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schreibidee (362)

an einem feiertag wie heute darf es auch einmal ein wenig mehr sein. die meisten schreibideen widmen sich anregungen aus dem alltag, greifen emotionen auf oder kombinieren schreibtechniken mit gegenständen. doch heute soll es um weltliteratur gehen. eine ebenso schlichte wie niveauvolle idee. eine schreibanregung, die nicht weniger will als „literatur vollenden“.

man nehme eine schreibgruppe, dann ein buch der bekannteren art und davon den ersten abschnitt (also etwas mehr als den ersten satz). nun verteile man an alle teilnehmerInnen eine kopie des ersten abschnitts und fordere sie auf, weiterzuschreiben. dabei ist darauf zu achten, dass möglichst nicht viele verschiedene personen in dem abschnitt eingeführt werden. es dürfen von den teilnehmerInnen gern jeweils drei seitengeschrieben werden. anschließend werden die texte vorgetragen, es gibt eine kleine feedbackrunde, in der zum abschluss geraten wird, von welchem autor der erste abschnitt sein könnte. und die schreibgruppenleitung trägt die ersten seiten des buches vor.

im anschluss wird eine schreibanregung durchgeführt, bei der erst einmal gelesen werden muss. die schreibgruppenleitung verteilt eine kurzgeschichte von einem weltberühmten autor, einer berühmten autorin. die letzten drei seiten der geschichte fehlen. nun soll die geschichte von den teilnehmerInnen vollendet werden. auch hier dürfen wieder ungefähr drei seiten geschrieben werden. und auch hier wird im vorfeld nicht verraten von wem die geschichte ist. anschließend werden die abschlüsse der story vorgetragen, es gibt diesmal keine feedbackrunde und es kann geraten werden, wer das werk verfasst hat. die gruppenleitung trägt den schluss der autorin, des autors vor.

ähnliche übungen kann man mit lyrik und aphorismen machen. man sollte als gruppenleitung darauf achten, dass die werke nicht zu bekannt sind, da es sonst den teilnehmerInnen schwer fallen könnte, den text zu ergänzen.

sollte zum abschluss noch zeit vorhanden sein, dann kann auch noch die übung „schreiben wie …“ durchgeführt werden. dazu wird ein kurzer romananfang oder eine kurzgeschichte an alle teilnehmerInnen verteilt und es wird von allen versucht, einen im ausdruck ähnlichen text zu verfassen.

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literatur und geschmack

 

schon die literaturkritik zeigt, dass dasselbe buch, dieselbe geschichte sehr verschieden wahrgenommen werden kann. es gibt keine objektive literaturkritik, es kann sie gar nicht geben. selbst wenn germanistik und literaturwissenschaften versuchen hintergründe und stile aufzuschlüsseln und wenn behauptet wird, es gäbe einen kanon der wichtigen, „richtigen“ literatur, wird es sich nicht herumsprechen. wie bei allen medien und künsten sind die geschmäcker verschieden.

das muss aber kein nachteil sein. in einem gut ausgestatteten buchladen wird auch noch heute eine bandbreite an literatur angeboten, die reichhaltiger nicht sein kann. auch wenn die großen verlage den markt beherrschen, finden sich doch oft genug nischen, um kleine werke zu platzieren. das ist ein angebot, das nicht zu unterschätzen ist, zeigt es doch, dass der mensch sehr wohl wählt, was er mag. ob nun der unterhaltungsliteratur-krimi gern gelesen wird oder der abenteuerroman, wenige menschen beharren darauf nur ernste weltliteratur zu verköstigen.

hier kann man sicherlich parallelen zum fernsehkonsum oder zum surfen im internet ziehen. da zeigt sich nämlich, dass vor allen dingen auch das bildungsbürgertum, soweit es noch existent ist, gern einmal zur fernbedienung greift und genau das anschaut, das er marcel reich-ranicki so verteufelt hat.

unterhaltung muss nicht immer ein hohes niveau haben, um zu unterhalten. manchmal geht es auch um die sinnfreiere entspannung, die eine unterbrechung in einem verantwortungs“vollen“ leben darstellt.

so stellt sich die frage, inwieweit sich über geschmack streiten lässt? Weiterlesen