des netzes überhaupt nicht zu nutzen. abgesehen davon, dass sich viele berufliche tätigkeiten und angebote nur noch über das internet und web 2.0 erledigen lassen, ist auch die reichhaltigkeit des internets eine chance. gut, fragwürdig bleibt es, welchen vorteil es haben sollte, dass einen menschen in sozialen netzwerken zu freunden erklären, obwohl man sie nicht kennt. hier entsteht ein skurriler wettbewerb. aber die kommunikation mit menschen, die ähnliche interessen haben, wie man selber, das kann sehr bereichernd für das eigene leben sein.

der „longtail“ des netzes ermöglicht es, auch in interessens-nischen gleichgesinnte zu finden. wozu man früher telefonieren oder weite reisen benötigte, dafür genügt heute die anmeldung im internet. suchmaschinen bieten einem immer schneller die passenden ergebnisse. doch selbst solche interessensgruppen müssen geprüft werden. Weiterlesen

schreibpädagogik und vertrauen

vertrauen spielt in der schreibpädagogik, damit in schreibgruppen und vor allen dingen in gruppendynamiken eine große rolle. zuerst einmal müssen schreibgruppenteilnehmerInnen in gewisser weise der gruppenleitung vertrauen. würden sie dies nicht tun, ließen sie sich nicht auf die schreibanregungen und -vorgaben ein. eine angeleitete gruppe kann ohne einen gewissen vertrauensvorschuss durch die teilnehmerInnen nicht funktionieren. aber das ist in jeder gruppe so. spannender scheint mir in diesem zusammenhang das vertrauen in gruppendynamischen prozessen.

viele selbsthilfe- oder freizeitgruppen finden sich zusammen, ohne dass die teilnehmerInnen sich im vorfeld kennen. es ist für jeden ein wagnis, mit einer gruppe von menschen zusammenzuarbeiten, denen man noch nie begegnet ist. darum wird als einstieg bei ersten gruppentreffen gern ein kennenlernspiel durchgeführt, natürlich auch bei schreibgruppen. heikler wird die frage des vertrauens aber schnell bei der frage, ob jemand seinen text, seine geschichte vortragen möchte. davon ausgehend, dass in jedes schriftliche ergebnis auch ein persönlicher anteil einfließt, geraten schreibgruppenteilnehmerInnen ins schwanken, wie viel sie wie schnell von sich preisgeben möchten.

der effekt besteht darin, dass zu beginn einer neuen schreibgruppe die texte mit vorsicht und mit denken an die hörerInnen verfasst werden. das vertrauen, sehr persönliche texte dem feedback auszusetzen, muss sich erst entwickeln. gern beruhigen sich menschen damit, dass man ja ein gemeinsames interesse habe, nämlich zu schreiben, und darum zurückhaltung den gruppenprozess nur blockiere. es wird viel vertrauensvorschuss gegeben. doch dies leugnet, dass es menschen gibt, mit denen man sich besser versteht, und menschen, mit denen die chemie nicht stimmt. Weiterlesen

liste (29) – vertrauen

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um das „vertrauen„.

diesen menschen vertraue ich am meisten:

es gibt ein paar dinge, die mein vertrauen fördern:

diese erlebnisse haben mein vertrauen am meisten erschüttert:

in diesen punkten vertraue ich mir selbst am wenigsten:

diese aspekte gefallen mir am besten, wenn ich jemandem vertrauen kann:


kreatives schreiben und vertrauen

erst einmal erwartet man, dass vertrauen beim kreativen schreiben keine große rolle spielt. wem soll man schon vertrauen müssen, wenn man fantasievoll für sich schreibt? doch bei der anleitung von schreibgruppen fällt auf, dass teilnehmerInnen oft ihren eigenen einfällen nicht vertrauen. es gibt äußerungen wie: „mir fällt gerade gar nichts ein“, „mein kopf ist so leer“, „das klingt doch lächerlich, was ich mir da überlegt habe“, „die anderen texte werden bestimmt viel fantasievoller sein“ und dergleichen mehr.

