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mein computer und ich – eine umgangslehre (22)

aufmerksamkeit

nicht die technik ist das problem, sondern die propagierung des multitaskings als lösung für zeitknappheit und beständige erreichbarkeit. arbeitgeber, die verlangen, dass man ein handy bei sich führe, damit man immer erreichbar sei, fördern die unkonzentriertheit ihrer mitarbeiter. denn die aufmerksamkeit muss auf mehrere dinge gleichzeitig gerichtet sein. klingelt das handy, trifft eine mail ein oder empfängt man eine sms, werden andere tätigkeiten unterbrochen. nimmt man dann noch das großraumbüro, dann kommen zusätzliche geräusche und störungen ins spiel, die auch den arbeitsprozess beeinflussen.

gleichzeitig wird aber beklagt, dass viele menschen nur noch über eine geringe aufmerksamkeitsspanne verfügen und keine geduld mehr haben, längere texte zu lesen. dieses defizit wird am computer festgemacht, da das gerät zu viel gleichzeitig anbiete. nicht dabei bedacht wird aber, dass ich auch am computer alles störende abschalten kann, viel eher als ein großraumbüro zur ruhe zu verpflichten oder meinem chef nicht zu antworten. nicht der computer, nicht das internet erheben das multitasking zum lebenskonzept, sondern die vorstellungen vom perfekten mitarbeiter.

fluglotsen werden zum beispiel nach nicht allzu langen zeitintervallen in eine pause geschickt. vorher mussten sie konzentriert multitasken. wenn keine pausen eingelegt werden, ist die gefahr von fehlern zu groß. da wir aber nicht alle flugzeugabstürze verursachen, sind wir oft auch nicht mehr bereit (und fähig) pausen einzulegen. auch dieses phänomen wird der verführungsmacht der neuen medien zugeschrieben. wie wenn wir geräten hilflos ausgeliefert wären und uns nicht mehr zu ihnen verhalten können.

gelinde geschrieben ist das quatsch. wir können uns auch zu anderen menschen verhalten, die uns nerven. wir können sie stehen lassen, ihnen ausweichen oder ihnen sagen, sie sollten jetzt einfach mal die klappe halten. doch anscheinend fällt uns dies leichter, als einen computer auszuschalten und das internet zu verlassen.

wer ständig in habacht-stellung lebt und arbeitet, da jederzeit eine nachricht eintreffen oder ein anruf kommen könnte, der kann irgendwann diesen zustand nur noch schwer verlassen. es fällt von mal zu mal schwerer, seine aufmerksamkeit Weiterlesen

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mein computer und ich – eine umgangslehre (07)

takt

die chips fuppen und wuppen immer schneller immer mehr. sie werden zudem in einzelnen rechnern gleich doppelt oder vierfach eingebaut, damit die taktfrequenz ihrer rechenleistung weiter steigt. genug ist nie genug. der hauptgrund für dieses ständige upgrade? vor allen dingen die modernen waffensysteme und computerspiele. die grafischen animationen und strategischen rechnungen benötigen mehr kapazitäten.

doch die konsequenzen sehen anders aus. im hintergrund wird der takt zum maßstab gemacht, mit bedeutung aufgefüllt und in unser arbeitsleben implantiert. dabei wird, wie bei vielen dingen, ein riesige milchmädchen-rechnung angestellt. die kommunikation in beinahe-echtzeit soll uns dazu anhalten, möglichst schnell auf ereignisse und entwicklungen zu reagieren. in manchen dingen sind wir schneller als der chip in anderen werden wir immer langsamer sein.

das war bis jetzt unser überlebensvorteil: wir haben unsere entscheidungen nicht vorschnell getroffen. heute sehen wir kaum mir aus dem wust von informationen auf, sollen aber entscheidungen viel schneller als früher treffen, da ja die kommunikation so wunderbar klappt. der mensch am anderen ende erwartet dies. schriftliches bekommt plötzlich per mail oder chat zwei reaktionsmuster: „blitzschnell“ reagieren zu müssen oder überhaupt nicht mehr zu antworten.

die schnelle reaktion würde uns wirtschaftliche vorteile bringen, heisst es in vielen wirtschaftswissenschaftlichen diskursen. und so plappern wir uns um kopf und kragen. denn die vorschnellen entscheidungen ohne ausführliche analysen schlagen inzwischen zurück. die börse ist das beste beispiel dafür. aber so treiben wir uns inzwischen in einem lebenstakt voreinander her, dass Weiterlesen