Schlagwort-Archive: wahlkampf

nabelschau (22)

qual der wahl. der wahlkampf ist eröffnet und er scheut sich nicht, soweit dies ein wahlkampf kann, sehr inhaltslos daherzukommen. es wird eher auf platitüden gesetzt, obwohl man momentan anderes erwarten sollte. es wäre zu vermuten, dass nach all den finanzdebakeln und verfassungskorrekturen, ein wenig die nerven bloß liegen und mal wieder politisch gestritten wird.

doch anscheinend hat man in diesem land den diskurs um wirkliche gesellschaftliche prozesse und entwicklungen verlernt. man echauffiert sich über dienstwagen, wirbt mit oberweiten und hinterteilen, ja, man verspricht konstantes, bewahrendes. doch was wäre zu bewahren? die einzige veränderung, die angesprochen wird, ist der abbau der arbeitslosigkeit. dabei stellt sich heraus, dass die unterschiede zwischen den parteien vor allen dingen ein zahlenspiel sind.

da bietet die spd vollbeschäftigung in geraumer zeit, die cdu will sich doch nur auf mehrere millionen festlegen und die grünen zählen eine million abbaubarer arbeitslosigkeiten. man könnte das spiel eröffnen: „wer bietet mehr?“ (oder weniger). in die eine richtung ließe sich die steigerung vorstellen, vollbeschäftigung bis zum 75sten Lebensjahr, fehlen uns doch sowieso Arbeitnehmer in den nächsten Jahren und verlängert sich die Beschäftigungsdauer von Jahr zu Jahr.

oder aber die linke wird ihrem namen noch einmal gerecht und verspricht anstatt der schaffung von arbeitsplätzen endlich die weltrevolution. doch auch damit ist nicht zu rechnen. Weiterlesen

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web 2.0 und wahlkampf

das internet wird immer wichtiger bei der politischen meinungsfindung. bester beweis ist zur zeit der wahlkampf in den usa. kaum haben öffentliche debatten der präsidentschaftskandidaten stattgefunden, schon werden die statements im internet diskutiert. demokratie rückt in solchen momenten zeitlich näher an die geschehnisse heran. außerdem bietet sich die möglichkeit, sehr verschiedene positionen in kurzer zeit auszutauschen und zu lesen. solch einen politischen diskurs kann man in dieser dichte sonst nur noch im persönlichen gespräch führen, wenn man zum beispiel gemeinsam mit freunden die debatten verfolgt und anschließend diskutiert.

doch das internet bietet noch weitere vorteile. kandidaten können direkt mit etwaigen wählern kontakt aufnehmen. gut, die wählerinnen wissen nie genau, ob die kandidaten selber schreiben oder irgendwelche persönlichen referentInnen. und wie sich bei barack obama zeigt, kann das internet vor allen dingen der akquise von wahlkampfspenden dienen. hier bewährt sich wieder der vorteil des internets, dass kleine beträge in großer zahl effektiver sind und mehr menschen einbeziehen als großspenden von wenigen. das internet greift das interesse der menschen auf und vermittelt es an die entsprechenden stellen. 

aber auch hier ist voraussetzung, dass die menschen überhaupt einen zugang zum internet haben. vor allen dingen ältere können sich in solchen momenten schnell übergangen fühlen. doch die politikerInnen, die heute noch nicht auf das internet setzen, versäumen die möglichkeiten der modernen kommunikation. den menschen, die vor der wahl stehen, erleichtert das internet durch die reichhaltigen informationen wahrscheinlich die entscheidung. obwohl das nicht so klar ist, es könnte natürlich auch die qual der wahl verstärken. näher dran ist es inzwischen allemal.

web 2.0 und politik

schaut man sich blogs und andere internetseiten mit politischen inhalten an, fällt auf, dass eine sehr direkte sprache geschrieben wird, wie sie im alltag selten gesprochen wird. anscheinend trauen sich viele mitbürger schriftlich eindeutigere äußerungen zu treffen, als sie es im täglichen leben machen.

oder, und das wäre die andere erklärungsmöglichkeit, es schreiben nur die blogs und veröffentlichen homepages, die eine recht direkte art haben ihre meinung mitzuteilen. nicht dass ich dies problematisch finde, bin ich eher ein freund der klaren worte, ich bin nur bei der durchsicht verschiedener blogs, auch zu alltäglichen fragestellungen erstaunt, wieviel politik im netz auftaucht. und wieviel unzufriedenheit bei vielen menschen herrscht.

sicher, man schreibt selten über sachen, die einen nicht aufregen und die gut laufen, das kenne ich aus eigener erfahrung. und ich bin auch der meinung, dass die jüngeren generationen nicht so unpolitisch sind, wie sie immer dargestellt werden. doch es scheint mir mehr im netz los zu sein, als viele menschen glauben. ein wenig zeigen dies die us-wahlkämpfe, auch wenn hier das netz eher als zusätzlicher werbe- und symapthieträger verwendet wird. in deutschland lässt sich dies eher bieder an. beim blick auf die homepages der meisten bundestagsabgeordneten menschelt es zwar sehr und frau merkel sendet auch weiter ihren podcast, aber das hat alles etwas schlichtes an sich und das web 2.0 wird in diesem zusammenhang selten für den diskurs mit der basis genutzt. doch die basis führt zum teil einen spannenden und anregenden diskurs, den man sich in die alltägliche politik zurückwünschen würde, anstatt vieler nicht-aussagen mit nicht-positionen und nicht-nicht-ausgewogenheiten. im web wird in vielen zusammenhängen um postionen gestritten, und der streit scheint notwendig, um eine demokratie als solche zu leben. vielleicht sollten sich manche netzschreiberInnen für die nächsten wahlen aufstellen lassen, um der oft herbeigeredeten politikverdrossenheit etwas entgegenzusetzen.