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schreibpädagogik und verlust

dieses mal ein sehr ernster beitrag zur anleitung von schreibgruppen. vor allen dingen im biografischen schreiben sollte man meines erachtens sehr vorsichtig vorgehen, wenn man schreibübungen zum thema verlust oder tod anleitet. es ist nicht sinnvoll das thema auszusparen, nur um die eventuellen folgen zu umgehen. verlust und tod beeinflussen unser leben sehr. jeder mensch hat seine eigenen strategien damit umzugehen. und doch scheint es, wie wenn vor allen dingen das thema tod mit einem tabu versehen ist. das ist um so erstaunlicher, dass man ab einem höheren alter immer wieder damit konfrontiert wird (und manchmal auch schon viel früher).

schreibt man in schreibgruppen also über verluste, vor allen dingen über persönliche verluste, kann es leicht vorkommen, dass menschen nicht nur darüber schreiben, wie sie durch eine trennung einen partner verloren haben, sondern dass sie darüber schreiben, wie ein mensch in ihrem umfeld gestorben ist. das schreiben darüber kann noch einmal sehr aufwühlend erlebt werden. und dies wiederum kann zu emotionalen reaktionen führen, wenn texte vorgetragen oder besprochen werden. dies sollte eine gruppe aushalten können. doch damit darf man als schreibgruppenleitung nicht rechnen.

viele menschen halten es schwer aus, andere weinen zu sehen. in gruppen kann dies zu hilflosen unterstützungsversuchen und tröstungen führen. in diesem moment sollte eine schreibgruppenleitung einschreiten. denn wenn teilnehmerInnen für sich entscheiden, einen sie selbst sehr berührenden text vorzutragen, dann entscheiden sie sich auch dafür, eventuell beim lesen Weiterlesen

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schreibgruppen selber gründen (05)

rhythmus / zeit

einmal spaß am schreiben gefunden, möchte man manchmal gar nicht mehr aufhören. vor allen dingen in der gruppe ergeben sich schnell momente, in denen die texte immer länger werden und alle den wunsch haben ein ausführliches feedback auf ihren text zu erhalten. und schon entsteht zeitdruck, da die schreibgruppen-zeit vorüber ist, manche ein ausführliches feedback erhalten haben und andere noch nicht einmal ihren text vorstellen konnten. das kann schnell zu konflikten führen.

also sollte man sich im vorfeld beim gründen einer schreibgruppe überlegen, wie der zeitrahmen für die schreibgruppe aussehen sollte. dazu kommt die frage, in welchem rhythmus ein treffen stattfindet und wie mit dem zeitmanagment während der eines gruppentreffens umgegangen wird.

wöchentliche treffen sind bei vielen schreibgruppen üblich. dies hat den vorteil, dass man annähernd von treffen zu treffen in einem schreibfluss bleiben kann, die unterbrechung nicht zu lang ist. es hat den nachteil, wenn man aus einem treffen viele ideen für das schreiben mit nach hause nimmt, dass einem die zeit zu kurz erscheint, für sich selber einiges davon einmal in ruhe umzusetzen.

hier kann sich die gruppe auf unterschiedliche modi einigen.

  • so kann man längere abstände zwischen einzelnen gruppentreffen wählen, mit der option, dass die einzelnen gruppentreffen genug zeit und raum bieten, um in der zwischenzeit entstandene texte vorstellen zu können.
  • oder man bleibt beim wöchentlichen rhythmus, baut aber vielleicht einmal im monat oder alle zwei monate ein treffen ein, an dem ausschließlich abseits der gruppentreffen entstandene texte vorgetragen werden können und ein ausführliches feedback erhalten.
  • man kann sich auch darauf einigen in regelmäßigen abständen eine lesung zu veranstalten, die raum für alle texte gibt, aber ohne feedbackrunde stattfindet.
  • zudem kann man für das intensive arbeiten an texten und inhalten zum beispiel zweimal im jahr ein klausurwochenende durchführen, das mehrere stunden andauert.
  • oder man einigt sich darauf, abseits der gruppe entstandene texte nicht in der gruppe zu verhandeln, aber die veröffentlichung untereinander für alle teilnehmerInnen im internet auf einer verschlüsselten plattform zu ermöglichen.
  • bei einer gruppenstärke von 10 teilnehmerInnen sind zwei stunden für ein gruppentreffen sehr wenig zeit, wenn einmal ein längerer text geschrieben und vorgetragen werden soll. da scheinen drei stunden für kleinere einstiegsübungen, einen längeren text schreiben und ausführlichen feedbackrunden sinnvoll.
  • die gruppe könnte sich auch auf eine(n) zeitbeobachter(in) pro treffen verständigen, damit alle ein angemessenes feedback auf ihre texte bekommen und sie vortragen können.
  • ein open end für eine gruppe ist immer schwierig, da meist einige noch termine und verpflichtungen haben und nicht bis zum schluss bleiben können und sich somit die gruppentreffen stück für stück auflösen.

