Schlagwort-Archive: wein

wortklauberei (83)

„dumpf-muffiger fehlton“

wieder etwas dazugelernt. es war einmal, dass man sagte „der wein hat korken“, wenn sich beim genuss des gekelterten getränks ein seltsamer geschmack durchschlich und den genuss beeinträchtigte. wie mich des nächtens eines wissenssendung aufklärte nennt diesen geschmack und geruch der weinwissenschaftler einen „dumpf-muffigen fehlton„.

denn es ist anscheinend nicht der korken, der diesen geschmack verursacht, sondern ein schimmelpilz in den weinherstellungsräumen, der einen stoff tca produziert, den man auch „mufftonsubstanz“ nennen kann. ich bin begeistert von dieser wortwahl. ein muff ist ja eigentlich so ein handwärmer, ein kleidungsstück meist aus pelz in röhrenartiger form. wahrscheinlich kommt dann der begriff muffig daher, dass der muff hauptsächlich von älteren damen mit schwitzigen händchen verwendet wurde und wird. früher nannte man wohl muffig auch mefitisch.

aber ein „dumpf-mefitischer fehlton“ kommt längst nicht so gut. es ist das zusammenspiel von „mpf“ mit dem „u“, der dem ganzen so einen nekrophilen beigeschmack gibt. stellen sie sich die ausweitung der beschreibung vor: auch bei farben könnte man von einem „dumpf-muffigen fehlton“ sprechen, wenn man dunkel-beige oder ein tristes grau meint (obwohl uns loriot, was die grautöne betrifft, eigentlich eines besseren belehrt hat – na gut, nehme ich ein tristes braun). oder nehme man die literatur: welches buch erzeugt einen „dumpf-muffigen fehlton“? wortmeldungen werden hier gern veröffentlicht. musik: wie klingt der „dumpf-muffige fehlton“? gruftig!

neben „keck“ wird „dumpf-muffig“ mein zweite lieblingswort werden. es sollte nie aus dem wortschatz verschwinden und der beschreibung männerbündischer langeweile immer angehängt werden, war es doch mal dumpf-muffig unter den talaren 😉

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schreibidee (306)

wenn es dann hier schon die ganze zeit um das trinken geht, dann kann man dies auch in einer schreibidee aufgreifen. betrachtet man allein, welche getränke einzelne gesellschaften und kulturräume wie verwenden, dann ergeben sich unterschiede, die mit landschaften, soziologie und kulturellen traditionen bzw. der historie zu tun haben. und so ist neben frankreich, deutschland eines der traditionellen wein-länder. hier soll eine schreibanregung zur „weinprobe“ gegeben werden.

bevor schreibgruppenleiterInnen eine weinprobe als schreibanlass durchführen, sollten sie im vorfeld die gruppe fragen, ob es interesse gibt und direkt nachfragen, ob sich zum beispiel trockene alkoholiker unter den teilnehmerInnen befinden. man kann alternativ auch tee-verköstigungen oder mineralwasser-proben in der schreibgruppe durchführen. sind alle teilnehmerInnen interessiert und einverstanden, kann es losgehen.

zum einstieg in das thema, kann dieses mal eine selbstbefragung zum thema „wein trinken“ stehen. wann trinken die schreibenden wein? trinken sie überhaupt wein? sind sie weinkennerInnen? am besten verteilt man einen kleinen fragebogen, der von allen ausgefüllt und behalten wird. anschließend sollte noch ein cluster zum thema wein erstellt werden. daraus entsteht eine kurze, maximal drei seiten lange geschichte, die in der schreibgruppe ohne feedbackrunde vorgetragen wird.

dann kommt es zur eigentlichen weinprobe. entweder wird sie von den schreibgruppenleiterInnen selber durchgeführt oder die gruppe hat sich jemanden eingeladen, fährt in einen weinberg und führt so eine weinprobe durch. während der weinprobe werden notizen gemacht. zu den weinen, zum ablauf, alles, was einem bei der durchführung in den sinn kommt. zusätzlich anregend kann es sein, vor der weinprobe noch einen geschichtlichen abriss über die historie des weines zu geben.

anschließend wird eine längere geschichte zur weinprobe geschrieben. in der geschichte sollte auf alle fälle eine weinprobe stattfinden, alle anderen abläufe sind den schreibgruppenteilnehmerInnen freigestellt. danach werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt. diese kann man dann in eine gemütliche weintrinkende runde übergehen und das schreibgruppentreffen damit ausklingen lassen.