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wortklauberei (99)

„billiges geld“

jupp, wieder etwas doppeldeutiges. also erst lernt das kind, geld ist geld, und dinge kosten davon einiges, wenn man sie haben möchte. es gibt festpreise und schnäppchen. beim billigen einkaufen zahlt man wenig für viel. doch dann kamen findige köpfe aus den ökonomie-zonen auf eine idee: warum die preise senken, man kann ja auch das geld billiger machen. die einen nennen es inflation, wenn es für das geld nichts mehr gibt, es nichts mehr wert ist. die anderen nennen es „billiges geld“, wenn das geld weniger kostet aber gleich viel wert ist.

es klingt wie die quadratur des kreises. gehen sie einmal in ihre bank und sagen am schalter: „ich hätte gern fünfzig euro für zwanzig euro.“ ihnen wäre zu ohren gekommen, es gebe von der ezb billiges geld. da wird man ihnen sagen, dass sie das nicht bekommen, sondern nur die banken. und das geld sei nicht billiger, nur die zinsen, die man für das geliehene geld zahlen müsse. sie beliefen sich auf ein prozent. „oh, da nehme ich auch was von. ich hätte dann gern einhundert euro zu einem prozent zinsen.“ und abermals wird die bank ihnen erklären, das gehe so nicht. es solle doch nur der stützung des marktes dienen, damit die banken genug geld hätten, um es zu mehr zinsen weiterverleihen zu können und zu wollen. sie sagen abermals, das würde ich auch gern machen. ich leihe mir also bei ihnen 200 euro zu einem prozent zinsen und verleihe es wieder zu drei prozent zinsen (damit liege ich allemal unter ihren konditionen).

doch auch in diesem moment versteht ihre bank keinen spaß. sie wird ihnen erklären, dass sie das nicht dürfen. da haben sie noch eine frage: „wenn ich das richtig verstanden habe, dann bekommen sie als bank billiges geld, da ich einen großen teil meines geldes wiederum an den staat gebe, der es der ezb gibt, die es billig an sie weitergibt? dann ist es doch nur für sie billig, mich kommt es aber teuer zu stehen?“ da hätte man etwas falsch verstanden, werden sie ihnen sagen. würde das nämlich nicht geschehen, würde sie als bank keine kredite mehr vergeben. sie sagen nur noch einen satz: „dann haben sie ihren beruf verfehlt.“ und am nächsten tag schreiben sie an den finanzminister, sie wollten ihr billiges geld zurück, es würde ja unter wert vergeben, sie hätten dafür aber ganz schön geschuftet.

sie können sicher sein, ab diesem moment wird man sie für nicht mehr geschäftsfähig erklären, sie als verrückten einordnen. und dabei hatten sie doch nur als kind gelernt, dass geld zwar wert verlieren kann, aber nicht billiger werden kann. so hatten sie nicht gewettet, als sie steuern als gesellschaftlichen beitrag befürworteten, nun sind sie nur noch ein finanzgesellschaftlicher beitrag 😡

wortklauberei (68)

grenzwert

eine unserer menschlichsten fähigkeiten besteht neben der selbstreflexion im dinge vergleichen können. wir finden worte dafür wie „groß“ und „klein“, „dick“ und „dünn“ oder „hell“ und „dunkel“. diese vergleiche haben wir perfektioniert. wir haben sie messbar gemacht. da gibt es skalen für die verschiedensten eigenschaften, die uns eine einordnung leichter machen. manche skala erscheint einem sehr hilfreich, wie zum beispiel die schuhgrößen, andere, wie die reissfestigkeit von frischhaltefolien, interessiert nur am rande.

besonderes augenmerk werfen wir aber auf grenzwerte. grenzwerte werden immer dann festgelegt, wenn etwas gefährlich wird, also für den menschen gefährlich wird. meist ist es ein langer prozess, bis ein grenzwert zu diesem ernannt wird. je mehr wissenschaftliche erkenntnisse über die auswirkungen von flüssigkeiten, stoffen und strahlungen auf den menschen, entstehen, desto genauer können grenzwerte festgelegt werden. natürlich sind grenzwerte nie ohne politische einflussnahme entstanden. doch sie stellen eine verallgemeinerungen und einen gesellschaftlichen konsens dar.

ja, wir menschen halten unser leben für schützenswert. das ist eigentlich eine schöne grundhaltung uns selbst gegenüber. und wird ein grenzwert überschritten, gibt es eine meldung darüber, wird dies inzwischen häufig veröffentlicht. der grenzwert war bis heute eigentlich kein pädagogisches instrument. doch da haben wir uns getäuscht. es gibt einzelne menschen, die uns nun erklären, dass grenzwerte eigentlich nur eine kleine spielerei sind. die „grenze“, die festgelegt wurde, wurde nur festgelegt, damit sich alle bemühen, unter der grenze zu bleiben.

aber nun greift eine weitere fähigkeit des menschen: die hohe flexibilität und anpassungsbereitschaft. nach dem super-gau in japan werden überall auf der welt die grenzwert für verstrahlte gegenstände und produkte hochgefahren. denn die bisher herrschenden grenzwerte seien sehr niedrig veranschlagt worden. ah ja, eine interessante haltung, denn anscheinend werden die werte gewürfelt und nicht begründet. in dem moment, in dem grenzwerte regelmäßig überschritten werden, in dem setzt man dann den wert einfach hoch, damit er nicht so häufig überschritten wird.

vielleicht hat jemand das wort grenzwert einfach noch nicht verstanden. es ist kein notenspiegel, der den leistungen der gesamten gruppe angepasst wird. der wert stellt eine grenze dar, ab wann etwas für den menschen gefährlich werden kann. wir menschen mögen flexibel sein, aber wir sind kein lebewesen, das über nacht gegen strahlung resistent werden kann. hier ist nur jemandem lästig immer wieder die überschreitung des grenzwertes zu melden. darum schlage ich vor den „grenzwert“ in „was-nicht-tötet-härtet-ab-wert“ umzubenennen.

selbstbefragung (76) – verwirren

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um das „verwirren„.

  • in welchen momenten ihres lebens waren sie sehr verwirrt? beschreiben sie.
  • fühlt sich „verwirrt sein“ für sie gut oder schlecht an? warum?
  • womit verwirren sie andere?
  • was machen sie mit verwirrten menschen, die sie kennen?
  • welche fragen verwirren sie immer wieder? zählen sie auf.
  • welche strategien haben sie für sich zum entwirren? beschreiben sie.
  • nehmen sie drogen, um wirr im kopf zu werden? warum?
  • was ist für sie der nachteil an zu viel klarheit im leben?
  • welche person des öffentlichen lebens erscheint ihnen am verwirrtesten? begründen sie.
  • wer darf und sollte sie in nächster zeit verwirren?