wichtig scheint mir, sich bewusst zu sein, dass in schreibgruppen die teilnehmerInnen, auch wenn sie sich ein wenig zieren, gern ihre texte vortragen möchten und sich auch meist ein feedback von den anderen wünschen. dem sollte rechnung getragen werden, damit alle anschließend zufrieden nach hause gehen und nicht das gefühl haben, übergangen worden zu sein. zeiten und rhythmen können ja alle halbe jahre von der gruppe überprüft und bei bedarf geändert werden.

schreibpädagogik und gier

das mag seltsam klingen: was hat das anleiten von schreibgruppen mit gier zu tun? man ist so begierig, gruppen anzuleiten, und dann vor allen dingen schreibgruppen? nun, das mag es vielleicht geben, doch das geht selten über den „spaß“, gruppen anzuleiten hinaus. natürlich sollte man lust darauf haben, so etwas zu machen, wenn man es anbietet, aber gierig, gruppen zu leiten kann man glaube ich nur werden, wenn man beständig mehr damit verdienen möchte.

nein, hier geht es um eher um phänomene der gruppendynamik. auf der seite der teilnehmerInnen kann „gieriges“ verhalten auftreten. das hat mit dem positiven erleben von schreibübungen zu tun, also mit dem positiven erleben vom selbst schreiben. die gier entsteht dadurch, dass dieses erleben in schon beinahe süchtiges verhalten umschlägt. ab und zu kann man teilnehmerInnen antreffen, die kein ende finden wollen, die eine schreibanregung nach der anderen einfordern und beständig nur texte schreiben wollen, den austausch darüber aber eher als lästig empfinden.

man kann auch nicht gleich von gier sprechen, sondern erst dann, wenn dabei die anderen teilnehmerInnen der schreibgruppen aus den augen verloren werden. es kann also sein, dass jemand versucht über alle anderen bedürfnisse hinwegzugehen, um die eigenen befriedigt zu bekommen. in diesem moment wäre es an der leitung der schreibgruppe, einzuschreiten und zu verstehen zu geben, dass es noch andere teilnehmerInnen gibt. ist die schreibgruppe eine selbstorganisierte, dann wäre es an den anderen teilnehmerInnen, einspruch zu erheben Weiterlesen

schreibidee (81)

die längste nacht des jahres ist schon vorüber, nun verkürzt sich die dunkelheit wieder. nach dem vorstress der feiertage herrscht eine zeit des ausruhens und erholens. ruhe bedeutet schlaf. und schlaf wird durch „gute-nacht-geschichten“ gefördert. deshalb dieses mal die idee, in der schreibgruppe „gute-nacht-geschichten“ zu verfassen.

meist werden geschichten zum einschlafen kindern erzählt. dies soll auch die erste schreibanregung für die schreibgruppe sein. alle teilnehmerInnen sollten sich daran erinnern, ob ihnen früher gute-nacht-geschichten erzählt wurden oder nicht. und wenn ja, an welche geschichten oder vorgelesenen bücher sie sich noch erinnern können. anschließend ist eine zweiseitige kurze geschichte für kinder selber zu schreiben. diese geschichte wird in der schreibgruppe vorgetragen. dabei liegt dieses mal das augenmerk nicht nur auf der geschichte, sondern auch auf den vortragsstil. ins feedback sollte einfließen, ob die schreibgruppenteilnehmerInnen das gefühl haben, dass der tonfall der vortragenden sie schläfrig machen würde.

