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kreatives schreiben und kuschelig

seltsam, aber wenn man genau hinschaut, dann interessieren die leserInnen weniger wohlfühl-texte als texte, die brüche, kraftvolles und konflikte vermitteln. da wird gekämpft, intrigiert, gestritten, gelogen oder in einem ganzen genre gemordet. anscheinend lesen menschen lieber über die abgründe denn über harmonische und kuschelige momente. gut, es darf ein happy-end geben, aber davor müssen sich viele hürden befinden.

so scheint das kreative schreiben, in einem zwiespalt zu stecken: auf der einen seite möchte es gern die positive einstellung eines menschen fördern, seine kreativität verstärken und befördern, auf der anderen seite fließt persönliches ein und dazu gehören oft eher die unangenehmen momente. kuschelige texte befinden sich meist auf der schwelle zum kitsch (diese form der literatur und des schreibens gibt es natürlich auch), vor allen dingen langweilen sie aber oft.

was hat man von einem text, der über seiten beschreibt, wie zwei menschen gemeinsam inniglich in den sonnenuntergang schauen und feststellen, wie gut sie sich verstehen, wie ähnlich ihre haltungen sind. das beruhigt nicht als leser, sondern führt vielen zu sehr das vor augen, was sie bis dahin nicht erlebt haben und wahrscheinlich auch nicht erleben werden. vielleicht ist kuscheln gar kein lebensinhalt. vielleicht ist es nur eine form der intimität, die niedergeschrieben eher befremdet.

doch warum ist dies beim schreiben so anders im gegensatz zu der gesamten wellness- und entspannungs-bewegung? warum dem täglichen stress noch einen drauf setzen, indem man ein problematisierendes und angespanntes buch liest, texte mit vielen Weiterlesen

biografisches schreiben und körperkult

lebensbedingungen haben einfluss auf moden, aber auch auf den umgang mit dem eigenen körper. je nachdem, wie sich gesellschaften entwickeln, entwickelt sich auch der umgang mit dem eigenen körper. „gesundheit“ ist inzwischen zu einem regelrechten industriezweig geworden, der den bürger versorgt, hegt und pflegt. dazu gehören die fitnessgruppen, die sportstudios oder die wellness-farmen.

doch wie geht der einzelne mensch nun mit seinem körper um? haben sich die gesellschaftlichen normen schon im eigenen bewusstsein verankert? fragen, die im zusammenhang mit der eigenen biografie oder lebensgeschichte eine große rolle spielen können. gibt es zum beispiel im laufe des lebens körperliche einschränkungen, die einen zwingen, seine gesamten verhaltensweisen zu verändern? hier spielt nicht nur der blick auf die eigene körperliche verfassung eine rolle, sondern auch die frage, inwieweit man sich generell wohl fühlte oder fühlt in seinem körper.

um sich diesem thema anzunähern, kann man zum beispiel eine liste erstellen, was einem am eigenen körper gefällt und was nicht. vielleicht kann man auch notieren, was anderen am eigenen körper gefällt und was nicht. und dann wäre zu betrachten, wann man welche körperlichen einschränkungen erfahren hat. wann fühlte man sich den körperlichen reaktionen aufgrund von krankheiten ohnmächtig ausgeliefert und wie fühlte sich das an? vor allen dingen stellt sich die frage wie groß der einfluss der körperlichen verfasstheit auf die eigene lebensgeschichte ist.

was für eine musik hätte beethoven zum beispiel geschrieben, wenn er nicht im laufe der zeit taub geworden wäre? oder wie gestaltet man sein leben, wenn die bewegung stark eingeschränkt ist? muss man die grenzen seines körpers erfahren oder steigert man sich gern in kleine störungen hinein?
denn eines ist sicher, viele menschen gehen nicht sehr gut mit sich selber um. der mittelweg zwischen zu viel oder zu wenig aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen körper wird selten beschritten.

schreibidee (73)

wie hier schon häufiger erwähnt ist es draußen kälter geworden. wahrscheinlich erwähne ich dies deshalb so häufig, da ich dieses jahr die erfindung der jahreszeiten doof finde. nun denn, bei der kälte jedenfalls lässt es sich schwer mit schreibgruppen draußen schreiben, die finger werden schnell klamm. also ist zu überlegen, welche orte aufgesucht werden können, um außergewöhnliche schreibanregungen zu erhalten.

eine möglichkeit besteht darin, gemeinsam „wellness-texte“ zu verfassen. dazu müsste die schreibgruppe bereit sein, in eine wellness-einrichtung zu gehen. so könnte man gemeinsam eine sauna besuchen, anschließend eine massage bekommen und vielleicht noch in ein thermalbad oder einen whirlpool gehen. während dieser diversen anwendungen wird oft nicht so viel gesprochen, sondern der einwirkungen der äußeren umstände auf den körper raum gegeben. sinnvoll kann es sein, die in diesem zeitraum aufkommenden gedanken zu notieren. um dann gemeinsam im ruheraum texte zu den gedanken und assoziationen zu verfassen. denn es wird schwierig, während man schwitzt oder massiert wird, texte zu notieren.

die teilnehmerInnen der schreibgruppe können sich zum beispiel zum schluss in einem whirlpool treffen und sich gegenseitig ihre texte vorstellen und ein feedback geben. da wellness-anwendungen auch immer einen meditativen aspekt haben, ist es wahrscheinlich, dass persönliche texte, die sich teilweise mit dem körperempfinden auseinandersetzen, entstehen. und neben dem schreiben tut man sich auch noch etwas gutes. 😮

wortklauberei (5)

„wellness“

ein wort, wie ein gefühl, nur seltsamerweise mit skurriler aussage. als erstes kann man damit „fitness“ oder „loch ness“ assoziieren. doch wellness ist inzwischen so gebräuchlich, dass man vom wohlfühlen überhaupt nicht mehr spricht. nur leider bedeutet die direkte übersetzung „gutheit“, „verbesserung“ nur leider nicht von was. gebräuchlich ist es natürlich in bezug auf die gesundheit und die mentale verfassung. die frage bleibt, wer den maßstab für diese befindlichkeit setzt.

denn sich gut zu fühlen ist eine sehr subjektive angelegenheit und deshalb auch sehr verschieden bei den menschen. besetzt wird der begriff aber vor allen dingen mit entspannungsanwendungen. so sind im wellness-urlaub vor allen dingen massagen, moorbäder, schlafen im heu, entspannungsübungen und fitnesstrainings angesagt. doch mensch könnte auch den besuch der kneipe, den konsum von drogen oder das mehrgängige essen als wellness empfinden. schön wäre es, dies auch so auszudrücken, doch hier sei der sorgende gesundheitssektor vor. mensch wird angehalten sich „vernünftig“ um sich zu sorgen. früher nannte man vieles, was heute wellness ist, einfach „kur“. und die kur wurde klar vom urlaub getrennt. der wellness-urlaub drückt die verlagerung der sorge um die befindlichkeit des arbeitnehmers in das private leben. es wird nicht mehr nach den ursachen des stresses gefragt, sondern nur noch vermittelt, dass es dem menschen besser gehen wird, wenn er sich der „wellness“ hingibt. interessant wäre die frage, was dann „worseness“ sein könnte.