das kreative schreiben bietet in diesem zusammenhang verschiedene möglichkeiten an. ich greife einfach meine gedanken auf und verfasse einen text zu der grundannahme, dass ich keine ideen habe oder andere viel fantasievoller sind. oder ich lege mich auf den nächstbesten gegenstand, die nächstbeste aussage, die mir begegnen, fest. ich blicke also durch den raum, fasse etwas ins auge und notiere es auf einem zettel. dann assoziiere ich zu dem gegenstand (cluster, 30-wort-assoziation, abd-darium …).
meist kann dann davon ausgegangen werden, dass ideen auftauchen werden, die einen ansprechen, die eine grundlage für eine kleine geschichte oder ein gedicht bilden.

sollte man sich öfter in der situation wiederfinden, dass man das vertrauen in sich selbst verliert, dann könnte man in der schreibgruppe anregen, dass einmal ein austausch zur ideenfindung stattfindet. wie stark fühlen die anderen sich unter druck gesetzt, „die tolle idee“ haben zu müssen. man wird feststellen, dass man mit diesem gefühl nicht allein da steht. man wird feststellen, dass auch einige andere teilnehmerInnen an ihren fähigkeiten zweifeln Weiterlesen

schreibberatung und vertrauen

schreibberatung ist in erster linie eine beratung. wie lässt sich vertrauen in beratungen herstellen? eine wichtige frage, da beratung ohne vertrauen mit großer wahrscheinlichkeit kaum erfolg und wirkung zeigen wird.

eines der grundkonzepte von beratung besteht in der vorstellung, empathie herzustellen. empathie (einfühlsamkeit, feingefühl) ist ein recht schwammiges theoretisches konstrukt. wenn man davon ausgeht, dass jeder mensch anders tickt, dann bedeutet einfühlsamkeit, ihn erst einmal in seinem anliegen ernst zu nehmen. dazu gehört, dass ich als berater, die ängste und probleme meines gegenübers nicht relativiere, sondern davon ausgehe, dass diese situation sich für diese person so anfühlt. ich bin mir als berater bewusst, dass ich die gefühlslage nie hundertprozentig nachvollziehen kann, ist sie doch subjektiv. ich kann mich ihr nur annähern.

da mag mir die beschriebene situation noch so absurd erscheinen, da mag ich noch so wenig nachvollziehen können, erst einmal leiste ich als berater einen vertrauensvorschuss den klientInnen gegenüber. ich glaube ihren aussagen. und an den punkten, an denen zweifel aufkommen, kann ich nachfragen. das ist sehr grob beschrieben, empathie.

leider geistern in beratungstheorien und -analysen vorstellungen von „schwierigen“ oder „widerständigen“ klientInnen durch das geschriebene. eine wenig hilfreiche vorstellung, da sie zur folge hat, dass die personalisierung von schwierigkeiten den blick für lösungsmöglichkeiten verstellen kann. natürlich kann es in einer beratung, auch in einer schreibberatung, passieren, dass ratsuchende den beraterInnen misstrauen. dass sie nicht alles offenlegen, hinzu erfinden und weglassen. doch es ist nicht aufgabe von beraterInnen, dies ständige zu vermuten und zu entlarven.

klientInnen stellen meist nach einer gewissen zeit fest, dass es nicht sehr hilfreich für sie ist, wenn lösungsmöglichkeiten an falschen tatsachen gemeinsam ausgearbeitet werden, da sie dann teilweise nicht greifen. doch auch dies ist ein entwicklungsprozess. ebenso wie für etliche klientInnen es vielleicht das erste mal in ihrem leben ist, zu erleben, dass ihnen jemand vertraut, sie ernst nimmt, also empathie entwickelt. Weiterlesen

selbstbefragung (87) – misstrauen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „misstrauen„.

