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schreibberatung und haltung

beratungen sind eine gratwanderung, was den austausch von persönlichem angeht. auch in der schreibberatung müssen die beraterInnen einen weg finden, nicht als abweisende, herzlose menschen zu wirken, aber gleichzeitig auch nicht zu viel persönliches einfließen zu lassen. es geht hierbei nicht darum, dass privates bei der arbeit nichts verloren hätte, sondern es geht um die spezielle situation bei beratungen.

wer schon öfter beraten hat, kennt die frage von klientInnen, wie man denn selber bestimmte probleme oder schwierigkeiten angehe. dabei möchten klientInnen einen nicht persönlich näher kennenlernen, sondern sie würden gern von „vorbildern“ lernen. man muss sich in diesem moment bewusst machen, dass jemand vor einem sitzt, der oder die sich gerade in einer situation befindet, in der sie nicht mehr weiter wissen. da kann es eine gute orientierung sein, zu schauen, wie andere menschen mit dem alltag (oder eben dem schreiben umgehen).

auch dagegen würde noch nichts sprechen, wenn menschen nicht so individuell wären. das heisst, die brauchbare handlungsmöglichkeit für den einen menschen ist noch lange nicht für den anderen menschen sinnvoll. aber die bereitschaft, dies in einer schwierigen situation zu glauben ist recht hoch. welche haltung nimmt man gegenüber zu diesem problem ein? wenn ich diese haltung auch einnehme, dann verschwinden die schwierigkeiten.

wenn man die frage nach der eigenen haltung barsch zurückweist, um das beratende setting aufrecht zu erhalten, dann mystifiziert man die problemlösungen schnell. gibt man die eigene haltung preis erhält man schnell eine vorbildrolle. darum ist es sinnvoll, bevor man eigenes vorgehen schildert, immer wieder zu betonen, dass für jede (schreib)schwierigkeit oder (schreib)krise gemeinsam spezielle lösungsmöglichkeiten erarbeitet werden können.

und doch kann es manchmal hilfreich sein, von klientInnen eine vorbild-funktion zugeschrieben zu bekommen. als beraterInnen sollte man dies aber thematisieren. so kann man zum beispiel nachfragen, Weiterlesen

kreatives schreiben und idole

die literatur lebt vom ideenklau und der weiterentwicklung von schreibstilen. viele menschen, die angefangen haben zu schreiben, versuchten sich im kopieren eines bestimmten schreibstils ihrer lieblingsschriftstellerInnen oder griffen eine idee für eine geschichte auf, um sie weiterzuentwickeln, auszuformulieren oder einfach nur in bestimmten abschnitten der eigenen geschichte zu zitieren.

so kann man sich beim kreativen schreiben auf die suche begeben, wer denn das eigene schriftstellerische idol ist und sich dem literarischen stil durch nachahmung annähern. man wird bemerken, dass man diesen stil nie vollständig annähern wird, aber gleichzeitig eine eigene schreibsprache entwickelt, in die anregungen durch das idol einfließen. dies ist eine gute übung für die entwicklung eines eigenen schreibstils, der sich beständig weiterentwickelt. man kann ja weitere schriftstellerInnen mit ihren werken hinzuziehen. es geht aber nicht um die exakte kopie, sondern einzig um die anregung.

doch idole können auch noch eine andere rolle einnehmen in der eigenen kreativen schaffensphase. sie können zum beispiel hauptakteure der eigenen geschichten werden. schreiben sie doch einmal die lebensgeschichte von albert einstein um. dies kann in humorvoller, verschwörungstheoretischer, absurder oder politischer weise um. der vorteil eines idols ist es, dass man sich meist mit der lebensgeschichte der person schon auseinandergesetzt hat. darum fällt es auch leichter in die realität einzugreifen und die eigene fantasie zum zuge kommen zu lassen.

oder man konzetriert sich nicht auf ein idol, sondern formuliert geschichten, in denen sich idole begegnen, die sich im alltag nie begegnet sind und wahrscheinlich auch nicht begegnen werden. was haben sie sich zu sagen, welches interesse könnte aneinander bestehen? die frage nach den idolen erleichtert die suche nach protagonisten. die freiheit des kreativen schreibens erleichtert es, sich nicht sklavisch an die eigentliche lebensgeschichte zu halten. von vorteil ist es sicherlich, dass etliche idole viele andere menschen auch kennen und somit eine erklärung der jeweiligen rolle reduziert werden kann.

