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25 schriftliche gedankenpakete zum umgang mit dem computer

mein computer und ich“ – wie sich in diskussionen und befragungen zeigt, baut der mensch eine außergewöhnliche bindung zu seinem digitalen schreibwerkzeug auf. ja, man könnte sie persönlich nennen. viel seltener wird dies bei bleistiften oder füllern gemacht, niemand sagt, „mein kugelschreiber und ich“. darum schien es mir sinnvoll, ein wenig genauer hinter die mechanismen der digitalen und virtuellen welt zu blicken.

was macht der computer mit uns und was machen wir mit dem computer? wer steckt eigentlich hinter den digitalen weiten des internet und welche ziele werden verfolgt? warum ist das netz so wie es ist und warum kostet der computer so viel zeit wie wir zu seiner bedienung benötigen? und vor allen dingen, was machen wir jetzt mit dem ganzen angebot?

so entstand die rubrik „mein computer und ich – eine umgangslehre“, die hiermit erst einmal beendet werden soll. sicherlich werden sich beständig neue aspekte des digitalen lebens offenbaren. dann wird es auch eine fortsetzung der gedankenpäckchen geben. doch nun seien sie hier erst einmal gebündelt präsentiert – zum begriffe anklicken und nachlesen:

bedeutung

werkzeug

gesellschaft

technische neuerungen

software

open source

takt

schreiben

emotionen

kaufzwang

copy & paste

automatismen

internet

politik

ökologie

lernen und lehren

fehler

soziale gerechtigkeit

lust

geschwindigkeit

denken

aufmerksamkeit

anleitung

netzwerk

entwicklungen und schluss

Werbeanzeigen

mein computer und ich – eine umgangslehre (25)

entwicklungen und schluss

seit oktober 2011 habe ich hier eine nabelschau der digitalen art betrieben. ich habe versucht, unterschiedliche aspekte der nutzung von computer und internet zu thematisieren. denn die digitale welt hat unser arbeiten und unser leben in den letzten jahren stark verändert, selbst wenn wir uns standhaft weigern, einen computer zu nutzen. wie findet man den eigenen angemessen umgang mit den anforderungen der virtuellen und elektronischen welt? diese gedanken sind erst einmal ausgeschöpft und heute endet diese serie.

zum abschluss möchte ich noch einmal einen blick in die zukunft werfen. am auffälligsten ist dabei die entwicklung des handys zum smartphone, also inzwischen zum kleinen taschencomputer, der mit sich herumgetragen wird. und so ist die abhängigkeit von den funktionen dieses kleinen digitalen gerätes bei vielen menschen enorm. man betrachte nur die immer öfter auftauchende gebeugte haltung im alltagsbild, die den fussgänger, die autofahrerin oder die nutzerInnen des nahverkehrs als besitzerInnen eines smartphones ausweist.

diese entwicklung wird sicherlich noch eine zeitlang eine weitere steigerung erfahren. aber man stellt inzwischen fest, dass manche menschen wieder die abkehr vom zwang der geräte erproben. nachdem sie irgendwann selber feststellten, dass sie alle fünf sekunden auf das display blicken, da es sein könnte, dass sich jemand gemeldet hat oder neueste nachrichten eingetroffen sind.

doch menschen merken, dass ihre persönliche und authentische kommunikation unter den aufmerksamkeitsunterbrechungen leiden. und manch einer fängt selber an zu leiden: es gibt keine ruhe, keine pausen mehr. es ist kaum auszuhalten, wenn das smartphone nicht mehr zur verfügung steht. dies wird kein dauerzustand bis in die zukunft bleiben. die suche nach dem stressabbau wird sich in den nächsten jahren verstärken und die digitalen geräte werden bestimmt selbstbewusster eingesetzt werden.

schwer aufzuholen bleibt der vorsprung jüngerer generationen bei der nutzung neuester technik im gegensatz zur älteren generationen. immer noch sind viel zu viele menschen nicht darauf vorbereitet, die technik effektiv für sich nutzen. immer noch sitzen zu viele menschen zu frustriert vor dem computer. aber auch hierbei wird das internet seine kraft entfalten. denn die user werden kritischer. sie formulieren es immer öfter und klarer, dass manche technische neuerung unter einer schlechten usability leidet.