  • vermuten sie hinter den handlungen anderer mehr als offensichtlich ist? warum?
  • vertrauen sie ihren eigenen handlungen und gedanken nicht? warum?
  • welche komplimente können sie nicht annehmen? zählen sie auf.
  • welche komplimente können sie annehmen? zählen sie auf.
  • sind sie mit ihren leistungen zufrieden? warum?
  • was könnten sie besser machen? beschreiben sie.
  • wer sagt das? warum glauben sie das?
  • wem in ihrem sozialen umfeld misstrauen sie am stärksten?
  • was weckt generell ihr misstrauen?
  • wenn sie enttäuscht wurden, was brauchen sie, um wieder vertrauen aufbauen zu können? beschreiben sie.

biografisches schreiben und vertrauen

mensch sollte sich beim aufschreiben seiner lebensgeschichte selber vertrauen. das ist eine wichtige voraussetzung. oft fällt das nicht ganz leicht, da viele im hinterkopf haben, dass sie ihre erinnerungen vielleicht zu schön oder zu schrecklich einfärben. aber das ist normal. es ist normal, dass der mensch rückblicke aus seiner aktuellen verfasstheit immer in dem blickwinkel des aktuellen zustandes betrachtet.

dies geschieht nicht nur beim biografischen schreiben, dies geschieht auch im arbeitsleben, im alltag und in allen anderen situationen. denn, und das ist ja eigentlich das schöne, man verändert sich im laufe seines lebens. alle erfahrungen, die man gemacht hat, hinterlassen spuren. man richtet sein handeln und denken ganz automatisch an den gemachten erfahrungen aus. deswegen erscheinen viele diskussion über die authentizität von erinnerungen müssig.

natürlich ist es erstrebenswert distanz zum betrug zu halten. was für einen sinn soll es machen, wenn ich in meine biografie einen berufsabschluss oder einen erfolg schreibe, den es nie gegeben hat? ich würde mir im laufe der zeit nur selber schaden. denn irgendwann schaut jemand genauer hin. und allein die anstrengung, bei vielen äußerungen genau darauf achten zu müssen, was man sagen darf und was man lieber verschweigen sollte, ist eine zu große. sicherlich, hochstapelei kann erst einmal zu erfolgen führen. doch man schaue sich die lebensgeschichten von hochstaplern an. man wird schnell feststellen, dass irgendwann, selbst wenn es nach dem tod war, aufgedeckt wurde, dass daten in der biografie nicht stimmen.

also vertraue man erst einmal seinen erinnerungen. dies entlastet ungemein beim aufschreiben der eigenen geschichte. schreibt man unter ständigem misstrauen, selbstmisstrauen, ist man eher geneigt, seine biografie ständig zu verändern. Weiterlesen

biografisches schreiben und unterschiede

das leben in seiner vielfalt sorgt dafür, dass keine lebensgeschichte eines menschen der anderen gleicht. dies macht zum einen unser leben so bunt zum anderen aber auch beinahe unergründlich. wenn zwei menschen sich begegnen, versuchen sie meist relativ schnell (wenn sie ein wenig miteinander zu tun haben wollen), herauszufinden, welche gemeinsamkeiten sie haben.

zwei menschen, die überhaupt keine gemeinsamkeiten haben, werden sich mit großer wahrscheinlichkeit nicht sehr viel zu sagen haben. denn irgendwann erreichen sie den punkt, an dem eine verständigung nicht mehr möglich ist. und so stellt es sich oft heraus, dass die lebensgeschichten zwar verschieden sind, aber doch viele ähnlichkeiten aufweisen. das macht autobiografien und biografien ja so spannend: den anderen menschen und sein leben in bezug zu sich selber setzen zu können. dabei kann die geschichte des anderen entweder beruhigend sein, nach dem motto: „sieh mal, es geht auch noch anderen so“, oder aber vorbildfunktion haben: „ich möchte mein leben auch so gestalten“.

