Schlagwort-Archive: wahrheit

nabelschau (37)

verschwörungstheorien als ausrede für plagiate. ja, es liegt mir auf den lippen: wäre unser verteidigungsminister zu mir in die schreibberatung gekommen, wäre das nicht passiert 😀 doch das ist zu spät. eigentlich ist es zu spät für alles. denn, der schritte sind zu viele getan.

ja, es gibt viele menschen, die faken. es herrscht inzwischen oft die „copy-und-paste-haltung“ beim erarbeiten neuer dinge. dagegen spricht nichts, wenn man sich nur die ganzen neuinterpretationen alter musikstücke anschaut, wenn man sich die weiterverwertung von geschriebenem in blogs betrachtet und wenn man sich die filmcollagen mancher satiresendungen betrachtet. hier wird das plagiat zum zitat, zu einem kreativen zitat. aber es wird meist darauf hingewiesen wer urheber der ideen war.

aber, und da liegt der knackpunkt für einen juristen, alle akademikerInnen kennen die eidesformeln oder versicherungen, dass sie ihre abschlussarbeiten selbstständig verfasst haben. es gibt aber auch menschen, die den ghostwriter für abschlussarbeiten geben, gegen geld versteht sich. und doch, es gibt regeln des zitierens, copyright und diverse andere grundlagen des urheberrechts. im gegensatz zu naiven kopiererInnen weiß ein jurist, was er in dem moment, in dem er dagegen verstösst, macht.

oder der jurist muss sich den vorwurf gefallen lassen, er sei unglaublich naiv. doch wer glaubt bei dieser doktorarbeit an naivität? niemand. aber ein teil glaubt, die situation dadurch retten zu können, dass er tief in die kiste der verschwörungstheorie greift. ja, es ist sicherlich auch wahr, dass das fehlverhalten politisch genutzt wird. aber, jemand, der sich selber gern als wahrhaftig, moralisch integer und korrekter mensch darstellt, sollte zumindest erkennen, wann es an der zeit ist, fehler einzugestehen. oh nein, es benötigt keine entschuldigung, es benötigt klarheit.

doch die mediale maschinerie wird genutzt, um es wie ein kavaliersdelikt erscheinen zu lassen, was inzwischen in vielfältiger weise widerlegt wurde. es deutet darauf hin, zumindest laut „spiegel„, dass dies noch nicht alles war. dies hin oder her, von menschen, die ihre abschlüsse verloren haben, da sie copy-and-paste verwendeten, und von menschen, die einfach geforscht, zusammengefasst und veröffentlicht haben, kann die aktuelle situation nicht mehr verstanden werden.

da wirkt der politische angriff gegen die opposition wie ein machtspielchen abseits aller begebenheiten. und es sagt etwas über die haltung, die in manchen kreisen dieser gesellschaft eingenommen wird. im schwäbischen sagt man „es gibd soddige ond soddige. und ieh bin oiner von de soddige.“

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schreibspiel (10)

dies ist eines der wenigen schreibspiele, das sich wahrscheinlich für eine gruppe des biografischen schreibens anbietet. außerdem ist es eigentlich kein schreibspiel, sondern ein psycho-spiel, das in gruppen funktioniert, die sich näher kennenlernen wollen. darum sei gleich vorab angemerkt, dass man das spiel möglichst nur in einer gruppe spielen sollte, die klar zustimmung signalisiert. man sollte sich vorbehalten, das spiel abzubrechen und man sollte die teilnehmerInnen darauf hinweisen, dass sie nicht antworten müssen. das spiel heisst „wahrheit oder pflicht„.

wer diese chance für neugierige nicht kennt, dem sei das spiel hier noch einmal kurz erklärt. am besten reihum, darf von gruppenmitgliedern an andere teilnehmerInnen eine frage gestellt werden. meist sind diese fragen bei dem spiel persönlicher natur, auch wenn es gern andere sein dürfen. nun ist es an den befragten, eine entscheidung zu treffen. wählen sie „wahrheit“, was bedeutet, sie beantworten die an sie gestellte frage wahrheitsgemäß, oder wählen sie pflicht, sie beantworten die frage nicht und bekommen darum durch die fragende person eine aufgabe gestellt.

wenn man sich im laufe einer biografischen schreibgruppe kennengelernt hat, bleiben garantiert viele fragen offen. darum bietet sich das spiel für diese gruppen an. doch, es muss nicht auf jede neugierde reagiert werden. die „pflicht“-aufgaben sollten aufgaben sein, die schriftlich zu absolvieren sind. es können ideen aus dem biografischen oder kreativen schreiben sein. wenn man das spiel wie beschrieben durchführt bietet es einen zusätzlichen effekt: die schreibgruppenteilnehmerInnen müssen kleine schreibaufgaben oder -übungen generieren, die sie als pflicht einsetzen. diese aufgaben sollten nicht zu lang andauern, aber es ist damit zu rechnen, dass für das gesamte spiel eine menge zeit und anderweitige unterhaltung einzuplanen sind. denn so lang die ver“pflichteten“ schreiben, haben die anderen erst einmal nichts zu tun.