die kritische haltung ist vor allen dingen im zusammenhang mit dem datenschutz schon jetzt zu verpüren. die menschen werden sensibler, wenn es um ihre privatspäre im netz geht und sie setzen sich zur wehr. darum werden mit großer wahrscheinlichkeit viele horrorszenarien doch nicht eintreten, da sie von mündigen usern verhindert werden. auch die teilweise erpresserische haltung Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (20)

geschwindigkeit

ja, manches läuft schneller ab mit dem computer. das macht ihn auch so attraktiv, dass man nicht mehr texte mit der schere und dem klebestift überarbeiten muss, dass man nicht mehr das fünfte mal eine matritze betippen muss, damit man fehlerfreie abzüge machen kann, dass man nicht stundenlang im fotolabor stehen muss, um ein bild zu bearbeiten.

und ja, die kommunikation über den computer und das internet verläuft oft beinahe in echtzeit. doch jede/r kennt die situation, dass mails doch nicht so schnell ankommen, wie die anbieter suggerieren oder die übertragungsrate bei skype das gesprochene sehr zerhackt. eigentlich ist das netz heute schon regelmäßig überfordert, gestört und in manchen regionen überhaupt noch nicht nutzbar. dass vieles so rund läuft, hat nur damit zu tun, dass das web 2.0 die eigentlichen datenübertragungen reduziert hat, dass die komprimierung von dateien ständig voranschreitet und deren größe bei beinahe gleicher qualität geringer ist.

der wichtigste aspekt bei der frage nach der geschwindigkeit der computer ist meiner ansicht nach der autosuggestive oder suggerierte moment. viele menschen stöhnen darüber, dass sich ihr leben beschleunigt und nennen im gleichen atemzug den technischen fortschritt. als lösung sehen sie die distanzierung von der digitalen welt an. und sie wundern sich, dass ihr leben danach auch nicht langsamer wird. also stürzen sie sich auf tipps zum zeitmanagement, zum selbstcoaching und zu mehr gelassenheit, aber irgendwie will das alles nicht so richtig klappen.

der computer ist eigentlich nur ein werkzeug. ein werkzeug, das manche arbeitsschritte vereinfacht und schneller erledigt. die eigentliche geschwindigkeit des alltags entsteht aber aus der form der nutzung des werkzeugs und die krux daran ist ein ganz anderer aspekt. angefangen hat es mit der produktionsform „just-in-time“. es wird alles vorrätig gehalten, um einen differenzierten produktionsprozess jederzeit durchführen zu können, wenn die nachfrage signalisiert wird. das heisst zum beispiel: heute ein buch bestellt und morgen wird es an der haustür ausgeliefert. diese form der logistik und vorratshaltung hat sich inzwischen längst in alle arbeitsbereiche übertragen und im privatleben verankert.

zu „just-in-time“ gehört die verfügbarkeit rund um die uhr. diese verfügbarkeit ist erst mit den modernen kommunikationsmitteln möglich geworden, mit dem computer (und dem handy, das inzwischen ein kleiner computer ist). der computer wird also während der wachphasen in unserem leben am körper getragen, um jederzeit auf anliegen, fragen und aufträge (auch im privaten) reagieren zu können. wer dem nicht folgt, der hat Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (09)

emotionen

in diesem abschnitt der betrachtungen zum computer, komme ich dem titel der reihe besonders nahe: „mein computer und ich“ signalisiert schon einen bezug, der über die nutzung eines werkzeugs oder eines dings hinausgeht. so wie es scheint, entsteht ein emotionaler bezug zu dem werkzeug des schreibens, surfens und kommunizierens.

ein grund mag in der multimedialität des computers liegen. er ist inzwischen die schaltstelle vieler lebensbereiche und deckt etliche werkzeuge gleichzeitig ab. verschwindet ein computer (also fällt der strom aus oder gibt die festplatte den geist auf), scheint dies schlimmer zu sein, als der ausfall des kühlschranks.

und noch eine tatsache macht den kontakt zum computer so emotional, ja beinahe menschlich: der computer deckt viele bereiche unserer sozialen interaktion ab. wie die geschichte von kaspar hauser zeigte, benötigen wir diese interaktion zum überleben. neben der direkten, realen kommunikation machte die einführung des internets ein weiteres virtuelles feld der kontakte auf, das inzwischen zum alltag gehört und in das sich vieles aus der realen welt verlagert.