wie schon beim kreativen schreiben und den unterschieden festgestellt, versuchen wir menschen, eine gewisse ordnung in unsere begegnungen und in unseren alltag zu bekommen. bei biografien können wir das nicht groß beeinflussen, aber wir können verbindungen herstellen und gemeinsamkeiten herausarbeiten. dies beruhigt das zusammenleben ein wenig. wir sind uns nicht völlig fremd, wenn wir uns begegnen, ja wir können uns sogar bei den anderen aufgehoben fühlen.

da gibt es zwei sprüche: „gleich und gleich gesellt sich gern“ und „man hätte gern immer das, was man selber nicht hat“. Weiterlesen

selbstbefragung (27) – zweifel

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „zweifel„.

  • sind sie ein misstrauischer mensch? beschreiben sie.
  • haben sie schon einmal das gefühl gehabt, entwicklungen zu verhindern, da sie zu viel zweifelten? begründen sie.
  • was löst bei ihnen zweifel oder misstrauen aus?
  • was ist für sie gut daran, in manchen momenten bedenken zu haben?
  • in welchen lebenszusammenhängen sind sie am misstrauischsten? zählen sie auf.
  • möchten sie mehr oder weniger zweifeln?
  • wie reagieren sie meist auf bedenken anderer in bezug auf ihre eigenen entscheidungen? beschreiben sie.
  • gibt es situationen, in denen sie nie zweifeln?
  • waren sie schon einmal verzweifelt? wann?
  • wie überwinden sie zweifel? beschreiben sie.

selbstbefragung (21) – vertrauen

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „vertrauen„.

  • was benötigen sie, um anderen menschen vertrauen zu können? zählen sie auf.
  • sie vertrauen einem menschen und stellen fest, dass er sie hintergeht, wie reagieren sie?
  • sind sie ein misstrauischer mensch? begründen sie.
  • wie wichtig ist für sie vertrauen im zusammenleben mit anderen menschen?
  • was tun sie, damit andere zu ihnen vertrauen aufbauen können?
  • haben sie in einer vertrauensvollen umgebung ab und zu das gefühl, zu viel von sich preisgegeben zu haben? warum?
  • wo hört bei ihnen vertrauen auf und fängt naivität an? oder gibt es eventuell gar keinen unterschied?
  • wem vertrauen sie in ihrem leben am meisten? benennen sie drei menschen.
  • ist der mensch des menschen wolf? begründen sie.
  • welchen gesellschaftlichen bewegungen können sie sich vertrauensvoll anschließen?

web 2.0 und soziale netzwerke

 

die menschen scheiden sich in zwei gruppen. die einen sagen zu netzwerken wie „facebook“, „studivz“ oder „xing“, dass sie iher kontakte lieber persönlich und real-kommunikativ pflegen. andere sagen, dass sie über die im web 2.0 existierenden netzwerke kontakt zu menschen bekommen, zu denen sie nie in ihrem leben kontakt bekommen hätten. vollständig vergleichbar sind reale und virtuelle netzwerke auf keinen fall. es sind unterschiedliche kommunikationsformen, die jeweils angewendet werden. und es wird deshalb eben auch verschieden kommuniziert.

beide formen haben ihre vor- und nachteile. die netzwerke im web sind sicherlich viel größer, als man sie im realen zusammensein überhaupt erleben kann. gleichzeitig besteht aber das problem im internet, dass sich die betreiber gerade stück für stück das vertrauen ihrer nutzer verspielen. gerade letzte woche änderte „facebook“ mal kurz seine nutzungsbedingungen und versuchte die hoheit über alle existierenden daten auf dauer zu sichern. unter protest wurde dies wieder zurückgenommen. „studivz“ hatte schon seine auseinandersetzung um werbemöglichkeiten und datenverwendung.

anscheinend sind datenansammlungen, die natürlich gehäuft in netzwerken vorkommen (oder bei großen arbeitgebern wie bahn und telekom), extrem verführerisch für jegliche nutzung. Weiterlesen