doch nicht nur kinder schätzen es mit einer guten geschichte einzuschlafen. auch erwachsene, die zwar bücher selber lesen können, mögen es häufig, sich von jemand anderem vorlesen zu lassen und dabei in den  schlaf zu sinken. nun ist eine geschichte zu schreiben, die erwachsenen es erlaubt, nicht gelangweilt zu werden aber gleichzeitig schläfrig zu machen. für diese schreibanregung gibt es keine weiteren vorgaben. ob mit cluster oder anderen assoziationstechniken, es ist allen teilnehmerInnen überlassen, wie sie ihre schlafanregung formulieren.

poetry slam auf arte

seit etlichen jahren ist poetry slam die neue form der lesung selbstgeschriebener literatur. hier wurden die berliner möglichkeiten schon einmal vorgestellt. der kleine aber feine kultursender „arte“ hat auf seiner homepage poetry slam umfassend aufgegriffen und nutzt dabei alle möglichkeiten des web 2.0, diese form der literaturdarbietung darzustellen.

es gibt einen arte-wettbewerb des poetry slam. die gewinnerInnen und die darstellungen können als filme angesehen werden. daneben wird die frankfurter slam-szene dargestellt. es gibt eine menge links, interviews mit bekannten slammern und einen eigenen arte-film über poetry slam.

wen diese form der literaturveranstaltung interessiert, der kann sich bei arte, eigentlich einem anderen medium, umfassenden informieren und mit abstimmen, wer siegerIn des arte-slams wird. toll aufbereitet wird das thema unter: http://www.arte.tv/de/Willkommen/Kultur-entdecken/Poetry-Slam/1777940.html .

19. märchentage in berlin

es wird früh dunkel und spät hell,

erzähl mir doch ein märchen, schnell!

 

so könnte man die tradition der märchentage im november verstehen. wenig lockt einen noch nach draußen vor die tür, wieso also nicht gemütlich zusammensitzen und sich etwas erzählen lassen. die märchen von gestern sind die fantasy-filme von heute. doch wer glaubt, dass bei den märchentagen nur märchen von gestern erzählt werden, der sieht sich getäuscht bei dem reichhaltigen angebot der nächsten wochen.

die 19ten märchentage vom 06ten november bis 23ten november, veranstaltet von „märchenland e.v.„, bieten viele verschiedene märchen und formen des erzählens. so gibt es jedes jahr ein „gastland“, dessen märchen viel raum gegeben wird. dieses jahr ist das die schweiz.

mehr informationen über märchenland e.v. finden sich hier: http://www.maerchenland-ev.de/  . und weitere infos mit dem gesamten programm der märchentage in berlin findet sich hier: http://www.maerchenland-ev.de/index3.html .

kreatives schreiben und vorlesen

der nächste schritt, nachdem die ersten eigenen texte entstanden sind, besteht darin, sie zumindest in der schreibgruppe oder -werkstatt vorzulesen. für viele besteht erst einmal eine große hemmung, die eigenen texte anderen vorzustellen und der kritik auszusetzen. man hat eine menge eigene gedanken in den text einfließen lassen und was passiert, wenn diesen viele andere doof finden. dieser gedanke kann sehr bestimmend werden, was gern zu relativierenden statements führt, bevor der text vorgelesen wird.

„ich weiß nicht, aber ich bin nicht ganz zufrieden mit dem text.“ “ ich habe das mal schnell so runtergeschrieben.“ “ der text ist noch nicht überarbeitet.“ „am schluss fand ich meine idee selber nicht mehr so gut, aber dann hatte ich keine zeit mehr, eine neue geschichte anzufangen.“ so oder ähnlich klingen dann manche statements. sie sollen einen selbstschutz vor heftiger kritik bieten. abgesehen, dass dies meist nicht funktioniert, wenn wirklich kritik geübt wird, kann die reaktion der zuhörend oft auch eine ganz andere sein. leider hinterlassen die vorformulierungen immer einen beigeschmack von „fishing for compliments“, zwingen sie doch oft genug die anwesenden zu der bemerkung: „dafür ist der text aber ganz gut geworden.“