eine gruppe, die sich schon länger kennt und sich näher kennenlernen möchte, bietet dieses spiel die chance, aufeinander zu zu gehen. für andere gruppen wäre es nicht zu empfehlen, da sich schnell teilnehmerInnen unter druck gesetzt oder bloßgestellt fühlen können. außerdem benötigt es auf alle fälle spielleiterInnen, die wenn nötig, die grenzen zwischen spielerei und psychoterror ziehen können. aber dann kann es verdammt viel spaß machen.

selbstbefragung (41) – lüge

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „lüge„.

  • welches war ihre letzte lüge? war sie berechtigt oder überflüssig? beschreiben sie.
  • was glauben sie, wer sie in letzter zeit am meisten belogen hat? warum lassen sie sich das gefallen?
  • wann lügen sie in einer beziehung?
  • möchten sie immer die wahrheit wissen? begründen sie.
  • welche ihrer lügen hatte die kürzesten beine?
  • welche lüge haben sie vollständig in ihr leben integriert? keine? sind sie heilig gesprochen?
  • welche lüge werden sie nie akzeptieren? warum?
  • welcher mensch ist bis heute am ehrlichsten zu ihnen gewesen? sind sie ihm dankbar dafür?
  • welche lüge hat sie am meisten verletzt? beschreiben sie.
  • wie ehrlich sind sie sich selbst gegenüber?

selbstbefragung (30) – verdrängung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „verdrängung„.

  • was können sie schwer verdrängen?
  • wann haben sie verdrängung in ihrem leben als sehr hilfreich empfunden?
  • glauben sie, dass sie noch etwas verdrängt haben, das ihnen nicht bewusst ist? in welche richtung könnte dies gehen?
  • ist verdrängung in ihren augen eher nützlich oder eher schädlich? begründen sie.
  • welchem menschen in ihrem umfeld würden sie gern mal die augen öffnen? und warum haben sie es bis jetzt nicht getan?
  • was verdrängen in ihren augen zur zeit die gesellschaften auf dieser welt am meisten oder stärksten?
  • wem in ihrer umgebung würden sie gern ihr leben beichten?
  • was gäbe es denn dann zu beichten?
  • würden sie jemals im fernsehen eine lebensbeichte ablegen wollen? warum?
  • wodurch lässt sich bei ihnen verdrängtes zum vorschein bringen? wollen sie dies überhaupt?

biografisches schreiben und lebenslügen

jeder mensch hat seine geheimnisse, die niemand anderes kennt. daran ist nichts verwerfliches oder problematisches, nein sie sind teil der eigenen identität. schwieriger wird es aber mit so genannten „lebenslügen“. sie bedeuten, dass nach außen, anderen menschen gegenüber etwas vorgegaukelt wird, eventuell sogar sich selber gegenüber, was nicht der eigenen einstellung und manchen eigenen handlungen entspricht. lebenslügen sind oft gekoppelt an die doppelmoral.

beim biografischen, also der aufschlüsselung der eigenen lebensgeschichte, lässt es sich kaum vermeiden, mit seinen eigenen lebenslügen konfrontiert zu  werden. hier besteht zumindest die selten gelegenheit, sie sich vor augen zu führen und zu notieren. das bedeutet nicht, dass sie in die eigene biografie, die veröffentlicht oder anderen zugänglich gemacht werden soll, einfließen müssen. doch die chance, einmal genauer hinzuschauen, wo man anderen oder sich selbst unrecht getan hat, sollte nicht ungenutzt an einem vorüberziehen.

wenn man so etwas wie hier oben schreibt, muss man aufpassen, dass dies nicht nach einem generalverdacht klingt. menschen neigen nicht selten dazu, wenn sie einmal mit der suche nach „wahrheiten“ anfangen, gleich das kind mit dem bade auszuschütten. nicht jeder mensch trägt dinge mit sich herum, die unbedingt offen gelegt werden sollten. nicht überall versteckt sich eine lebenslüge. hier ist auch etwas toleranz sich selbst gegenüber gefordert. es gab im leben eines menschen viele gute gründe für das jeweilige verhalten. oder man rutschte in eine haltung, die man schwer vor sich aufrecht erhalten konnte, man vertrat sie aber weiter.

das biografische schreiben bietet in diesem moment die möglichkeit von ausführlichen analysen der gründe und aufschlüsselungen der haltungen. dies kann einem selber zugute kommen, indem man anderen eine begründung offerieren oder sich bei ihnen entschuldigen kann. dieser aspekt des biografischen schreibens ist eigentlich ein angenehmer, da er befreiende Wirkung haben kann. denn eines ist allen lebenslügen gemein, sie sind sehr anstrengend.