ein letzter aspekt der emotionen ist die undurchschaubarkeit der rechenprozesse im hintergrund. schon der bildschirm eines computers, die nutzeroberfläche suggeriert einen schreibtisch, aktenordner oder ein blatt papier. auch ohne internet bewege ich mich in einer virtuellen welt, die der computer generiert. ich arbeite an der oberfläche im wahrsten sinne des wortes und nicht direkt mit der festplatte, in die ich informationen kratze oder mit kleinen schaltern, die ich an und aus schalte. diese distanz zwischen werkzeug und benutzer erhöht das gefühl von ohnmacht, wenn etwas geschieht, das ich nicht steuern kann und das ich nicht wollte.

und so muss die maschine als stellvertreter für kollegInnen, für mitmenschen und teils für beziehungspartner herhalten. dabei kann es dann zu ähnlichen konflikten kommen, wie sie im realen leben auch stattfinden. es ist schwer sich dieser vorstellung zu entziehen und es wird immer schwerer, je mehr tätigkeiten computer übernehmen können.

wird zum beispiel der haushalt zu großen teilen vom computer gesteuert (ein ziel vieler neuer entwicklungen) und der computer ist für die müllentsorgung zuständig, erledigt das aber nicht korrekt, dann bekommt er die rolle anderer menschen, die nie den müll rausbringen. sich in diesem moment zurückzunehmen und sich zu sagen, dass die maschine einen defekt hat, also einfach nur repariert werden muss, fällt sichtlich schwer. denn es sind alltäglichkeiten, die Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (08)

schreiben

in erster linie diente der computer einmal dem rechnen und dem schreiben, also den grundformen der lebensbewältigung in modernen zeiten. inzwischen leisten pc und konsorten noch ganz andere dinge. sie entziffern gesagtes, gleichen musik mit datenbanken ab, fotografieren, filmen, malen und dergleichen mehr, je nachdem, was die userInnen wünschen. das kann spaß machen, doch eigentlich soll er erst einmal nur schreiben. es ist auch egal, ob es sich dabei um post (mails), geschichten (textverarbeitung) oder programmierungen (texteditor) handelt. ich gebe etwas ein und das ding bildet es ab, um es dann zu drucken, zu versenden oder zu speichern.

aber so einfach ist das heute nicht mehr. gern ist von vornherein die autokorrektur bei manchen geräten eingeschaltet. dies bedeutet, dass das ding nervtötend alle satzanfänge „groß“ schreiben möchte, dass es die anführungszeichen nach seinen regeln oben oder unten platziert, dass es fehler unterstreicht, dass es aus zeichenkombinationen neue zeichen generiert und dass es eine schrift und ein format vorgibt. möchte ich das nicht, dann muss ich erst einmal in die tiefen der einstellungen klettern, um die vorgaben zu verändern.

bei manchen textverarbeitungsprogrammen sind die tiefen inzwischen so tief, dass man gut und gerne stunden damit verbringen kann, alles abzuschalten, das man nicht möchte. natürlich, man kann auch eine neue vorlage (für das layout und schriftbild) wählen und erhält dadurch ein ganzes bündel an veränderungen. einfach drauflosschreiben is nich! selbst wenn man sich so weit durch seinen rechner gekämpft hat, etwas geschrieben hat, dann kann man nicht davon aussehen, dass es bei anderen auf dem computer ebenso aussieht. haben sie nicht das identische betriebssystem und die selben einstellungen, dann kann mein text zu einem datenungeheuer anwachsen, das nicht mehr zu entziffern ist.

bis heute ist es nicht gelungen, dass sich die länder mit den gleichen schriftzeichen auf eine standardvorlage für Weiterlesen

mein computer und ich – eine umgangslehre (02)

werkzeug

der computer ist wie ein schweizer taschenmesser: eigentlich gibt es für beinahe jede lebenslage ein kleines werkzeug, eine kleine app oder ein kleines programm. im vordergrund stehen die allumfassenden werkzeuge wie schreibprogramme („das messer“) oder tabellenkalkulationsprogramme („die schere“) … und noch manche andere „größere“ erweiterung.

ich als nutzer kann nun wählen, wozu ich den computer verwenden möchte. im gegensatz zum schweizer taschenmesser, kann ich etliche werkzeuge gleichzeitig verwenden, sie miteinander verbinden und einige handhabungen automatisieren. aber in letzter konsequenz bestimme immer ich, wofür ich welches werkzeug verwende.