biografisches schreiben und gedenken

biografisches schreiben kann erinnerungen an personen, die einem selber wichtig waren oder auch die gesellschaftlich von hoher bedeutung waren, wachhalten. jeder mensch hat andere menschen, die einem als vorbild dienten, die einfluss auf das eigene leben hatten oder haben. sie in die eigene biografie aufzunehmen, ist eine form ihnen für ihren einfluss, auch wenn er unbewusst stattfand, zu danken.

um dies beim verfassen der eigenen lebensgeschichte umzusetzen, kann eine liste erstellt werden, in der die namen der menschen notiert wird, die man toll fand. es geht nicht um beziehungspartnerInnen im klassischen sinn, sondern es geht um personen, deren lebenskonzept, deren haltung oder deren auftreten einen fasziniert hat. jeder mensch findet bestimmt ein paar personen, die einen bei begegnungen auf eine besondere art berührt haben.

natürlich kann es sein, dass man später von ihnen wieder abrückte, dass man hinter manchen fassaden auch dinge entdeckte, die einem nicht gefielen. und doch haben die personen in den jeweiligen momenten eindruck hinterlassen. es lohnt sich, in der liste hinter den personen ein paar stichworte darüber zu notieren, was an ihnen so faszinierte. war es die freundlichkeit, die selbstverständlichkeit, mit der sie auf einen zugingen oder auch die ideen, die sie verbreiteten?

anschließend sollte man ein kurzes porträt dieser personen schreiben (ungefähr ein bis zwei seiten), ruhig mit der technik des freewriting als fokussiertes schreiben. im nachgang kann man sich dann überlegen, inwieweit man eine beschreibung der menschen und deren einfluss auf eigene lebensentscheidungen und auf die eigene haltung einfließen lässt. dabei sind immer die persönlichkeitsrechte der anderen zu wahren. eventuell sollten sowohl die personen als auch ereignisse verfremdet werden, ohne die eigenen entwicklung zu verändern. wichtig erscheint es mir nur, dass ich nicht alle veränderungen aus mir selbst heraus vollzogen habe, sondern meist im sozialen zusammenspiel mit anderen menschen. dies sollte in einer biografie eine rolle spielen.

biografisches schreiben und vorbilder

menschen suchen sich für ihre lebenskonzepte vorbilder. entweder handelt es sich dabei um menschen im näheren umfeld, die kennengelernt wurden und deren lebensweise bewundernswert erscheint. oder es handelt sich um bekannte persönlichkeiten, von denen man viel gehört hat, sich mit ihren positionen auseinandersetzte und deren ansichten einem einleuchteten. diese orientierung an anderen kann eine große hilfe sein, eigene ziele und erwartungen an das leben zu formulieren

doch es handelt sich dabei um ein zweischneidiges schwert. denn der hang unerreichbares als vorbild zu nehmen, kann das eigene selbstwertgefühl gehörig heruntersetzen. es werden dabei die eigenen qualitäten gern unter den tisch fallen gelassen, um einem ideal zu folgen, das in der eigenen lebenssituation schwer umsetzbar sein wird. und selbst wenn man dem ideal sehr nahe kommt, kann man noch einen drauf setzen und weiterhin der meinung sein, nie das zu erreichen, das man erreichen möchte.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte, schadet ein blick auf die persönlichen vorbilder nicht. hierfür kann entlang einer zeitleiste mit den eigenen lebensjahren eingetragen werden, welche ideale man wann verfolgte. die einfachste variante notiert die personen, die man bewundert hat und denen man ähnlich werden wollte. doch man kann noch einen schritt weiter gehen und notieren, welche ideale mit den personen verknüpft waren. dann vielleicht ein resümee ziehen, ob man manches von dem erreicht hat, das man einst anstrebte. und sich zum schluss einmal betrachten, wie realistisch die erwartungen an einen selber waren. wenn man diese betrachtung in die eigene biografie einfließen lässt, kann es leserInnen aufzeigen, dass positive oder negative vorbilder zu haben, sicherlich ein ansporn sein kann. dass aber das eigene leben nicht aus den augen verloren werden sollte. denn oft schaut man bei der idealisierung von personen nicht hinter die fassade und dort kann es ganz anders aussehen.