sinnvoller scheint es, einfach ins kalte wasser zu springen. es kann davon ausgegangen werden, dass alle anderen teilnehmerInnen von schreibgruppen zum beispiel die gleiche zweifel plagen, bevor sie ihre texte vortragen. um die sicherheit beim vortragen ein wenig zu erhöhen, macht es sinn, wenn die zeit dafür vorhanden ist, sich selbst den text mehrmals laut vorzulesen. gute freundInnen oder beziehungspartnerInnen sind auch immer wieder gern bereit dazu, die ersten zuhörerInnen zu sein. auch hier geht es erst einmal nicht um eine bewertung des textes, sondern um die frage, ob das vorlesen relativ flüssig klappt und ob die stimme eine gewisse lautstärke bietet. nichts ist schwieriger zu verstehen, als ein hingehauchter text. um diesen unsicherheitsfaktor zu umgehen, hilft der vormalige vortrag. denn alle sind vorher schon genug aufgeregt, bevor sie in größerer runde ihre texte vortragen, da sollte nicht auch noch die stimme zu schaffen machen.

begibt man sich mit seinen texten an die öffentlichkeit, eine schreibgruppe ist ja auch noch ein geschützter raum, dann kommt so etwas wie lampenfieber auf. dies zu bekämpfen scheitert meist. wahrscheinlich macht einzig der gedanke sinn, dass man den vortrag das letzte mal auch überlebt hat. aber irgendwann muss der sprung ins kalte wasser irgendwann einmal erfolgen. also, lest euch frei 😛

übrigens ist es hilfreich den text in großer schrift auszudrucken, damit man sich beim vorlesen nicht verhaspelt und in der zeile verrutscht. und die lesebrille nicht vergessen 😮

kreatives schreiben und reden schreiben

reden zu schreiben ist meist ein kompliziertes unterfangen, vor allen dingen, wenn man nicht so genau weiß, wie das publikum drauf ist. deshalb verzweifeln redenschreiberInnen nicht selten schon am anfang. kreatives schreiben kann das redenschreiben nicht ersetzen, aber es kann mit seinen verschiedenen techniken der rede eine gewisse gelassenheit und ein prise humor geben. es gibt nichts schlimmeres als nicht enden wollende langweilige reden oder vorträge.
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lesewoche für kinder

manchmal vereinen sich kaufmännische interessen mit sinnvollen angeboten. so bietet die buchhandlung hugendubel in berlin-steglitz in der schloßstraße vom 7ten bis 12ten juli lesewochen für kinder in der kinderbuchabteilung an. dort sollen bücher mit kindern gelesen werden und andere empfohlen werden.

ganz uneigennützig ist dies sicherlich nicht, denn der buchhändler möchte seine bücher auch verkaufen. auf der anderen seite wird immer wieder beklagt, dass die kleinen nicht mehr so viel lesen (obwohl harry potter dem widersprach). da ist es sicherlich hilfreich versuche der „leseförderung“ zu unternehmen. berlin und brandenburg zeichnen dafür inzwischen buchhandlungen aus. hugendubel in steglitz gehört dazu.

meinereiner schätzte es als kind sehr, zu seinen geburtstagen einen büchergutschein für die ortsansässige buchhandlung zu erhalten und sich davon die bücher kaufen zu können, die man wollte. so war es die eigene entscheidung, was man las. und selten erhoben die erwachsenen einspruch. es musste nie gefragt werden, ob man dieses oder jenes buch haben könne, solange der gutschein es noch hergab.

und einmal blut geleckt, hört mensch selten wieder auf zu einem buch zu greifen und sich in andere welten zu begeben, sei es auch nur im urlaub. deshalb erscheinen die lesewochen kurz vor den sommerferien sinnvoll. und eltern können sich ein wenig mehr entspannen, wenn die lieben kleinen da sitzen und in ihre bücher vertieft sind. einziges problem, bücher machen neugierig. es kann sein, dass ihr kind sie nach der lektüre löcher in den bauch fragt 😉