der große unterschied zum schweizer taschenmesser besteht in der grundausstattung. das schweizer taschenmesser ist ein hilfswerkzeug. das bedeutet, es hat zwar ein messer, doch ein relativ kleines. so werde ich das taschenmesser eher selten zum schlachten oder kuchen schneiden verwenden, dafür gibt es andere werkzeuge, die größer sind. beim computer können die programme manchmal noch so klein sein, und doch können sie beinahe ganze berufszweige ersetzen. schaue man sich nur manche (kleinen) bildbearbeitungsprogramme an. im zusammenspiel mit einem drucker, kann man sein eigenes fotoentwicklungslabor aufbauen. mit der schere im schweizer taschenmesser kann ich aber keine schneiderei ersetzen.

somit erhält der computer als werkzeug eine dimension, die sonst kaum eine maschine in dieser vielfalt vereinen kann. die passenden peripheriegeräte und man hat ein fotostudio, ein grafikdesignbüro, ein schreibbüro, ein filmstudio, ein musikstudio, eine buchhaltung und eine bibliothek. nimmt man noch das internet dazu, erweitert sich das werkzeug zu einem nachrichtenstudio, einem buchverlag, einem vertrieb, einem einzelhandel und einem bankhaus.

das hat aber zur folge: je komplexer die werkzeuge werden, desto individueller werden sie eingesetzt. das schweizer taschenmesser ist zwar vielfältig, aber nicht sehr komplex. natürlich kann man mit einem taschenmesser auch eine schraube rausdrehen, aber ein schraubenzieher macht es meist einfacher. dagegen kann ein hochkomplexes bildbearbeitungsprogemm neben der entwicklung des bildes, der bearbeitung, Weiterlesen

web 2.0 und soziologie

interview mit sherry turkle auf der homepage der süddeutschen zeitung.
sherry turkle forscht seit jahren am MIT zu den gesellschaftlichen auswirkungen des internets und des web 2.0. es erscheint in den usa ein neues buch von ihr und sie führte im vorfeld eine menge interviews mit den nutzerInnen des webs. das ergebnis erstaunt nicht, aber es zeigt noch einmal auf, was geschehen müsste, damit das internet auch weiterhin für viele menschen attraktiv und interessant ist. denn was bisher viel zu wenig beleuchtet wird, das ist der widerstreit zwischen dem, als was uns das internet verkauft wird, und dem, wie wir die nutzung des netzes selber erleben.

sherry turkle bestätigt in ihrem interview, dass sich etliche menschen durch die formen der kommunikation im netz unter druck gesetzt fühlen. es ist aus ihrer sicht nicht eine automatische folge der technik, sondern eine frage, welchen umgang man mit der technik, mit dem werkzeug internet gelernt und erfahren hat. bei uns werden meist nur die technischen vorgehensweisen bei der verwendung des netzes vermittelt, vielleicht auch noch die rechtlichen grundlagen, aber viel zu selten wird aufgezeigt, wie meine eigenen (kommunikations)bedürfnisse auch befriedigt werden können. was passiert, wenn ich bestimmten trends nicht folge? verliere ich dann soziale kontakte? erscheinen mir die kontakte über das web 2.0 befriedigend? oder was muss ich anstellen, damit sie eine befriedigende form für mich annehmen?

turkle spricht mir aus dem herzen, wenn sie formuliert, dass sie die technik des netzes sehr schätzt, aber das gefühl hat (und sich durch ihre interviews auch darin bestätigt sieht), dass manche menschen die spannenden und interessanten seiten des internets für sich noch nicht entdecken konnten. und vor allen dingen, dass diese seiten auch kaum vermittelt werden. beim internet „lassen“ menschen zu sehr mit sich geschehen. um eine klare position zu dem medium einnehmen zu können, benötigt es anregungen und vermittlungen. es sollte ein bewusstsein für die eigenen anliegen in den vordergrund treten können, denn dann ist die digitale revolution wirklich eine zunahme an gesellschaftlicher teilhabe und eine form von weiteren freiheitsgraden.

ein diskussionswürdiges interview, das unter diesem link nachgelesen werden kann: http://www.sueddeutsche.de/digital/us-soziologin-sherry-turkle-ueber-das-digitale-zeitalter-ich-poste-also-bin-ich-1.1133783

biografisches schreiben und körper

wir stecken alle in einem körper fest, an dem wir gern rummäkeln, der an manchen stellen besser gestaltet sein könnte und doch funktioniert er phänomenal. irgendwie hat er etwas an sich wie die heutige autos. ist ein bereich nur einen hauch defekt, kann es sein, dass gleich das ganze system gestört ist und ein größerer eingriff notwendig wird. alles in unserem körper ist so aufeinander eingespielt, besser hätten es wir menschen nicht entwerfen können.

