Schlagwort-Archive: vertreibung

biografisches schreiben und fremde

reisetagebücher sind eigentlich notizen aus der fremde, biografische notizen. reisetagebücher beschreiben meist nicht nur die die fremden landschaften, gesellschaften und gebräuche, sondern ebenso die befindlichkeit der reisenden. oder wie man heute so schön formulieren würde: was macht die reise mit mir?

das biografische schreiben kann verschiedene hintergründe haben, sich der „fremde“ anzunähern, die angenehmste ist sicherlich das reisen. als nächstes kann der freiwillige auslandsaufenthalt entweder während der ausbildung oder aus beruflichen gründen auch noch zur angenehmen seite gezählt werden.

schwieriger wird es da schon bei der „gastarbeit“ oder den wanderarbeiterInnen. denn diese bewegung in die fremde ist selten ganz freiwillig. oft spielt die eigene schlechte finanzielle situation eine rolle, in die fremde zu ziehen. im besten fall halten sich bei der gastarbeit vor- und nachteil die waage. von vorteil ist es sicherlich, wenn eine finanzielle verbesserung mit der fremde einhergeht, von nachteil bleibt es, dass diese verbesserung nur in der fremde zu finden ist.

die weiteren gründe, in die fremde zu gehen, sind negativ zu sehen: flucht, vertreibung, verfolgung, hungersnot oder andere katastrophen vertreiben einen aus dem bekannten lebenszusammenhang. das schmerzt, macht oft hilflos und erschwert den kontakt mit der fremde. die situationen beinhaltet auch, dass es oft kein zurück mehr gibt, im gegensatz zu den reisenden und studierenden. menschen landen an orten, in die sie nie wollten.

das biografische schreiben kann sowohl im rückblick auf die eigene lebensgeschichte die konfrontation mit der „fremde“ und den „fremden“ bearbeiten als auch das arrangement, das man in den situationen trifft, abbilden. so kann die fremde eben auch zur neuen heimat werden und das neue lebensumfeld sehr positiv erlebt werden. das biografische schreiben bietet zumindest etliche techniken, die eigene haltung zu Weiterlesen

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biografisches schreiben und flucht

auf der welt fliehen tag für tag millionen menschen. sie fliehen vor kriegen, vor bränden, vor umweltverschmutzung, vor armut, vor dem verhungern oder vor unwettern und ihren folgen. das bedeutet oft, alles hinter sich zu lassen, das bis dahin halt gegeben oder vertrautheit hervorgerufen hat. viele menschen versuchen dann noch einmal ganz von vorne anzufangen. mal klappt es, mal nicht.

abgesehen fliehen wahrscheinlich mindestens so viele menschen in ihrem alltag vor der realität. sie fliehen psychisch. sie verdrängen, ignorieren und übersehen das was sich vor ihnen auftut. das kann daran liegen, dass die realtität als bedrohung, als zu schön um wahr zu sein oder als emotional unerträglich erscheint. diese fluchten sind oft nicht sichtbar, die umwelt hat keine ahnung davon. aber die menschen, die der realität entfliehen spüren oft, dass sie dies tun. und doch finden sie keinen anderen weg.

das biografische schreiben bietet die möglichkeit, beide aspekte zu betrachten und für sich selber zu formulieren. die literatur bietet viele beispiel für die körperlichen und geistigen fluchten. es kann etwas beruhigendes und befreiendes haben, seine erlebte, durchlebte oder gerade stattfindende flucht zu beschreiben. war es eine bewusste entscheidung zu fliehen? wurde man vertrieben? kündigte die flucht sich schleichend an? und wie empfand man die situationen, in denen man einen wichtigen halt verlor? wo fand man in solchen momenten halt?

und wenn selbst die körperliche und geistige flucht keine abhilfe schafft, dann begehen manche menschen sogar eine letzte flucht. sie nehmen sich das leben. auch dies kommt häufiger vor, als von vielen vermutet wird. etliche von ihnen hinterlassen noch geschriebene worte, ein letztes biografisches zeugnis, um anderen zu erklären, warum sie diesen schritt getan haben. in diesen momenten offenbart sich am deutlichsten, dass subjektive gründe von anderen nicht immer nachvollziehbar sind, selbst wenn sie beschrieben und erklärt werden.

flucht ist also eine möglichkeit, der ohnmacht über situationen herr zu werden. oft wird sehr spät geflohen, da es eine seltsame vorstellung davon gibt, situationen standhalten zu müssen, sie ertragen Weiterlesen