schreibt man seine lebensgeschichte auf, schreibt eigentlich unser körper die lebensgeschichte auf. unser gehirn erinnert sich, wir nehmen wahr, wir fassen es in worte, wir notieren es mit unseren gliedmaßen und kontrollieren mit unseren augen. stift und papier sind nur verlängerungen unseres körpers, wie beinahe alle werkzeuge. darum ist es einen blick wert, unseren körper selber einmal in das biografische schreiben einfließen zu lassen. welches verhältnis haben wir zu unserem körper? wie ist dieses verhältnis entstanden?

und wenn wir zurückblicken auf unser leben, dann blicken wir auch auf das funktionieren unseres körpers. wann hat er mal nicht funktioniert, wann sind wir krank geworden? wann hat er besonders angenehm funktioniert und wir hatten befriedigenden sex? was passierte in diesen momenten, was ging uns durch den kopf? und wie haben wir andere körper erlebt? können wir eigentlich unseren körper schätzen oder haben wir ihm immer wieder dinge angetan, die ihm nicht gut tun? und vor allen dingen, warum machten wir das?

es gibt so viele aspekte unseres körpers, die immer wieder unsere lebensgeschichte beeinflusst haben. zu oft versucht das gehirn, den körper als werkzeug zu nutzen, dabei ist er so viel mehr. vor allen dingen unsere sinne sind eigentlich erst die grundlage des gehirns, das deren reaktionen einordnet Weiterlesen

„die 50 werkzeuge für gutes schreiben“ von roy peter clark – ein buchtipp

das buch kommt als schlichter ratgeber daher. fünfzig kleine kapitel, in denen jeweils ein aspekt des interessanten, flüssigen und stilistisch angenehmen schreibens behandelt wird. roy peter clark hat in seinem buch „die 50 werkzeuge für gutes schreiben – handbuch für autoren, journalisten & texter“ viele beispiele aus literatur und journalismus zusammengetragen, an denen er seine vorgeschlagenen schreibtechniken oder -werkzeuge aufzeigt.

ja, eigentlich sind es keine werkzeuge, es sind kleine regeln (zum beispiel zum satzbau), es sind anordnungen (zum beispiel in der wörterfolge) oder es sind zeichensetzungen (wobei er mehr freiheiten gibt als die deutsche rechtschreibung). dabei geht es um den rhythmus eines textes. es geht um die lesbarkeit und darum, welche botschaft die wichtigste, die herausragendste ist. hauptziel der 50 werkzeuge ist es, den leserInnen unterhaltsames zu bieten. die menschen beim lesen der eigenen texte zu fesseln, damit sie den wunsch verspüren, weiterzulesen.

die vorschläge für gutes schreiben von roy peter clark sind leicht umzusetzen. und wie er es formuliert: sein buch hält für jede woche des jahres ein neues werkzeug bereit, zwei wochen habe man frei. man kann sich vielleicht auch täglich eines aneignen. sehr angenehm sind die im anschluss eines jeden „werkzeug“-kapitels vorgeschlagenen vier bis fünf übungen, die einem das eben gelesene noch einmal verdeutlichen sollen.

angenehm ist auch, dass der autor seine werkzeuge als möglichkeiten anbietet und nicht formuliert, dass man nicht anders schreiben dürfe. dadurch bleibt das spielerische beim schreiben erhalten. der schwerpunkt liegt dabei auf dem ausdruck des mitzuteilenden, nicht unbedingt auf der kreativität. dies sicherlich auch, da der autor aus der angloamerikanischen journalistenszene kommt. hilfreich sind seine tipps allemal, doch wenn man anders möchte, kann man sie auch jederzeit verwerfen. das buch ist im autorenhaus verlag in berlin 2009 erschienen. ISBN 978-3-86671-031-3

der schreibprozess und das handwerk

schreiben ist kreativ, ist intuitiv, ist taktil und ist eine form der kommunikation. aber schreiben ist auch ein handwerk. es gibt werkzeuge, die einem das schreiben ermöglichen (stift, tastatur oder meissel). dazu gibt es eine menge techniken. abseits der hier oft benannten kreativen techniken finden sich manche grundtechniken.

da ist zum einen die sprache. die sprache bietet ein abkommen in einer gesellschaft, um miteinander kommunizieren zu können. wenn ich „haus“ schreibe, wissen die meisten grob, was ich damit meine. gut, man stellt sich jeweils ein anderes haus vor, aber es handelt sich meist um ein gebäude mit vier seiten und einem dach. die sprache wird noch unterfüttert von der rechtschreibung und der grammatik. auch dies sind gesellschaftliche abkommen, die der lesbarkeit aber auch dem verständnis geschuldet sind. diese regeln kann man beim schreibprozess streng verfolgen, um einen korrekten ausdruck zu finden. doch gerade im rahmen der kreativität bietet sich viel spielraum. denn ausdrücken muss nicht so eindeutig sein, wie es gern von den strengen wächtern der sprache vermittelt wird. sprache und kommunikation entwickeln sich in gesellschaften beständig weiter, so wie auch die techniken in anderen handwerksberufen. dabei entstehen beim schreiben und reden dialekte oder auch neue ausdrucksformen. der schreibprozess bietet die möglichkeit, mit den techniken zu spielen. doch um dies zu machen, sollte man die techniken kennen. denn spiele ohne regeln werden schnell unverständlich.

neben grammatik und rechtschreibung finden sich dann noch eine menge techniken, hinweise und tipps zum stil. was klingt für das menschliche ohr gut, was liest sich flüssig und was scheint überflüssig. das schön am lesen und im vorfeld beim schreiben ist ja, dass es lust verursachen kann. also können techniken angewendet werden, um sowohl lustvoll zu schreiben (einer der schwerpunkte hier im blog) als auch lustvoll zu lesen (wenn das handwerk verstanden wurde und das ergebnis des schreibprozesses freude bereitet).

da die geschmäcker verschieden sind lassen sich schwer allgemeingültige techniken finden. so wie der eine gern einen handgeschmiedeten gartenzaun hat, der andere aber den hölzernen jägerzaun bevorzugt, so sind auch die lesegewohnheiten und -geschmäcker der menschen sehr verschieden. Weiterlesen

kreatives schreiben und der computer

der computer ist ein seltsames gerät. eigentlich schnurrt er vor sich hin, erfüllt alle aufgaben, die man ihm aufträgt und er wartet geduldig, bis die nächste aufgabe an ihn herangetragen wird. gekoppelt mit anderen geräten kann er drucken, surfen oder senden. doch er hinterlässt bei vielen von uns das gefühl, er sei eine maschine, die ein eigenleben führe. wie wenn er spüre, dass ein text besonders wichtig sei und um uns zu ärgern, hängt er sich just in diesem moment auf oder stürzt ab. abgesehen davon, dass dies in manchen betriebssystemen häufiger vorkommt als bei anderen, kann der computer eigentlich nichts dafür.

denn er ist ein werkzeug, wie der bleistift oder die schreibmaschine. so unverständlich es klingt, ist meist der mensch daran schuld, wenn daten verloren gehen. so hat entweder der programmierer mist gebaut oder der eingebende user hat das gerät überfordert. diese zwischenfälle können aber das kreative schreiben am computer zu einem ärgerlichen ereignis werden lassen. abseits der nutzungsmöglichkeiten des internets, ist dieses werkzeug ein wenig unhandlich. es kann nur als laptop transportiert werden und zwingt dazu, die entstandenen texte erst einmal auf einem bildschirm zu lesen.

aber der computer hat seine vorteile. so kann auf ihm, sollte das zehn-finger-schreibsystem beherrscht werden, schneller geschrieben werden, als mit der hand. texte können ohne große schmierereien verändert und korrigiert werden. das layouten kann ein druckfertiges wunderbares exemplar des eigenen textes vorbereiten. neben dem schreiben kann oft noch gleichzeitig im internet recherchiert werden. für schreibgruppen eignet sich das gerät eher weniger, schon da nach einer gewissen zeit die steckdosen, die den akku des laptops aufladen sollten, ausgehen. zum lesen drucken sich viele menschen weiterhin lieber den text auf dem papier aus, ebenso zum korrektur lesen, da die korrekturfunktionen als unbequem erlebt werden.

doch den kreativen prozessen steht am computer genauso wenig im wege wie bei einem blatt papier. fast alles, was auf dem papier entsteht, kann auch am computer entstehen. nur die handbewegungen sehen beim schreiben ein wenig anders aus. so fließt der text nicht aus den schwunghaften bewegungen des stiftes, sondern aus dem rhythmischen klackern der tastatur. und wenn es so heiß ist, wie zur zeit, dann kann der computer warm werden, das fällt dem stift schwerer.